Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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No. 16. . JÜDISCHE.RUNDSCHAU Seite 163. fliesst, Ist der Träger unserer Jüdischen Eigenart und muss rein erhalten bleiben, soll sich diese Jüdische Eigenart in einem fremden Milieu rein erhalten. Achten wir nicht auf die FernhaVtung des Blutes jener Rassen, mit denen wir zusammenwohnen, so muss die Blutmischung unsere spezifischen Charaktere verwischen und . zur Tilgung des Jüdischen National־ bewusstselns führen, selbst wenn sich diese fremd rassigen Elemente zur Jüdischen Religion bekennen würden. Man setze nur den Fall, dass der grösste Teil der deutschen ״Juden“ unjüdisches Blut irr seinen Adern hätte — ein Fall, der leicht dntreten könnte, wenn weiterhin wie in Berlin auch anderswo Jede vierte Jüdische Ehe eine Mischehe wäre, oder wenn sich die Zahl der Mischehen in Zukunft noch vergrösserte, wenn selbst national empfindende Juden an der Eheschliessung mit einer zum Judentum übergetrptenen Christin keinen Anstoss nähmen. Man setze also diesen Fall! Vermutlich würde dann zwar auch das religiöse Leben der Juden darunter leiden, obwohl das keine unbedingt notwendige Folge wäre. Aber sichci wäre das der Tod der jüdisch-nationalen Bewegung in Deutschland. Denn welches Interesse könnten diese Abkömmlinge christlich-arischer Ahnen, diese Söhne fremder Rassen und Völker an unseren Rassenempfindungen nehmen, an unseren nationalen Bestrebungen, an unserem historischen Bewusstsein, an unserem ernsten Wollen, Jüdische Art, Jüdisches Blut in eine gesicherte Zukunft hinüberzuretten? Wenn die Nation über äussere Bindemittel verfügen wird, dann werden auch fremdrassige Elemente nach Ihrem Ucbertritt zur iüdischen Religion bis zu einem gewissen Qrade von dem Volkskörper absorbiert werden können, ohne Schaden für die Gesamtheit, wenngleich eine solche Massenzuleitung fremden Blutes, wie sie In unserer Zelt staitfindet, auch dann eine Gefahr für den Volksorganismus bedeuten würde. Im alten Palästina wurde Ja auch den Jüdischen. Kriegern unter Umständen gestattet, Frauen aus der Mitte der Nachbarvölker zu heiraten. Ueberhaupt werden Ja nach Herstellung normaler Verhältnisse so manche trennenden Momente hervorgehoben werden dürfen, die bei der heutigen Lage unbedingt zu unterdrücken sind. Nur eine in sich gefestigte Nation verträgt den Kampf politischer, religiöser und sozialer Gegensätze in seiner Mitte. Heute gilt es, die Einheit zu betonen und zu wahren, zumal die Einheit des Blutes.' Deshalb begeht der Nationaljude, der von dem Prinzip der Rasseninzucht abweicht, eine Sünde an seinem Volke. Die Gefahr der Mischehen, In denen die Frau ״Jüdin“ ״geworden ist“, besteht also in einer Schädigung der jüdischer Familienerziehung, in dbr Zuführung fremden Rassenblutcs. Deshalb verwerfen wir diese Mischehe. Die Gefahr der Mischehen, In denen die Frau Christin bleibt, besteht in der schwersten Schädigung oder Beseitigung des jüdischen Fami- Kenlebens, in der Zuführung fremden Rassenblutes, oft genug auch darin, dass sich die Nachkommenschaft teilweise odci gänzlich von der Jüdischen Religion abwendet und dem jüdi-/ sehen Volke verloren geht. Deshalb verdammen wir diese/ Mischehe. ״ Das anthropologische Moment gelangt zu besonders hoher Bedeutung, wenn wir die Frage nicht vom Standpunkt des Beobachters beurteilen, der die Beziehungen der Mischehe zu den Interessen des jüdischen Volkes abwügt, sondern vom Standpunkt des Nächstbeteiligten, des Juden, der mit •einer zum Judentum fibergetretenen Christin eine Ehe •eingeht. Hier versagen fast alic Momente, die man gegen die Mischehe ins Feld geführt hat. Das religiöse Moment fällt gänzlich fort, denn der Uebertritt zum Judmxtum ist la vollzogen. Und die statistisch festgeslelltc Tatsache, dass die Mischehen prozentua liier viel zu häufig zu Scheidungen führen, also vermutlich meist minder glücklich zu sein pflegen, wird auf den Juden, der eben ün Begriffe steht, das von ihm geliebte AVeib zu heiraten, h»cht der» geringsten Eindruck machen. Der