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Jüdische Rundschau · 1904-05-06 · Heft 18 (6.5.1904) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 18 (6.5.1904)
Date
1904-05-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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* Seite 190. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 18. behaupten wollen. VVlc ist denn überhaupt die Stellung der christlichen Frau im national-jüdischen Haushalt? Sie muss sich doch sagen, diss sie in dem Moment, wo sic das Haus ihres national gesinnten Mannes betritt, eine jüdische Hausfrau wird resp. an Stelle einer solchen steht und dass sie demgemäss ihre Kinder auch in diesem Sinne zu erziehen hat. Würde sie nicht so empfinden, so würde einfach ihre Stellung von vomherein unhaltbar sein. An Ihr dürfte es daher im allgemeinen weniger liegen, wenn der Nachwuchs der Mischehe sich nicht zu national-jüdischer Gesinnung bekennt. Freilich wird eine arische Mutter ihre Kinder nicht in Gegnerschaft zum Christentum erziehen, das ist aber auch gar nicht nötig. Wir reinen Rassejuden befinden uns doch auch nicht im Gegensatz zur evangelischen oder katholischen Religion, sondern stehen den christlichen Kulturen nur indifferent gegenüber. Und was das dritte Argument Sandlers anbetrirft. dass nämlich durch die fremde Blutmischung das jüdische Rassensolidaritätsgefühl verloren gehen könne, so ist zuzugeben, dass so etwas vielleicht im Laufe von Jahrhunderten eintreten kann. Es Ist aber zu bestreiten, dass es für die kurzen Zeiträume, die hier In Frage kommen, der Fall sein könnte. Dafür ist der Enhertstrieb zu mächtig und viel zu tief durch die Jahrtausende in unser Gemüt geprägt. Der beste Beweis hierfür dürfte der sein, dass selbst die lange Assimilationsperiode des verflossenen Jahrhunderts die gemeinsamen Bande, die das Judentum aller Länder umschlingt, nicht zu lockern vermocht hat. Obgleich doch während dieser Zeit die jüdische Religion als solche für den grössten Teil der gebildeten jüdischen Kreise jede Wertigkert verloren hat. : Sehen wir uns aber nun mal die andere Seite der Sache an! Fragen wir. welche Vorteile die Mischehe für eine jüdischnationale Sache haben kann. Die arische Frau, mag sie Deutsche, Französin, Engländerin, Russin sein, entstammt Volks- Stämmen vor hervorragend kriegerischer und staatenbildender Befähigung, die ausserdem von glühendem Eifer für die Unabhängigkelt und die Grösse ihrer resp. Länder erfüllt sind. Könnten wir diese Eigenschaften der ganzen jüdischen Jugend Im Sinne des Zionismus entflössen, so wäre damit die Juden- * frage gelöst Man nehme beispielsweise an, dass an Stelle der 6 Millionen reiner Rassejuden, die jetzt in den w'estlicchen Gou- vemements Russlands in den elendesten Verhältnissen hinsiechen, 6 Mill. Mischlinge von Juden und Ariern leben und sich ' zur jüdischen Religion bekennen würden. Jedermann wird mir zugeben, dass eine solche Bevölkerung sofort zum Schw׳erte greifen und einem derartigen Elend ein schnelles Ende bereiten würde. Sie würde sicher nicht eher ruhen, bis sie sich nicht mindstens eine Position erkämpft haben würde, wie sie z. B. die Polen in Russland inne haben. Das jüdische Volk hat durch die.zwei Jahrtausende währende Verbannung grosse moralische ־. Eigenschaften, vor allem Opfermut und Ueberzcugungstreue gezeitigt. Seine Staaten-bildenden Qualitäten soll es erst noch erweisen. Vor deren Erprobung ist es augenblickDch gestellt. Es kann ahm nur zum Vorteil gereichen, wenn es zu diesem Behufe sich mit Elementen verquickt, denen obige Eigenschaften in hohem Masse zukommen. Natürlich immer nur soweit, dass ' dadurch die jüdische Eigenart nicht verloren geht Ich komme also, trotzdem ich Sandlers Argumente als gältig anerkennen muss, doch zu dem ganz entgegengesetzten Schluss. Meiner Meinung nach sind Mischehen, sofern düe Sprösslinge dem Judentum erhalten bleiben, der zionistischen Sache eher förderlich, well sie ein Menschenmaterial liefern, das ganz geeignet ist, dem Judenelend, mag es in Europa, mag es in Palästina sein, ein schnelles und gründliches Ende zu bcreiten. SCmplicIsslmus. | Aus der Bewegung. I!««©BI© *********grl Bcrilfi. Die ״Jüdisch nationale Frauenverilnlgung“ Welt am Dienstag, den 26. April (Restaurant Lachmann) ihre diesjährige Generalversammlung ab. Frau Lina Wagner-Tauber, welche den Vorsitz führte, erstattete dn kurzen Zügen Bericht über die Tätigkeit des Voreins im verflossenen Jahre. Das Sommerhalbjahr brachte uns drei Verträge, doch konzentrierte sich die Tätigkeit der Frauen- Vereinigung während dieser Zeit auf die Ferienausflüge. Es kann w׳ohl auch kaum eine dankbarere Aufgabe geben, als mittellosen Kindern Gelegenheit zu verschaffen, der dumpfen Stubenluft zu entfliehen und fern vom Grossstadtstaube sich tüchtig im Freien zu tummeln. Und da bei Gross und Klein diese Ausflüge solchen Anklang gefunden hatten, so wurde beschlossen, auch in diesem Jahre recht fleissig dafür zu wirken. Wohl noch nie hatte sich der ״Jüdisch-nationalen Frauenvereinigung“ ein so reiches Arbeitsfeld eröffnet als im Winter 1903/W. Nicht nur. dass dn jedem Monate 2 Vorträge von bewährten Rednern gehalten wurden, auch in anderer Weise sorgfe der rührige Vorstand für die geistige Entwickelung und Fortbildung des Vereins, und mit gerechtem Stolze erfüllt es uns, wenn wir auf die Erfolge unserer Unterrichtskurse in hebräischer Sprache, jüdischor Geschichte und Literatur und — last not least — auf unsere Diskussions-Abende zurückblicken, die für uns eine Quelle wahrer Freude wurden. Der öffentliche Vortrag von Frau Rcgüia Hollaender über ״Die Juden in Polen“ war ein Produkt dieser D skussions-Abcndc und bew'ies, dass Frauen auch auf dem Gebiete der Rhetorik etwas Tüchtiges zu leisten vermögen. Und auch der Geselligkeit wurde der gebührende Tribut entrichtet. Das Makkabäerfest im Dezember v. Js. versammelte 265 Kinder zu vergnügter Schmauserei und fröhlichem Spiel, und der Unterhaltimgsabend im März d. Js. gab den Erwachsenen Gelegenheit, zu ungezwungerem. gemütlichem Beisammensein. Nach Beendigung des Berichts wurde zur Wahl geschritten. Dieselbe ergab folgendes Resultat: Frau Wagner-Tauber 1. Vorsitzende. Frau Hollaender 2. Vorsitzende: Fräulein Alifeld 1. Schriftführerin. Frau Natanson 2. Schrntführerin: Fräulein Krucz Kassiererin: Frl. Fromm und Fräulein Jacobsolin Kassenrevisorinnen: Frau Samson. Frau Dr. Hofimann Beisitzende. Für das Arrangement der Kinderausflüge wurden vorgcschlagcn Fräulein B a n e t h. Frau Wollmann, Frau Herzog. Möge das neue Vereinsjahr der ״Jüdisch-nationalen Frauenvereinigung“ eine erspriessliche Tätigkeit und Erfolge bringeih, die sic ihrem erstrebten Ziele näherzurücken limstindc sind! A. Tilsit. Der Tilsiter Zionistischen Vereinigung war es gelungeri, für ,die erste öffentliche Versammlung Herrn Egon Rosenber g aus Berlin als Redner zu gewinnen. Das Familienzimmer der Bürgerhalle war bis auf den letzten P'atz gcfüllt Ueber 100 Personen folgten den glänzenden Ausführungen des Redners, der in klarer zu Herzen gehender Sprechweise, darlegte, wie der Zionismus entstanden und was er erstrebt mit lebhaftestem Beifall. Eine Diskussion kam leider nicht zustände, da die Herren Gegner cs vorgezogen hatten, zu schweigen. Elf neue Mitglieder traten der Ortsgruppe bei, die jetzt einen Bestand von *15 Mitgliedern — und über 50 Schekelzahler aufzuw׳eiscn hat Dlstrlktsburea.il Mannheim. Am Sonntag, dem 1. Mal. fand in Karlsruhe eine Plenarsitzung unseres Distrikts unter dem Vorsitze von Dr. Moses statt, welche von den Städten Frei- Iburg. Khrlsruhc. Heidelberg. Mannheim. Frankfurt. Mainz. Wiesbaden, Stuttgart und München beschickt war. In dieser Sitzung fand eine gründliche Erörterung eines von dem geschäftsführendcn Distriktsausschusses vorgelegten Entwurfs zur Neuorganisation der Bewegung in Deutschland statt. Ausserdem gab es Gelegenheit, eine anregende Aussprache über die wichtigsten Fragen in unserem Distrikte und in der deutschen Organisation herbeizuführen. Ausführlicher Bericht folgt in einer der nächsten Nummern dieses Blattes. Den Entwurf finden unsere Leser an anderer Stelle. Kaiserslautern, Am 27. März hielt Assessor Dr. F r i e d tmann aus Wiesbaden im hiesigen ״Verein f. jüd. Geschichte und Litteratur“ einen Vortrag über seine Palästinareise, der von Lichtbildern nach eigenen Photographien begleitet war und durch die Ausw־al11 jüdischer Motive sich ohne weiteres von den sonst, z. B. in Alpen- und Kolonialvercincn. gehauenen Palästinavorträgen unterschied. Der Vortrag war für hiesige Verhältnisse sehr gut besucht und hatte, wie bei der Personlichkeit des Vortragenden selbstverständlich, einen durchschhgenden Erfolg. Wie sich gezeigt hat. ist die Vorführung von Lichtbildern jüdischer Sujets aus Palästina ein vorzügliches Mittel, um auf nichtzionistische Kreise unauffällig, aber nachhaltig einzuwirken. Die Aufnahmen sind vorzüglich und betreffen nicht nur die historischen Stätten, sondern auch die Natur- Schönheiten des Landes sow׳ohl an öden und verlassenen, wie an neukultivierten Orten. Hauptsächlich die Vorführung der jüdischen Kolonieen sowie von Szenen aus dem Leben der Kolonisten sind vorzüglich geeignet, das Vorurteil von der landwirtschaftlichen Üngeeignelheit des heiligen Landes und der jüdischen Kolonisten zu zerstören. Wir machen deshalb Gc-

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