Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1904)
- Date
- 1904-04-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 178. No. 17. JÜDISCHE RUNDSCHAL. Zlocisti eine eiudruoksvo’lc Festrede hielt und gesangliche \v-e deklamatorische Darbietungen den Schimmer jungjüd'seher Abende in die Herzen warfen. Dankbare Bewunderung lohnte uns fiir die Feier, die doch weit erhebender war. als die übliehen ״Eb1be§cher1mg-e1r. Im Januar eröffneten wir dann eine Lesehalle, in der jetzt 12 •— zumeist zioirstische — Zeitungen und eine rasch wachsende Handbibliothek den Be- Suchern' zur Verfügung stehen. Wir sind mit der Frequenz noch nicht recht zufrieden, die Institution muss sich erst en- '«jrgem. Drösser' war der moralische Frfolg. besonders gegenüber dem Gemciudcvorstand. der. indem er die Hergabc eines Zimmers וווו Gemeindehaus verweigerte, das Unternehmen z» hindern gehont hatte. Im Mürz hatten wir die besonder Ehre. Herrn Oskar Marmorek bei uns zu sehen und zu hören; trotzdem wir diesmal auf die Beteiligung aller offiziellen Kreise verzichten mussten — es fehlten die Häupter der Khillc. des Freisinns, des Zcntralvcrens —. brachte uns der Abend reiche Erfolge; ' ' Die letzte 'öffentliche V ersauimluiig widmeten wir zwei Fragen, die ausserha'b unserer engeren Propaganda liegen; und dies mit der bestimmten Absicht, unseren Gegnern ad oculos zu dcimtnstrieren, dass wir. von engherziger Parte.- sucht weit entfernt, alles Jüdische in den Bann unseres Interesscs ziehen. Hans Dampf in allen Ghettogasscn sein wollen — ..tti! jadaicum a nie ahenum puto•‘ müsste viel mehr als bislang die Devise unseres cffeutl clicn Wirkens werden, ohne dass wir dabei unsere eigentlichen Tendenzen zu vergessen »»der zu verschleiern hrauchtei«. -- Der erste Punkt jener!etzteil Versammlung war der Vortrag des Herrn Redakteur Dr. J. Moses über die ..8 t e 11 u ״ g d e r deutschen Juden zu den politischen Pa r te i c 11“. Der Anlass boten die bekannten Vorgänge •der jüngsten Zeit, zu denen uic iro’sijm - gen Juden hier nur in einer ganz geheimen Vorstandssitzung, die Zcntrulvereiiiler aber überhaupt nicht Stellung genommen hatten. Die Leiter jener Kreise, die vor •1 Jahren Herrn Dr. M. als of;'/!eilen Vertreter des Zentral Vereins hcjubelt und Stiert hatten, blieben unserer Moses-Versammlung ostentativ fern, weil sie die Schwäche ihrer Position mir allzu gut kannten. Sic transit gloria nnmJi! Das Referat über den Vortrag v»»!t Dr. M. ist au anderer Ste'ie gegeben; es beweist, dass wir ohne Scheu anders Denkende, de viel ehrliches jüdisches Interesse und wenig Vorurteile haben, bei uns zu Worte k»»mmen lassen kennen, sicher, dass sie im konkreten Fall zu älmliehen oder gleichen Konsequenzen gelangen müssen wie cji engerer Parteigenosse. -. Der zweite Gegenstand des Abends war die Verhandlung einer G c m e i n d e a n g e 1 e g c n 11 et t. Zur Orientierung uifd Nachahmung folge hier das Zirkular, das wir Tags zuvor an 500 Gemeindemitgl'edcr versandt hatten. Sehr geehrter Herr!; In Angelegenheit des S v 11 a g o g c n 1> a u c s haben wir vor einigen Woche•׳ au die beiden Körperschaften der hiesigen Gemeinde eine Eingabe gerichtet, die