Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1904)
- Date
- 1904-04-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I ו Seite 148.; דמז »ITir, I i I %! 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 15. ►; •.׳! tpt»*fSf * iOlr * |r4״rr!^׳ ^0« mhp״p■ יייוד* bilM '*ff■*!״' JtAlHMIA.1 I nehmen' darf, zu allererst in London einen Krystallisaticnspunkt jüdischen Lebens gebildet zu haben. In seinen Ansprachen bei den Zusammenkünften dieses Klubs kam Oberst Goldsmids zionistische Gesinnung stets zum feurigsten Ausdruck, denn Zionist war er mit Leib und Seele und an Zion dachte er immerdar, unbeschadet seiner Treue und Verehrung für das ״זand, unter dessen Fahnen er diente. Man erinnere sich seiner Rede, als er dort den Vorsitz übernahm: ' ״Man wird vielleicht fragen, wie ich, der ich ein ausgesprochener Zionist bin, mit ausgesprochenem Glauben an die Verwirklichung des Zionismus, dazu komme, von der Kolonisation in andern Ländern zu sprechen. Eben weil ich Zionist bin, tue ich es! Ich sehe, dass aus verschiedenen Ursachen sich die unmittelbare Verwirklichung des zionistischen Planes verlangsamt, und mein Projekt zielt darauf hinaus, die künftigen Bürger eines jüdischen Staates nach meinem besten Wunsche und unter meiner ernstesten Mitarbeiterschatt zu erziehen. In mancher der argentinischen Koloniecn ist der zionistische Geist eine lebendige Kraft. In Karmel wurde ich von 25 Reitern erwartet; jeder von ihnen trug die zionistische Fahne. Die Jugend dieser Koloniecn, die von Kindheit an die Arbeit gewöhnt, kernig und mannhaft, gibt ein viel aussichtsreicheres Material für eine Nation ab. als die in den Ghettospelunken geborenen Kinder. Aus diesem Grunde hoffe ich. die ״Jüdische Kolonialbank‘‘ mit der ,.!ca“ Hand in Hand arbeiten zu sehen, zu welchem Zwecke der Zionismus auch nicht ein Jota von seinen Endzielen abzuweichen braucht.“ Beim letzten Kongress in Basel war er erschienen, nicht als Delegierter, sondern als zionistischer Gast, den die Begeisterung für die Sache herbeigeführt hatte. Nachdem er den aktiven Militärdienst verlassen hatte, erklärte er sich auch bereit, in der zionistischen Organisation aktiv tätig zu sein und wurde sofort in den Vorstand der ״English Zionist Federation“ gewählt. Es sollte ihm nicht beschicden sein, sich in dieser Funktion lange zu betätigen. Um die Jahreswende 190-1 erkrankte seine Frau an einer Blinddarmentzündung und musste operiert werden. Nachdem diese Operation glücklich bestanden war. reiste er zur vollständigen Erholung seiner Frau mit ihr und der unverheirateten Tochter an die Riviera. Und auf der Heimreise wurde er so jäh dahingerafft. Goldsmid gehörte zu den ״alten Zionisten“, mit denen er Schulter an Schulter kämpfte, ehe es einen jungpolitischen Zionismus gab. Aber ohne Groll und mit warmer Begeisterung ordnete er sich freiwillig dem neuen Führer unter, der von aussen her in die Partei trat und sofort die Führung in die Hand nahm, als hätte man ihn seit langem erwartet. Er hat auch nachher stets in Reih’ und Glied gekämpft, wo für Zion und Judentum gestritten wurde. Mit Goldsmid haben Zionismus und Jüdisches Volk einen ihrer besten Anhänger und der edelsten Söhne einen verloren. Sein Andenken wird in seinem Volke unvergessen und unvergesslich bleiben! . Momente aus dem Zablotov/er Prozess. Schon der alte Talmud weiss, dass alles auf Erden Glück haben muss, ״selbst eine Thorarolle im Aron-kodesch“. Wir wissen heute noch mehr. Sogar ein Ereignis muss Glück haben. Von manch