Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651358--01225-2658065- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1. ־••*■״ V. ■T?*T׳־*־ ׳' ־׳ ■ ־׳'. ׳* "HIT יי %fI-"'Vf־ü1Sf-T Seite 166. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 16 V « die Repräsentanz der andern grossen itldischen Körperschaften bringen, weiche ausserhalb der zionistischen Bewegung stehen. Lessen Sie diese Körperschaften, wenn der Bericht der Ecpedition ein günstiger ist, unabhängig von der zionistischen öewegung die Kolonisation in. Ostafrika durchführen, aber vergessen Sie nicht, dass es Pflicht der zionistischen Bewegung ist. das Prinzip der Autonomie aufrecht zu halten, denn ohne (fieses Prinzip kann keine Kolonisation auch nicht in Palästina gelingen. Sie würden aber die zionistische Bewegung vollkomfPien für Palästina frei haken, während Sie gleichzeitig alle Vorteile des englischen Angebotes bewahren. — Nach Beendigung der -Debatte ergreift Dr. H e r z 1 das Wort zur Schlussrede. Er erwidert zunächst den einzelnen Herren auf, Ihre verschiedenen Einwände, und resümiert' in kurzem, wie folgt: Das Charkower Protokoll war eiine Kriegserklärung und wurde von alten auch so aufgefasst. Ich hätte nichts dagegen, wenn dieser Kampf mit den gesetzlichen Mitteln unserer Konstitution geführt.worden wäre. Das aber ist nicht "der Fall. Unsere Organisation sollte vielmehr durch eine Privatabmachtmg gedrückt werden. Ich kann hier nur das sagen, was 4ch Ihnen schon gesagt habe, dass Sie sich in einem Irrtum befinden, wenn Sie glafibcti, ich werde auf den Kongress einen Hochdruck für Uganda ausüben. Ich werde überhaupt keinen Hochdruck ausüben, weil ich will, dass auf Grund wahrer Tatsachen der wahre Wille zum Vorschein komme. Ich bin soweit Demokrat, um die Entscheidung wirklich dem Volke zu fiberlassen. Man Sagt Uganda sei eine Kleinigkeit. Ja, wenn es eine Kleinigkeit ist, so wird es nicht imstande sein — und . darin stimme ich mit jedem Überein — die Judenfrage zu lösen, *sondern die Judenfragc bleibt weiter bestehen und die grosse zionistische Sache wird nicht geschädigt. Aber ich glaube, dass es gewisse Orade von Elend gibt, wo sich al'es auflöst, dass es Elend gibt, w0׳ man nicht einmal das Minimal-Bewusst• sein vorfindet. welches noch zur Erfassung eines Gedankens notwendig ist und wenn wir gewissenhafte Verwalter jüdischer Angelegenheiten sind, so sind wir als diese Leiter verpflichtet, fort und fort diese Pflicht als etwas Lebendiges zu erfassen. An dieser Frage des tiefsten Proletariats, die keine rein jüdische ist— das gebe ich zu — können wir als Volksfreunde nicht vorübergehen. Man sucht ferner die Parteileitung in einen Gegensatz zur Organisation• zu stellen. Aber für die Erlangung von Palästina kann die zionistische Organisation absolut nichts tun. Selbst wenn wir schön soviele Hunderttausende hätten, Tals wir tausende sind, ist die Organisation dazu nicht imstande. Sie .können allenfalls die Mittel herbeiscliaffen. aber dazu mit den Faktoren zum Ziele zu kommen, um das es sich handelt, ist dEe Organisation absolut unfähig. Diese Funktion! kann einzig und allein nur von der Führung besorgt werden und um Ihnen zu zeigen, dass es auf die Beharrlichkeit der Führung im Festhalten dieses Zieles ankommt, habe Ich ihnen in meine! -ersteij Rede das Dokument verlesen. Es ist ein Irrtum zu glauben,•dass man aus der Organisation heraus das 1. Ziei erreichen kann. Die Organisation