Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1904)
- Date
- 1904-05-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651363--01317-2658162- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
*2, :״.V״*״־״,r^-ÄUatifl-r.x״ No. 21. Bericht über Nationalfond und Oelbaum- ' spenden. j ׳ Erstattet von Dr. Robert Hantke -Berlin. j Es sind vom 15. Mat 03 bis 15. Ma' 04 für der» National-! fond aus Deutschland ca. Mk.!3(100 oingegangen, für Oeli bäume ca. M. 600. l>ie Sammlung für Kischinew & Homnicl, soweit sie durch die Jiid*sche Rundschau geleitet wurde, ergab Mk. 65UU. Es wurden int ganzen 15 zaristische Institutionen und um den Zionismus verdiente Persönlichker.en in das 0״ o Ide ne Buch" eingetragen. Ausserdem werden noch 29 Konti, Eintragungen in das Goldene Buch betreffend, geführt. Nationalfondmarken wurden für־ M. 300 verkauft. Referent moniert, dass Eintragungen in das ״Goldene Buch" angeiangen werden, ohne dass eine Garantie oder zum mindesten eine Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, dass der Versuch der Eintragung auch zum Ziel fuhrt. Es muss mehr denn früher darauf gesehen werden, dass die Eintragungen n das ..Goldene Buch" der Wichtigkeit der Institution entsprechend behandelt werden. Von den ciugegangenen Spenden fallen auf die ersten 4 Monate des Berichtsjahres nur etwa M. 41X0; es beruht dies auf den gleichzo't’g iimaugicrten Sammlungen für die Unglückliehen in Kischinew. hinter denen lumirjich die Sammlungen für den Nationalfond zurücktreten mussten. Empfehlenswert wäre es, wenn die elminen Ortsgruppen die Beträge längere Ze't sammeln, bevor s'e sie an die Zentrale senden. Ausserdem ist es wünschenswert, dass die abzudruckenden Begleit- Worte möglichst prägnant und kurz abgefasst werden, da die ״Rundscliau" nicht dazu da ist, m» Rahmen der Nationationdquittungen grossere, mehr oder weniger berechtigte Ergüsse der Einsender wiederzugeben. RefercGt gibt nun versch'edcne Anregungen zur Propagerung der Nationalfondidcc. Er zeigt ״eine von der Wiener Zentrale übersandte Nationalfondbüclisc , vor. Es sollen von der Berliner Zentrale an die einzelne»! Ortsgruppen Nationalfondbüchsen verteilt werden, uüter deren Verantwortung dann die Büchsen an die einzelnen Zionisten weitergegeben werden sollen. Sie werden zweimal im Jahre gesammelt, geleert und dann m der ״Rundschau" quittiert. Ausserdem gibt Referent die von W »e n übersandten ״Sammelbagen" herum, olwe dass er sch fcdoch allzuviel Erfolg hiervon verspricht Er fordert die Delegierten auf. in ihren Ortsgruppen für die Nationalfondbüchsen zu agitieren. Der Schekel. Referat von Assessor D r. S. Grone man 11. Unsere Zeit liebt die Schlagworte. Ein prägnanter, wohlgeschliffener Ausdruck kann oft mehr zur Popularisierung eines Gedankens beitragen, als tausend Broschüren voll ticisinniger Abhandlungen. ־-- und das trifft zu, ob es sich nun um eine neue philantropische Idee, eine epochemachende Erfindung oder ein neues Haarfärbemittel handelt. — So geschmacklos und abstossend es nun den gebildeten Menschen berühren muss, wenn hinter einem volltönenden klassichen Namen sich schlicsslieh nichts anderes verbirgt, als ein kosmetisches Hilfsmittel. — und so lächerlich es ist. wenn die Gestalten Homers und die Harnen der Weltgeschichte herangezogen werden, um Zahnpulver und Toilettenseife zu vertreiben. — so vorzüglich an seinem Platze erscheint uns ein Schlagwort unter gewissen Umständen. Es kann ein solches Wort als Parole und Proeramm ausgegeben sein. — es kann das Wort sich durch die Erinnerungen, die es weckt, die Gefühle, die es auslöst, schöpferisch tätig sein. — es kann der Name an sich ein Versprechen, eine Verheissiing darstellen, - — der Name kam» selbst schon ein flammender Aufruf sein. Wer sich zu dem Worte bekennt, hat begonnen, zu handeln. — Doppelt gefiihrlieh aber ist es, ein solches verheissendes inhaltsreiches Wort zu prägen. — dann aber nur noch das Wort zu behalten und seinen- Inhalt zu vergessen und so es vor seiner historischen Bedeutung zu der Bedeutung eines Reklamewcrtes lierabzustürzen. Es war eine der glücklichsten Ideen der Schöpfer unserer Organisation, die uralte Einrichtung des Schekels zu erneuern und ZU( Grundlage ynscres neuen Gemeinwesens zu machen. In dem Worte ״Schekel־* liegt Tradition, — liegt Geschichte. Es erinnert uns an die Zeiten jener ersten grossen Wüstenwanderung unseres Volkes.— möge die jetzige die letzte sein, — da Moses unbeirrt dem Volle vorausschritt, — jenem Haufen kaum befreiter Sklaven, die den erhabenen Gedanken der Gotteseinheit wie der Volkseinheit noch kaum zu iasscu vermochten, ~ da die einen sich zuriickselmten nach den Eleischtöpfen der Sklaverei, während die andern» sich weigerten, den von» Schicksal bestimmten Umweg durch die Wüste anzutreten, — an eine Zeit, die der unseren, was unseres V'olkcs Arbeit und Sinnesart anlangt, so sehr gleicht. — Und damals erhob Moses den Sehekel. Jeder, der sich nicht von seinem Volke trennen wollte, — nicht von den Töchtern Moahs sich verlocken und nicht von den Pfeilen Amalcks sich erschrecken licss, — der nicht die Schrecken der Wtfstenwanderung scheute, und nicht das Vertrauen auf die Verhcissung verlor, ־- jeder, der mitmarschieren wollte und mitkämpfei; wollte für das gelobte Land, — entrichtete eine mässige Spende, eine Kopfsteuer. Es war das nicht ein blosses Hingeben von Geld, »א lag darin das Hingeben der Persönlichkeit. — es lag darin das wiederholte Anerkenntnis und Gelöbnis gegenüber der Sache des Volkes. — Wir haben den ״Schekel" wieder eingefiihrt, ־— das Wort zunächst in unseren! Sprachschätz wieder eiugefiigt. Und der Sinn dieser Wiederbelebung kann nur der sein, dass wir auch den Geist jener alten Schekel- Zahlung wieder aufleben lassen wollen. Es kann sich beim Schekel nicht nur um eine (kldsaiiiiiiltiiig handeln, sondern um mehr. Der Schekel soll unsere Einheit repräsentieren, soll das Dokument und den Massstab unserer Stärke sein. — Mit dieser Auffassung stimmt die Anlage unserer Organisation überein. — Jeder, der den Sehekel entrichtet und nur er hat das Recht, zum Kongresse zu wählen und gewählt zu werden, das Recht, mitzuwirken an der Schaffung des Schicksals seines Volkes. Die Schekelquittung gewährt das höchste, fast einzige Recht, das das jüdische Volk zu vergeben hat, -- cs ist der Bürgerbrief unseres Idealstaate,s. Es hängt also von der Zusammensetzung der Menge de! Schekelzahlcr ab, aus welchen Elementen unser Kongress zu- 1 sanmieugesetzt sein wird. — welche Beschlüsse dort gefasst 1 werden, — welchen Zielen wir nachstreben und was wir et-! reichen werden. — Eür das Sein oder Nichtsein unserer Bc- : wegung ist somit die Beantwortung der Frage von unermess- I lieber Wichtigkeit: ״Von wen» dü r fcn \H r den Sehej kel erheben?" ™ Wir haben allen Anlass, die Frage auf 1 unserem Dalegiertcntag sorgfältig zu erörtern. Die einzelnen J Landcsorganisationen entwickeln sich im Ganzen unabhängig von einander und cs kann leicht geschehen, dass die eine oder | Jie andere bei der Schekelzahlung anderen Maximen folgt, ais . den allgemein zur Richtschnur genommenen. Dam kann es; leicht kommen, dass ihre Bedeutung in der internationalen Diskussion immer geringer angeschlagen und selbst gleich Null wird. Bilden wir uns mir nicht etwa ein, dass es hei uns lediglich auf die numerische Bedeutung ankommt. — Die Zahl kann nur dann in Betracht kommen, wenn die Garantiecn gegeben sind, dass der Schekel nur nach den allgemein verbindliehen Grundsätzen eingezogen ist. Es sind somit gewisse Mindestforderungen auizustelleii, welche derjenige erfüllen muss, den wir für würdig erachten, d q n Schekel zu entrichten. Denn ausser einer Pflicht zur S c h e k c l za h I u n g gibt es auch ein erst z.u erwerbendes Recht auf Schekelzahlung. — Nun ist es selbstverständlich ausgeschlossen, dass wir einen Jeden, der sich bereit erklärt, den Schekel zu errichten, zuvor- »!erst einem hochnotpeinlichen Verhöre aussetzen, ihn auf Herz und Nieren prüfen. - Was verlangt werden» muss, kann nur \on uns. von Jeu Vertretern und Propagandisten der Idee verlaugt werden. Wir haben in der Agitation, — in der Einzelauitati״״, wie in Vorträgen und in der Presse, — präzise und eindringlich zu verkünden, was für Anforderungen wir stellen. Wir dürfen nicht über schwierige Punkte hinwegschlüpfcn, dürha Niemanden im Dunkeln lassen. -־ Unsere Agitation nach aussen richtet sich darauf, neue Schekelzahler zu gewinnen. Nun. wir müssen so agitieren, dass wir sicher sind, dass die durch unsere Agitation Gewonnenen genau wisse»», was die Zahlung ihres Schekels bedeutet. Und da eben in dieser Be- Ziehung allerhand Meinungsverschiedenheiten entstehen könticn. wenn nicht entstanden sind. — so ist die Frage ״Von wem dürfen wir Schefel erheben?" nur zu beantworten; in dem wir bestimmte Leitsätze für die Agitation aufstellcn. — Wenn wir sicher sind, dass die Agitation im ganzen Reiche nach einheitlichen Grundsätzen betrieben wird, — dass von allen unseren Vertretern zu den wichtigeren grundlegenden Fragen übereinstimmend Stellung genommen wird. — nur dann werden wir die Masse der deutschen Sclickelzahler als ein ein- 1