winzigem Ding wird zuweilen viel Wesens gemacht, während man oft Wichtiges, Ernstes, mit tiefem Schweigen übergeht. Frau Fama hat schon ihre löblichen Sitten. Und man kann ihr darum nicht einmal zürnen; hängt sie doch heutzutage ganz von der allmächtigen Königin Presse ab; sie muss eben nach deren Pfeife tanzen. War einmal eine Affaire Dreyfuss. Wiie summte und brummte cs damats im Stocke der Zeitungsschreiber! Ach, lene goldene Zeit! Sie kommt nicht sobald wieder. Es folgten Königsmorde, Hofskandale, bürgerliche Schmutzgesehichten. und dies alles bot reichlichen Stoff dar, für das Ausfällen der ewig lechzenden Zeitungsspalten. Und Kischincw, dieses goldcne Kischincw mit seinen 50 Toten und 500 Verwundeten, war es nicht ein wahrer Segen Gottes fiir manche Zeitschriften, welchen sich hiermit eine glänzende Gelegenheit darbot, ihren ganzen Liberalismus wuszuspielen. umsomehr, als damals weder ein ferner noch ein naher Osten die zeitungsmachendeu Geister beschäftigte? Und nun kam Zablotow, die Exzesse waren regelrecht: Eingeschlagcne Fenster, abgerissene Tü en, geplünderte Häuser und wunde Köpfe; cs fehlte ein kleines und es hätte auch einige Toten gegeben. Die Presse hörte und brach in Entrüstung aus und berichtete spaltenlang über das Unerhörte. Mit Spannung erwartete man nun den zweiten Akt dieses Dramas, י den Prozess. Da aber trat plötzliche Stille ein. Gegenüber dem Interesse am Kriege verschwand das Rechtsgefühl und * die bei jeder Gelegenheit sich geltend machende ״gerechte Entrüstung4 der liberalen europäischen Presse. Keines von den grossen Blättern war beim Zablotowcr Prozess am Journalistentisch vertreten. Und dies geschah nicht etwa aus Vergesslichkeit. Es hatten einige Männer aus Kolomea die Redaktionen der ״N. F. P.“ und der ״Zeit" ersucht, ihren Vertretungen zu erteilen; sic wurden jedoch nicht berücksichtißt. So stark sind die modernen Propheten vom Gefühl des ewigen Rechtes durchdrungen. Wie verhielten sich aber unsere Brüder, die jüdischen Zeit- Schriften zu diesem Prozess? Ausser der ״Welt“ und der ״Hazefira" iand es keine jüdische Zeitschrift (nicht einmal der sonst so rührige ״Hazofc“) für notig, sich am Prozess u n - mittelbar vertreten zu lassen. Unsere lieben Brüder müssen cs daher über sich ergehen lassen, wenn da jemand die böswillige Bemerkung machen wollte, sie hätten es deshalb nicht getan, weif von hier wenig Sensation zu erwarten war. Und es war auch wirklich nichts Sensationelles an diesem langen neuntägigen Prozess. W ir waren am Journalistentische ziemlich ״unter uns", denn nur ein einziger Christ, der Berichterstatter dcr״Slowo Polskie". befand sich unter den Vertretern der Presse. Und vielleicht nur diesem Umstand ist es . zuzuschreiben, dass v. ir konsequent ausliarrtcn und dem Vorgänge des Prozesses peinlich folgten. Es hatte jedoch der Zablotowcr Prozess au sich, wenn nicht Interessantes ä la Reimes, so doch Schweres, Gewichtiges, Ernstes. Wir hatten die Ueberzeugung, dass wir ein Stück lebendiger, jüdischer Leidensgeschichte mit all* ihren eigeuUmvUcheu Kennzeichen vor uns vocbcizieUeu sehen. Ich erinnere mich voll Schauderns an das Auftreten des Belastungszeugen für die Rädelsführer Skaiski und Krzyw iccki, an den Scbusterbursclien Mordchaj Majer Burg. Der war kaum von einer schweren Krankheit genesen, der Folge der Misshaiihingen vom II. September vorigen Jahres.' Kraftlos, gebrochen, bleichen, kränklichen Gesichtes, stand er vo» den Richtern,. ein 18jähriger hoffnungsloser, um nichts zum