in dem Wunsch gipfelte. da.cs das Kollegium der Preisrichter, das bisher nur aus drei Xjchtjuden und eitern aus dem Judentum ausgetretenen Fachniaup besteht, auch durch jüdische Sachverständige ergänzt* werde. Der Uenicindcvorstaud hat unsere Eingabe abgclelmt. Um weitere Kreise der Gcmcindcmitglicdcr für unsern Antrag zu interessieren, zugleich auch um falschen Gerüchten über Form und Inhalt unserer Eingabe die Spitze abzubrccheu. gestatten wir uns. Ihnen dieselbe umsoitig im Wortlaut zu unterbreiten. Die am 16. d. Mts. im Stcrn'schen Saal stattfiudeude öfientliehe Versammlung, in der Herr Redakteur Dr. J. Moses über die ..Stellung der deutschen Juden zu den politischen Partoien‘־ referiert, wird auch zu einer Aussprache in dieser dringlichen Angelegenheit und zur Fassung einer Resolution an die Gemeiiidckollegien Gelegenheit gehen. W׳ir rechnen auch auf Ihr Interesse und bitten um Ihr* Erscheinen. Unsere Eingabe selbst hatte folgenden Wortlaut: Dem verehrten Vorstand der Synagogcii-Gemeindc ertauben sich die Unterzeichneten folgendes Am'icgen ganz ergebenst zu unterbreiten: , Aus einer Zeitungsnotiz, die auf Zuverlässigkeit wohl An- Spruch hat. entnehmen wir die Namen der zum Wettbewerb für den Synagogenbau eingeladenen Architekten und des Preisriehter-Kollcgiums. Zwar hätten wir es gern gesehen, wenn, wie das bei an-, deren Religionsgcsellscliaftcu durchaus üblich ist. beide KoIIe- Kien ausschliesslich mit jüdischen Fachleuten besetzt wären. Schon in dem Kreis der zum Wettbewerb eingeladenen Herren stört uns die Beteiligung des Herrn Wolffenstcin. eines Mannes, der seine K uder in die christliche Gemeinschaft hat aufnehmen lassen. Immerhin sind wir mit dem Anteil jüdischer Architekten an der engeren Konkurrenz relativ zufrieden gestellt. Bittere Enttäuschung, ja geradezu Entrüstung aber muss es in weitesten Kreisen erregen, dass m der Jurv. die über Pliine für den Bau e'nes jüdischen (iotteshauscs entscheiden soll, auch nicht ein einziger Jude Platz gefunden hat. Dass Ende. Otze« und Oriidcr nicht Juden sind, dürfte dem verehrteil Gemeindekollcgiuiii bekannt sein. Inbezug auf König gestatten wir uns. aus unanfechtbarer Quelle mitzutcilen. das־* er aus dem Judentum ausgetreten ist! ״ . . , . Wir lassen cs dahingestellt, oh die W ahl der 1 rcisncliter auch nur die künstlerisch und technisch berufensten Männer getreffen hat. Ganz scheint das nicht der Fall zu sein. Professor König zum Beisp ei, dessen architckton sehe Verdienste im übrigen höchste Würdigung verdienen, hat hislier auf den! Gcbict des Svnagogenbaucs mir sehr massige Leistungen geboten ־ - darin sind ihm andere Nichtjuden (wir nennen nur Baumspektor Fiirstenau-Steg’i'.z) weit über. Auch" kann cs durchaus zweifelhaft erscheinen, ob nicht Kapaz. taten vom Range des Herrn Stadtbauratcs Griider sich unter jüdischen Baumeistern, selbst in Posen, gefunden hätten. Wir sind jedoch der Meinung, dass hei einem Svnagogenhau nicht blos künsjlcrische und technische Befähigung die entscheidende Rolle zu spielen haben. Die Errichtung eines dem Höchsten geweihten Bauwerks, das zugleich den Mittel- Punkt des jüdischen GemeinJelcbens darstcllt. setzt vor