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Jüdische Rundschau · 1904-05-20 · Heft 20 (20.5.1904) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 20 (20.5.1904)
Date
1904-05-20
Page
– (sequence 15)
Language
German
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I ־ No. 20. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 217. :.f UM!«i י, lil ■■ft)«■' ן!*'. :1 f נ * #"י In England hat der Zionismus von sich reden gemacht. Donnc/rstag, den 28. April, fand in London eine , grosse zionistische Versammlung in der Qreat Assembly Halt zur Feier des Schekcltages'statt. Den Vorsitz führte Mr. 1. L. Q ree 11• b c r g. Er cröffnete die Versammlung mit einer Rede über die brennendste Tagesfrage Englands überhaupt und der englischen Judenschaft insbesondere, nümlich über die Anti-Alien Bill. Seine Rede, die bei den Zuhörern einen lebhaften Anklang fand, war ein flammender Protest gegen die Bill und. gegen die Unliill, die sic den Juden zufügt. Er wies auf die nahe! Gefahr hin, dass auch in England der Antisemitismus grassiere. Er zeigte alle Schwächen und Mängel, die ganze Unzulänglichkeit der Bill, die nur den arbeitsfrohen, ehrlichen Juden die Möglichkejt benehmen werde, nach England zu koiümen. ״Die Anti- Alien Bill'*, sagte er, ״ist antisemitisch in ihrer Konzeption, antisemitisch in hrcr Handlung, mag man noch so sehr dagegen protestieren.'‘ Auch den Führern der jüdischen Gemeinde, des Board of Guardians machte er bittere Vorwürfe, dass sic bisher nichts Ernstes, Radikales in dieser Sache! unternommen hätten. Er tadelte die jüdischen Abgeordneten im Parlament, die gleich Mr. B. L. Cohen, Mr. Lucas und Sinclair für die Bill eintraten. Nur wenige unter den Juden im Parlament hätten den Mut gehabt, gegen die Bill aufzutreten, und man müsste mit Bedauern an die Zeit zurückdiiukcn, da im Parlamente sdehe jüdische Delegierte sassen, wie Sir William Goldsctnnid, Sir ^lolui Simon und Baron Henry de Worms, die ihre Stimmen laut erhoben, wenn cs ihrem •Volke galt. Redner zitierte dann die Worte des Abgeordneten Mr. John Bums, der bei der Dis* Mission über die Bill die jüdischen Reichen apostrophiert und ihnen gesagt hatte, dass die einzige Möglichkeit, die Fremdenfrage! zu lösen, im Zionismus liege, sie müssten deshalb denselben unterstützen. Eine meisterhafte Rede hielt auch ZangwilL Er polemisierte auch wieder scharf gegen die jetzige Verwaltung der I. C. A. Immerhin ist jetzt einige Aussicht vorhanden, dass man jetzt wird erfahren können, in welcher Weise die Baron Hirsch'scheu Millionen-verwalte! und verwandt werden. Es ist ein ungesunder Zustand, dass man nichts oder so gut wie nichts über ein solches Vermögen hört, das dem Judentum, der Allgemeinheit zugute kommen soll. Das gesteht man Jetzt auch in Eng-!and ■ein. Man sicht, dass die Anglo-Jewish Association, die einzige Körperschaft, der die Verwaltung dcrJ. C. A. Rechen- Schaft schuldig ist, eigentlich nicht genügend die Oeffcntlichkeit vertritt. Es wird daher in der jüdischen Presse Englands und auch von Mitgliedern der Anglo-Jewish Association der Vorschlag gemacht, die Oeffcntlichkeit zu den bisher geheimen Sitzungen zuzulassen, in denen die Verwaltung der J. C. A. ihren Bericht erstattet. Einige Aussicht ist also da, dass man etwas hört über das grösste Vermögen, das für jüdische Zwecke vorhanden ist. Ob. sich freilich die Herren von der J. C. A. dazu verstehen werden, dem profanum vulgus einen Blick hinter die Kulissen zu gestatten, das steht auf einem andern Blatt. Die Antiallenbcwcgung, die am meisten sich gegen die Juden richtet, macht sich nicht minder 1n Amerika als in England geltend. Mehr als Je steht hier auch bei Nichtjuden die Elnwanderungsfragc im Vordergründe der Diskussion. Die bcdeutendste Arbeit hierüber findet sich In der ״Political Science Quartcrly“; es ist das ein längerer Aufsatz von dem bekannten Washingtoner Gelehrten Roland P. Falkner. Diese! Studie ist so ausführlich gehalten, dass man sie fast eine kurze Monographic nennen könnte. Falkner \ve!ist darauf hin, dass in den Jahren 18-U bis 1850 je 100 Einwanderer auf 1000 Köpfe der Bevölkerung von 18J1 kamen; für das nächste Jahrzehnt war das י Verhältnis 110:1000 der Volkszahl von 1851 and so fort. Für die letzten beiden Jahrzehnte