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Jüdische Rundschau · 1904-05-13 · Heft 19 (13.5.1904) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 19 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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/ J ■ Seite 2m. 1 ü\'p I S C. H E RJJNJDSCH A U. No. 19. ,.England'.12 . 1 . '. . . . . .... ׳OÖO , Herzogt. Savoyen. 5 67a , Kl rchen'-Stat .• . . . . . . . 8Oj0 [ln Holland? der׳T U r k e i?). . . ...־־, — Etwa 97UU0Ü Stats-Anzclgen von Ludwig Aug. Schlözer. Bd. 13, H. 49.; S. 87/88. Göttingen 1789.; Kleine Chronik. | Charlottenburg. Ortsgruppe des B. D. B. Am 29. v. M. sprach rrl. Täuber über ..Bodenreform und altes Testament". Der anregende und belehrende Vortrag gab zu einer regen Diskussion Veranlassung, an der sich besonders die Oiiste betätigten. Wir hatten das Vergnügen, die Vorstände von zwei Charlottenburger Vereinen, mit denen,wir in Fühlung stehen, zu begrüssen und hohen, bald aus diesen greisen neue Mit* gheder aufnehmen zu können. Vor der Strafkammer des Landgerichts Meiningen fand heute eine recht bemerkenswerte Verhandlung statt, der cuc im öffentlichen Interesse auf Anordnung des Ober'andesgerichts Jena erhobene Klage zu Grunde lag. Als Nebenkläger, Beleidigter, und Zeuge erschien ein Kaufmann M. aus Eisenach. Der Anklage liegt folgender Tatbestand zu Grunde: Im November v. J. logierte der Kaufmann in einem Gasthaus '11 Heldburg, wo er schon öfter eingekehrt war. Der Herr ist Jude. Fr sass in der Gaststube allein an einem Tische, an einem anderen Tische hatten drei Herren und eine Dame Platz genommen, die s'ch zu den Honoratioren des Städtchens zäh* len. Es war abends 5 h's 6 Uhr. Die Gesellschaft erging sich in antisemitischen Anulkereiu׳. die sich direkt gegen den Rci* senden richteten und die zu'ctzt einen solchen Charakter an* nahmen, dass der Reisende den Gasthof verliess und in einen anderen übersicdclte. Aber auch dahin iolgten ihm die Radiubrüder, setzten ihr Unwesen fort, wie auf gemeinsame Verab* redui'g. Dabei tat sich ein Apotheker besonders hervor. Endlieh kam cs zu Tätlichke'ten, .'n deren Verlaufe dem Herrn M. der Arm ausgerenkt wurde. Aber auch Jetzt noch hatte die Rohhat kein Ende. Einer' der Herren brachte höhnisch ein grosses Wandthcrmomcter. um uie Eieberwärme des Verletzten zu messen. Der Vorsitzende des Gerichtshofes bemüht׳.* sich sehr eifrig um einet! Vergleich, der auch zustande kam und der Gesel'schait solidarisch etwa 700 M. an Kosten und Entschädigung auferlegte. Der tätliche Angreifer, von dem man annahm, dass er, in anderem Aufträge gehandelt habe,; erhielt noch extra eine Geldstrafe von 20' M. eventuell 4 Tage Haft. Königsberg L Pr. Von allen Freunden eines offenen und ehrlichen Judentums wird es gewiss mit grossen Sympathie begrüsst werden, dass s'ch auch an hiesiger Universität ein ״Verein Jüdischer Studenten“ konstituiert hat. Es ist dies bereits die siebente Gründung des ..Bundes Jüdischer Korporationen. Mit seinem Antrittskornmers. der am 26. April im Marmorsaalc des Hotel de Berlin stattfand, trat der ״Verein Jüdischer Studenten“ zum ersten Mal 511 die Ocffcntlichkeit. Ein auserlesenes Publikum aus den ersten jüdischen Kresen. hauptsächlich