Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 20 (20.5.1904)
- Date
- 1904-05-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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* ä®., Seite 212. ._JÜDISCHE RUNDSCHAU._No. 20. prophezeit wird. ״Die Herrschaft, Gewalt und Macht der Reiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volke der Heiligen des Höchsten verliehen; sein Reich wird ein ewiges Reich sein und ihm,werden alle Müchte dienen und untertan sein?’׳ Und angesichts eines so ilberschwtil.iglichen Nationalismus gegen den der Zionismus, der nichts weiter als die Rettung und moralische Grösse des Jüdischen Volkes anstrebt, doch wahrhaft nächtern, ruhig und bescheiden ist, wagt Herr Dr. Samuel cs, das Buch Daniel gegen uns auszuspielcn? Doch es kommt noch weit Schlimmeres! Die Makkabäer waren nach Herrn Dr. Samuel gar keine patriotischen Helden, für sic hat es sich nur darum gehandelt, dass die Jüdische ..Refgionsübung unangetastet“ bleibe. Nun wird gewiss niemaitd, auch ganz gewiss kein Zionist, bestreiten, dass Mattliatia und seine Söhne auch für den Glauben in de»1. Kampf gezogen sind. Aber zuvörderst ist daran zu erinnern, dass die Glaubenstrettc der Makkabäer wie aller Frommen ihrer Zeit ihre letzte und tiefste Wurzel in den nationalmcssila nlschen, religiös verf)fl1rg<tcn Hoi iiiungcn der Juden von damals hatte. Doch in die Tiefe wollen w־ir mit Herrii Dr. Satnucl nicht steigen. Wir wollen mit ilmi nur schlicht in den Quellen lesen, welches die Motive für das heldenmütige Auftreten des Mattliatia gewesen sind. Wir benutzen natürlich nur die uns zugänglichen Quellen. Sollte Herr Dr. Samuel noch andere kennen, die etwas anderes lehren, dann bitten wir ihn dringend, uns mit denselben bekannt zu machen. Als׳» w ir lese.1 im I. Makkabäcrbuclic über den Schmerz Matthatia’s, der schliesslich zur F.rhebuug führte: ״Wehe mir, warum doch wurde ich geboren, um den Ruin iiic.incs Volkes und den Ruin der heilige» Stadt zu sehen und massig zu sitzen, während sic in die Gewalt der Feinde, das Heiligtum in die Gewalt Fremder gegeben wird? Ihr Tem* pel ist geworden wie ein entehrter Mriin; die herrlichen Gefässc wurden als Raub hinwcggcfiihrt. Ihre Kinder w u rden auf den Strassen gemordet, ihre Jüng- I i n g c durch das Schwert des Feindes. W e!- ches Volk hat sich nicht ihrer Herrschaft bemächtigt und ihre Leute sich nicht zugeeignet? All ihr Schmuck w׳ a r d h i!1 w׳ e g g e- uoninicn, aus einer Freien wurde sie zur Magd.״ Gewiss wird sich niemalid darüber wundern, dass der fromme Prietfcr auch über die Verwüstung des Heiligtums bittere Klage erhebt. Das werden damals selbst mattherzige Juden, die sich dem Heidentum nicht ztigewendet hatten, getan haben. Aber klingt nicht weit stärker, beweglicher und erschütternder als diese Klage und selbst noch durch diese Klage hindurch der Ausdruck des Schmerzes über das nationale Unglück, der Wehmut über den Jammer seines Volkes? Und dasselbe ktf.tgt uns deut'ich aus den Worten seiner Söhne entgegen: ״Besser ist es, dass wir im Kriege sterben, als dass wir das Unglück unseres Volkes und unseres Heiligtums sehen, so sprach Juda. Und der letzte Makkabäcr, Simon, gelobte in dem Augenblicke, da er sich an die Spitze der tapferen Kämpfer stellte: ״Rächen will ich mein Volk und das Heiligtum und unsere Frauen und die Kinder, da sich alle Völker zusammen gerottet haben, uni uns aus Hass zu G r undc zu r ich t Nicht wahr, Herr Dr. Samuel? Die Makkabäer waren keine patriotischen Melden! So sprechen vielmehr nur Menschen, die ״für Tempel, Priestertum, Erst- ,linge. Nasirat, kurz für reiig'üse Institutionen" kämpfen! Sind Johannes von Giskala und Simon bar Giora, die Kämpfer des Jüdisch-römischen Krieges, Nationalheldcn gewcscu? fragt Herr Dr. Samuel. Und er antwortet: Nein, und abermals nein! Das jüdische Volk habe Joehaua» ben Sakkai mehr zu verdanken. Nun, wir wollen das Verdienst des letztcren nicht schmälern, aber nichtsdestoweniger wareu Johanlies von Giskala und Simon bar Giora Natid lalhclden. hi'menhatte, gewaltige Menschen mit einem riesengrossen Freiheitsdränge, einem glutvollen Patriotismus und einem Mute, der die höchste