Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1904)
- Date
- 1904-05-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wo. 18. JÜDISCHE RUNDSCHAU Sette 203. \ 1׳ Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Juden stärkt, und so kann er eine Schutzwehr werden gegen die Assimilation, die die grösste Gefahr für uns ist. Mit einem Wort, ich glaube an moralische« Zionismus, den uns Achad Haam, dessen Bewunderer ich bin, so \vtmdervoll dargestcllt hat. Ich habe ia auch einer Broschüre von Dr. Voorsanger zugestimmt, in dor er Achad Haam einen unserer grössten Lehrer nennt." — In Amerika! — Wann wird Herr Prof. Maybaum sich ebenso aussprechen? Und die Assimilation bekämpfen? Noch immer versäumen es viele Jüdische Einwanderer in den Vereinigten Staaten, sich naturalisieren zu lassen. Sic haben dadurch einmal viele persönliche Unannehmlichkeiten, ferner vermindern sie dadurch den Einfluss des jüdischen Eiements, der in Amerika zum grossen Teil auf der Stimmen zahl beruht, die bei den Wahlen ins Feld geführt wird. Daher Ist es mit Freuden zu begrüssen, dass der Orden Buai B’rith im East Sidc von New-York ein Naturalisations-Bureau errichtet hat. Dort eriia/fen die Einwanderer Auskunft über alle einleitenden Schritte, um das amerikanische Bürgerrecht zu erwerben. Von dort aus werden ihnen die Wege dazu möglichst geebnet, freie Bürger, freilich nicht ihres Landes, aber doch eines freien Landes zu werden. Die jüdisch-deutsche Sprache offiziell anerkannt. Diese Nachricht kommt jetzt aus Südafrika. Der Attornej*-Oeucral der Kapkolonie, T. L. Graham, hat seine Bereitwilligkeit ausgcdrfickt, ״eine Erklärung im Judendeutsch, wie eine in einer andern europäischen Sprache anzuncluncn.” Es ist bcreits ein Dolmetscher für das Judendeutsch angestcilt. Hiermit ist eins der erschwerendsten Hindernisse jüdischer Einwanderung«, f!n britischen Südafrika gefallen. Und Südafrika «Ist ein gutes Feld für Einwanderer, die arbeiten wollen und — können. Die äusserst rührigen südafrikanischen Zionisten dürften somit Verstärkung zu erwarten haben. Die Jewish Colonlsatlon Association hat in der Nähe einiger ihrer palästinischen Kolonien 3200 Dannen Land angekauft, jetzt, wo die Cholera in Palästina gewesen ist und Land billig ist Die russische Chovevi Zion haben 800 Dunam zwischen Rcböbh°׳th und Wadtl-el-Chanin erworben. Ein iüdlscher Bittgottesdienst fand in Jerusalem statt. Die nach Jerusalem ausgewanderten russischen Juden haben wie die ״Revue Russe” meldet, in der ״ältesten Synagoge" der Stadt einen Gottesdienst für den Sieg der russischen Waffen im lernen Osten abgehalten. Nach dem Gottesdienst hielt einer der Teilnehmer eine patriotische Ansprache in russischer Sprache. Es war das erste Mal, dass diese in dem alten Tcmpet gehört wurde. Wir glauben ganz gern, dass die ״frommen” Herren in Jerusalem dem russischen Postmarschall die Synagoge zu die.- ser Entweihung hergegeben haben, die zugleich im türkischen Reiche zu den grössten und gröbsten Taktlosigkeiten gehört. Man sollte diesen frömmelnden Faullcnzcn endlich seitens der wirklich Frommen das gemeingefährliche Handwerk legen. Wenn sic nicht anders können, als durch dauernde Unter- Stützung der Herren von Kischincw sich auf Kosten des Judentums bemerkbar zu machen, so sollte Ihnen, soweit sCc nicht von russischem Oelde besoldet sind, der Schnorrkorb höher gehängt wurden. Was sic da In der Türkei sich herausnehmen, würde in einem weniger duldsamen Lande als Landes- .verrat beurteilt und bestraft wurden. ״Du sollst das Recht nicht beugen, du sollst kein Ansehen kennen. Der Gerechtigkeit, ja der Gerechtigkeit jage nach, damit du lebst!" Mos. V, 16, 19 u. 20. Allerlei. Jus talionis. ״Und nicht blicke schonend dein Auge: Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuss umFuss.