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Jüdische Rundschau · 1904-05-06 · Heft 18 (6.5.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 18 (6.5.1904)
Date
1904-05-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 192. .___JÜDISCHE ,dankengangcs, der den Vortrag beherrsch!(!; gebe ich ohne Cmpmcatar zwei, ah verschiedenen Stellen der Rede cingeligtc Zitate weder, von denen das eine, wohl infolge eines apsus linguae. eine kleine Veränderung erfuhr; ,.Nichtswürdig!st die-,Gemeinschaft, die nicht ihr alles setzt an ihre ihre“ und —•'-״Wenn ich je dein vergesse, Jerusalem. dann verdorre meine Rechtet“ — Lassen Sie mich, da cs mir aus begreiflichen Gründen nicht .möglich ist. auf den Gedankenmhalt des Konglomerats vo!1 Fragezeichen einzugehen., a’s das sich der Vortrag repräsentierte. Ihnen weiter erzählen. d?$s Herr Dr. Seligmann in sich und d^mit.in uu* Jude!! zWci Seeleh zu konstruieren sich tiiiterflng, wie er sagt; ״eine jüdische und eine deutsch׳•• Seele“. Man hätte das Schwergewicht bald auf A'e andere zu legen und momentan sei es die erstere, die mit besonderer Aufmerksamkeit zu bedenken sei. Es war bedauerUclu das* Redner diesen geistvollen Gedanken nicht In seinen Kons׳:- quenzen verfolgte. Vielleicht benützt Cr die Stunden seine! Mü$se. zli Nutz und Frommen für seine gläubigen Doppelscelen einen Kalender aüszuarbeiten. i!1 d^m bei jedem Tage des Jahre* — hin Vfef^t^^liclikclteh vhiiübeiigen - uurch einen tesp. entsprechend durch das?!!deutsche: ״Hei1. Heilö, Wacker!“ vermerkt ist. oh man an diesem Tage die jüdische oder die deutsche Seele zu präsentieren habe. Denke ich an die lebhafte Phantasie, die unsere Volksgenossen ausze'chnet.. so eröffnet sich die Perspektive ailf eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Sich an.dieses epochale Werk knüpfen würden.. Welch..henliehe Aussichten •für den Denkei. der sich mit dem Thema beschäftigen wird; ״Wenn Roschhaschana auf den Sedantag fällt — jüdische Seele odc-r deutsche?“ oder ..Chanukah“ und das weihnachtliche Sonudwcndfest, Betrachtungen eines Doppelgcseclten“ oder ״Sind der jüdische und der deutsche Seeleiihinnnel koordiniert oder subordiniert (mit, einem Anhang: Kain» tlfcr ilopbeltbescfclte aiicli dopue’i seelig werden und wodurch unterscheidet sich dieser Zustand von der einfachen, normalen Sed'gkcit?)“ u. a. m. — Herr Rechtsanwalt Horwitz erhob sich, um sich über Tendenzen und Tätigkeit des Zentralvereins deutscher Staatsbnrger in fast längeren Auseinandersetzungen zu ergehen, als der Vortragende cs mit seinem Thema getan. Den Lesern der ״Jüd* Rundschau“ sind die Ausführungen des Herrn Rechtsanwalts (Schema F) wohl durchweg bekannt. Hier sei nur erwähnt, was in se'ner Rede original zu sein den Anschein hatte. Herr Horwitz kam auf den Zionismus zu sprechen und er war der Erste, der dieses Lied anstimmtc und mit dem Refrain: ״Seid einig, einig, einig”, auch den Zio- 1!;sien den Eintritt In den Zentralverein empfahl. Bis dahin ntm hätten seine Auslassungen sich von den alltäglichen Aeusserungen von Seiten unserer Gegner und derer, die uns imöfferent gegenfiberstehen, in nichts unterschieden. Herr Horwitz fand sich bemiissigt weiter zu gehen und verlor damit die Sympathien, die wir ihm bisher entgegenbrachten, fast vollständig. Herr Rechtsanwalt Horwitz. der eine hervorragende Rolle in der Bewegung des Zentralvcreins spielt, dci ja gewiss in schier Berliner Heimat