allem jüdisch-rcligoses Empfinden. Vertrautheit mit der intimen . H» Mark. (Verlaß des Bibliographischen Instituts in Leipzig . und Wien.) Von ..Movers Grossem Konversations-Lexikon״ gelangte! soeben der VI. Band zur Ausgabe, welcher die Stichwörter \ ..Erdeessen bis Fratizen“ umfasst. Wie diese beiden Wörter ־schon grundverschiedenen Gebieten angeboren, so sind die dazwischen liegenden Stichwörter aus so mannigfaltigen Materien, dass tatsächlich iiir jedermann etwas darin geboten wird. Und wer sich mit dem Worte allem nicht begnügen will, den fesseln gew'iss die zahlreichen farbigen und schwarzen Bildertafeln, die ausser den Textabbildungen in vielen Fä’len *zur Erläuterung des Textes beigegeben sind. Wir können hier selhstverstüjidlieh nicht die Stichwörter der Reihe nach auiiühreu und k»mstatieren. dass auch umer spezielles Wissensgebet auch im vorliegenden Bande in reicher und sachlicher Weise vertreten ist. . . __l-c. j | Kunst und Wissenschaft, f Salomon Sulzers hundertster Geburtstag. Auf den 30. März d. .1. fiel der hundertste Geburtstag des langjährigen Oberkantors der Wiener israelitischen Kultusgeitiemde und Reformators des Synagogengesaiiges. des Professors Salomon Sulzer, der zu Hohenems (Vorarlberg) das Licht der Welt er-!)lickte. Er wurde bereits im Alter von 18 Jahren zum Kantor in seiner Hcimatsgemciiidc bestimmt. Als in Wien der Tempel in der Seitenstettengasse gebaut wurde, war der Vorstand der hiesigen KuUusgemeinde darauf bedacht, als ersten Funktionär einen ausgezeichneten Sänger zu gewinnen, und er richtete sein Augenmerk auf den jungen Hohcnemscr Kantor, der. dem an ihn erg-mgenen Rufe folgend, am 9. April!82(» zum crstenmalc hei der an diesem Tage abgehaltenen Einweihung der Synagoge der Seitenstettengasse fungierte. Hier wirkte er dann durch länger als 56 Jahre als Reformator des gottesdienstlichen Gesanges. Sein W!erk ״Sehir Zion", an welchem die hervorragendsten Musiker jener Zeit, wie Schubert. Drexlcr. W’iiriiel. durch ihre Mitwirkung Anteil nahmen, ist eine utivcrsiegbare Fundgrube iiir Kantoren geworden. Im Jahre 1815־ wurde Sulzer als üesarigsprotessor in das Konservatorium dei Gesellschaft der Musikfreunde berueiu. in welcher Eigenschaft er mehrere Jahre tätig war. Sein 70. (ieburtsfest gab Gelegenheit zu einer Reihe herzlicher Ovationen t'ür den in weitesten Kreisen hochgeachtete Mann. Der Kaiser zeichnete ihn durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Franz-Josephs-Ordens aus. während der Sultan ihm den Medschidjc- Orden überreichen li c s s. Die W iener Künstler xvidnieten ihm einen silbernen Lorbeerkranz, dessen Ucberreiehung nach einer herzlichen Begrüssuugsaiispraehe der damaligen Hofxüauspielerin Amalie Haizinger erfolgte. Die amerikanischen Kantoren übersendeten ihrem Altmeister eine in Gold gcarbeitete Medaille, die ani der Aversseite das RelteiporVät j Sulzers zeigte. Ausserdem erhielt Sulzer an seinem Jubeltage 1 zahlreiche Adressen und kostbare Ehrengeschenke. Alle diese | Objekte, ferner das vom Bürgermeister Dr. Kajetan Felder gefertigte Bürgerrechtsdiplom der Haupt- und Residenzstadt ‘ Wien und der von den Beamten der Wiener Kulttisgcmeinde