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Jüdische Rundschau · 1904-05-20 · Heft 20 (20.5.1904) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 20 (20.5.1904)
Date
1904-05-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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V «זמלן ־׳*״* Seite 216. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Ko. 20. der die Gründung der dortigen Ortsgruppe immer noch nicht verwinden ka.111. für seinen in der Ztg. des Jdtms. letzthin erschicnenen Artikel ״Jungjüdischc Geschichtsauffassung" zu teil werden Hess. Die leider nicht sehr zahlreiche Versammlung spendete dem Redner reichen, von Hcrzdi kommenden Beifak'. Auch an dieser Stelle sei ihm nochmals unser wärmster Dank ausgedrückt. Berichtigung zum Mannheimer Statutenentwurf. § 14 soll lauten: ״Das Zentrat-Bureau besteht aus drei vom Dclegiortcntag in geheimer Wahl zu ernennenden Mitgliedern. die am Sitz des Bureaus ständig wohlicn. Sie können sich beliebig kooptieren: alle Mitglieder sind für die Tätigk»2it des Zentrat-Bureaus verantwortlich." (Der im Entwurf noch angefügte Schlussatz ist nicht an■; genommen worden.) Rundschau. -- yy- *eSdiÄ■ <5# WS-»*» Dfc äussere. Lage der Juden wird dadurch um nichts besser, dass so viele Organisationen existieren, um seine Rechte zu schützen. Jede neue Organisation dieser Art ist nur ein weiterer Beweis dafür, wie schutzlos die Rechte der Juden sind. 111 Berlin hält Woche für Woche Graf Pückler seine Reden, die durchaus nicht bildlich wären, sondern als höchst aufreizend und gefährlich verurteilt würden, wenn sie sieh nicht gegen Juden richteten. Nach wie vor darf man ungc- M.idcrt die Angehörigen einer uralten Kulturuation zu Kanuibalcn stempeln und ihnen den Mord aus ritualen Gründen andichten. Freilich scheint es manchmal, als sollte doch der Mörder von Könitz entdeckt werden, aber man hat seitens seiner antisemitischen Freunde so ausgezeichnet gearbeitet, dass die Justiz aus dem von jener Seite künstlerisch errichteten Labyrinth kaum je den Ausweg finden wird. Dabei hat die Untersuchung hi der Winter'scben Mordsachc die ganze Zeit über nicht geruht. Gegenwärtig neigt die Staatsanwaltschaft zu der Annahme, dass der Gymnasiast Ernst Winter am 11. März 1900 vor vier nachmittags das Opfer eines Rencontres mit sic Scfardint, Moghrcbiuer und Tenianiten immer für Araber halten. Und bei der vorausgesetzten Kreuzung sollten die ..Eorscher“ einmal beachten, dass die Nachkommen der Wärttemberger im Orient noch im vierten Geschlecht nicht variieren, dass dagegen die Kinder der litauischen Juden, die Nikolai 1 nach dem Kaukasus geschleppt bat. durch einen spezifischen Kaukasustypus aufiallen. Und wieso sind Typus und Rasse identisch? Die Mischungen der sumerisch-semitischen Hebräer mit den par ordre de muiti aris.11 gewordenen Amoritern, die nun einmal blond sein müsse!», siid recht drollige Erzeugnissc der ״exakten** Wissenschaft. Diese Ausstellungen treffen nicht die fleissige Arbeit Kutzinski's. sondern die Vorarbeiter, von denen er abhängig ist. Fritz Schnürers ״Kabul, Clicwra lind der Jüdische Arbeiterbiiud" sind eine ebenfalls flo'ssigc Arbeit, die in ihrem Rahmen a'les Lob verdien 1t. D'e Daten über die rumänische Judenfrage verdienen anerkannt zu werden und sind ein Jöbl'ehes Beginnen, aber sie enthalten Ungcnaiiig* keiten lir.d s’nd keineswegs auch in den engen Grenzen vollständig. Martin Friedlütidcrs drei Gedichte bedürfen keiicr Besprechung. Wer Fr'edländers Poesie kennt, wess sie zu schätzen. Schlicssl eh wünschen wir dem Redakteur, dass er noch recht lauge Mitarbeiter i!1 seinem Kreise findet. Wir wünschen ihm eine bessere Zukunft als das Geselfck unseres eigenen ״Jüdischen Studenten“, gewesen ist. Also G'iick zu! Heinrich L o e w c. זכור את יוס השנת יוקדשו. Die Sabbathentwclhung In der Gegenwart. Ursachen. Wirkung und Abw׳ ehrmittel. Berlin IQ1N: M. Sch.tcllcr. 