Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1904)
- Date
- 1904-04-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 17. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 183. Sprechsaal. Für die Mitteilungen an dieser S:• üc! . crn'mmt dte Redaktion nur die prcasiesct 11c*e Vcrrrtwi.iuicnfcclt. Die ,Jüdische Rundschau*4 war es, die zuerst den Vorschlag gemacht hat, die Waisen von K i s c h i n e w In einer Nationalschuk in Palästina unterzubringen. Sie verband diese Anregung mit der Propaganda des Belkindschen Projektes. Um so mehr muss es Wunder nehmen, dass sie seitdem kaum mehr für diese Idee getan hat. als dass sie Spenden, die ihr zu diesem Zwecke übersandt wurden, m öffentlicher Quittung auswics. Jetzt geht die Fürsorge für diese Waisen des Jüdischen Volkes ihrem Endzweck entgegen, aber der Beschluss des Grossen Aktionskomitees, der eine Kommission zu diesem Zweck beruft, ist durch eine Debatte eingelcitet. die die schwere Gefahr naherückt, dass diese Waisenkinder der Jerusalemer Lämelschule zur Er- Ziehung überwiesen werden. Es ist seit einem Jahre das falsche Gerücht in Umlaut gesetzt worden, als sei die Unterrichtssprache der Läntclschulc das Hebräische, während säe in Wirklichkeit ein licht immer einwandfreies Deutsch ist. aber ohne der Länielschule nalictretcu zu wollen, muss ich. der ich kein Freund der Altianzschutcu bin. zugebrn. dass die Jerusalemer Allianzschulc um vieles besser als die Lämelschule ist. Was die jüdische Gesinnung anbetriiit. so sind die einen so deutsch wie die andern französisch. Die Zionisten haben kein Interesse, in der Rivalität dieser beiden Anstalten und ihres Hilfsvereins und der Alliance Partei zu ergreifen, lndem sie einer der beiden Parteien, die beide nicht zionistisch sind, die Schüler und das von Zionisten gesammelte Geld zuführet!. Es gibt zionistische Schule genug in Palästina, weint man von der Gründung eines Belkindschen Kirjath-Seier jetzt abschen will, um nicht die Kiscliinewer Kinder einer ins Halborientalische übersetzten Assimilation auszuliefem. Uebrigens Ist statutenmässig die Unterrichtssprache, die durch die Stiftungsurkunde unabänderlich festgclegt ist, für die Lämel- . schule das Deutsche, so dass sogar, wenn guter Wille vorhanden sein sollte, doch aas Hebräische niemals die Stelle eannehmen wird, die ihr in jüdischen Schulen Palästinas zu־ kommt. — Und wo sind die Zöglinge der Lämelschule, die Hebräisch aus der Schule ins Leben mitgenommen hätten? Cavetelmoniti..• Ezrach Haarez. I Kl Kleine Chronik. 2 K 2 Im jüdisch-nationalen Turnverein Bar-Kochba hielt der bekannte Vorkämpfer der Bodenbesitzreform Damaschke einen ebenso interessanten wie unterrichtenden Vortrag über die Bodenreform in Israel. Die grosse Versammlung nahm seine Ausführungen mit dem lebhaftesten Beifall entgegen, ln der Diskussion betonte Dr. Tuch die Wichtigkeit der Bodenreform auch vom jüdischen Standpunkte, während Heinrich L o e w e. als Vertreter der seit ihrer Konstituierung programmatisch bodcnreformcrischcn zionistischen Partei, besonders auf die Institutionen des Nationalfonds, der Volksdomünen und der Oelbaumspendc hinwicss. An der Diskussion nahmen noch die Herren L i c h t e n s t e i n und Lehrer L e w y teil. Der Bar-Kochba hat durch d'ese Versammlung, der ersten unter dem neuen Vorsitzenden Dr. Julius Moses, von neuem bewiesen, dass er es versteht, jüdisch-national und modern zugleich seine Mitglieder mit den wichtigsten P. ־»blernen der Gegenwart vertraut zu machen. Uebngens erwies es sich, dass die Versammlung fast einhellig dem bodenreformerischen Programm zustimmt. I—e. Der jüdische Turnverein ..Bar Kcchba“ veranstaltet am Sonnabend dem 30. d. Alts., ün Patzenhofer. Turmstr. 25/36, eine öffentliche Versammlung, in der Hctt Dt. med. Citron über ״Die Bedeutung des Turnens für die modernen Juden** einen Vortrag halten wird Gäste willkommen. (Sehe Inserat.) Die Jüdisch-Musikalische Vereinigung veranstaltet am Sonnabend, dem 14. Mai. abends 9 Uhr anlässlich der Zentcnarfeier Salomon Sulzer's im Saal des Vereins Berliner Musi- *^r, Kaiser Wilhelmstr. 18m; einen Sulzer-Lewandowskl ibend. Zur Aufführung gelangen nach einem erläuternden Vortrag Solo- und Chorgesänge beider Komponisten. Der Zutritt ist unentgeltlich . . In der Gcneral-Vcrsanimlung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin gab der Vorsitzende, Stadtvcr- ״״ tc*or kouis Sachs, einen Uebcrbltck über die erfolgreiche Wirksamkeit des Vereins in dem verflossenen Jahrzehnt. Dem Verein gehören heute 5-1 Schwestern und 14 Schülerinnen au. welche im Kraukenhause der jüdischen Gemeinde, in de! Privatpflege und in auswärtigen Tochtcranstaltcn wirken. Das Schwesternheim befindet sich Auguststr. 