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Jüdische Rundschau · 1904-04-29 · Heft 17 (29.4.1904) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 17 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 182. No. 17. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Diskussion kam. Mit dem Danke des Vereinsvorstandes au den Redner schloss der offizielle Teil, nach welchem noch ein Krosser Teil 1er Versammlung sich zu gemütlichem Beisammenscin vereinigte, bei dem der Erfolg des Abends gefeiert wurde. An der Versammlung nahmen Delegierte aus Prag, Raudnitz und Karlsbad •teil, Bcgrüssungen trafen ein von Dr. Herzl, allen zionistischen Vereinen in Böhmen und vielen Persönlichkeiten. Als Mitglieder meldeten sich an 100 Personen, so dass der Verein nahezu 200 Mitglieder zahlt. Rechtsanwalt, Provinz Hessen-Nassau, möchte wegen Erkrankung, seine umfangreiche Praxis ]iidlschem Kollegen übergeben. Entschädigung ausgeschlossen. Ausk. erteilt die Redaktion der ,Jüdischen Rundschau“, Berlin NW. 40, Lehrterstrasse 14-15. lieber einen zweiten Empfang Im Vatikan berichtet die ״Welt״. Der Schriftsteller York-Steiner wurde vom Staatssekretür Kardinal Merry de! Val in längerer Audienz enipfangen und besprach mit ihm mehrere Punkte der Judeniragc und ihrer zionistischen Lösung. Die Auslieferung der heiligen Stätten an die Juden erklärte der Kardinal für unmöglich, widersprach aber nicht dem Gedarkc;?hrer Exterritorial!- sierung. Der philanthropischen Seite ״•־* Zionismus sprach er seine Anerkennung aus und üdsserte *.eh übet das Judentum im allgemeinen freundlich und versöhnlich. — In Mailand iand eine Zusammenkunft der italienischen Zionisten statt. Nach dem Berichte der ״Zeit“ betonte sie als ausschlaggebend die soziale Aufgabe des Zionismus, stellte dagegen das nationale Moment •in den Hintergrund, da die Jud־׳n in erster Linie Ita'iener seien. BSBC£SSSG3SXS@K£3SX3S@(SS2KSS£e)B3SXSS3!9 |; Rundschau. | Gründung des ״Verbandes dfer deutschen Juden“. Etwa 150 Vertreter jüdischer Organisationen fanden sich am Sonntag, dem 24. d. Mts., im Kuppclsaaie der Neuen Synagoge zu Berlin ein, um den ״Verband der Deutschen Juden“ zu gründen. Aus dem Namensaufruf war zu ersehen, dass sieben unserer Gesinnungsgenossen, wenn auch nicht als offizielle Vertreter des Zionismus, der Beratung beiwohnten und zwar die Herren: Dr. Bodenhamer, Dr. Klee, Dr. Adler, Anitsgirichtsrat Lcvy, Stadtrat Guttmann, Docent Dr. Baneth, Rahbiner;J)r. EppcnsteiO. Im einleitenden Referat führte Prof. Philippson * die Auigaben des Verbandes vor. Der Verband soll seine Tätigkeit aui die deutsche Judcnheit beschränken und nur die allen deutschen Juden gemeinsamen Interessen vertreten. Keine allgcmeuc Politik wird er treiben, kein jüdisches ״Zentrum" bilden, keine prinzipielle Opposition machen, sondern nur mit den geeigneten Faktoren über die Rechte der Juden verhajulefn; Die verfassungsmässigen Rechte־ werden faktisch geleugnet, darum dürfen wir nicht schweigen. Der Antise- Sollten׳wir Juden uns einfach hinter die liberale Partei stelle niH-ismhs wird wachsen, wenn ihm kein Damm gesetzt wird. Sie ־hat nicht die Macht, uns zu schützen. Wir brechen nicht mit ihr. aber wir können uns nicht auf sie stützen. Die Zu- . rüeksctzungcn müssen ui systematischer, authentischer Weise festgcstellt werden. Eine Verletzung der Gewissensfreiheit unserer orthodoxen Brüder trifft uns alle. Wir müssen das Gesamtbcwusstsct’n des Jüdischen• Stammes in ,‘Deirtschland stärken und den Abfall brandmarken. Der Schwerpunkt der Verbandes wird in der geräuschlosen Tätigkeit des Aus- Schusses liegen. Die bisherigen Organisationen waren private. .Wir brauchen eine offiziöse Vertretung. Zur ersten Zusammenkunft sind Vertreter aus den meisten Teilen Preussens und den andern deutschen Staaten, ausser Bayern und Wiirttemberg, erschienen. Aber auch die andern müssen zum Ver- •bandc kommen. Aus der Generaldebatte wollen wir nur weniges eiwähnen. Herr Blumen thal - Kasse! ist der Ansicht, dass auch diese neue Organisation als private betrachtet werden wird. Unsere Proteste werden verhallen, weil wir keine Macht hinter ihnen stehen haben. Noch sind wir nicht d!e Vertreter der gesamte!! deutschen Judcnheit. Dr. Boden- 11 c i n! e r führt aus, dass die Angelegenheiten der deutschen Juden sich nicht ganz von denen in ander!! Ländern werden trennen lassen. Er warnt davor, sich in Abwehrtätigkeit zu verliere!