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Jüdische Rundschau · 1904-04-15 · Heft 15 (15.4.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 15 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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”לי ■״״ "r”■ ■" ™ Seite 152 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 15. nächsten Kongress sprechen, denn dieser allein ist dazu autorlsiert. Wir sind doch nur hier, um zu beraten, wie wir C e . Beschlüsse des Kongresses auszuffihrcn haben. Drohungen existieren für uns nicht. Ebenso wie ich mich dem Votum des nächsten Kongresses fügen werde, ebenso müssen sich die Herren den Beschlüssen des letzten Kongresses fügen. Dr. Tschlenow protestiert gegen die Bemerkungen Mandelstamms. Er habe in seinen Zirkularen die Situation Immer so dargestellt, wie sic ist. Auf eine Anfrage Dr. Herzls erklärt er bestimmt, dass er Mitteilungen, die ihm vertraulich übergeben wurden, nicht weiter gegeben habe. Prof. Bielkowsky erklärt, warum!er und seine Freunde die Bemühungen Dr. Herzls in Russland mit Unbehagen aufgenommen haben. Dr. Hcrzl ist wohl dazu berufen, die diplomatischen Verhandlungen und nach eigenem Ermessen zu führen und uns darüber zu berichten. In den Fragen der inneren Organisation muss er sich aber stets an uns wenden. Dr. Herzl: Das geschah ja auch immer, aber warum waren Si״ nicht zu Hause? Warum ist Tschler.ow nicht gckommen, trotzdem ich Sic beide darum gebeten habe? Prof. Bielkowsky (fortfahrend): feil habe in Charkow genauen Bericht über alles erstattet. Ich habe meiner Ueber- Zeugung Ausdruck gegeben, dass Dr. Herzl seine Arbeit für Palästina fortsetzen, dass er glücklich wäre, den Tag zu erleben, wo wir in Palästina wären, dass er aber, wenn er es in absehbarer Zeit nicht erreichen könne, nicht abgeneigt war*, eine Heimstätte irgendwo anders zu errichten, als in Palästina. Die Konferenz stellte, wie bekannt, ein Ultimaitum, aber nicht gegen Dr. Herzl, sondern f ii r ihn. Wir woben einfach die Misswirtschaft beseitigen, die in unsere Organisation einzureissen drohte. Das war alles in freundscliat't licher Form gedacht. Nach einer Geschäftsordnungsdebatte wird der Direktor der Bank, Herr W 01 f f s 0 h n , cingeladcn, an den Beratungen tcilzunehmen. Dr. Jaslnowsky konstatiert, dass die Situation für den Zionismus gegenwärtig eine viel günstigere sei. als vor dem Besuch Dr. Herzls in Russland. Dr. Rosenbaum: In Charkow haben wir eine ganze * Rothe prinzipieller Forderungen aufgestellt. Die erste Forde rung war die Herstellung des Friedens (Gelächter). In allen Fragen der Taktik wollen wir uns der Majorität fügen. Aber in dem Augenblicke, wo eine Differenz cn.unserem Ideale auftritt, müssen wir auseinandergehen. Der Beschluss des K011grosses muss allerdings ausgeführt w׳erdet1, das behaupten auch wir alle von Charkow, ausgenommen Ussischkfn^ Alv'r zwischen Expedition und Kolonisation gibt es noch einen grossen Unterschied. Dr. Herzl hätte von seinem Standpunkt aus einen Kongress zusammenberufen sollen und ihm die Frage vorlcgcn sollen, ob wir noch Zioivsten sein wo’len, oder nicht. Die Leute, die für Zion sind, haben mit denen, die für Uganda sind, nicht mehr gemeinsame Zje’e. Wir wollen daher klare ^Antwort auf die Frage, was soll mit der Expedition erreicht werden? Will man nur diese, oder will man. wenn die B׳'- dingungen gegeben sind, auch wirklich eine Aktion einleiten? Dr. Scheinkin will Aufklärung darüber haben, wa« an der Nachricht wahr sei. dass in Palästina Land gekauft ׳ werde. Er will ferner wissen, was Herzl für Palästina ict/t tue. Er fragt weiter, ob matt in Palästina nicht auch das erreichen könne, was eventuell in Ostafrika zu haben sei. Sollte sich die Antwort darauf nicht für die Oeffentlichkeit eignen, so sollte hierfür eine besondere Kommission gewählt werden. Denn nur mit einer klaren Antwort könne man allen Uebcrtreibungen und allen Entstellungen entgegentreten. Der Zionismus fasse er nicht als Brotfrage auf. denn er sage seinen Leuten immer, fetzt sollt ihr nichts haben, jetzt so!ff ihr abe־ geben. Dr. Friedemann plaidicrt für den Fried׳■•• und die Einigkeit 5n der Partei. Die westlichen Zionisten sind keine schlechteren Zionisten. Diesen