in Beziehungen zu hervorragenden Zionisten getreten ist. und somit genau orientiert sein muss über den Zionismus, zum mindestens über die Grundzfigc desselben, bat den Anschein zu erwecken versucht, als sei ihm der Stand der Bewegung im Augenblick nicht bekannt, sprach von dem häufigen Wechsel und der Mauserung de| Anschauungen im Zionismus und ventilierte scheinbar ernsthaft de Frage, wie der Zcntrnlvcrcm sich zu stellen hätte, wenn der Zionismus einen Abfluss sämtlicher J u d c 11 nach Palästina erstrebe. Wie wenig ernsthaft er dies meinem konnte, erhellt daraus, dass er die Mitarbeit einer Anzahl von Zionisten Im Interesse des Zentralvcreins lobend hervorhob und wie erwähnt, die etwa anwesenden Zionisten zum Eintritt auffordertc. Die Diskussion begann. Ucbcr den lausend Köpfen lag etwas, wie gespannte Erwartung, wie Gewitterschwüle, als als erster Redner unser Freund Dr. Kalmus die Tribüne bestieg und mit beredten Worten unter Bezugnahme auf die Schlussausführungcn des Rechtsanwalts Horwitz das Thema ..Zionismus“ zur Sprache brachte. Man wird gerade dteseni Redner gewiss nicht den Vorwurf machen könne!!, dass seine vornehme Ausdruckswcisc geeignet sei. Vertrete» anderer Ansicht zu verletzen. In ruhiger Welse, in!nass- -vollster Form versuchte er, die Versammlung über Mlssve»- stündnisse bufzuklären. die in dein Nichturierrichtetcn ein schiefes Bild über dio Bestrebungen des Zionismus hatton Hervorrufen müssen. (,Herr Dr. Seligmann hatte die Zionisten als junge Romantiker bezeichnet). Er versuchte! Dem! schon nacli den ersten Worten wurde Redner von einigen Radaulustigen unterbrochen, und seine Auffassung des Seligmann'- scheu Passus als Irrig erklärt, und als er gar wagte, das farbcnprächtüge Schmefchelgewehe, das die Vorredner als Resultat der blsficr'^n Tüftskoit des Zentral Vereines vor den RUNDSCHAU. _No. 18. Atiget! d«r Zuhörerschaft aufgerollt hatten, mit einem kräftigen Ruck zu ierfelsSeh. als er sich unterfing., darauf hinzudeuten, da$s die Erfblgc. dfcr Anstrengungen dieses Vereins durchaus nicht im Verhältnisse ständen zil der Anzahl seiner Mitglieder (IOC000!), dass der Zionismus trotz seines kürzeren Bestandes bereits ein viel umfangreicheres Feld in*; ackert habe und durch Entfachung jüdisch-nationaler BcgeisterUng ganz andere Erfolge unter den Juden Deutschlands erzielt habe — da löste sich die Spannung, die über der Vor- Sammlung schwebte und das Gewitter brach los. Unter der Führung einiger kritiklosef Schfeler brüllte ein Teil der Vor- Sammlung den Redner nieder, ohne dass dei־ Vorsitzende Dr. Samson es für nötig fand; von seinen prfisld'alen Befügnlssen einen rationellen Gebrauch zu Hiächfcn: Im Gegenteil! Nacn einem schwachen Versuch. di? Ruhe wiedor nerzüütellem eisuchte Dr. Samson-nicht etwa" die־ Ä״V.׳cscnden. wie e$ die einfachsten Anstandsbegrlffc erfordert hätten, deri Redner ruhig Weltef reden 2lt lassen, nein, er forderte Dr. Kalmus auf, seine Ausführungen soweit Wie niöglieh abzukürzen, trotzdem dieser £m Gegensätze zu den mehrstündigen Aüsföhnm■׳ gen dfcr beiden vbrredner erst etwa 5 Minuten von der Rede* befugnis Oebrauch gemacht hälfe.. Von fortwährendem Joblen und Schreien unterbrochen, hatte Dr. Kalmus geendet nnu aas Wort ergriff Redakteur Stark, der unter erfreuliche! Stille der Versammlung in ironischer Form die Vergcwaltigung des Dr. Kalmus seitens einiger Radaubrüder. mit Gefolge, sowie das unverständliche