Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 20 (20.5.1904)
- Date
- 1904-05-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 20, JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 215. Tagesordnung 'des Delegier ientages. 1. Eröffnungsrede und Bericht des Vorstzendcn des Zentralkomitees: Rechtsanwalt Dr. Bodtenheimcr- Köln. 2. Ka>ss o׳n ־ und Qe sc h ä f־t sb e r ic h t e: Gustav Wolff-Köln. 3. Be rd eilt des Aktionskomitees Ober die allgcmeine Lage des Zionismus: Dr. Alfred Klee-Berlin. 4. Referat über Organisation und; Propaganda unter Zugrundelegung des neuen Entwurfs des Distriktsbureau Marltheim. Dr. M. K ä u fm a n n - Freiburg i. B. und Fritz S 0 n d h c i nie r - Frankfurt a. M. Korreferent: Assessor Dr. Friedemann• Wiesbaden.* * 5. Bericht über die ..J(idische Rundschau“: Rechtsanwatt Dr. Arthur H a n t k c - Beritt. 6. Bericht über die SchckcNnstltution: Assessor Oroncmann- Hannover. 7. Bericht über Nationalfond und Oc Iba unispende: Dr. Robert H a n t k c - Berlin. 8. Bericht über die Kolonialbank: Baukprüsdcnt Da!v. Wolffsohn - Köln. 9. Kolonisat-*onsarbcit der Gegenwart in Palästina: Prof. O. W a r b u r g. 10. EvcnituaUa und dringliche A 111 r ft g e. 11. N e u w a h le 11. Der Vorsitzende des Zentralkomitees richtet an die Mitgllcder des Zentralkomitees das folgende Rundschreiben: Köln, den 15. Mai 190-1. Sehr g c c 11 r t er Herr Gesinnungsgenosse! Hierdurch beehren wir uns, Sic zu der am Sonntag, dein 22. Mai. nachmittags •1 Uhr in Hamburg stattfindenden Sitzung des Zentralkomitees ergebenst einzuladcn. Wenn nichts anderes bekannt gegeben wird, so findet diese Sitzung im Konventgarten, Hamburg, F u h 1 e n t w i c t c 29/33 statt. Mit Zionsgruss Das Zentralkomitee der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland.״ Berlin. Die BerFncr Zionistische Vereinigung hat folgende Herren zu Delegierten für den Deutschen Delegiertentag in Hamburg eewfthlt: Dr. Hemrich Locwc, Dr. Katz. Dr. Jungmann, Salo H e p p n e r , Albert Asch und Arthur Hirsch. Die Versammlung hat folgende Resolution 'mit Krosser Mehrheit angenommen: ״Die Berliner Zionistische Vereinigung glaubt an dem in der letzten Sitzung des Distriktsbureaus für Rheinland und Westfalen von dessen Vorsitzenden gestellten Antrag auf Zurückstellung des nationalen Gedankens ln der Propaganda in Anbetracht der Bedeutung des Gegen- Standes und der Stellung des Beantragenden nicht achtlos vorübergeheu zu dürfen. Sie seht in dem Anträge eines der vielen üi der letzten Zeit in die Erscheinung getretenen Symptome einer Vcräusserlichuug der zionistische).! Idee und hält es für d;e nftchste und dringendste Aufgabe des deutschen Zion'snuis. die Erkenntnis unter seinen Anhängern zu verbreiten, dass die nationale Idee Anfang und Ende unserer Bewegung darstcllt, dftss der Zionismus eine, auch •die westeuropäischen Juden unmittelbar angehende Angelegenheit ist und dass jede philanthropische Auffassung derselben sein innerstes Wesen vernichtet. Königsberg, 13. Mai. Am 10. er. verschied im Alter von 55 Jahren einer der besten hiesigen Zontstcn. M. L. Vögele witz. Trotz seiner Krankheit fehlte er in kotier zionistischen Versammlung, und wo es einer zionistischen Angelegenhe't galt, spendete er mit vollen Händen. Au seinem Grabe sprach Dr. Pe r les im Namen des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, dessen Vorstande der Verstorbene seit seiner Begründung angeliör.te. Königsberger Genossen, spendet für den Nationaüdtd, um den Verstorbenen im Goldenen Buche des jüdischen Nationalfonds zu verewigen. S a m b u r s k ־ל. Essen. Am 2. Mai hielt die Essener Ortsgruppe ihre Gencralversammlting ab. der Bericht den der Vorsitzende Herr Dr. Friedemann gab, lieferte den Beweis, dass die Tätigkeit für die statistische Idee von Erfolg begleitet gewesen ist. Es wurden zahlreiche AgitaFons-Versamtnlu.igen abgchaltcn. in deren Vcrlauf d e Ortsgruppe neue Freunde gewann, welche ihr Ansehen 1 wesent'ich steigerte. Die Zahl der Mitglieder beträgt zur Zeit | 80, eingenommen wurden 191,25 Mk.. verausgabt 159,22 Mk., zur Zeit ist mail mit der Gründung eines Jüdischen Turnvcre'ns bescliäftig't. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Herr Levy Rosenberg. 