7 S. 8". Zur Erhaltung des Sabbats bat sich eine kleine Schar von Männern zusanimeiigoschlossen, in der Meinung, dass sie durch ihre Agitation der Wirkung sozialer Entwickelung entgegentreten können. Die Broschüre ist litt warmem Gciiilil und aufrichtiger Ueberzciigung geschrieben und wird vielleicht an irgend einer Stelle nicht ohne Nutzen sein. Aber eine SabbathcIMgung 1'n dem Sinne des jüdischen Gesetzes ist nur möglich in einem jüdischen Staate. Und wer wirklich den Sabbat der jüdischen Volksgemeinschaft erhalten will, muss mit aller Macht auf die Wiederherstellung ei!es jüdischen Genie uwesens in Palästina liinarheiten. Dazu gehört freilich weitausschaueiidcr sozialer und politischer Sinn. Heinrich Sachse. einen! Manne geworden ist, zu dessen Frau er Beziehungen unterhielt. Die Behörde nimmt nicht an, dass es sich uni einen mit Uebcrlegung vorsätzlich verübten Mord handelt, sondern um einen 1111 Affekt begangenen Totschlag, oder enine Körper- Verletzung mit tödlichem Ausgang. Die Untersuchung richtet sich gegen den Schlosser Be'rg, dessen Frau eine. Tochter der Gesindcvermieterin Ross ist. Die Ross und der Ehemann ihrer zweiten Tochter Masloff haben in der Angelegenheit schon eine traurige Rolle gespielt. Um den ■Verdacht der Täterschaft auf den Schlächtermeister Lcvy zu lenken, haben sic Meineide geschworen und kamen deswegen ins Zuchthaus. Ob die) Untersuchung genügendes Material zu tage fördern wird, um die Erhebung einer Anklage zu rechtfertigen, wird abzuwarten sein. Im Reichstag kiagte der Freisinnige Müller-(Sagan) — acht zu verwechseln mit den! Ascmitcn Miillar-(Meiniugcn) — darüber, das die deutschen Juden in Russland schlechter bchandelt würden, als die englischen und amerikanischen Juden. Dass dem Freiherr!! von Richthofen darüber ״nichts bckan nt" ist, war selbstverständlich. Deutschland ist eben im russischen Schlepptau und muss Russland noch dankbar sein, dass es ihm freuudiiehst gestattet, den Juden gegenüber seine guten Dienste zu leisten. Den Juden, die in Russland reisen müssen, ist der riesige Unterschied zwischen den Juden der freien Staaten England und Amerika in Russland und denen des lialbrussisclien Preusscns sehr wohl aus der Praxis bekannt. Die Juden sind freilich sehr erbaut von der gesimiuiigstüchtigen Vertretung ihrer Interessen durch die Freisinnigen und meinen, wer .weiss was für einen Rückhalt an ihnen zu haben. So begrüssten sie auch freudig den Beschluss des Turntages, der sich auf seiten der freisinnigen österrcicliischetf Turner stelltet und den Arierparagraphen ablehnte. Nun haben die südöstcre'cliisehen Vereine schon jetzt gezeigt, dass sie keineswegs sich an den Berliner Beschluss zu kehren gedenken. Vor vier Tagen fand in Graz eine von 9S Vertretern aus Steiermark, Kärnten, Krain und d11:,׳ Küstenland besuchter Gautag des südösterrcichlschen Turngaucs statt. Es wurde e i n s t i mm i g eine Resolution beschlossen, in der es unter anderem heisst: ״Der Gautag des südösterreichischen Turngaues erklärt den Beschluss des Berliner Turntages fiir einen Bruch des Grundgesetzes der deutschen Turnerschaft und für einen schweren Eingriff in die gesetzlich gewährleisteten Kreisrcchta Er verurteilt die gehässige lind einseitige Haltung des Vorsitzerden l)r. Gütz auf das entschiedenste und erklärt aus völkischen Gründen den Austritt d־.׳s fünfzehnten Turnkreises (Deutsch-Oesterreich) aus der deutschen Turncrschaft und den Zusammenschluss desselben zu einem stnmnicsreincn turnerischen Verband für unbt Jingt geboten.*' In Russland herrscht eine Regierung, die sich durch dis '1 oleran/.edikt, die Einberufung des Haager Schiedsgerichts, durch die chinesischen Greuel und durch Kischincw und Hornel kennzeichnet. Während des Krieges pilegt sie den russischen Patrlotis—muss! Damit die Juden sieh diesem edlen Streben voll unschliesscii, wird die Zensur noch schärfer als je gcliandhabt. Der zahme ״Woscliod“, der zuwe'len einige Mittoi'ungen über Tatsachen gemacht hat, ist von der hohen Behörde wegen dieser Indiskretion auf 6 Monate verboten worden. Dafür schlägt man die Juden in Bender tot. Uni so sicherer ist diese Nachricht, als sie von der offiziellen russischen Telegraphenageutur dementiert wird. Eines sichereren Beweises, dass sie wahr ist. bedari es wirklich nicht. h< Kischincw war einer der ortsüblichen Prozesse. Angeklagte, denen nur etwa 100 Zeu* gen ins Gesicht schwuren, dass sic sich des Raubmordes schuldig gemacht hatten, wurden mangels genügender Beweise fitigcsprochcn. Mau sieht, eine wie vorsichtige Rechtsprechung das grosse Russische Reich bat. Da kann man nicht von einem gerechten oder auch nur b lligen Recht, von einem ius üijmim sprechen, sondern nur von einem liebevollen Recht. T׳"'

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