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Jüdische Rundschau · 1904-05-20 · Heft 20 (20.5.1904) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 20 (20.5.1904)
Date
1904-05-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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**.. Yty *• •*rt*k * f|^י ״<^^׳<§?־ No. 20. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 209. Ücgcusatz trifft nicht den Kern meines Qedankengangs. Ich habe mich hier um de ethische Seite dieser Handlungen nicht gekümmert, sondern sprach nur von altruistischen Rücksichten, und tch könnte in diesem Zusammenhänge das ethische Prinzip nur als ein rein ut litaristis.h aufgefasstes gelten lassen — im Sinne Nietzsches. Das Beispiel vom Deserteur ist ja besonders einleuchtend. Wodurch wird das Desertieren zu einer ״schimpfliehen Tat?“ Wieil es dem altruistischen Prinzip zuwider st! Weil e'ne». Verallgemeinerung dieser Handlungsweise zum Schaden der Gesamtheit wäre. Darum ist das Desertieren im Kriege doppelt verwerflich, weil i!11 Kriege die altruistischen Rücksichten ganz besonders dringend auftreten. Wenn ich nur glaube, dass die Mischehe ein Schaden für das Judentum ist, so ist von diesem Standpunkte aus der Einzelne nicht bcrechtigt, ״dem individualistischen Zuge der Zeit folgend“ sich über diese vom Altruismus gezogenen Schranken hinwegzusetzen, am allerwenigsten unter den heutigen abnormen Vcrhültnissen. So ist das tertium comparatiouis zu formulieren. Ethische Momente spielen in dem Verglich keine Rolle. Eines meiner Hauptargumente war die Behauptung, dass die Zuführung grosser Strome fremden Blutes unsere spezifischen Rasscncliaraktcrc verwischen und unser Rassensolidaritätsgcfiihl zum Seilwinden bringen würde. Der Herr Verfasser gibt zu, dass derartiges vielleicht!m Laufe der Jahrhunderte eintreten könne, nicht aber •in den kurze!! Zeiträumen, die liier in Frage kommen. Ich gestatte mir die Frage, welche ״kurzen Zeiträume" hier in Frage kommen. Es ist ja recht löblich, wenn mau fest daran glaubt, dass der Zionismus in einer kurzen Spanne Zeit mit unfehlbarer Sicherheit dio Judenfrage gelöst haben wird. Wie nun aber, wenn die Vollendung des Werkes mehr als ״kurze Zeiträume“ in Anspruch nimmt? Wie, wd.ui der Zionismus sein Ziel nicht erreicht? Wenn die äussere jüdische Einheit in bestimmter Form nach einem langen Zeitraum nicht hcrgestc'lt ist, so wäre ja, wie der Verfasser zugibt, bis dahin das Wprk der Mischehe vollbracht: unseren spczfischcn Rassencharakter und unsere Rassensolidarität zerstört zu haben. Wie soll uns solch ein vages Argument gegen die schwerwiegenden Bedenkch schützen, die wir gegen die Zuführung grösserer Ströme fremden Blutes für den Fortbcstand des Judentums hegen müssen. Und nun höret, warum die Zuführung fremdrassigen Blu&cs nach dem Herr Verfasser die Existenz unserer Rasse und unseres Rassenempfindens?»:cht bedroht. ״Dafür ist unser Einlieitstrieb zu mächtig und viel zu tief durch die Jahrtausende Zum Schabuothfeste. Von Dr. Jakob Nacht (Focsani). Nur kurzer Ze'traum trennt uns vom Pessachfcstc. Eben süssen wir noch am Scdert.sche tltd erzählten von der Befreiuug Israels aus dem ägyptischen Sklavcnlandc, eben erst tönten vorn jüdischen Mause die goldenen Worte brüdcrMcber Liebe in die Welt hinaus: Ein jeder, der hungrig ist. der komme und esse mit, e'n jeder nehme Antc.l an dem Segen jüdischer Freiheit und schlürfe in vollen Zügen aus dem Kelche jüdischer Festesfreude. Nun stehen wir uiitcr dem göttlichen Zauber eines neuen Festes, umstrahlt von seinem licilgcn Glorienschein. Auch dieses Fest gilt der Freiheit. Wie die zeitliche, so ist cs auch die geistige Nähe, die Pessach und Schabuoth auszciclmct, ihnen ein gemeinschaftliches Gepräge aufdrückt und einen cinhc/j.licheu Charakter verleiht. Sic stellen in Wechselwirkung mit einander und beeinflussen sicli gegenseitig wie Seele und Körper. Am Pessach ist cs der Leib unseres jahrhulidcrtelaug bedrückten und bedrängten Volkes, dem die Sk’avenhande genommen werden, auf dass er sich frei regen und bewegen kann, und au Schabuoth •st es die geistige Freiheit, die ihren Einzug in unsere Mitte hält, es ist der Gedanke, die Macht der Idee. die .hrc Triumphe feiert, es ist das jüdische Seelenleben, das $ich aus den Niederungen ägvpt'scher Finsteruis zu den lichtumfiosseueu Sinaihöhen cmporschwiugt. Wie am Pessach, so ist auch am Schabuoth unsere Devise: Ein jeder, der hungrig .st, ein jeder der Goisteshu.igcr versolirt. der komme und esse nt t an unserem Ge!stest!sche und stille seinen Hunger nach Bedarf. Denn cs ist der Stolz und Ruhm der jüdischen Lehre, dass sie Freiheit atmet und einen jeden, der sie begehrt und nach ihr langt, unter ihre schützenden Fittiche in unser Gemüt geprägt.