Benehmen des Vorsitzenden diesen -Ausschreitungen .gegenüber rügte. Die schmachvolle Behandlung, die Dr. Kalmus für sein Wnghls zu teil geworden war. Ln einer überwiegend gegnerischen Masscnversamnihing auf das von den beiden Hauptrednern angeschlagene Thema des Zionismus einzugehen, veranlasse den zweiteil zionistischen Redner, von einer weiteren Ausführung auf diesem Gebiete Abstand zu nehmen und dafür dem Vortrag des Herrn Dr. Sctigmann eine etwas intensivere Aufmerksamkeit zu widmen; Aber hatte das Unterfangen des Dr. Kalmus Regengüsse von Entrüstung■ zur Folge gehabt, üo wurden Stark's Worte von Wolkenbrüchen begleitet und als Rcduei in Form eines Vergleiches die geistvollen Ausführungen des Vortragenden mit einem ..pappigen Milchbrei“ in Parallele zu stellen wagte, als er seinem Bedauern darüber Ausdruck gab. dass man ihm statt der geraden, festen Linie, die ihn das Thema für diesen Abend hatte erwarten lassen, ein grosses Fragezeichen, statt eines Gedankens, einer Direktive nur cm Mischmasch von Hyper-Teutschtum, Doppclseclc etc. gcgeben habe, erlebte die Radauszene nach jedem Satze eine erneute und recht bedeutend verstärkte Auflage und es war wohl nur seinem Appel! an den Vorsitzenden zu danken, wenn es ilun ermöglicht war. in seinen Schlussausführungen den Zionismus als die einzige konkrete Form hinzustellen, ln der sich der Wille zum Judentum äussen! könne. Und Herr Horwitz sprach wieder. Aber auf welchem Spezialgebiet sich seine langatmigen, wiederholungsreichen Ausführungen bewegten, ist nvr heute nicht mehr recht erinnerlich. Ich weiss nur, dass er sich in höhnischen Bernerklingen über .,die Selbstgefälligkeit und Wichtigtuerei׳“ der durch ihre ״Jugcfud“ ausgezeichneten Zionisten unter dam Beifall der Masse erging, dass er den Beifall den die Zionisten fanden, mit ironischem Lächeln als Ausfluss des ״zion i s t i s e h e ח M u s k e I j u d e n t u m s" hinstelite, dann aber wieder -die friedliche Mitarbeit der Zionisten als wünschcnswert hinsteTte. Die Ausführungen eines anderen Herrn, der das Endziel der Zionisten, wie das der Antisemiten als ein verwerfliche* bezcichnctc. hier zu besprechen, erübrigt sich. Dem S a t y r s p 1 e 1 der Doppelfirma Sellgmann-Horwitz war die Tragödie Kalmus-Stark gefolgt. Der Vorsitzende Dr. Samson wollte mit seiner Akteurschaft nicht zuriiekstehen und lieferte die Komödie: Es war ein Antrag cingclaufen auf Schluss der Debatte, die ihre Lebensfähigkeit und ihr seliges Ende nur der taktvollen Zurückhaltung unserem Freunde zu verdanken hatte. Die Abstimmung ergab, dass die Versammlung die Fortsetzung der Diskussion wünschte. Zwei Gegner erhielten das Wort und Herr Rechtsanwalt Samson erhob sieb, verkündete kurz und bündig, trotzdem noch 6 Redner vorgemerkt waren, er glaube ״aus der Stirnmutig der Teilnehmer" entnehmen zu können, dass sic den Schluss der Sitzung wünsche und-Hob die denkwürdig» Versammlung aui. die sich entsprechend der wahren Bedeutung des Themas ״Der Wille des Judentum“ ausschliesslich mit dem ״Zionlsmu s" beschäftigt hatte. Zum Schluss eine bescheidene Anfrage: Ist es wohl wirklich, \vc Herr Horwitz vermutete. Mangcl an Originalität, dass die von ihm vertretene Politik den Zentralvereins * in Posen. Essen und nun auch In Hamburg von Vertretern des Zionismus d'c gleiche Kritik erfährt, oder ist es ein Zufall oder was sonst? Lothar Stark.

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