Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1904)
- Date
- 1904-05-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 224. No. 21. Für die Geschäftsführung wird die Geschäftsordnung des Kongresses zu Grunde gelegt, nachdem auf Antrag von Heinrieh Locwe ausdrücklich vorgesehen worden ist. dass der Aus- Schluss der Ocffsntlichkeit jederzeit vorgenommen werden kann. Anwesend sind 101 Delegierte, deren Mandate sämtlch vom Perniancnzausschuss für legitim erkannt werden. Die Tagesordirujig begüuit mit dem Referat Prof. Dr. 0. Warburgs über die Aufgaben der zionistischen Partei in Palästina und Syrien. Er bedauert zum Beginn se ner Rode. dass sich auf diie Tagesordnung; die dem Delegiertentag vnrgelegt wird, oin bedaucrl eher Druckfehler dngeschlichen habe. Denn d;c Palästinakommiss on, in deren Namen er spreche, könne nicht, wie dort angegeben sei. über die Aussichten 41 Palästina reden, darüber zu sprechen sei einzig und allein die Gesamtführung der Parte zu sprechen befugt, während die Palästinakommissioo doch nur ein kleines Gebiet der freilich r.otwendigsten Hi'isarbcit unter sich habe. Aber fetzt, wo man begünne. in die praktische Seite der Arbeit uirsercr Partei einzutreten, sei cs am Platze, ein Programm für diese Umsetzung unserer Ideale in die Wirklichkeit, zu entwerfen. Der grosse Unterschied, der zwischen der Palüstliaarbet des Zionismus und der anderer jüdischer Faktoren, d e sich um Kolonisation bemühen, sei, dass andere die Infiltration befürworten und versuchen, während wir offen ohne Schleichwege unser Y״lk dahin zurückfüliren wollen. Wenn jene Kle.nkolonisato.1 erstreben, so wollen wir Grosskolouisation; denn wir arbeiten auf einen Charter hin. Das Referat Prof. Warburgs wird mit ausserordentlichem Beifall belohnt. Auf Antrag Dr. Bodcnheirners wird beschiossen, cs in extrenso in Druck zu legen. Unsere Leser finde:! den .ersten Teil seiner Rede an anderer Stelle unseres Blattes. Dr. Halpern-Müncluli beantragt, in de Diskussion über den Eröfinungsvortrag Bodenheimors einzutreten. da er nicht , wünsche, dass die grosse Oeffentliclikcit. die Bodeukeimers Ausführungen gehört habe, die sich nfclit mit denen anderer Zionisten decken, besonders aber einzelne Sätze in seinen Ausführungen über den nationalen Gedanken im Zionis— mus unwidersprochen für das die ausschliessliche Ansicht aller deutschen Zionisten halte* Alle Meinungen sollen vor dieser Oeffentliclikcit zum Ausdruck kommen. (Zwischenruf Gronemann: Wir reden nicht für die Galerie). Es wird derr.gegenüber beschlossen, zuerst das Referat Klees für das Aktionskomitce zu hören und dann nach angcliörtem Kassenbericht über den Eröffnungstag e:ne Ocnera'debattc zu eröffnen. Sodann besto'gt Dr. Klee, von der Versammlung lebhaft fcegrüsst, das Rednerpult zu seinen im Leitartikel dieser Nummer berührten Ausführungen. Die Rede erregt grossen Beifall, der besonders auf der Galerie Beifall erweckt. Das Stenogramm folgt In nächster Nummer. Nach dem Klce'schen Referat tritt man in die Diskussion über die Eröffnungsrede Bodcnheirners ein: t H a I p c r n - München weist mit Befremden darauf hin. dass es ein trauriges Zeichen sei, dass die Frage überhaupt aufgeworfen werden konnte, ob die Parteileitung in Deutschland und mit ihr geslnnungsgenössischc Kreise überhaupt