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Jüdische Rundschau · 1904-05-27 · Heft 21 (27.5.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 21 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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m >»*.«»־. T**+**m No. 21. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 223. versucht, indem man die Nachricht verbreitete, die Leitung der Bewegung in Deutschland plane die Ausschliessung der Ausländer aus den Ortsgruppen. Diese Idee kann nur in dem Kopfe eines Assimilationsjuden gewachsen sein. Unsere Gesinnungsgenossen haben diese Nachricht sicher als eine Verdächtigung unserer Parteileitung erkannt und empfunden. Wir kennen in unseren Reihen nur Juden und fragen nicht darnach, wo ihre Wiege stand. .Leitet doch unsere Bewegung ihre Berechtigung eben davon her, dass Millionen unserer Brüder nicht wissen, ob die Stätte ihrer Geburt auch ihre Heimat bleiben wird! Ein Wort möchte ich noch bezüglich der Frage der Schaffung einer Judenkolonie in Ost-Afrika an Sie richten. Diese Frage hat einen Sturm innerhalb der zionistischen Bewegung entfesselt, dessen Heftigkeit dem Aussenstehenden vielfach unverständlich geblieben ist. Nicht so demjenigen, der da weiss, mit welcher Glut jeder unserer Gesinnungsgenossen das Land unserer Väter liebt und wie sehr der Gedanke unsere besten Freunde erschreckt hat, man könnte an die Stelle Palästinas ein anderes Land als Ziel der zionistischen Freiheitsbewegung setzen. Diese unsere Freunde haben vergessen, dass ein Unterschied besteht zwischen dem Ziel, welches sich eine Bewegung setzt und den Mitteln, die sie zur Erreichung dieses Zieles verwendet. I Man kann die Schaffung einer Kolonie in irgend einem! anderen Lande als Palästina wohl als ein Ziel für die I Lösung der Judenfrage betrachten, aber dieses Ziel wäre nie und nimmer ein zionistisches. Eine solche Heimstätte für sich allein würde auch keine Aussicht auf Dauer besitzen, kann also für uns als eine endgültige Lösung der Judenfragc nicht in Betracht kommen. Wenn die Schaffung einer solchen Kolonie von Nichtzionistischer Seite angestrebt wird, kann dies als eine Gegenwartsarbeit, d. n. eine Tätigkeit, die einer augenblicklichen Notlage steuert und an Stelle des Systems der Zerstreuung das Prinzip nationaler Sammlung für die Auswanderungsbewegung unserer östlichen Glaubensgenossen setzt, unsere Unter- Stützung finden. Das ist auch wohl dor Grund, weshalb die englische Regierung gerade uns dies grossartige Anerbieten gemacht hat, für welches das jüdische Volk dauernde Dankbarkeit schuldet. Etwas anderes aber ist es, wenn man die Frage aufwirft, ob die Schaffung einer solchen Kolonie nicht ein Mittel sein kann, um das zionistische Ziel rascher und sicherer zu erreichen, als lediglich durch die Schaffung zerstreuter Kolonien ohne den Charter in Palästina und dessen Nebenländern. Die Beantwortung dieser Frage darf nicht aus einem dunklen Gefühl heraus erfolgen, sondern bedarf der kühlsten und nüchternsten Erwägung. Wenn die zionistische Bewegung in ihrer autorisierten Vertretung, d. h. dem allgemeinen Zionistenkongress durch Majoritätsbeschluss die Beschreitung dieses Wegs verlangt, ist es eine Sache der Disziplin für die dissentierenden Gesinnungsgenossen, nicht etwa ihre Gesinnungen zu ändern, sondern der Ausführung dieser Beschlüsse unter keinen Umständen irgend welche Hindernisse in den Weg zu legen. Fällt der Beschluss nach der anderen Richtung, die unserem Herzen näher liegt, dann ist es ebenso selbstverständlich, dass Erwägungen der Notwendigkeit einer Gegenwartsarbeit mit Rücksicht auf die augenblickliche Notlage, unsere Gesinnungsgenossen nicht veranlassen dürfen, irgendwelche andere Schritte zu fördern. Wenn wir uns in dem Weg, den wir zu beschreiten haben, geirrt haben sollten, würde es für eine in sich geschlossene zionistische Organisation ein Leichtes sein, einen solchen Fehler wieder wett zu schlagen. Wehe aber! Wenn unter dem Streit der Überzeugungen die Organisation selbst in die Brüche gehen sollte! Denn dann zerbrechen wir das Werkzeug, mit dem wir allein unsere Freiheit zimmern können. Über alle diese Fragen wollen wir, so weit es im Rahmen unserer Tagesordnung möglich ist, brüderlich beraten. Wir werden