ist eine Vielheit und kann weniger tun, als einzelne Personen. Ich persönlich gehe nicht nach Ostafrika, wienn man sich auch schon zu vcrdächtigen!ertaubt hat. dass ich V-izekönig in Uganda w'orden will. Ich habe mich hei Russland, der Türkei Italien und selbst bei England, mit dem ich w׳cge1i Ostairika verhandelt habe, wegen Palästina bemüht, und es könnte mir doch niemand vorw׳erfen, dass ich dem Zionismus untreu geworden bin. wenn ich sagen würde, ich gehe nach Uganda. Als Judenstaatler habe ich mich ■Ihnen vorgestellt. Ich .habe Ihnen meine Karte ab-ft״eben: .,Herz! ־- Judenstaatler".׳ Im Verlaufe unserer Arbeit.habe ich viel gelernt und habe ednschen gelernt, dass die Lösung für uns nur in Pa- IS st Ina liegt. Wenn ich Ihnen sage,!ich bin Zionist •ge w׳orden und bin es geblieben, alle meine Bestrebungen ziehen nach Palästina hin, so haben Sic alle Ursache mir es zu glauben. Ich habe Ihnen manches zu.yerzeihen. das Sie sich gegen mich haben zu schulden kommen lassen. Ich will darüber hinweggehen, tun Sic nur - ich verlangt nichts anderes — Ihre Plicht als organisierte Zionisien, ohne" Ihre Ansicht zu knebeln, kämpfen Sie soviel Sie wollen, t;ra c hten Sie, so eine Majorität am Kong.resse zu bekommen, aber arbeiten Sie nicht mit den Mitteln der• Bewegung gegen die Bewegung, sondern mit ihren persönlichen Eigenschaften. Ich rate ihnen, unterwerfen Sic sich dem Kongressbesclilusse, wie es alle andern Herren tun müssen, ich habe bisher den. Kampf gegen Sic nicht geführt. Ich habe Iiinen den Versülmungsvorschlag nicht gemacht, weit »eil vor denf Kampfe irgendwelche Besorgnisse habe, Sie w׳üiden bestimmt unterliegen, deim wir haben eine kolossale Majorität. Ich' will aber, dass Sie nach Hause kommen und Ihren Leuten sagen können, wir wissen, dass die Exekutive 411 Wien arbeitet schaut nicht das hatbfertige und angefangeue Haus .an, sondern wartet, bis es fertig ist und schenkt das Vertrauen weiter den Leuten, denen Ihr bisher gegeben habet -d die ..nichts, gotan haben, Euer Vertrauen zu .verscherzen. Da die Debatte geschlossen ist. werden nunmehr mehrere Resolutionen zur Tagesordnung gestellt. Nach längerer Diskussfon wird jedoch ein Antrag, eine Kommission behufs Ausarbeitung einer neuen Resolution zu w"»Hcn, angenommen. In diese Kommission werden die Herren Dr. Färbst eia, Di. Klee. Dr. Alex. M a r ni o r e k. Dr. T s c h I e n o w und Ing. Ussischktin gewählt. Schluss der Sitzung 9 Uhr abends . Mittwoch, dej 13. Aprit 3.'Verhandlungstag. Vormittags- Sitzung. Auf der Tagesordnung steht 1. Ein Antrag des Rechtsmwaiis Jasinowsky. ein Schiedsgericht einzusetzen. Dieser Punkt entfü'it. da Dr. Jasinowsky seinen Antrag zurückzieht. Auch der 2. Punkt der Tagesordnung ״Regulierung des Verhältnisses zwischen grossem und engeren A.-K•“ nach dem Entwmrie Dr, Bodenheimcr—Dr. Farbstein kann nicht zur Beratung kommen. Dr. Herzl erklärt jedoch eingangs, dass das engere A.-K. schon jetzt einen Vorbehalt machen muss. Das engere A.-K. ist wohl bereit diesen Vorschlag zu beraten, beschlossen darüber kann a llcin nur der Kongress. Hierauf legt die am vorigen Tage gewählte Kommission eine Resolution vor. zu welcher verschiedene Amendements cingereicht werden. In ihrer Schlussfassung lautet sie: ״Das grosse A.-K. nimmt mit Befriedigung Kenntnis von den fortwährenden Bemühungen des engeren A.-K. für Paiästina. Das grosse A.-K. setzt voraus, dasss das A.