Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1904)
- Date
- 1904-04-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 150. . No. 15. JÜDISCHE RUNDSCHAU. war damals Krzywiecki im Hause Burgs (hart am Mühlenhach).;; Zeuge: Nein, er war nicht dort! Das ist gar nicht mög-!ich, dass er dort gewesen wäre (grosse Heiterkeit). Dr. Haczewski: Haben Sie gesehen, wie man dem Nute Walzer die Fenster cingeschlagen hat (am anderen Ende der Stadt)? ' Zeuge: Ja, ich habe gesehen! Der Pirokuator : Haben Sie gesehen, wie die Bauern eine Bäuerin gerettet habeiu, weiche die Juden schlagen wollten? Zeuge: Ja, ich habe gesehen! (Schallendes Gelächter). Der Prokurator: Und den Bauern, den ein Gendarm ergriffen hat, haben Sie' gesehen? Zeuge: Ja, ich habe gesellen! (Abermaliges schallendes Lachen.) Der Vorsitzende (deutsch): ״Eine Allwissende!" (Wiederholtes Lachen im Auditorium). — Solcher Art waren noch viele der Entlastungszeugen. Und doch hat das hohe Gericht zuguterletzt nur diesen Zeugen Glauben geschenkt, während die 70 jüdischen Belastungszeugen mit einem Wort übersehen wurden. Die Juden hatten unter Eid ausgesagt, dass Skaiski der eigentliche Führer der Erzesse war. Unter demselben Eid sagten beinahe cbensoviclc Christen aus, Skaiski habe die Bauern zur Ruhe ermahnt. Welche von den Zeugenaussagen war nun eigentlich die wahre? Beide zugleich! Es erhellte aus dem Zeugcnvcrhör, dass der Herr Oberaufseher wirklich in der Rolle eines ..Beruhigers“ auftauchtc, aber erst nachdem die Gendarmerie angelangt war, und das war zwei Stunden nach Ausbruch der Exzesse, nachdem Herr Skaiski bereits Zeit gehabt, zu erschrecken über die riesigen Dimensionen, die sein Werk angenommen hatte, und über die üblen Folgen, die ihm davon erwachsen konnten. Allein das hohe Gericht verwari die gerade Auslegung und ״lernte einen tiefen Pilpul.“ In der Begründung des frei- -sprechenden Urteils über Skaiski und Krzywiecki heisst cs, dass man nicht, Gott behüte, die jüdischen Zeugen des falschen Eides bezichtige (das wäre doch zu unschön und gar nicht europäisch. Ar.m. des Sotzers.) der Gerichtshof behaupte nur, dass die Juden in ihrer Todesangst falsch gesehen und falsch gehört haben. Ihre Aussagen sind daher ganz unverlässlich. Es taucht hier nur eine kleine Frage auf: Ist es denn ^wirklich möglich, dass unter so vielen Menschen, und wären es auch nur Juden, nicht ein einziger sich findet, der einen einzigen ״hellen Augenblick“ hätte, um den Herrn Oberaufsehcr in seinem wirklichen Charakter beobachten zu können? Hand aufs Herz, wer das wirklich behaupten will! Zs wäre vielleicht da noch etwas zu fragen, allein ich erinnere mich noch rechtzeitig des talmudischen Wortes: ״En meschiwin al dibre agadot“, über die Acada soll man sich nicht wundern, Dasselbe kann auch vom ״Pilpul“ gelten. Mayer Chartiner. Die Tagung des Grossen Aktionskomitees. * (Erster Bericht.) Montag, den 11. April, wurde die Konferenz des Grossen Aktionskomitees eröffnet. Es waren erschienen: Die MitgHeder des engeren Wiener A. K. ferner aus O es t e rr e i c h: Dr. Krenberger, Dr. Goldwasser,־ Adolf Stand, Karl Resek. ״ Ungarn: Rabbiner Roth. ״Deutschland: Dr. Klee, Direktor Wolfsohn und als Stellvertreter Dr. Prdedemann. ״ England: Greenberg und C0wen. ״ RumänUo: Samuel