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Jüdische Rundschau · 1904-04-15 · Heft 15 (15.4.1904) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 15 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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f \ t J- No. 15._ JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 155 1 tation gibt meiner Auffassung so klaren Ausdruck, dass •ich nur zu bitten habe* den gestellten Antrag zum Be- Schluss zu erheben.“ Er wurde denn auch zum Beschluss erhoben. Ob auch bei etwaiger Neuregelung der Kirchenord־ nungen Rabbiner ihre Meinung in Sachsen zum besten geben sollen, wurde nicht besprochen. Mit der ״Vossischen Zeitung“ hat der Pfarrer Skowronek in Boguschtitz eine Auseinandersetzung, ob er polnischer oder deutscher Partei ist. Der Erfolg ist ein Brief dieses Predingers der Liebe mit folgendem Passus: ״Bogutschiitz b. K1׳t׳.owitz O.-S., 7. April. Ihre hakatistische Anrempelung meiner Peison in No. 158 ist so albern, dass sie einer ernsten Erwiderung nicht bedarf..— Ich frage Sie hiermit an, ob Sie vielleicht beim Begräbnisse polnischer Juden deutsche Lieder singen werden?“ Im Westen des Reiches haben’s auch die Juden auszuhalten. In Wiesbaden hatte sich ein junger israelitischer Kaufmann als Zweijährig - Freiwilliger bei einer Batterie des ArtüLeriercgimeuts Nri 27 gemeldet. Der Hauptmann erklärte ihm unter Berufung auf die Weisung einer anderen Dienststelle mit den! Ausdruck des Bedauerns, dass er israelitische Freiwillige nicht mehr aiuichmen dürfe. Durah Vermittelung des ,.ZentralVereins dcutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens“ wurde dagegen Beschwerde geführt, infolge deren vom kommandierenden General des 18. Armeekorps der schriftliche Bescheid kam, dass che Zurückweisung eines Freiwilligen seines Glaubens w׳egen ״nach den gesetzlichen Bestimmungen ungerechtfertigt“ ist. Das Erforderliche sei veranlasst worden und dem Bewerber werde anheimgcstellt, sein Gesuch beim Regiment zu erneuern. Er hatte sich aber inzwischen schon bei einem anderen Truppenteil gemeldet und war angenommen worden. Der ersten Ab- Weisung soll ein Missvcrwändnis zu Grunde gelegen haben . . . Bei der prinzipiell wichtigen Bedeutung des Falles wäre es nun sehr am Platze, wenn dieses ״Missvers t ä n d n i s“ aufgeklärt würde. Unsanfter freilich als in Deutschland fasst man die Juden in Russland an: Der ״Frankfurter Zeitung“ zufoige liegen Meldungen aus Odessa vor. dass dort, ähnlich wie im Vorjahre in Kischinew׳, eine starke Agitation entfaltet \verde, um gegen die Juden bei den bevorstehenden griechischen Ostericiertagen Exzesse hervorzurufen. An der Spitze Jer Bewegung soll der Redakteur einer dortigen Zeitung stehen, der den bekannten Agitator Kruschcwan. nach Odessa ein’ud, um gemeinschaftlich eine systematische Kampagne gegen die Juden zu leiten. Es werden hetzerische Flugblätter verbreitet. Kruschewans ״Snamja‘• wird in den Strassen und TccHcalen gratis verteilt. Die Lage der jüdischen Bevölkerung scheine gefährdet zu sein. Man erklärt geradewegs, dass die Juden den Ueberfall Japans auf Russland hervorgerufen hätten. Die Vaterschatt dieser wahnwitzigen Idee gehört keinem Geringeren. als Herrn A. S u w o r i 11. dem geistigen Vater des rrussischen Antisemitismus, der noch nach dem Ausbruche des Krieges das entschiedene Auftreten Japans Russlands gegenüber einer Intriguc des ״internationalen Judentums" zugeschrieben hatte; die Gesinnungsgenossen und Schüler Suworin’s haben dann diese ״Idee“ eifrig weiter entwickelt und bald auch den Sitz und den Urheber dieser ״Intrigua“ entdeckt, nämlich, die ״verjudeteu“ Vereinigten Staaten von Amerika und ihren Präsidenten ״den Juden Roosevelt“. Unter solchen Umständen dauerte cs nicht lauge und man ״entdeckte“ überall jüdische Verräter. So soll in Baehmut ein jüdischer. Pelzwarenhändler mehrere Wagenladungen Militärpelze für die Japaner eingekauft haben, au der Wolga haben die Juden angeblich eine Edscnbahnbriicke in die Luft sprengen wollen, in Kischinew und Odessa hätten sie Geldsammlungei! veranstaltet zugunsten der japanischen