noch jüdisch-national seien. Die im Erönuungsreferat erteilte Antwort könne nicht befriedigen. Man dürfe überhaupt die Frage nicht aufwerfan, wie stellt sich der Zionismus zum nationalen Gedanken, denn das sei der Grundunterschied zwischen philantropischcn Gesellschafter: w׳ic der Alliance israelite Universelle, den Hilfsvcrcinen usw., dass jene nur das Moment der Beihilfe vertreten, dagegen das 1 nat'onal-jüdischc Moment ausser Acht lassen. Das nationale Moment ist hier das Trennende und Scheidende. Wir kennen keine Kolonisation ausserhalb der nationalen Basis. Für unterstützende Mitglieder des Zionismus haben wir keinen Raum. Der Schekel ist uncndl ch wichtig, aber nicht die'Hauptsache. Wer nicht Jüdisch-national ist. zahlt seinen Schekel zu Unrecht. : Ist doch in ei/tcr Sicidt Skatschekcl erhoben worden! (Klee: i Wo wäre das). Das Mannheimer Büro. Herr Dr. Klee, hat | festgestel't, dass es vorgekommen ist. dass man von Nicht- * zionsten den Schekel genommen hat. mit der Begründung: ״Sie! haben im Skat gewonnen, nun müssen Sie auch die eine Mark I gebd.v An einer andern Stelle hat ein christlicher Bauer zwei | Mark Schekel gezahlt. Das ist gegen unsere Verfassung. Die i Vorbedingung für die Annahme des Schekels ist d‘e unbedingte j Anerkennung des Basler Programms. Wer nicht jüdisch- ־ national ist und das Basler Programm nicht ohne Vorbehalt j anerkannt, ist zu Unrecht in unserer Organisation. Der Vorsitzende hat das Wort Rachmanuth-Zomstnus unter Schutz gestellt. Das konnte früher nicht der Fall sein. Erst seit dem [ sechsten Kongresse und seitdem marn das Ostafrika-Projekt t uns aufgetischt hat. heisst es Geld und Geld und wiederum Ge'd (Zwischenruf Bodenlieimcr: Wo steht denn das?) Besonders bezeichnend Ist es für die Situation, dass Leute zu! uns kommen wollen, von (lenen ^lr nicht wünschet! können, ׳ dass sie je in unsere Reihen koir.n.ii.!»er Rabbiner Dr. Womer. der ja dafür gesorgt hat. dass er wenigstens in zionistsehen Kreisen bekannt ist. hat uns gesagt: Na ja. jetzt werdet ihr vernünftig. Erst ist der Nossig zu uns gekommen. Euer Vorsrtzcndcr spricht nur immer von Glaubensgenossen. Und mehr solche Anzeichen sind vorhanden, dass bei Euch eine Schwenkung zur ,.Vernunft’’ starttfindet Wenn die Möglichkat besteht, dass ein Werner zu uns kommt, so wäre das der Ruin des Zionismus. Wir können nicht arbeiten, wenn wir nicht klar und unzweideutig von dem Begrifie der jüdische». Nation ausgehen. Klar und deutlch wollen wir das haben. Wir sind jüdisch-national. Unter der lebhaften Zustimmung der Versanuulun•׳ werden Huldigungstelegratmuc an Seine Majestät den Deutschen Kaiscr, au den Senat der Freien Stadt Hamburg und an unser» Führer Dr. Theodor Herzl abgesandt. Nach einer kurzen Pause folgte dann derK a s s c 11 b e r i c h t des Zentralkomitees durch Herrn W 0 I f f-Köln. Er führte aus. dass die Dezentralisation sich bewährt habe. Im Gegenteil zu andern Wünschen wäre dx Einrichtung neuer Distriktsburc.us dringend zu wünschen. Es sei zu bedauern, dass de DistrVtsbureaus die Landesbeiträge an das Zentralkomitee nicht abgeführt hätten. En Zustand, wo das Zentralkomitee weder von den Ortsgruppen noch von den Distriktsbureaus irgend welche Einnahmen hätte, sei unhaltbar. Wenn wir nicht das Recht hätten. 