״ Mos. V. 19. 21. ״Ein leider ganz alltäglicher Vorgang war es, der mich zu diesen Betrachtungen anregte. Am 31. März d. J wurde von einer Magdeburger Strafkammer der Arbeiter Hugo Bönsch aus Fermersleben zu anderthalb Jahren Zuchthaus und 300 Mark Geldstrafe,sowie zu zweijährigem Ehrverlust verurteilt. Der diesem Urteil zugründe liegende Tatbestand war folgender: Am 9. Juni und 5. November v. J. wurde Bönsch in einem Zivilprozess als Zeuge vernommen .und erhielt an Versäumniskosten einmal Mk. 3,20 und das andere Mal Mk. 4 ausbezahlt, während er nach der späteren Ermittlung im Hinblick auf seinen damaligen Arbeitsverdienst jedesmal nur Mk. 2 zu beanspruchen hatte Der Aneklagte gab vor, aus Not geandclt zu haben, was doch am Ende keineswegs ganz unglaubwürdig kiang. Und trotzdem diese fürchterlich hohe Strafe! — Anderthalb Jahre Zuchthaus und zweijährigep Ehrverlust als Strafe dafür, dass er sage und schreibe dreiMark und zwanzig Pfennige mehr forderte und erhielt, als er nach der Gebührenordnung zu bean- Sprüchen hatte! . . ״Zeit am Montag" No. 16 vom 18. 4. 1904. ״MUftlriustiz. Das Kriegsgericht der 16. Division hatte einen wegen Misshandlung Untergebener oft vorbestraften Sergeanten des Infanterieregiments Nr. 161 in Trier zu drei Monaten Gefängnis und Degra* dation verurteilt Es heisst in der Anklageschrift, dass der Sergeant die Untergebenen bei jeder Gelegenheit misshandelt habe; er schlug sie mit dem in der Scheide steckenden Seitengewehr auf den Kopf und mit der Klopfpeitsche über Kopf und Rücken. Infolge der Misshandlungen, die er durch den Sergeanten zu erdulden hatte, versuchte ein Musketier, sich das Leben zu nehmen, konnte aber noch gerettet werden. Infolge des Leumundszeugnisses, das der Hauptmann und der Feldwebel dem Sergeanten ausstellten, hob das Oberkriegsericht das Urteil bezüglich er Degradation auf. Dann kann er also von neuem beginnen." ״Berliner Zeitung" No. 182 v. 19.4.1904. Abendausg. Erster Versuch, die Summe der Juden ,in Europa zu bestimmen.*) Ia allen Oesterreichiscben Steten, über 223 000: In Nieder-Oesterreich. . . . . . . . 570 ״ Friaal. 4CO , Tyrol und Vorder-Oesterreich . . . I 530 1 Böhmen. . « ,« . . . » . . , ■ . 35000 , Mehren. . . . # . . . . . » . .- 24000 ,Schlesien. 8 000 ,Mantua. 2 660 , Bukowina, 110*» Familien, ä 5 Köpfen . . 5530 , Galizien u. Lodomerien, gezält im J. 1785 . 157 000 In den Preusaischcn Staten: In Pom mern.. . . . I 170 ,Magdeburg. 83 , Ost-Friesland. \ . 296 , Schlesien . . « . . . . . , 11000 , Presbourg (Dies verstehe ich nicht. SJ. . . ,2 020 Von Sachsen, Bayern, Braunschweig Lünebürg, und andern deutschen Staten, weiss man nichts. * In Hessen, gezählt über.. . .1 400 , Hamburg, gewiss gegen..10000 , Altona, gegen . . . . . . . . . . .!6000 , Bonn. . . .. . . . . * . ... . . ■ 200 Im Württembergschen . ....... 426 In Frankfurt am Main.. 7 000 , Polen . .*־. 500000 . , Frankreich, im J. 1781, 3045 Familien, k 5 Köpfe . . . . . . . 1 . . .‘.15 225 Im Eisass (wenigstens um 6000 zu gering) . .. 4 200 י) Aus Sur Moses Mendelssohn, sur ia reforme poiitique des Juifs . . . par ie Comte de .Mirabeau, p.!27 sq., der seine Angaben aus der Statistischen Ueberslcnt des Hrn. Kriegs-Rats Randei ge• nommen zu haben gestehet. Dieser erste Versuch ist noch äusserst unvollkommen: er stehet blos hier, um vielleicht weitere Unter• Buchungen und Anzeichnungen über dieses wichtige Datum zu veranlasseil. . ...; . , •8.׳