“ Man sieht, wir drehen uns im Kreise. Wein verdanken w ir denn hauptsächlich diesen müchtigeu Einlieitstrieb? Doch eben der Inzucht. Der Verfasser will?Iso die Gefahrlosigkeit der Blutmischling erweisen durch ein Moment, das durch das Gegenteil der Blutmischuug, durch die Inzucht, heraugebildct wordu.i ist. Wir besitzen unseren Einlieitstrieb, weil wir systematisch Inzucht getrieben haben; wir werden ihn verlieren, wenn wir die Inzucht aufgeben. Ccssautc causa cessat cficctus. Als ״bester Beweis“ aber wird angeführt, dass selbst die lange Assimilatios'speriode des vergangenen Jahrhunderts — rtotz der Ausschaltung der jüdischen Religion für grosse Kreise ־־ die gemeinsamen Bande, d:c alle Juden umschlingen, nicht gelockert hat. Man sieht, wir drehen uns wieder im Kreise. Warum sind die Bande nicht gelockert worden? Weil für diejenigen Teile, die die Religion nicht mehr zusammenhielt, die Rasseiigeir-e'nscliaft bestehen blieb, weil wir mit re’ativ wenigen Ausnahmen stets Inzucht getrieben haben. Wäre das vom Verfasser gebilligte Prinzip der Mischehe während der Assimilationsperiodc in Geltung gewesen, so wären die gemcinsamen Ik;de rasch gelockert worden. Wenn der Vcrfasscr mit diesen beiden Momenten nicht die Mischehe, sondern deren Gegenteil, die Inzucht, verteidigt hätte, so wäre mir die Beweisführung plausibler gewesen. Der Herr Verfasser schliesst mit einer Betrachtung, wie anders die S'tuation des jüdischen Volks irn Osten wäre, wenn die 6 Miü'onen östl'chen Juden Mischlinge wären. Gewiss, wenn sie wären!, d. h. wenn sich in früheren Zehen in jenen Ländern Bhitiiiischuiigdi mit arischen Elementen in grossem Uim'aiige voMzogcn hätten, wie sich das mongolische Chasarenblut in grossen Mengen mit unserem jüdischen Blute im Mittelalter gemischt hat. Wie ganz anders liegen die Verhältnisse heute! Aui Grund einer Betrachtung: ״Wie anders manches wäre, wenn einst eine Blutmischuug stattgefunden hätte“, wollen Sic für die Zukunft die .Mischehe empfehlen? Sehdi Sie nicht die bedeutsamen Unterschiede zwischen einer Blutmischung in der Gegenwart und einer solchen im Mittelalter? 0 ja, Sic sehen den Unterschied und reservieren sich daher mit zwei Zusätzen: Sie sprechen von 6 Millionen Mischlingen ״die sich zur jüdischen Religion bekennen würden.“ Ja, das mag im Mitteialter im Bereich der Möglichkeit gelegdi haben, dass sich Hunderttauscnde mit unserem Volke mischten und unsere Religion annahmen. Aber w־i!l jemand glauben, dass, wenn sich heute Christen mischen würden, dass da mehr als Spuren von nimmt. Der Ewige, so heisst cs in der poet'schen Sprache, unserer Weisen, hat die ge'stigc Sinaisöune in die dunklen Gernächer eines jeden Volks Ivneinstrahlen lassen, auf dass sie aus ihrem lethargischen Geistesschlafe wachgerüttelt werden und aus der Nacht der Unwissenheit und der Barbarei in die Welt des Lichtes und der Wahrheit treten. Ein jeder sollte Kunde erhalten von dem Aufgclicn der geistigen Morgenröte auf dem Sinaiberge vom Anbruch des grossen Tages mit sonnigen Wahrheiten. Allem nur Israel war es, das sein Auge hat aufgcschlagcn beim gött'ichen Anblick dieser geistigen Frühlingssonne nur Israel war cs. das de Fenster der dunklen Bchausung weit und breit hat aufgerissen, um die Lichtstrahlen Sinais in voller Stärke hineinfiuten zu lassen. Israel bat die Tora bekommen. Israel bat die S naisclmle eröffnet. Allein das Programm d'escr Schule giig über den engen Rahmen einer Volksschule hinaus. Sinai war und ist eine Wcltakadenu'c. wo einem jeden ohne Ausnahme Einlass und Einnahme gewehrt wird. Da ist Raum und Platz für alle und an den Pforten dieser Wcltfreiscliule prangen die goldenen Worte: ״Einem jeden stellt es fre’. sich die Krone der Tora aufzusetzen", insofern er daran seine Ehre und sein Ideal erblickt. — Und wie nach aussen hin. so gilt dies auch nach innen, so das Siuaiorogcauuu auf das iüd sehe Volksleben angewendet wird. N cht einzelne Auserlesene allein sollen dieses Geistergutes teilhaftig werden innerhalb des Judentums gibt es keine Priesterkäste wie in Aegypten, de das geistige Wissen in Beschlag nimmt und es dem Volke vorciithält. Nein. Das Judentum kennt keine solchen Qaieralpüchtcr des Geistes. Seine Devise ist: Ihr sollt mir alle ein Kümgreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Und weil die jüdische Lehre von dem heiligen Prinzipc beseelt ist. Gemeingut des ganzen Volkes zu werden. weil sie es darauf absielit.!U das jüdische Leben einzu-

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