}, Dr. ßanc!th sieht die Hauptberechtigung dkrs Verbandes!in der inneren Stärkung des Judentums. Dr. Klee betont, dass man über kurz oder lang das allgemeine Wahlrecht zur Grundlage des Verbandes werde mache!! müssen. Die Hauptfrage muss de Bekämpfung des Abfalls׳ sein. Juslizrat Cassel ist gegen jede andere als die Abwchrtätigkeit. In mehrstündiger Beratung werden daun die vom vorberatenden Ausschuss entworfenen Statuten mit geringer Acnderimg angenommen: § 1: Der ״Verband der Deutschen Juden“ bezweckt die Vertretung a’ler den Juden im Deutschen Reich gemeinsamen Interessen. § 2: Die Erörterung von Fragen dgr Relig'oi! und des Kultus sowie der inneren Verwaltung der Gemeinden/ ist /nur insoweit statthaft, als cs sie!! um die Abwehr' von - Angriffen handelt. — Der Verbandstag findet alle 2 Jahre statt. — In de!1 engeren Ausschuss wurden gewählt: Dr. Hör w i t z. Justizrat Fuchs, Prof. Philippson. Justizrat Breslauer, Just'zrat Friedem a n n. Mit einem Hoch auf das Deutsche Vaterland und das Deutsche Judentum wurde die Versammlung um 5‘•!• Uhr geschlossen. Blutlügen haben in den letzten vier Wochen, wie übljcl! stattgefunden. Sie sind ja e'n eiserner Bestand der Liehe, unter der wir seit.unseren! Aufenthalt im christlichen Europa ständig zu leiden haben. Zu den Blutliigen in Riga und Lontpalanka. über die wir bereits berichtet haben, kommen solche in F1 o r i s d o r f bei Wien, in Z i z k o v (Böhmen). Im Laufe der nächsten Wochen werden wohl noch mehr solche! Nachrichten cingchcn. denn griechische Katholiken bähen noch eine viel grössere Anhänglichkeit an den alten Brauch des österlichen Judenschlagens In den westlichen Ländern 1kmüht man sich, wenn man den Juden gerade keinen R'ml* tnord anhäugen kann, wenigstens andere Freundlichkeiten de!: Juden zu erweisen. Augenblicklich steht besonders die Hetze gegen das rituelle Schlachten im Vordergründe. Es gibt eben genug Juden, die unter keinen Umständen die (iebote der Bibel übertreten wollen, und alle Juden samt und sonders wollen sich nclit dazu zwingen lassen, «lass auch in ihren Schlachthäusern das Vieh in der entsetzlichen Weise vom Leben zum Tode gequält wird, wie das seinen Höhe- Punkt feiert in den! entsetzlichen Scliweineschlachtcn der länd- •»eben Bevölkerung. Den Juden in A 11 ge r n! u üide hat man, um sic zur Tierquälerei zu zwingen, früher das Schächteil im städtischen Sclilaohtliause verboten und jetzt auch ihnen untersagt, auf eigene Kosten ein eigenes Schlachthaus zu errichten, ln Hildesheim ist zwar gegen den Willen des Mag'strats ein solches Verbot diesmal noch von den Stadtverordneten abgelchnt worden. Dagegen hat man eine Extrasteuer für koscheres Fleisch festgesetzt. So wird den Juden die Beachtung biblischer Gesetze erschwert. Ueberall ln Russland und auch in liomel haben die abgcschmackten Gerüchte von angeblichen jüdischen Gcldsanunlungen für die Japaner Verbreitung gefunden. Hier wurde von den Hetzern sogar auf bestimmte Personen hiugcwiesen. die sich der verräterischen Handlung schuldig gemacht hätten. So erzählte z. B. ein Weichensteller jedem, der es hören wa'lte. der jüdische Kaufmann Lowjanoff habe!•״ach Japan nicht weniger als sechs Waggons Verbandzeug abgcscliickt. Lowjanoff klagte vor Gericht und da er überhaupt keine Geschüftsbczichungcn zum Auslande hat, so war es ihm leucht, die Grundlosigkeit der Verdächtigung zu erweisen, woraufhin der Weichensteller zu fünf Tagen verurteilt wurde. Auch er war nur ein Opfer der antisemitischen Hetzreden, de er zu hören bekommen hatte. Der Vertreter der Anklage stellte fest, dass noch mehrere Prozesse ähnlicher Art schweben und dass es den Leuten, die derartige Gerüchte ausstreucn. gelungen sei. eine starke Erbitterung, die bereits einen b— drohlicheu Cliarakter angenommen bat. zwischen der russi- »eben und der jüdischen Bevölkerung der Stadt zu erzeugen.

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