17, die Oberin, Erl. Blau, ist gern bereit. Anmeldungen neuer Schülerinnen entgegcnzunclimen und jede Auskunft zu erteilen. Die Anstellung eines staatlichen Schulinspektors für den jüdischen Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen ist in Aussicht "genommen. Es finden bereits Verhandlungen zwischen den Behörden und dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde statt. Die ..jüdische Statistik** scheint Modesache zu wercPii. In den letzten Jahren haben sich verschiedene Vereinigungen gebildet, die sich die Auigabc stellten, die Massenerscheinungen des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens der Jt10P.1, mittels der statistischen Methode zu erforschen. So entstanden 1902 der ״Verein für jüdische Statistik" in Berlin und im Jahre 1903 in England die ״Society ior Jewisli Statistics". Zt! ihnen gesellte sich jetzt der ״Verein für die Statistik der Juden" in München. Zweck des Vereins ist nach seinem Statuten die Erforschung der Massencrscheinungcu der Juden, zunächst im Königreich Bayern, durch wissenschaftliche Untersuchungen auf statistischer und deskriptiver Grundlage. Doch sollen auch die Verhältnisse in den Nachbargcbieten inithereingezogen werde;!. Der in der konstituierenden Versammlung als Gast anwesende Unterstaatssekretär Professor v. Mayr hegriisste die Gründung ״ des Vereins, indem er hervorhob, dass die Ziffern der amtliehen Statistik erst durch eingclicude Detailgliederung recht nutzbar gemacht werden können und sich zu dieser Arbeit statistische Gesellschaften besonders eignen. In die atiiüegenden Listen zeichneten sich 60 Herren ein. von denen etwa cfc'e Hälfte eine aktive Mitarbeit in Aussicht stellte. Nähere Auskunft erteilen der 1. Vorsitzende Dr. Arth. Cohen. Haydn- Strasse 5. und der 1. Schriftführer Dr. Halpcrn. Friedrich- Strasse 1. Wir werden nächstens Gelegenheit nehmen, über die älteste europäische Judeustatistik aus dem 18. Jahrhundert zu berichten. Die Lehranstalt für Wissenschaft des Judentums in Berlin vercnentlicht soeben ihren 22. Bericht. Die Zahl der Hörer betrug im Sommcrhalbjalir 1903 42 (33 Deutsche). 9 Ausländer), im Winterhalbjahr 1903/W 44 (32 Deutsche. 12 Ausländer), die Zahl der Hospitanten betrug 5, bezw. 7. Der Lehranstalt sind im Laute des Berichtsjahres verschiedene Zuwcndüngen gemacht worden. Das Vermögen der Moritz Lazarus- Stiftung beträgt zur Zeit 2-1200 Mark. Frau Justizrat Apolant hat eine Samuel und Eugen Apolant-Stiftung mit einem Kapital von 15 000 Mark errichtet. Rittergutsbesitzer N. Bernstein hat der Lehranstalt eine Schenkung von 100 000 Mark behufs Er- Werbung eines eigenen Hauses gemacht. Zum Andenken an ihren dahingeschfedcncn Gatten errichtet Frau Geh. K־׳“’rnerzien-Rat Ida Simon einen Louis *Simonsebcn L c h r s tu h I für Geschichte und Literatur bezw. für die Kthik und Religionsphilosophic des Judentums. Die Einnahmen der Anstalt Im Jahre 1903 betrugen 313S9 Mark (darunter 1204־ Mark jährliche Beiträge). Dazu kam noch ein Kassenbestand von 15 688 Mark. An Honoraren wurden verausgabt 12 825 Mark, für Miete 1729 Mark, an allgemeinen Verw׳altupgskosten 2061 Mk. etc. Der Kasscnbestand beträgt 830*1 Mark. Der eiserne Fonds beträgt 268 190 Mark. In der wissenschaitlichen Beigabe des Berichts behandelt Dr. J. Elbogeu ״die Religionsanscliauungeii der Pharisäer" mit besonderer Beriicksichtigmig der Begriffe Gott und Mensch. Au der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. (Liudcnstr. *1850־) werden im Sommer-Seinester 190*1 iolgende Vorlesungen gehalten: Herr Dr. Bancth ward lesen: 1. Talmud Babli stat. Kidduschin Cap. II. •1 Stunden. Montags und Donnerstags 8—10 Uhr. 2. Jore LVa (Tur und Schulchan 'Aruch. 83— 86) 2 Stunden. Montags und Donnerstags 10— II Uhr. 3. Eben ha’czer XVII, 1 Stunde, Donnerstags!1—12 Uhr. 4. Misclme Tora. V. Buch. 2 Stunden, Montags und Donnerstags 12—1 Uhr. 5. More N'huchim II. 2 Stunden. Dienstags und Freitags 11 bis 12 Uhr. ״ . 6. Pentateuch mit alten Kommentaren, 2 Stunden, Mittwochs 111־ Uhr. ״ . 7. Einleitung in den Talmud, 1 Stunde. Montags 11—12 Uhr. Herr Dr. Elbogen wird lesen: