Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1904)
- Date
- 1904-04-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 17, Jü DISCHE RUNDSCHAU. ,1 Seite 179. Eigenart des jüdischen Kultus und Verständnis für die Vereinbarune uralter Kultustraditionen mit den Krfurdcrnissen eines modernen jüdischen Gottesdienstes voraus. Gerade die mangelndc Heranzehung jüdischer Künstler zu Svnagogcnhautcn hat es verschuldet, dass in den letzten Jahrzehnten das Aeussere und fnncrc unserer Andachtsstätteit mehr und mehr 'christianisiert und verkirchlicht worden, immer mehr das ab- Händen gekommen ist, was jüdische Gottcsliüuscr charakteris.crt und ziert. \ " Wir Reben uns der sicheren Erwartung ,h'n. dass es nur dieses rechtzcitiRen Hinweises bedarf, um, falls die Entfernung eines Mannes, der Sein angestammtes Judentum verleugnet,!ikht mehr angängig sein sollte, wenigstens durch Zuwahl von jüdischen Preisrichtern die Wahrnehmung unserer religiösen und spezifisch-ästhetischen Interessen zu gewährleisten. Bei dieser!.age der Dinge hatten wir natürlich die Symoathien der ganzen Gemeinde aut unserer Seite. Nachdem D.r. Jeremias über de Angelegenheit kurz referiert hatte, sprachen verschiedene Redner der Ortsgruppe für die Initiative in,dieser wichtigen Präge ihren Dank aus. Verteidigung fanden die Oemc'.udekollcgCen. die natürlich durch Abwesenheit glänzten, nur durch-den Ocmeimicsckretar. der durch dummdreiste Anrenipchuig der Zionisten seinen subalternen Diensteifer zu betätigen bemüht war. Der Herr Vorstands- Präses wird seinen' Diener nicht loben! Eine von uns unterbreitete Resoluten wurde mit allen gegen 8 Stimmen angcminimen. Nichtsdestoweniger beeilte sich die Repräsentanten- Versammlung, unsci'cu Antrag und die ihn unterstützende Petition einstimmig abzu’eimcn. Besonders übel vermerkt wurde lins in der Ocmcindcstubc. dass wir es gewagt hatten, offiziell als ..Zionistische Ortsgruppe־‘, nicht als Einzchnitglicder. einen Antrag zu stellen, und der Herr ■Vorstaudspräscs verstieg sich zu der Drohung, dass die Ortsgruppe überhaupt keinen offiziellen Bescheid erhalten werde. Wir hätten Mittel und Wege gewusst, ihn dazu ztuzu i!!ge::. Kr hat sich abc» rasch besonnen und sich zur Erteilung eines Bescheides herabgelassen. Charakteristisch ist die lak«1־.scl!e Kürze, mit de! ein wohlbegründete., von ehrlichem Interesse diktierter Antrag abgefertigt wird: ״Die gefälligen Zuschriften gehen keine Vcranlassung. von den.bisher gefassten Beschlüssen abzugehen.“ Ctwa so erhaben kurz, wie wenn ein LanJbriciträger betreffs einer nachgesuchten Unterstützung vom Minister absch'ägig beschieden wird. Doch es scheint, dass die Khillegewalt'gcn ihres Sieges nicht recht froh werden können; wir wissen zuverlässig, dass die von uns angeregte Krage nochmals ventilicrt 'wird. •Wie de Sache auch ausgelicn mag. wir haben mit dieser Aktion in der ganzen Gemeinde tiefen Eindruck gemacht und dem erfolgreichen Semester einen würdigen Ab- Schluss gegebeu. MittlcrweMe hat sich unsere anfängliche Mitgliederzahl verdoppelt. Der nächste Winter soll einer plannüissigen Provinz- Propaganda gewidmet sein. Wie wir uns diese im einzelnen denken, darüber ein anderes Mal. Dr. J. ®®®$®®®®®®%®m®&®®®®$$®®$®m*®m®®®®®$®# | Aus der Bewegung. I!!®®*®®®®**®ןוז®®®!®»*®®®®*®®®®®®*»®®*®®®® Köln. Der diesjährige Deleglertentag der deutschen Zionisten wird am 2J. und 24. Mal in Hamburg stattfinden. Nach den bisher erfolgten Kundgebungen ist zu erwarten, dass er zahlreich beschickt und entsprechend der Zunahme der Ortsgruppen in Deutschland, den Zionismus in Deutschland in würdiger ,Weise repräsentieren wird. Wir bringen gleichzeitig die Bestimmungen des Statuts über den Deleglertentag zur Kenntnis. D e I e g i e r t e ri t a g. $ 4. Der Delctficrtcntag tagt alljährlich mindestens ן einmal-an einem vom Zentralkomitee zu bestimmenden I Orte. ] jt 5. Die Aufgaben des Dclegiertentages sind: a) Ent-; gegennalime und Prüfung des Rechenschaftsberichtes t des Zentralkomitees; b) Feststellung des Programms und I Etats der nächsten Vcrwaltuugspcricdc; e) Entgegen- : nähme und Beratung von Petitionen und Anträgen; | d) Wahl des Zentralkomitees für die nächste Vcr-! waltungsperiode• I $ &. An den Verhandlungen können nur die von den Orts-Gr 11 pp en gewählten Delegierten teilnehmen. Jede Orts-Gruppe wählt einen Delegierten. Orts-Gruppen von mehr als 50 Schekelzahlern zwei Delegierte. Orts-Gruppen von mehr als 100 einen Delegierten. Ons-Gruppeu von mehr als 100 einen Dolegierten fiir jedes weitere Hundert. 