25% von den eingehenden Schekelgeldern zurückzubehalten, so hätte das Zentralkomitee überhaupt keine Einnahmen gehabt. Diese beliefen sich summa summarum au! 167S Mark. Der einzige nicht aus den Schckelecldern »de: aus Köln stammende Beitrag wäre eine Summe von 15•» Mark, d e irrtümlicherweise vom Distriktsburcau Berl'n aigeführt worden sei. Da dürfe man sich nicht wundern, wenn bei den Ausgaben ein Posten von 10.45 Mark iiir Broschüren und Jüdische Rundschau zusammen figurieren. Die Hauptausgäbe ist die für Basel in Höhe von 1U1S M.. die sich liauptsächlieh aus den Kosten dcsDelcgicrtcutags in Sankt-Ludwig und dem der Veranstaltung des Schauturnens ergäbe. Die nächste grössere Ausgabe beträgt 350 Mk. für die neuen Schekelblocks (Schachtel: Nebbich! Grosse Heiterkeit). Im allgcrr.eineu sei sich der Kassierer sehr wohl der Mangelhaftigkeit seines Berichtes bewusst, aber wo kein Geld vorhanden sei. könne nichts gescheho.1 und auch nicht über Ausgaben berichtet werden, wenn keine Einnahmen vorlägen. Le vison-Hatnburg bemängelt die Kassenberichterstattung. Er konstatiert, dass die 150 M. aus Berlin von Hamburg für das Zentralbureau geschickt worden seien. Wir verlangen eine spezifizierte Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben. Endlich bemängelt Redner du! Mangel einer wirksamen Propaganda durch Flugschriften. Arth. Ilantke beantragt, diese Diskussion erst nach Gronemanns Referat fortzusetzen. Herr Loewe schliesst sich diesem Antrag«״.; an, indem er ausdrücklich hervorhebt, dass auf diesem Gebiete umsomehrKlarhcit geschaffen werden muss.als das,was Dr. Halpern vorgebracht hat. noch lange o'cht alles wäre, was geschehen wäre, um den nationa’cn Gedanken im Zionismus unberechtigterweise zurückzudrängen. Er wünsche eine entschicdeue Zurückweisung aller nicht nationalen Bestrebungen im Zionismus und deshalb bitte er. morgen recht ausgiebge Zeit zum Besprechen dieser Frage zu reservieren. Der Antrag wird angenommen. A. Hnlttkc-Berliu teilt als Leiter des Berliner Distriktsbureaus mit, dass ungefähr 6000 Sehekelzahler zu •rechnen sefen. da noch mehrere Gruppen ausstehen. Go i t e i n-Frankft.-Main stellt fest, dass das Zentralkomitee nichts verlangt, aber vielleicht auch nichts geleistet habe. Wofür habe man in Basel 1018 Mark ausgegeben? Darüber ist uns nichts gesagt worden. Der Schekel ist in toto abzuführen. Wir dürfen keinen Abzug durch die Landesorga;»- satiouen. auch wenn er legal sei. gestatten. Sc h a cli t e I - Breslau wiederholt die Frage nach der Ver- Wendung der 1018 M. in Basel. 10.45 M. sei für Broschüren und die .Jüdische Rundschau* verwendet. Es scheint, dass man dies nur scherzweise getan habe. Die Schekclbloeks. die man e ngeführt habe, mit den neuen Ehrenzeichen sind baldrnögl'chst wieder abzuschafien. Sie bedeuten c'röi praktischen Ruckschritt, sind für den Gehranch zu schwerfällig und wirken mit den eigentümlichen Ehrenzeichen lächerlich. Dass Warbt!rg oincu Vorschlag gemacht habe, ein nahes Nachbarland Palasiinas für die Augenblicksh lfc hcranzuziehen. sei ihm sehr sympath sch und müsse als wohltuender Gegensatz zu fernen exotischen Plänen freudig begriisst werden. Zlocisti bedauert die unglückliche Form und die Anlage des Rechenschaftsberichts, der sich wie der Bericht eines Rauchkluhs ausnehme, aufs lebhafteste.