Vorwurf sollte man nicht mehr hören, denn ihre Arbeit sei eine viel schwierigere, als die in Russland. Der Zionismus wird auch fortbestchen, wenn der grösste Teil der russischen Juden unserer Bewegung den Rücken kehren wird, weil die Idee fortbesteht. Der Zionismus hängt auch davon nicht ab, ob wir unser Ziel heute oder morgen erreichen. Wir sind alle gute Palästiner, aber wir habe« mit unseren armen Brüdern Mitleid und halten doch an unserem Ziele und an unserem Idhea'e fest. Sie hatten kein Recht, ein Ultimatum an Dr. Herzl zu stellen. Was ׳tun Sie, wenn er die gewünschte Zusicherung nicht gibt? Wollen Sie ihn also zur Demission zwingen? Er ist doch der einzige Mann, der zur Leitung unserer Partei fähig •ist. Wollen Sie diesen Mann, der nach achtzehn Jahrhunderten des grössten Elends de Zionistcnkoiigrcsse geschaffen hat, der sein ganzes Leben für sein Volk cinsetzt, ni״ht als Zionisten erklären? Dann ist unsere Bewegung gewiss zu Ende. Meine Herren! Wollen wir doch Einigkeit wieder herstel'en und das jüdische Volk wird uns Dank wissen. Sprengen Sie nicht die Partei mit einem Ultimatum. Erwägen Sic, ob der Weg, den Sic gelten, der richtige ist. Wir wollen ja c i 11 Volk sein. Wir wollet) ein 1-atid haben. Wir wollen alle brüderlich miteinander \cre:1!igt sein. Wir müssen daher den Weg des Friedens finden. Schluss der Sitzung IO Uhr 10־ Minuten. § Aus der Bewegung. S tmm ** ® m © * **©«** ו׳* 7 ו **»*¥® Berlin. Am Mittwoch, d. 20. April, abends Ühr. wird Herr Dr. Klee in den Königssälen, Neue Königstr. 26 (Saalein־ gang Wadzcckstr), in einer MItgHed2rversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung über die Sitzung des Grossen Aktionskomitees in Wien Bericht erstatten. Berlia Die »Berliner Zionistische Vereinigung“ veranstaitete auch in diesem Jahre Sederabcndc. Für den ersten Abend hat sich zur Leitung Henr Dr. Ochser in liehenswürd'ger Weise zur Verfügung gestellt und für den 2. Abcna Herr Josef L»n. Beide Abende waren gut besucht und wurden die Sederfciern in würdiger echt nationaler Art abecM teil. Beide Herren hielten zionistische Ansprachen, die auch aut die anwesenden Nichtziotrsten Eindruck machten. An brden Abenden wurden zum Schluss die Lieder: הייק,־ und »Dort wo die Zeder“ gesungen. Bm. d. Ostrowo. Am Abend des 10. April fand hier zwecks Konstituierung eines zionistischen Vereins e׳n״ von mehreren Gesinnungsgenossen einberufene öffentliche Versammlung statt. Nach Eröffnung der Versammlung durch Herrn T^ä bisch ergriff Referendar Dr. Dobrzinski das Wort, um in lünge rer Ausführung die Erschienenen üher Wesen und'ZicIe des Zionismus sowie über die mit Eintritt in die Organisation zu erfüllenden Pflichten aufzuklären. Dem neugecriindeten Vereine traten 20 Mitglieder hei. Die nächste Aufgabe des Vereins so’l cs sein, bei seinen Mitgliedern zionistische Zcitungsmappen in Umlauf zu setzen, um sie im Zionismus zu vertiefen. Allenstehi. Am letzten Diskussionsabend im Littcratur- Verein verlas Herr Fabrikbesitzer Ladendorf einen Vortrag ..Der Zionismus und seine Gegner“ von Dr. Max Nordau. Nach einer darauf folgenden heftigen Debatte, an der sich auch Herr Ribb. Dr. Olitzki beteiligte, erklärten 7 Herren ihren Beitritt. Herr Dr. 0' tzki. der sich als eitriger Zionist bekannte, w• s י׳י t־'••- gcrettt Vorträge darauf hin. was ihn für den Zionismus begeisterte, ferner über die Entwickelung und die bisherigen Erfolge des Zynismus seihst auf if Jisch-Iitter. Gehictc. Allgemein wurde der Wunsch geäussert. hier einen tüchtigen zionistischen Redner zu hören, und. da wir hier bereits 17 Mitglieder haben, wird dann unmittelbar die Gründung einer Ortsgruppe folgen. Karl Lcwy. Breslau. Am Sonntag, den 27. März, sprach rin grossen Saal der Neuen Börse vor etwa 500 Personen Elias Auerbach über ״Die Auferstehung des jüdischen Volkes“. De» Vortrag unterschied sich wesentlich von den sonst übliche« Agitationsvortrügcn. vor allem durch die scharfe, klare Betonung des nationalen Momentes der zionistischen Bewegung. Redner geht von der Kulturarbeit des jüdischen Volkes tu der Vergangenheit aus, dieses Volkes, das nun zum Untergang verurteil* sei. wenn nicht ein neues Bindemittel geschaffen

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