Akademiker, hatte sich dazu eingefunden. Nach der Eröffnung des Kommerses mit dem Kaisersalamander, setzte der erste Chargierte Perlis in e'ner gehaltvollen Tendenzrede Wesen und Zweck des Vereins auseinander, der ein Hort und Sammerpunkt der jüdischen Studentenschaft sein und neben der Pflege der Geselligkeit und körperlicher Uebungcn seine MCtgb'eder vor allem mit Liebe zum Judentum erfüllen und mit dem geistigen Rüstzeug zum Kampf für dasselbe ausstatten solle. Im Verlauf des Abends •sprachen A.H. A.H. Dr. Cohn und Dr. Moses im Namen der Kartellverbindungcn Berlin. München und Breslau. Ferner• ergrifien das Wort die Herren Rabbiner Dr. Vögelst ein und Dr. Perlcs, Rentier 'Kirschner, Stadtverordneter Arndt. Oberkantor BOrnbäum und Dr. Hoppe. Die Redner betonten alle die nunmehr geboten? Notwendigkeit jiid:3ch-akademischer Verbindüngen. Der glänzend verlaufene Kommers, der erst in später Stunde schloss, witü jedenfalls bei allen Teilnehmern In freund- *icher Erinnerung bleiben und dazu beigetragen haben, dem Verein qüdischer Studenten in breiteren Kreisen der jtidöseben Bevölkerung einen Rückhalt zu schaffen. (G.). Duisburg. Die Verwaltung der hiesigen Jüdischen Gerheinde hat bescb'ossen, einen Rabbiner anzustellen. Das Jüdische Kinderhospiz Duhnen bei Kuxhavcn an da־־ Nordsee eröffnet für die Zeit von Juni bis September vierwöchentliche Kurperioden. Wir verweisen auf das Inserat in dieser Nummer unserer Rundschau. Aus Russland. Home!. Die Zeitschrift ״Frawo" berichtet über eine in Hornel unlängst stattgefundene Gerichtsverhandlung, welche beweist, mit welchen verwerflichen Mitteln die Judenfeinde arbeiten, uin neue Judenexzesse zu provozieren. Der Gerichts- Verhandlung lag^folgndr Sachvrhalt zu gründe: In der Stadt Hornel wurden Gerüchte verbreitet, dass die Juden im gegenwftrtigen Kriege in Ostasien den Japanern allerlei Hilfe erweisen. Der Oberaufsichter der Weichensteller der Rowny- Eisenbahn in Hornel. Gorbatschow, erzählte im Geschäfte des Dawydow in Gegenwart vie’er Bahnarbeiter, dass der Homeler Jude Jacob Lowjanow den Japanern 6 Waggons mit Verband- Stoff und Charp'c gespendet habe. Er gab nun an. dass er selbst gesehen hätte, wie die Spende Lowjanows cinwaggojiiert worden wäre. Diese Erzählung rief unter den Arbeitern begreifllchc Entrüstung gegen die Juden hervor. Die Arbeiter gingen mit dem Beschlusse iort, Rache an den Juden zu nchmen. Auf der Strasse rieten viele: ..Wir werden die Juden massakrieren!“ Es ist somit begreiflich, welch grosse Unruhe unter den Juden entstanden ist. Infolge der Intervention des Juden Lowjanow wurde Gorbatschow, der Verbreiter des Gerüchtes. dem Gerichte überantwortet. Der Privatkläger, der bekannte Adokat Sarudny. hielt eine längere Rede, in welcher er die Gefahr der verbreiteten Verleumdung für das Leben der Juden und die grosse Panik, welche unter den Juden herrscht, in beredten Worten schilderte. Das Gericht verurteilte Gorbatschow zu drei Wochen Arrest. Klschlnew. Die offiz'cllcn ,.Bcssarahskiia Gubernskija Wjcdcmosti“ publizieren folgenden Erlass des Erzbischofs Jacob an die Ocist'iclikcit von Bessarabien: ״In letzter Zeit sind vielfach Nachrichten darüber eingelanfen. dass übelgesinnte Personen unter