dagegen 10-1:1000 der Bevöl* kerung von 1881 und in den Jahren 1891—1900 kommen sogar nur 59 Einwanderer aut 1000 der Bevölkerung des Jahres 1891. Relativ hat die Einwanderung also abgenonnnen. Schon in der ersten Hälfte! des vergangenen Jahrhunderts wurde die Einwanderung bekämpft, da man annahm, ein starkes Anwachsen der Bevölkerung würde zu einer allgemeinen Verelendung führen. Nun, die Tatsachen haben diese Theorie ad absurdum geführt; sie haben gezeigt, dass die Einwanderung und das durch sic gezeitigte intensiv gesteigerte Wirtschaftsleben Amc- ־ rika die denkbar grössten Vorteile gebracht haben. Falkner korrimt also zu dem Schlüsse, dass eine! prinzipielle Einschränkung der Einwanderung zu vermeiden ist. A11 der Hand amtliehen statistischen Materials gibt Falkner sodann eine genaue Analyse der einwandernden Elemente. Er weist nach, wie unbegründet die Furcht ist, diese Elemente möchten einen irgendwie entscheidenden Einfluss auf das öffentliche und geistige Lei en des amerikanischen Volkes ausüben. Der Gottesdienst fiir den Sieg der russischen Waffen, wcleben die Juden in Jerusalem veranstaltet haben, sollte die Missbilligung jedes anständigen Juden finden. Jeder Jude, der in Jerusalem ein Asyl gefunde;!, sollte eingedenk sein, dass die Türkei von Russland in derselben brutalen Weise drangsaliert wird, in welcher Russland seine jüdischen Untertanen behaudelt. Daher hätten die palästinischen Juden wenigstens so viel Aiistaudsgcfühl als Ausländer in diesem von Russland gepeinigten Lande haben müssen, um sich derartiger Kundgebungen zu enthalten, die schliesslich doch nur bei den Wenigsten ehrlieh gewesen sein können und nur durch die Mache und den Einfluss einiger, vom russischen Konsulat abhängiger Kreatu reu zustande gebracht worden sind. Fiir die Juden ist die Ansiedelung einer Bevölkerung in Jerusalem, welche fiir den Sieg russischer Waiieu betet und einen solchen Sieg erhofit, entschieden ein Nachteil und jüdische Wohltäter sollten sich die Frage vorlegcn, ob sic durch Unterstützung solcher Elemente den russischen Einfluss fördern helicn wollen. Dass ein derartiges Gebet nach Kischincw auch uns West-Europäern gegenfilier eine Insulte ist, sei nebenbei bemerkt. Die Herren, hätten anständiger und jüdischer gehandelt, für baldigen Frieden zu beten, anstatt für den Sieg russischer Waffen. Kleine Chronik. | Verhungert. Einsam im Walde ist e'11 polnisch-jüdischer Wandersmann namens Schleim otbr Oreellwa. verhungert, dessen Leiche in dem Kolpiner Forst von dem Förster König autgefunden wurde. Die Gericlitskommission hat festgestellt, dass der Manu an Entkräftung gestorben •!st. Der ganze Körper bestand nur noch aus Haut u.!d Knochen und war über und über mit Wunden bedeckt Der Tote wurde mit einem sogenannten ״Berliner" unter dein Kopf vorgefunden. Schleim wurde erst kürzlich in Berlin wegen Betteins bestraft und hatte noch am Sonntag in dem Dorf Markgrafplcske bei Schmöckwitz gebettelt. Die Palästina-Ausstellung, welche tu den Monaten März. April in Wien stattgefunden hat, wurde jetzt in Prag eröffnet. S'e beweist, dass in den Kolonien die von der ״Jewish Colonisatioii Association" geleitet werden, sich langsam gewisse Zweige der Kunstindustr'c zu entwickeln beginnen. Beweis dafür liefern die reichlich ausgestellten kostbard.1 Webereien und Holzschnitzereien, die für den Fleiss und die Tüchtigkeit der Kolonisten sprechen. ׳ Die ausgestellten Früchte der Koloncn. mit deren Gründung erst vor 25 Jahren begonnen wurde, bcweisen die ausserordentliche Fruchtbarkeit des heiligen Landes, wb auch die Richtigkeit der biblscheu Worte. Palästina sei ein Land, wo Milch und Honig fliesst. Die Ausstellung verbleibt nur bis zum 18. Mai hi Prag und wird dann im Ausland eröffnet. Aus der Sitzung des Zentralkomitees der ״Alliance Isra&lte Universelle‘4 vorii 4. Mai d. Js. 1. Eine neue Summe von 5000 Frcs. wurde für die Juden von Stat (Marokko), die sich infolge der Dezember-Unruhen nach Casablanca geflüchtet haben, bewilligt. 2 Zur Gründung einer Darlehnskasse in der Gemeinde ßacau (Rumänien), die sich ihrerseits zu dem gleichen Beitrag verpflichtet hat, wurden 2000 Fncs. bewilligt.! t i 1 ׳"ימיו"׳ flpu1 ^■wpiPsyT.׳1.*,י*- «וי

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