-K. in! Sinne der Beschlüsse des 6. Kongresses für die Ahsendung der ostairikanischen Expedition Sorge tragen wird. Da jedocl! über die Frage der Kolonisation Ostafrikas an sich, erst auf dem•'/. Kongress zu entscheiden sein wird, so bleibt die Diskussion über diese Frage wie über a'le schwebenden Fragen überhaupt, gemäss den bisherigen Gepflogenheiten frei. Weiters hat das grosse A.-K. nach gründlicher Aussprache d:e Missverständnisse geklärt und beigelegt, weiche infolge einer von allen Seiten zu heftig geführten Polemik in den letzten Monaten entstanden sind und die Arbeit in unserer Bewegung gestört haben. Die n־cht das Ostairikaprojekt berührenden Anregungen russischer A.-K.-Mitgliedcr werden dem engeren A.-K. zur Erw:"*—-׳׳ und Berichterstattung an das grosse A.-K. überwiesen.“ Farbstein. Klee. Ussichkin. Marmorek, Tschlenow. Diese Resolution wird mit a 11 e n. gegen die Stimmen der Herren Co wen und Rechtsanwalt Jasinowsky angcnomrr.cn. Die Verhandlung wird sodann bis Nachmittag unteibrocken. Nachmittagssitzung. Dr. Herzl überreicht namens des cngeren A.-K. folgenden Zusatzantrag: ״Die prinzipielle Erörtcnmg der Ostafrikafrage steht jedem frei, dabei verpflichten sich die Mitglieder des A.-K.. alle persönlichen Angriffe nicht nur in den amtlichen Zirkularen zu vermeiden, sondern ihren Einfluss nach Tunlichkeit auch sonst auszuüben, dass solche Angrifie und überhaupt jede unwürdige Form der Diskussion vermieden w׳ird. . Dieser Zusatzantrag w ird ohne Debatte mit allen gegen die Stimmen der Herren Jasinowsky. M a n d e 1 s t a ni m. Cowen und F r i e d e ni a n n angenommen. Qreenberg enthält sich der Abstimmung. Der nächste Punkt der Tagesordnung. .,Entwurf über die Kompetenz-Abgrenzung des grossen und engeren A.-K.“ wird vertagt. Oreenbcrg beantragt, in die Debatte über die Fest- Stellung der Mittel für die O.-A.-Expedition einzugehen. Dr. Herzl meint dagegen, das grosse A.-K. sei durch einen Kongressbeschluss gebunden. w׳eder Schekelnoch Nat.-Foudnoch Bankgelder hierfür zu verwenden. Es kann sich nur darum handeln, dass das entere A.-K. irgend eine Form findet, um diese Mittel zu beschaffen. Unsere Freunde in Süd-Afrika haben das Anerbieten gemacht, diese Expedition auf eigene Kosten auszurüsten. Ausserdem sei bekannt, dass das engere A.-K. noch andere Schritte unternommen habe. Es bleibt also nichts anderes übrig, als diese Frage dem engeren A.-K. zu überlassen. Und zwar gibt es zwei Wege, entweder dass ein ciiemiicher Aufruf erlassen wird, oder dass der Versuch gemacht wird, eine Studiengesellschaft zu bilden. Diese Erklärung des Präsidenten wiid zur Kenntnis genommen. Cowen interpelliert den Vorsitzenden, ob die englische Regierung seit dem Kongress dem A.-K. nicht eine neuerliche Erklärung hat zukommen lassen. Dr. Herzl: Darüber kann ich jetzt keine Antwort geben, denn wir müssen uns erst darüber beraten. Als nächster Punkt wird hierauf das Referat des Dr. Färbstein .. die Legalisierung des Nationalfonds" entgegesigcnommen. ' . Dr. Farbstein: Es handelt sich vor allen Dingen um die Beantwortung mehrerer Grundfrage», von denen die w׳eitere Arbeit der Nationalföndkommission abhängig ist. Die Frage nach dun Zweck des N.-F. hat bereits der letzte Kongress entschiedet! und hierin der Kommission eine Richtschnur gegeben. Aber ebenso, wichtig sei eine Direktive in andern Fragen. Diese Fragen sind: 1. Die Frage nach dem Sitz. Die 2. Frage lautet,.wer soll ■das oberste Organ des N.-F. /