Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1904-05-13 · Heft 19 (13.5.1904) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 19 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651341-2651361--01280-2658123
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

”TT?1 *;1!1""*:י#‘'"■* •. ■ * : יש:ד5״ 6elte 202: JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 19. 1 die Karte, worauf der letztere sagte: ״A, dös net, an* Juden gib i ka Karten.“ Schliesslich wurde ein Wachmann herbeigerufen. dessen Intervention man erbat, damit sich der Schreier legitimiere. Auf dem Wege zur Wachstube schimpfte und fluchte er weiter über die Juden, was auch der Sicherheitswaebniann Nr 2466 bei der Polizei angab. In der Wachstube legitimierte sich der Herr als der Magistratsbeamte Heinrich Demel.“ — Der Interpel'ant fragte den Bürgermeister Dr. Lueger, was in dieser Sache geschehen 4״. Bürgermeister Dr. Luegeir erwiderte: ״Ich habe Herrn Demel zu mir gerufen, um fhn über die Sache zu befragen. Soviel n£r mitgeteilt wurde, ist das. was in den Blättern enthalten war, nicht richtig, und ich habe somit keCne Veranlassung gehabt, weitere Verfügungen zu treifen.“ Bezeichnend für diese Antwort des christlich-sozialen Bürgermeisters ist das Urteil, das vor dem Wiener Bezirksgericht -Leopoldstadt über den Magistratssekretär Heinrich Demel, ergangen ist. Er wurde vom Gericht in eben dieser Sache wegen Privatbeleidigung unter gleichzeitiger Ucbcrgabe der Akten an die Staatsanwaltschaft zu 48 Stunden strengen Arrestes verurteilt. Aber was dein christlich-deutschen Bürgermeister recht ׳ist. muss natürlich den ruthcnischcn Bauern bi'lig sein, wenn sie־ auch ihre Judenfeindsehnft, die ehrlicher und weniger niederträchtig ist, in tätliche Roheiten umsetzen. In Kolomca, Kossow und Zahle fanden am 6. Mai rutheniseke Ausschreitungen gegtui Jucüm und Polen statt.. Die ruthenischcn Bauern sind darüber erbittert, dass von der Aushebungskommission ans Mangel an Steliungspilichtigen jüJ:- scher und polnischer Nat'onalität ausschliesslich •rutlienische Bauernsöhne zum Dienst bestimmt wurden. Sie zerstörten und plünderten jüdische und polnische Kaufläden und schlugen viele Frauen und Kinder blutig, bis das Militär cnd^ch die Ruhe wiederherstellte. Infolge von Drohungen, die in den Ortschaften Pabic und Kuty von Bauern gegen die polnische und jüdische Bevölkerung ausgestossen wurden, hat der B^zirkshauptmann von Kossow Massrcgcln zur Sicherung der Ruhe und Ordnung veriügt. — Zu den Exzessen In Zabie meldet ferner noch ..Slowo Polskie“: Schon seit langem meldeten Gerüchte, dass die Ruthenen für den 5. d. grosse, gegen Polen und Juden gerichtete Unruhen vorbereitet!. In rutbenischen Versammlungen wurden aufreizende Reden gehalten. Einer der Redner, ein Bauer aus Zabie. wurde wegen Aufwiegelung verhaftet, und gestand, dass ein Massaker gegen Polen und Juden in Vorbereitung war. Unter der Bevölkerung entsand eine Panik. Der Gusbcsitzcr von Zabie. das Steueramt und die Intelligenz der Einwohnerschaft verlangten Militärasslstepz. Erst als diese in der Stärke von IIP Mann dort einlangte, trat könnnen es Korolcnko. der einer der wenigen Russen ist, die zur wirklich gesitteten Menschheit gehören, nachnihlcn. dass er sich in seiner Nation schämt. Und doch ist es nur ein schwaches Stück aus dem Kischinewer Blutbade, das er zum Ausdruck bringt. Das Büchlein muss verbreitet werden. H. S. Adolf Altmann. Rabb.-Kand. In Epcrjes: Zionismus und Anti- Zionismus. Zionismus und Sozialismus Zwei Reden. Eperies. 1903: Pannonia. 23 S. 8. Durch, das Verschulden des Buchdruckers und eines Abschrcibors,‘ den! Altmanu aus Mangel an Zeit in die Hände fiel, ist ein Kauderwälsch fabriziert worden, das die beiden Vorträge für jeden Leser ungeniessbar macht. Der Rezensent, der leider gezwungen ist. in dieser Gestalt die kleine Schrift lesen zu müssen, gesteht, dass er den Eindruck batte, dass eine echte Begeisterung und viel rhetorischer Schwung, besonders durch den ersten Vortrag hindurchgellt, und dass die Agitation in Ungarn durch eine korrekte Ausgabe vielleicht gefördert werden könnte, freilich nur in konservativen Kreisen. Leider — und das ist im Interesse der gesunden Wcitercntwickelung des Zionismus sehr zu beklagen — haben sich dem Zionismus annoch erst die sogenannten ״orthodoxen" Juden ange- . schlossen, ~ während sich die weiten Kreise, die in Ungarn sich einbiiden. freisinnig zu sein. dem Zionismus noch recht femstehen. Für die konscrvativen Kreise kommt Altmann als Wegebner*-zum-Zionismus ' sehr wohl in betracht. Nur hätte er sreh eins ja gesagt sein lassen sollen — und das geht nicht nur iim an — man kann ein ausgezeichneter Agitatioiisrcdncr und zugleich eiu ganz scheuss- 'licher Reimschmied sein. Und er macht von diesem Recht in dem zum Schlüsse gegebenen Gedicht ..Kischiucw und Belgrad“ zu reichlichen Gebrauch. Der Vers Koheiot 12. 