7. Jeder Delegierte vertilgt nur über eine Stimme. Die Delegierten sind an Aufträge und Instruk- »innen n ich! gebunden. Nach dem bisherigen Gebrauch haben die Mitglieder des Zentralkomitees Sitz und Stimme auf den» Delegiertentag. Wir machen die Vorsitzenden der Ortsgruppen darauf aufmerksam, dass die Delegierten baldigst zu wählen und das Protokoll über die Wahl an (Jas Zentralkomitee einztiseuden ist. Gleichzeitig machen wir auch darauf aufmerksam, dass nur Delegierte von Ortsgruppen zugelassen werden können, welche ihren statutarischen Verpflichtungen zur Entrichtung des Landesbeitrages nachgekotnmen sind. Nach den Be: richten der Hamburger Ortsgruppe, welche den Begespendete Schreibtisch Sulzers werden aus Anlass des Zente- 1:41 ritmis im Museum für jüdische Altertümer zur Ausstellung geiur.gcii. Als am 2. April ISS1 Sulzer das letztemal den Gottesdienst ahhielt. da war die Synagoge überfüllt, und sein Leichenlegängms. das am 22. Januar 1890 stattrmd. liess abermals die allgemeine Verehrung, die Sulzer in Wien genossen hatte, erkennen. Die ״Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums (jüdisches Museum)“, ehrte das Andenken Sulzers am zehnten Jahrestage seines Todes durch eine Feier, bei welcher Adoli Ritter v. Sonuenthal die Biographie Sulzers zum Vortrage brachte, während die Chöre der Wiener Synagogen unter Leitting des Sohnes des Verstorbenen, des Hofuuisikers Professor Insel Sulzer. Sulzersehe Kompositionen vertrugen; die Gesell- Schaft wird auch die Feier des hundertsten (ieburtsfestes vviirdig begehen. Der Kultusvorstand hat schon gestern um halb 7 Uhr abends im Stadttempel eine Feier veranstaltet. Oberkantor Singer leitete die Feier mit Tempelgesäugeii. die der vcrstärkte Clmr begleitete, ein. Dann Inch Oberrabbiner Dr. Giideniann die Gedenkrede. Hierauf wurden Sulzersehe Tondichtungeii zum Vorträge gebracht. Professor Josef Sulzer dirigierte sie persönlich. Heute um halb 8 Uhr abends fand auch im Leopoldstädter Tempel eine Gedenkfeier statt, hei der Rahbitter Dr. David die Gedenkrede hielt. — Ittt Sitzungssaale des Oesterreich-ungarischen Kantorenvereines fand gestern vormittag die Begrüssung der vielen aus Anlass der Sulzcr-Feier erschienenen Gäste aus der Provinz durch Vizepräses Oberkatttur J. Bauer satt. Heute um ball) 12 Uhr veranstaltete der Verein im Sitzungssaale der Kultusgemeinde eine Festsitzung. I zu der sich auch die Familie Sulzers und viele Gäste cingeiunden | hatten. Oberkantor Singer hielt die Festrede, in der er die Vcr-.; dienste Sulzers als Reformator des Synagogengesanges, als ' Komponist und Sänger würdigte. Zur Erinnerung an Sulzer | bat der Verein sein Bildnis anfertigen lassen, dessen Hülle am ■ Schlüsse der Feier fiel. Es ist ein Werk der Malerin Krau! Mizzi-Kestel-Bauer und zeichnet sieb durch Naturwahrheit und. künstlerische Ausführung aus. Das Bild ist im Museum für' 1 jüdische Altertümer, Praterstrasse Nr. 23. zur allgemeinen Be- | sichtigung ausgestellt. Die Kantoren, etwa hundert an der Zahl. ן begaben sich heute um 3 Uhr nachmittags in dem Museum für j jüdische Altertümer, um dort vor dein Bildnisse eine nochmalige! Huldigung darztibrmgen. Die Kantoren versammelten sielt j darauf int Tempel in der Leopoldstadt, woselbst eine Wieder- , holuttg der syuagogalen Feier abgeltalten wurde, bei welcher : Rabbiner Dr. Schtniedl die Gedächtnisrede hielt und ObcrKantor 1 Guttinaun die Gesäuge leitete.! Die ״Faust“-Idee Im ״YidJisch“. In dem auf der jiid•:־ | selten Ostseite New-Vorks gelegenen Thalia-Theater spielte! sieh dieser Tage ein merkwürdiges Drama ab. das von j J. G o r d i u verfasst ist. sielt ״Gott. Mensch und Teufel" י nennt und die Bearbeitung der ״FausFMdcc int jüdlscltett Ge- | wattdc darstellt. Schon das Vorspiel, eine Art Parodie atu! das ..Faust"-Vorspiel im Htnutie!. fesselt durch seinen epi- : grammatischen WHz. Der Teuiel vermisst sich im Vorspiel.; dis Seele eit>es armen, frommen russischen Juden durch den! Glanz des Goldes zu gewinnen. Dann beginnt das eigentliche ».־»fl* i \ ,I