Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1904)
- Date
- 1904-04-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651359--01241-2658082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Na 17. Stile 17 7. JÜDISCHE RUNDSCHAU, “—־־־־־ -ל —'— : r•—־ -,״״«■ ■ ..׳׳ ־ - % tuag in' üieid? Beziehung. besonders nach agriktilturcller Seite hin. ihr die weitere Entwickelung des Jüdischen Volks — und Wirtschaftslebens nicht nur von grösster Bedeutung sein muss, sondern sozusagen eine Lebensfrage derselben ist. Wir sagten, nach landwirtschaftlicher Seite hin. Ja, ist dies aber unter den gegebenen Verhältnissen in Anbetracht aller Umstände, die hier in Rechnung kommen, möglich? Kann unter den herrschenden Zuständen von einer intensiven, weite Kreise «™fassenden und dauernden Beschäftigung der Juden mit der Agrikultur die Rede sein? Die Antwort, die uns die Erfahrung, die hier in drstcr Reihe zugute gezogen werden muss, auf diese Eragen erteilt, kann nur eine verneinende sein. Denn, sagt uns die Erfahrung, sind all die Momente, die in früherer Zeit die diesfällige Beschäftigung der Juden unmöglich gemacht haben, nicht noch zum grossen Teil vorhanden? Ist nicht etwa noch heute der grössere Teil der Judcnhcit durch Ausnahmegesetze und durch gesetzliche Plackereien von der Landwirtschaft so gut wie ausgeschlossen? Und wie ist es selbst in den Ländern, wo keine diesbezüglichen Ausnahmegesetze bestehen? Auch hier lehrt uns die Erfahrung, warum auch da nicht das Sicher- ן heitsgefühl aufkommen konnte, das die unerlässliche Vorbc-! dingung der Stabilität und des Gedeihens jeder Landwirtschaft ist. Wenn sich nun eine Bewegung gebildet hat, die die Juden wieder ihrer ursprünglichen Beschäftigung, dem Ackerbau und sonstiger Produktivarbeit ziiführen will, so ist es nicht nur Pflicht, sondern auch das vom wirtschaftlichem Standpunkte gebotene Interesse, diese Bewegung nach jeder Seite hin zu unterstützen. Indem der Zionismus iür die Juden eine öffentlichrechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina erstrebt, will er all die oben erwähnten Schwierigkeiten und Hindernisse aus dem Wege räumen, die einer gedeihlichen Entwickelung jüdischer .Produktivarbeit sonst überall im Wege stehen. Und deshalb kann von ernstlichem Platzgrciien der Bodenkultur unter den Juden auf anderem, als '0111 Zionismus gebotenem Wege keine Rede sein. Ackerbauvereine und ähnliche Bestrebungen werden, so ihnen der grosse Zug des Zionismus abgeht, nichts Dauerndes schaffen können und ihre etwaigen Erfolge müssen, weil künstlich her׳vorgebracht, nur Stückwerk sein. Will das jüdische Volk zur •Produktivarbeit und in erster Reihe zum Ackerbau zurückkehren. so ist ihm der Weg gewiesen, der hierzu führt Dr. Ph. Frankl. Posener Brief. י Die erste Wintercampagne der Zionistischen Ortsgruppe Posen ist beendet und mrt Befriedigung resr.striercn wir die ausserordentlichen Erfolge derselben nach innen und nach aussen. Diese danken wir einer ebenso intensiven Innena r b e i t wie extensiven Ausscnarbcit. Erstere bestand wesentlieh in regelmässigen Monatssitzungcn und Diskussionsabenden mit stets wechselnden Referenten aus der Reihe der Mitglieder selbst; nur so ist es gelungen. In kurzer Zeit eine wohlorganisiertc .und stramm disziplinierte Kerntruppe im Verein zu erziehen, die uns für jegliche Kleinarbeit zur Verfügung steht, auf die wir bei allen Aktionen zählen dürfen. In der Au ssenarbeit liess unsere Gruppe es sich nicht daran genügen, so und soviel Versammlungen zu veranstalten, unter anderm Titel immer mit demselben Thema, sondern wir legten Wert daraut. den öffentlichen Darbietungen einen wechselnden Inhalt 7.u leihen, und was noch wichtiger für die Propaganda nach aussen ist: wir waren bemüht, in allen |Uduschen Angelegenbeiten umer spezielles Interesse und besonderen Eifer an den Tag zu legen. Eine kurze Chronik mag das im einzelnen illustrieren. , ... Ende September 1903 gelang cs unserm unermüdlichen׳ Dr. Klee, in einer ersten öffentlichen Versammlung hier zu den früheren 25 Schekelzahlcrn weitere 15 zu gewinnen, damit war die Basis für eine lebensfähige Ortsgruppe gegeben. Nachdem diese organisiert war. sorgten wir daiür, dass nun im Ghetto nicht mehr aufhorte vn!! den Zionisten zu sprechen, freilich das bekannte ..Schwcincglück“ — die Fehler der Genncr — war uns gleich anderen bestgehassten Minoritäten ausserordcnt'ich hold. Hier sei zunächst an die famose Z e r!