statistische Nachweis der geringeren Fruchtbarkeit der Mischehen dürfte ן ihm noch weniger Sorgen bereiten. Sollte er es mit der Liebe ' zum iüdischen Volke ernst meinen, so mag er wohl auch den Vorsatz fassen, für die echt jüdische Erziehung seiner Kinder Sorge zu tcagen, um den unjüdischen Einfluss, den die Christliehe Mutter in die Familie trägt, zu kompensieren. Was sollte »hn also a*s Zionisten hindern, die ״bekehrte“ Christin zu hei-; raten? Hier hält das anthropologische Moment noch Stand, wenn er auch glaubt, sich über die anderen hinwegsetzen zu können. Ueber diese Schwierigkeit kommt er nicht hinweg, sie muss an seinem Gewissen rütteln. Keine guten Vorsätze vermögen die Tatsache auszulöschen, dass er im Begriffe steht, eine Handlung zu begehen, die verallgemeinert eine der Grundsäulen Umstürzen würde, auf denen die Jüdisch-nationale Gesinnung ruht: die Rassensolidarität. Und wenn er auch glaubt, allen Schäden, die die Mischehe anzurichten vermag, steuern zu können — die Blutmischung ist ein Vorgang, der. einmal vollzogen, eine irreparablen Schaden darste’lt, der sich in der Nachkommenschaft potenziert In der Gattenwahl ist dem Menschen ein mächtiges Mittel an die Hand gegeben, die Rassen und Völker umzugestaltcn, zu mischen und rein zu erhalten, zu kombinieren und zu verwischen, durch Zuchtwahl zu verbessern oder der Degeneration zuzuführen. Wehe, wenn er von diesem Mittel zum Schaden seiner Nation Gebrauch macht! Es Ist nach alledem klar, dass Jegliche Mischehe für den Zionisten unerlaubt ist, tausendmal unetfaubt, wenn die Gattin Christin bleibt und zu al'em Unheil das hinzutritt dass die Kinder, Söhne Israels, im allergünstigsten Falle, wenn nämlich die Kinder dem Judentum treu bleiben, von einer christlichen Mutter erzogen werden. Wenn ein Jude, der ein Verschwinden seiner Rasse, seines Volkes, seiner Religion anstrebt, die Mischehe empfiehlt, so handelt er konsequent Wenn ein Jude, dem an der Erhaltung der iüdischen Gemeinschaft nicht allzuviel gelegen ist, unter dem Einfluss momentaner Licbcswallungen die Interessen des Jüdischen Volkes vernachlässigt, so ist das psychologisch bcgreulich. Wie aber ist es möglich, dass Männer, denen an dei Erhaltung des Jüdischen Volkes gelegen ist, die mit Einsetzung ihrer gesamten Kräfte für dieses Ziel arbeiten, die sich selbst als Glieder des Jüdischen Stammes befrachten und solche immerdar in Zukunft bleiben wollen, dass sie die Mischehe für erianbt halten? Es gibt da verschiedene Gründe. Wir beginnen mit den gelehrten Leuten. Die Inzucht wirkt ״bekanntlich'* degenerativ, das Rassenblut muss durch Zuleitung fremden edlen Blutes zuweilen ״verbessert", werden. Die Vorstellung ist ungefähr die: die seit langen Zeiten monoton klappernde Inzuchtmaschinc muss von Zeit zu Zeit durch einen Tropfen fremden Blutes geölt werden. Diese bekannten Tatsachen leiden an einem nicht unwesentlichen Uebelstand, sie sind nämlich wahrscheinlich falsch. Ich habe an anderer Stelle den Nachweis geführt, dass nach dem Stande unseres heutigen Wissens der Rasseninzucht vielleicht eia förderlicher Einfluss zuzuschreiben ist. Ich habe dort auch gezeigt, weleher Verwechselung die im Laienmund ungemein verbreitete Kcnntniss obiger ״Tatsachen“ ihre Entstehung verdankt. Im übrigen pflegt es sich hierbei oft genug um eine Ausrede zu handeln, indem diese Juden, in Liebe zu einer Christin entbramit, sich ohne Jegliche Rassenreformation sjpläne zu Wer Heirat eutschliessen. . . Bei einer anderen Gruppe von Nationaljuden liegt de; Grund ihrer Handlungsweise darin, dass ihr Zionismus nicht stark genug ist, dass sie die Frau mehr lieben als das Judentum. . Zweifellos für den grössten Teil der.so handelnden intelligeilten Nationaliudcn gilt Jedoch Jenes Motiv, aus dem heraus auch Matthias Acher die Mischehe begreift — der wachsende individualistische Zug.der Zeit, in den! er selbst mit ganzer Seele mitwebc. . Ajso .nicht zu schwache zionistische Uebeizeugungstreuc, die .seinen LiebcscmpfLndungen gegenüber nicht Stand , hält, sondern bewusste Durch Setzung seiner Porsön-