2. Vorsitzender Herr Hcrma’m Cahn. Beisitzer: Herr Dr. W. Friedemann. Herr N. Tatmenzapt. Herr H. Auerbach. Herr J. Zechncr. Eine Sammlung iiir den Nationalfond ergab 7 Mark, in Anbetracht, dass unsere Ortsgruppe erst seit 3 Monate besteht, sind die bestehenden VerhältnissC so erfreulich, dass iiir die Zukunft die besten Aussichten bestellet. Berlin. Durch die jüdischen Blätter macht eine Nachricht die Runde, dass die zionistische Vereinigung iür Deutschland sich müt der Frage beschäftigt, ob nur Angehörige des Deutsehen Reiches Mitglieder clicr deutschen Ortsgruppe sein können, nicht aber auch Ausländer. An dieser Mitteilung Ist kein Wort wahr. Ein derartiger Plan ist niemals innerhalb der deutschen Organisation erwogen worden. Duisburg. Am 11. Mai sprach in unserer Ortsgruppe Assessor D r. Friede mann über das Thema: Wie sind die Aussichten unserer Bewegung? In überzeugenden. warmen Worte».! legte er dar, dass bei Anspannung aller Kräfte uns der Erfolg nicht fehlen werde. Fesselnd war eine in knappen Zügen gegebene Schilderung Palästinas. Gründlich war die Abfuhr, die er den! Essener Rabbiner Samuel, aus der Feder des stud. phil. Hugo Bergmann bewiesen, dass er parteipolitisch für den Zionismus das richtige Wort zu finden weiss. Gewiss hat auch das vorliegende Schriftchen seine Fehler, so wenn es ganz unberechtigterweise den deutscheu Juden vorwirft, dass iluteit die deutsche Kultur mimer fremd bleibt. Das Gegenteil ist der Fall, und gerade je mehr ,die deutschen Juden in das Wesen und den Geist europäisch- *nationaler Kulturen ciitgedrungcn sind, umsomehr haben sie den Weg zu ihrem eigenen Volke gefunden und sind echtere Zionisten geworden, als wenn sic im geistigen Ghetto aufgewachsert wären. Das aber nimmt dem vortrefflichen Büchlein nicht seinen Wert und wir können es nur angelegehtlichst zur Agitation auch in akademischen K’ro'scn. die lange nicht genug bearbeitet werden, empfehlen. Interessant wäre cs zu wissen, ob der schneidige Agitatkmsschriftstcller Hugo Bergmann identisch ist mit dem flotten hebräsclteii Fabelerzähler von .,Jtutg-Juda“, dessen Verdienst gar nicht hoch genug bewertet werden kann. ,Heinrich Sachse. Künstliche Nährpräparate und ihre rituelle Zulässigkeit. Von Dr. P. Muenz. Nürnberg. Badearzt in Kissittgcn.. Mainz: Job. Wirtschschc Hofbuchdruekerei 190-1. 35 S. 8 °. Wer die rituelle Küche für sich verbindlich erachtet und anderseits von dem Werte künstlicher Nährpräparate e.tWas hält, w rd die Broschüre von Münz, die flcissig das Material zusanunengetragen hat. gern lesen. Der jüdische Student. Vierteljahrsscbrift der Vereine Jüdischer Studenten (int Bunde Jüdischer Corporationen). Herausgegeben von Dr. Emil Cohn. Jahrgang 1. Ouartalsheft 1. Die frühere Zeitschrift, die von den Vereinen Jüdischer Studenten unter dem Namc/.i ..Der Jüdische Student" herausgegeben wurde, und die der Unterzeichnete reagierte, *st cingcgatigcn, weil die Mitglieder der V.J.Sten es nicht für nötig erachteten, an ihrer eigenen Monatschrift in den! Masse mitzuarbeten. wie cs ihre Aufgabe gewesen wäre, nachdem sie einmal den Fmtschluss gefasst hatten, eine Zeitschrift herauszugehen. Vielleicht war dieser erste Entschluss ein Fehler gewesen, aber nachdem er gefasst war. war es ein Zeichen einer gewissen Schwäche, ihn nicht durchaus durchzutührcn. Vielleicht haben diese Erwägungen mitgcsprochcm dass die neue Zeitschrift nicht einmal weiss. dass erst vor gar nicht langer Zeit der erste .Jütl.schc Student" der B J.C. aufgehört hat. zu erscheinen. Vielleicht hat cs auch andere Gründe. Aus dem Geleitwort ist nichts zu entnehmen. Der erste Artikel von Dr. Entil Cohn: ..Das nationale Bcwusstscin" bemüht sich philosophisch die Frage des Nationalistttus anzufassen. Ob er dabei das Willcnsmomcnt genügend beriicks'chtigt hat. ist uns fraglich. Sem Stil ist ruhig und bcdeutend fortgeschritten seit dem letzten Artikel, den die Monatsehrift gleichen Namens aus seiner Feder gebracht hat. Arnold Kutzinskv fasst in einem populär-wissenschaftlich gehaltenen Artikel sehr geschickt zusammen, was von anderer Seite ..Zur jüdischen Rassenfragc" geforscht ist. Nur hätte er zugebeu sollen, dass es sich bei d'escn sogenannten Forschlingen recht sehr um Hypothesen und Vermutungen handelt. So recht bezeichnend ist dafür der Satz: ״Dass David und Christus nach der Ueberliefcrung blond gewesen sind, dürfte allgemein bekannt sein." Nur schade, dass es sich dabei um keine alte Ueberleteruiig. sondern um eine recht junge Tendenzkonstrukt'on handelt. Das Schweisstuch der heiligen Veronika ist verloren gegangen, ehe überhaupt die Sage ent-, stand, und David hat durch kein Wunder sein Konterfei, der Nachwelt überliefert. Nicht anders steht es um die blonden und schwarzen Juden Paiästlws. Die Forscher auf diesem Gebiete erkennen nämlich immer nur die Ascitkenasitn als Juden, während