mit der Ruhe und Besonnenheit verhandeln, welche die Wichtigkeit des Gegenstandes erfordert und den Eifer zügeln, mit welchem wir Dinge, die uns am Herzen liegen, zu vertreten geneigt sind, damit nicht draussen, wo wir leider noch viele Gegner haben, der Glaube entstehe, dass wir uneins und zwieträchtiger Gesinnung seien. Jederman mag wissen, wenn wir von dieser Stätte nach unserer Heimat zurückkehren, sind wir Soldaten, die in treuer Kameradschaft Schulter an Schulter für die Freiheit ihres Volkes kämpfen So möge denn dieser Delegiertentag ein Baustein sein an der Heimstätte, welche wir dem jüdischen Volke errichten wollen! Ich erkläre den Delegiertentag für eröffnet. Präsenzliste. F rankfurt a. M., Ooiteifi, Dr. J. Mayer. Fritz Sondheimer. Köln, Max Goldreich. Frau Wolfsohn. J. Leiser. Gr. Strchlitz, Hermann Struck. Me me I, Jacob Wagner. Duisburg, Dr. Ludw. Locwe, Lehrer Stiebei. M a n n h c i m. Prof. Dr. Warburg, Dr. Goldlust, Dr. Leszynsky. Strassbürg, Apotli. Mamlok, Fräulein Bertha Majerowitsch, Dr. Emil Levy. Mühlhausen, Ed. Joel. Hagenau, Refd. Meyer. B i e s h e i m , Refd. Landau. G e b vv e i l e r, Ludw. Mathiason. Ingweiler, Refd. David. Metz, M. Oold- Schmidt. M u t z i g , Samuel Cohen. Schiettstadt. Jul. Kalmus. Berlin, Dr. Heinrich Loewc, Dr. Jungmann. Hepner, Asch, Arthur Hirsch, Dr. Simonson. Kattowitz, Dr. Benno Levy. Königsberg, Rechtsanwalt Dr. Jacobi, j Rcclitsanw. A. Jacobsohn, Dr. Robert Hantke. B c u t h c n . Koplowitz, Lcsser, Dr. Kassel. Breslau, Zahnarzt Schachtel, Otto Cohn, Elias Auerbach. Hamburg, Gust. G. Cohen. Ed. Lewinson, Estermann, Dr. Allen. Posen, Assessor Victor, Rechtsanw. Kollenscher. F i 1 c h n e, Julius Holländer, Louis Friedenheim. GI e i w i t z, Rechtsanw. Steinitz, Rechtsanw. Wunderlich, S. N. Margulics. Lübeck, Dr. Kalmus, Dr. Joel, Frl. Mühsam. Dessau, Dr. Sonderling. Berliner Frauen-Vereinigung, Frau Wagner, Fri. Jacobsolm. Danzig, Dr. Max Levy. Prenzlau, Dr. Hans Mühsam. Dresden, Leop. Jacobi. Bonn, Frl. Veilchenfeld. Freibürg, Dr. Kaufmann, Frau Dr. Joei. Konstanz,‘ Bachmann. Kassel, Rieh. Goldberg, Simon Strauss, Victor Oppenheimer. Hannover, J. Schnelling, A. Zimak. J. S. Förster, Neumann. M ü n c h e n, Dr. Halpern, Dr. Kahn. Emden, Wilh. van Cleef. Bremen, J. Fischbein Jr., E. Schragenheim. Halberstadt, Elias, Arthur Cohn. Mainz, Hypolith Bloch.. Regensburg, Julius Strauss. Schönlanke, Dr. Besser. S t e 11 i n, Dr. Citron, Tannenvvald. Ausserdem sind in Hamburg anwesend die Mitglieder des Zentralkomitees: Dr. B 0 d e n h e im e r, Assessor Gronem a n n, Dr. A. Hantke, Dr. A d 1 e r, Dr. F r a n k, Herr Dav. Wolffsohit, Herr Wolf, Dr. Klee, Dr. Zlocisti, Dr. Kaufmann. י Bericht Ober die Verhandlungen des Delegiertentages. Montag, 23.־ Mai 1904. (Vormittagssitzung.) Der Delegiortentag wird unter ausserordentlicher Betei־ ligung eröffnet Aus allen Gegenden Deutschlands sind die Jüdischen Volksboten herbeigeeilt wenn auch Berlin durch die Zahl seiner Entsandten weit überragt. Die Tagung wird durch die programmatische Ansprache des Vorsitzenden B o d c 11 h c i me r eröffnet, die an anderer Stelle im Stenogramm wieder gegeben ist. Besonders die Stellen, wo er hervorhebt, dass die zionistische Idee in dem Nationaljudcntum wurzele, wird mit ostentativem Beifall aufgenommen. Man hat den Eindruck, als wollten die Berliner. M•inchencr, Breslauer usvv. Delegierten durch ihren Beifall diesen Stellen eine noch unzweideutigere Deutung geben. Aber auch sonst wird die Rede wiederholt von Beifallsbczeugungui unterbrociicu und am Schlüsse lebhafter Beifall gezollt. Nach dieser Rede tritt man in die Verhandlungen ein, indem man zur Wahl eines Büros schreitet. Der Permanenzausschuss macht äi der Person seines Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Arthur Hantke Berlin, die Vorschlüge zur Bildung eines Büros, das in folgender Weise zusammengesetzt wird: 1. Vorsitzende*• Bodcsilieimer-Köhu 2. Vors. Dr. Ludwig Franck-Hamburg. 3. Vors. Dr. Kaufmann- Freiburg. Beisitzer: 1. Gustav G. Cohen-Hamburg, 2. Dav. Wolffsohn-Köhi, 3. Julius Kalmus - Berlin. 4. Dr. Adler-Lübeck. Schriftführer: 1. Dr. Jacobi-Königsbcrg2 ,־. Pr. Alien-Hamburg. 3. Rechtsanwalt Dr. Steinitz-Glcivvitz.

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