- tralvercinsversamniluiiß erinnert, die dazu bestimmt, den Posener Zionismus im Keim zu ersticken. dam:׳t endete, dass 1200 Juden faktiscli die Versammlung sprengten, um die Massen u'clit dem Einfluss einer Handvoll Zionisten Dreiszugeben. Das Muster, so schlecht es ist. hat seitdem tu Essen und Hamburg Nachahmung gefunden: gewiss war der moralische und tatsächliche Erfolg iür den Zionismus dort nicht geringer als hei »ms. Im Dezember landen R c p r ä s e 11* tauten wählen statt: während diese bisher in aller Stille und ßchaglcfikcrt von einer 5—lüköpiigen Cliauc gemacht wurden, die einige Dutzend Wähler an die Urne brachte, wurde diesmal eine Vorvcrsammlung beliebt, zu der man auch einige von uns eingeladen hatte. Hier entwickelten wir ein jüdisches Gcineindcprogramm. zum respektvollen Erstaunen der anderen, die von so etwas noch n'c gehört hatten, denen sich die Gemeindepolitik bisher nur lim bureaukratische Veiwaltungsfragen. die Wahlen nur darum drehten, ob der oder jener Kommerzienrat, dieser oder ein anderer Rechtsanwalt am grünen Tisch sitzen sollte W'ir präsentierten auch eine eigene Kandidatenliste und siehe da: nur um den alten Kirchhofsfrieden nicht gestört zu sehen, bot man uns ein Kompromiss 1Tnd akzeptierte einen von unseren Kandidaten, versprach uns auch, der Forderung nach Oeiiemliehket der Repräsentanten- Sitzungen alsbald Folge zu geben. Im Dezember veranstalteten wir eine öffentliche M a k k a h 2 c r f c i c r. bei der Herr Dr. dauern berufen ist.“ Und im Anschluss an diese freudige Mitteilung erlässt Bcrgel gcwissermasscti einen Aufruf an! alle, ״sich voller Freiheit erfreuenden kleineren ..Reste! Israels“ . . . sich zusammentu!!“. Nachdem Verfasser In seinen ' weiteren Ausführungen dargelcgt hat. dass die Aufnahme- , fähigkeit Amerikas durch einen jährlichen Zuwachs von 60 000; Menschen erschöpft sei. stellt er einer weiteren Auswanderung; der russischen Juden sehr skepti'Gi gegenüber, denn ״in , welche Kanäle eine geordnete Emigration sonst zu leiten ist j . . . ist zunächst sehr schwer zu bestimmen.“ Er geiangt j zu dem Schluss, dass man vorläufig versuchen müsse, den Juden ii» Russland selbst zu helfen, durch Beschaffung cecig- 1 neter Arbeit. E& seien in dem industriearmen Russland neue j Beschäftigungszweige einzurichtcn. as seien Handwerkerschulen zu gründen, in ihnen ..geschickte" Handwerker heran- * zubilden, welche auch ausserhalb des Ansiedelungsravons wohnen dürfen. Er vergisst aber, dass der Willkür in Russkuid Tür und Tor geöffnet ist. dass der Wille einer einzigen hohen Militärperson, eines einzigen höheren Polizcfheamtcn genügt um das mühsam errichtete Gebäude wie ein Kartenhaus umzublascu. Seine Beweisführung ist ungefähr die: D!e j Juden dürfen beinahe gar keine Gewerbe ausühen also müssen | .sie suchen, mehr Gewerbe auszuüben! Und was war in Wschinew? Standen dort nicht Militär und Polizei dabei, als das Mordgesindel manchen trefflichen Handwerker hinschlachtete oder ihn zum Krüppel machte! Das Wort ״Kischinew“ soll du unvergängliches Menetekelfiir uns sein! Es wird stets genügen, um uns zu sagen, wie unseren unglücklichen Brüdern in Russland zu helfen ist! Und wenn Bergei sich zum Schluss seiner Schrift nicht nur an das eifrige Zusammenwirken der Juden aller Welt, sondern an die Rechtlichdenkenden aller Völker wendet, um Gerechtigkeit für die verfolgten Juden Russlands. Gerechtigkeit iür die Opfer von Kischincw zu erlangen, so antworten wir ihm mit dem schlichten Ausspruch des alten Hille': ..Wenn ich selbst m>r nicht helfe, wer denn? und wenn nicht heute, wann denn?" L i s b e 111 Feitelbcrg. Absatzquellen für Schriftsteller. Verlag der ..Feder“. Herü!1 W., Elsholzstr. 5. Preis 1 Mk., geh. MO Mk. — Das Buch enthält cne Liste von 1000 für Schriftsteller hauptsächlich in betracht kommender Zeitungen und Zeitschriften, zum grossen Teil mit Angabe der Honorar- und Mitarheiterbedingungcn. In dem ..Nachweis" ist angegeben, an w elche Redaktionen 87 veischicdcnc Arten von Manuskripten zu senden sind, so z. B. 120 Adressen für Romane, 200 für Gedichte etc. Nur ist das alphabetische Register ungeschickt und ungenau. Trotzdem dürfte sich die kleine Ausgabe für das Buch jedem, der ohien . schriftstellerischen Nebenverdienst sucht. reichlich bezahlt machen. . Meyers Grosses Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich iieubcarbeitec und vermehrte Auflage. Mehr als 148000 Artikel und Vei- Weisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11000 Abbildungen. Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Illustrationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeh! und 300 selbständige Kartcnbciiagcn) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halhlcdcr gebunden zu je