Flotte, in Tambow und Koslow hätten sie für die japanische Armee Pferde eingekauft usw. Alle diese to’ien Gerüchte werden von der antisemitischen Presse mit furchtbar ernster Miene verzeichnet und zu hetzerischen Kundgebungen verarbeitet; das Gerücht über angeblich jüdische Pferdeeinkätne für die japanische Armee wurde von der ״Nowoje Wremja" in wechselndem Zusammenhänge dreimal wiederholt, hingegen das offizielle Dementi des Gouverneu.s. von Tambow gänzlich verschwiegen. Natürlich hat auch die Zensurbehörde sich nicht bewogen gefühlt, den Abdruck der offizicllen Dementis zu verfügen, wie sie überhaupt der antisemitischen Presse gegenüber eine sehr weitgehende Toleranz ausübt; dafür wird es den liberalen Zeitungen in jeder Weise erschwert, den Antisemitismus zu bekämpfen. Unter diesen Umständen sind die Besorgnisse der russischen Juden/ leider durchaus nicht grundlos. Inzwischen nimmt in Odessa die antisemitische Agitation einen unheimlichen Umfang an. Die unwissende christ’iclic Bevölkerung wird mit Hochdruck bearbeitet, die Hetzer appellieren an alle hässlichen und niedrigen Gefühle der Menge und besonders an ihren Fanatismus; kein Wunder dann, w׳enu ihre Leidenschaften aufs höchste entflammt sind, und es bedarf nur eines äusseren Anlasses, um eine Wiederholung der Kischir.ewer Katastrophe herbeizuführen. Seit zwei Tagen wird eine mordhrcnncrisciie Proklamation in Zehntausendeu von Exemplaren verteilt, ein direkter Aufruf zu Mord und Raub. Die Sprache dieser Hetzmanifestation ist so charakteristisch, dass ich sie im Wortlaut zitiere. In der rechten und linken Ecke des Aufrufs ist das russische Doppelkreuz gezeichnet, dann folgt nachstehender Text: ״Rechtgläubige! Wir stehen am Eingänge des Osterfestes. Im vorigen Jahre haben unsere Brüder eine gründliche Abrechnung gehalten mit den Mördern unseres Gottes, den Juden. Brüder, es war eine glorreiche• Zeit! Das russische Volk hatte sich ermannt und bewiesen, dass es die Fahne des selbstherrschenden rassischen Zaren und das Banner unserer rechtgläubigen heüigen Kirche nicht fallen lassen wird. Aber unsere Widersacher gingen nicht in sich.!Satan hat sich die Oestalt der Juden geliehen, und er fährt fort, unsere teure Heimat, unser heiliges Russland, zu beunruhigen. Und immer mächtiger wird er. Hinter unseren inneren Feinden, den Juden, steht eine unermessliche Anzahl von Juden im Auslande im Verein mit den Ungläubigen, den Engländern, Amerikanern und Japanern. Sh alle wollen Rache nehmen für Kischinew, und sie erregen Aufrühr im Innern, Erbostheit gegen unsere teure Heimat Im Aus-!and. Sie haben den gegenwärtigen Krieg heraufbeschworen. Rechtgläubige! An unserem Elend sind die Ungläubigen schuh!, jene, die Christus verraten haben. Sic wollen herrschen über unsere Erde, über unsere uralten russischen Heiligtümer, und so verkaufen sie denn unser Vaterland dem Feinde. Das gottlose England, das schachernde Amerika, das heidnische fred״־ Japan wollen uns niederringen. Allein nicht in ihnen liegt die Gefahr. Unendlich ist die Macht des russischen Heeres. Mit den Mützen wird es sie bedecken, al'e übelwollenden, alle Feinde das ruhmvolle russische Heer und der siegtragende heilige Georgius. Die Gefahr ruht im Innern, die Gefahr sind die Juden. Sie, die das Blut unserer Kinder trinken, vergiften unsere Jugend mit bösen und verderblichen Ideen, die die Pfeiler unserer geheiligten staatlichen Ordnung und des Glnabens zerstören. Gegen diese hundertköpfige Hydra, gege״ dieses giftige Gewürm müssen wir mit allen Kräften ankämpfen. Die Regierung selbst ist ohnmächtig; das Volk muss aufstehen, um ihr in diesem Vernichtungskampfe beäzustchen. Brüder! Das Vaterland ist in Gefahr! Der Zar will es, dass die Juden vernichtet w׳erden! Es nahen die heiligen Ostern, der glorreiche Jahrestag von Kischinew. Wollen wir nic’o zurückstehen. Zeigen wir den Juden unsere russische Macht. Vernichten wir sie! Wo ihrer auch leben, schlachtet sie hin! Keine Schonung! Jeder einzelne ist ein Feind und Verräter. Zu sanftmütig waren wir im vorigen Jahr. Mit Blut wollen k r

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