12 ist für solche Dichter geschrieben. Ihn nehme er sich ad notatn!. . . H. S. Ruhe ein. Nach Kuty wurde eine Abteilung von direisslg Mann beordert. Aus Kolomea wurde in die bedrohte Gegend der Gerichtsrat Wisznicswski gesendet, um die Untersuchung darüber cinzulciten, ob die Exzesse vorbereitet waren oder anlässlich der Rekrutierung plötzlich ausbrachen. Aus Furcht vor Fliinderungen ergriffen einige jüdische Zabiecr Famüien die Flucht. Uebcr die angebliche Verbesserung der Lage der russisehen Juden schreibt man der ״Frankfurter Zeitung“: Deutsche Blätter haben eine vom ״Berl. Tagcbl." veröffentlichte Petersburger Korrespondenz w־iedergegeben wonach die russische Regierung sich von der furchtbar traurigen Lage der Juden überzeugt und eine Verbesserung ilrper Verhältnisse ins Auge gefasst hätte. Personen, die über die Situation gonau unterriebet sind, erklären, dass davon nichts wahr sei. Der auf den Juden lastende Druck der Ausnahmegesetze werde von Tag zu Tag stärker, und c$ hätte wenig zu bedeuten, wenn selbst eine Verordnung — wie im vorigen Jahre als Pflasterdien auf die Wunde von K'ischinew — erschiene, wonach in einer Anzahl von Dörfern im ״Rayon** der Juden (d. 11.' einigen Dutzend Familien) der Aufenthalt gestattet werden würde. Aber au.h das sei nicht der Fall. Erst dieser Tage meldete der , Kicwijaiüi", dass man daran gellt, aus dem Dorfe Nikolsk. Gouvcrn. Tsciieraiigow (innerhalb des ״den Juden offenen" Ansiedlungsrayons gelegen!) 115 jüdische Familien, zusammen 600 Seelen, zu vertreiben, da sie sich dort entgegen den temporäreit Ausnahmegesetzen von Jahre .ISS’ niedergelassen hätten! Die LanJpolV.ei har.e während zweier Jahrzehnte, im Interesse des Bezirkes, die Niederlassungen geduldet, manche Juden haben dort ihre besten Lebensjahre verbracht und sich und die ihrigen durch rcd'iche Arbeit ernährt — jetzt sollen sie allesamt verjagt und zu Wanderbettlern gemacht werden. Eine erfreuliche Uebereinstimimmg herrscht zwischen dem ״Berliner Tageblatt" des Herrn Mosse und dem Maccabaean. dem offiziellen Organ der eng’ischspreclienden Z'onisten. Natürlich handelt cs sich um die so viel umstrittene Frage, ob eine jüdische Kultur auch ausserhalb ciiies jüdischen Landes b’fihcn, wachsen und gedeihen könnte. Das ״B. T." schreibt darüber im Zeitgeist: ״Was sich an den Juden gerächt hat. war der Wahn, eine Kultur unterhalten und ausbreiten zu können, die der schützenden Grundlagen eines festen Staatliehen Organismus entbehrte." Natürlich stellt im Zeitgeist statt Juden Hellenen da, aber sonst ist es ganz dasselbe. In demselben Sinne, nur mit unverblümter Spitze gegen Acliad Haani, spricht sich der Maccabacau in einem Aufsätze über Kultur aus. Er sagt: ״Sogar das Ghetto in seiner schärfsten Form haucht etwas aus. das von einen! Substrat nichtjüdischen Geistes kommt. Jüdische Kultur kann es nur auf jüdischem Boden geben und in einem jüdischen Staatswesen. Hier gibt es nur Ansätze dazu." Wird Acliad Haani nach diesen ״Zitaten von Autoren, die man anerkennen muss“, noch länger zögern, sich denen offiziell anzuscliliesscn, die der jüdischen Kultur auf politischem Wege ihr Land verschaffen wo'len? Freilich kann er oimvenden, der Maccabaean ist partei-zionistisch. — Aber das ״B. T."?! Welt-Chronik. Professor Schecliter, der Präsident des Jüdisch-Theologischen Seminars von Amerika, hat sich kürzlich in sehr intercssantcr Weise über den Zionismus ausgesprochen. Man erzählte sich in jüdischen Kreisen, Prof. Schecliter, der im jüdischen Leben Amerikas eine nicht unbedeutende Rolle spielt, wolle sich dem Zionismus aiischlicssen. Daraufhin begab sich ein Miturheber des ..American Hebrew” zu ihm. dem er etwa folgendes sagte: ' .... ״Soweit der Zionismus philanthropisch ist, halte ich ihn für Überflüssig. Wir haben genug Körperschaften und Einzeipersonen, die das Liebeswerk. in .so ausgezeichneter Weise aus- - üben, wies kein anderer könnte. Aber ich glaube, der Zfonistnus kann eine grosse moralische Macht werden, wenn er düs jüdische Bewusstsein schärft, w׳enn er das Einigkeit*- und i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.