Pineies. aus Serbien: Dr. Alka!ay. Belgien (und Ho 11 a n d): Henri G r ü 11 a u. ״ Schweiz: Dr. Färb st ein. ״ Russland: Dr. Bruck, Dr, .1 e I s k y . Prof. Ma njde'l s tti'nim , Jasinowsky, Dr. .1 akobsohn, •Dr. Kahan-Bernstein. Dr. Tschlenow. Prof. Dr. BeI k o w s k y. Ing. Dr. Ussischkin, Rabb. Rabbi!nowitsc 11 und als Stellvertreter Dr. S c h e i n k i n. RechtsanNvalt Rosenbau m. ״ Firankreich: Alexander Marino re k. ״ Amerika:' Dr. Stephan S. Wise. Nach Verlesung der Eingänge, die Zustimmungskundgebungen aus allen Ländern aufweisen, werden die Protokolle der letzten A. K. Sitzungen verlesen und die Tagesordnung der Konferenz folgcndcnnassen festgesetzt: I. Tag. ׳ a) Erklärung des Präsidenten, b) Debatte. II. Tag. a) Fortsetzung der Debatte, b) Schiedsgerichtsfrage. c) Entwurf Bodenlielmer-Farbsfein. llf. Tag. a) Natkmaliondentwurf, Reierent: Farbstofn, b) Bank, Referent: Wolffsolm. c) Pa’ästina-Koinmission, Referent: Warburg. 1. Volksdomänen, 2. Landankauf. 3. Kischinewer Waisenschtile. 4. Hamburger Gesellschaft. . 5• Mädchenschule Jaffa. Der Vorsitzende hält nun dem verstorbenen Oberst Golds m-id ennen Na'chrur; ״Oberst Ooldsmid hat sich vollkommen in die neuen und grösseren Aufgaben hineinzu־ finden gewusst. Er war ein pflichteifriger Zionist und unsere Bewegung verliert in ■ihm einen grossen Kämpfer.“ Nun nimmt Dr. H e r z 1 das Wort zur Eröffnungsrede. Er sagte: ״Ich habe trotz aller Schwierigkeiten und der Krankungen, die ich zu erleiden hatte, beschlossen, Ihnen Worte des Friedens zu sprechen. Ich weiss, welche Beunruhigung in den Massen unserer braven, armen, guten, gesinnungstreuen Zionisten in der ganzen Welt, insbesondere in Russland existiert, mit welch’ grossen Sorgen sie diesen Verhandlungen cntgegenschen, wie sie fürchten, dass diese mühevoll geschaffenen Anfänge einer nationalen Organisation zur Vollbringung des nationalen Werkes geschädigt worden könnten. Insbesondere will ich alles vergessen, was gegen mich persönlich geschehen dst. Wo ich aber gewissermassen aufwachen muss, das ist der Augenblick, wenn es sich um die Beruhigung unserer Organisation, uni die Vollbringung der Arbeit, um die Kräftigung unserer Einheit um die Ausführung dor Aufträge handelt, die wir vom Kongress bekommen haben und zu deren Ausführung wir uns durch die Uehernalmie unserer Mandate auf dem Kongresse verpflichtet haben. Dr. Herzl rekapituliert nun die Ereignisse seit dem Kongresse. Er verweilt, etwas länger bei der Besprechung der Zusage der russischen Regierung, in Koiistantinope! für den Zionismus zu intervenieren, die ein grosser Erfolg war und die palästinische Aussicht ungeheuer verbesserte. ״Dieser Erfolg, so gross or aucli war, berechtigt uns nicht das hochherzige Anerbieten der englischen Regierung, unsenen notleidenden Massen ein Territorium zu überlasse(, zu unterschlagen. Mein persön- Kcher Standpunkt in dieser Sache ist, dass wir kein Recht hatten, einen solchen Vorschlag einfach abzuweiseu, ohne das Volk befragt zu haben. Diesen Vorschlag will ich mit einem Wort bezeichnen: ״Das ist ein Stück Brot.“ Ich, der ich vielleicht Kuchen zu essen habe, habe nicht das Recht, ein Stück Brot, welches den Armen angeboten wird, abzuweiseu. well ich es nicht will, oder es nicht brauche. Ich bin vielt