Bewunderung verdient. Gewiss Habel 1 sie ihr lind ihres Volkes Können überschätzt und Agrippa mag recht gehabt haben, wenn er mt־ Rücksicht aui die ungeheuere Uebermacht des Feindes unter Tränen von dein ihm aussichtslos erscheinenden Kampfe abmahnte. Nun, dan/1 haben jene grossen Zeloten im Geiühle ihres riesengrosset! Wollcns einen verhänguisvo'Ien Rechenfehler begangen. So lange aber die Wert- Schätzung eines Menschen von seinem Willen und seinem Charaktcr, nicht vdi der Schärfe seines Verstandes abhängeii wird, so lange wird der Misseriolg gegen die Zeloten nicht geltend gemacht werden können. Sie waren Helden, zu denen wir mit Bewunderung aufblicken müssen und hätte! 1 sie Erfolg giiabt, die Erfolganbeter würden nicht gefehlt haben, sie nahe an die Makkabäer lieranzurücken. Wir Zionisten, sagt Herr Dr. S. weiter, halten die ganzen lbtO Jahre, die seit der Zerstörung Jerusalems verflossen sind, für einen grosscfi Irrtum der Geschichte. Wir haben jedoch noch nirgends gelesen, dass die Zionisten die Zeit der Diaspora Art, nach Sinai und nach dem ihm umstellenden Volke umschauen. LViii was sind unsere modernen Kinder unserer Tora, unserer grossen Tradition gegenüber? ,.Jeder ist sieh am nächsten”. lautet e'n bekanntes Wort. Auf unsere moderitcn Juden argewendet ist das umgekehrt.' der Fall. Jeder Jude ist sich selbst am fernsten, fern seinen! Volke, fern sciocr Lehre, fern seiner Geschichte, fern seiner Sprache, fern seinen Sitten Did Gebräuchen. ־ Im diesem Jage, wo Israel vor Jahrtausenden die Tora empfangen, müssen wir mehr wie je dafür sorgen, auch dein Israel von heute schie Tora w ederzugeben. Wenden wir uns wiederum an das Haus Jakob. Erziehen wir unsere Mädchen in Jüdischem Sinne, im Geiste unserer Tora. Lassen wir unsere sogen?, inten Jüdischen Mädchenschulen 11'cht blos dem Namen, sondern auch dem Begriffe nach als Jüdisch: Lehrstüttcu gelten. Tragen wir da den Geist unserer grossen Mütter hinein, den heiligen Euthusiasmus einer Mirjam, den feurigen Mut und das prophetische Gottvertrauen einer Debora, g'ithcnde Liebe und Aufopternngsfähigkeit einer Chatma. Rufen wir unseren Mädchen zu: בת' א^ תי*ב' י*לקיט בשדה אהר Tochter Juda’s. verlass nicht die trauten Fluren Deines Volkstums. um aui fremden.Gestaden herumzu'rren. Tochter Juda's tausche nicht den lebendigen Jungbrunnen Israels für den versiegenden Quell trüben Wassers. Kehre doch zurück zu d וי־ heimatlichen Fluren, wo die Orüsleiu so viel mächtiger duften, die Brüuiilein so viel kräft'ger ־laben. Sprich zu Deinen grossen Almen: ״Dei.1 Volk ist .mein Volk, und Dein Gott ist mein Gott". Geben wir dem jüdischen Hause di: jiid'sclic Frau wieder, lassen wir unser Heim wieder zu eine*r heiligen Erzichungs- Stätte für unsere Kinder werden. wo die Jüti schen Mütter als Priester ihres heiligen Amtes walten. und die Siuaischule ist wieder errichtet. Der (Vst der jüdischen!.ehre wird wiederum lebendig im Munde unserer Kinder, im Hause Jakobs. Israel wird wieder zum Träger des jüdischen Huches und von den himmlischen Höhen ertönt der gettl'chc Laut: ..Ich bin der Ewige, der Dich herausfiihrt aus Mizrnjim. aus dem Hause der Knechtschaft.” Ein ganz n dtres Büd bietet sich tiiiserm Blicke dar. Anstatt eines Kulturvolkes. Träger ewiger Wahrheiten und heiligster Ideale, dessen Devise es war ..Das Torastuüium über Alles", gewahren wir eine das goldene Kalb irdischer Triebe und niedrigster Leidenschaft umtanzende Masse, hören wir jetzt '11 Haus Synagoge und Schule בי1 דנד תורה alles gegen die Tora . . .. anstatt der göttlichen, ganzen Tafeln, sehet 1 wir zerbrochene Tafc'u, Scherben. Reste einstiger Herrlichkeit klagende, weinend!: Splitter, seufzende Ruinen. Litteraturbericht (Bücher der einschlägigen Litleratur, welche der Redaktion .... werden, linden eingehende Besprechung. «««•> Jüdische Schriften von M(crris) de Junge, Dr. jur. I. Höret Rathenau und Genosse;! Kritik des Domna’s von der assimilatio gojica. Berlin N.W.: Hugo S.'lrldberger 190.L 56 S. 8. Eine ganz kurze Reihe von jüdischen Schriften hat De Jouge jetzt schon in kurzer Folge erscheinen lasse» 1 und eine noch grossere Reihe in Aussicht gestellt. Ob er ein Publikum für