dein einfachen Volke Gerüchte verbreiten, wonach dfe Juden überhaupt, darunter auch die bessarabiseben, sich übelwollend gegen die Regierung verhalten, dass sie Geld sammeln und cs nach Japan senden: ferner werden andere lügnerische Nachrichten über die Handlungen der Juden verbreitet, wodurch das o'nfaclic Volk gegen diese aufgebracht wird. Ohne über die Ungereimtheit dieser Gerüchte ein Wort zu verlieren, erwähne ich. dass die Juden in Bessarabien seit dem Beginne des Krieges e'nc ebenso grosse Bereitwilligkeit, dem Vaterlaude zu dienen. \\ ie die übrige Bevölkerung, an den Tag legen und diese Bereitwilligkeit auch durch die Versieherung treuunteriänigster Gefüh'c für den Thron äussern. wofür sie der allerhöchsten Daukbarke't gewürdigt wurden: ebenso äussern die Juden ihre Vaterlandsliebe durch ihre Spenden zum Besten der Kranken und Verwundeten im fernen Osten. Wenn die oben erwähnten Gerüchte, ohne widerlegt zu werden, ins Volk dringen, so kann sich leicht die Uebcrzeugu.ig festsetzeii. dass sie begrnüdet seien, was wiederum ohne Zweifel einen Hass gegen die Juden hervorrufen kann der leicht ähnliche Ausschreitnngen veranlassen könnte, wie sie im April vorigen Jahres stattfanden. Uni Unordnungen vorzubeiigen, habe ich die Ehre. Euer Ehrwürden zu fragen, ob Sie es nicht für nütz- Ich halten, dass d:e Geistlichen in den Kirchen und bei jeder Gelegenheit das Volk aufklären." Auf dieses Schreiben erbess der Bischof nachstehende Resolution au das Konsistorium zur sofortigen Beachtung: Den Geist'ichen aller Kirchen der Eparchje ist durch Rundschreiben mitziitcilen. dass sie bei jeder Gelegenheit ihre Oemchidemitglicdcr darüber aufzuklärcii haben, dass sich die bessarabischen Juden zu den Ereignissen im fernen Osten ebenso wie die tibr'gc Bevölkerung verhalten nhd auch wie diese freiwillig Opfer bringen. Was die von übelgesinnten Personen verbreiteter Gerüchte anbetrifft, wonach die Juden Geld für de Japaner sammeln sollen, so s'nd diese Gerücht absolut unbegründet. Schliesslich wird den Geistlichen vorgeschriebe!!. Acusserungen eines feindlichen Vorh:Utens gegenüber den Juden sofort zur Kenntnis der Episkopa'- nbrigke't zu brngen. Petersburg. Die Ergebnisse der jüngsten Konferenz des grossen A.-C. erfüllen die russisch-jüdischen Blätter mit grosser Freude und mit Hoffnungen auf den crdgiltigen Sieg der zion'stischen Sache. Die ״Buduschtnostj" schreibt darüber wortlieh: ״Der endgiltig eingetretene Friede eröffnet die Möglichkeit fernerer gemeinsamer Arbeit. Aber diese Tatsache spricht für die riesig grosse Arbeit, welcher die zum'stischcn Bewegung innowohnt. Die zionistische Organisation erwies sich so mächtig, dass sie alle unterseeischen gefährlichen Felsen, welche auf ihrem Wege lagen, glücklich umschiffen konnte. .Das ist schon an und für sich ein grosser Erfolg, zu dom die Führer der Zionisten sich gratulieren können.“ Petersburg. Aus dem jüdischen Nicd-orlassungsgebicte treffen hier sehr beunruhigende Nachrichten über die immer an Umfang und au Schärfe zunehmende kritische ökonomische Lage unserer Volksgenossen ein. Der .Woskhod“ widmet l dieser Tatsache sogar einen Leitartikel, in welchem auf die

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