Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 14 (30.3.1904)
- Date
- 1904-03-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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י Seite 1*14. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 14. ist die Unterschrift des Prof. 0. Warburg*Berlin, dw sich neben denen der alten politischen Zionisten Russlands befindet. Palästina In Wien. Wer die Bodenverhältnisse Palästinas kennt, weiss, dass die Bodenproduktc nur durch schwere Arbeit dem vernachlässigten Boden abgerungen werden konnten, und wer die IJr־(׳ duktc des landwirtschaftlichen Gcwcrbcilci-sscs seiner Aufmerk־ samkeit würdigt, wird zugeben. dass die jüdischen Bewerbeschulen in Palästina sich die Ausbildung der Jugend sehr äugelegen sein lassen. Die Zöglinge aber zeigen, dass sie Fähigkeit mit Verständnis für gewerbliche, ja künstlerische Arbeit vorbinden. 'Selbstverständlich stellen wir die landwirtschaftliche Produktion in erste Reihe. Oie jüdischen Bauern in Palästina erw eisen sich als ׳tüchtige Weinprouuzenten. und es sche'nt. dass sie es dahin bringen werden, dass die biblische Traube wieder zum Vorschein kommen werde. Auch der Körner- und Gemüse־ bau scheint nach den ausgestellten Proben aui gutem Wege zu sein, nicht minder der Obstbau, wie man an den schönen und ritsengrosseu Jaiiä-Orangen erkennen kann. Das ״Land, wo Milch und Honig fliesst". wird׳ allerdings Palästina noch nicht sein, dazu gehört eine längere als dreizehnjährige Frist und grössere Mittel ttir Irrigation und Amelioration. als sie den jüdischen Kolonisten zur Vertilgung stehen. Allein es ist doch schon sehr viel gewonnen, wenn der Bestand der Bauernkoh.nien gesichert ist. Sie haben im letzten Jahre an OH'iH Hektoliter versendet und erwarten für dieses Jahr eine Versendüng von liKMiun Kisten Jaiia-Orangen. Sie produzieren Mandein. Zitronen und Tabak( den sie allerdings nicht zur Ausstelluug bringen konnten, weil sic vorher hätten den laugen (jeiülis־ weg zurücklegen müssen, und der ihnen konfisziert wordenwar. weil sie die Vorschriften nicht gekannt hatten). lerner j Mais, alle Arten von Hülsem'riicbten. (iemiise und anderes, so dass man annclunen kann, der Kleinbauer werde sich ganz gut erhalten können, indem er nicht nur den eigenen Bedari decken, sondern auch für den Verkam' einiges erübrigen wird. Wein, Siid!rächte und Tabak werden sich immer mehr als lohnende Exportartikel bewähren und hierdurch wird für eine weitere Ausgestaltung der Kolonien eine sichere Grundlage geschallen sein. Die ausgestellten Kokons beweisen, dass auch die Scidenkultur in Palästina wieder heimisch gemacht werden kann, und da der Oelbaun» dort nicht ausgestorben und noch nicht ausgerodet ist, wird auch die Oelgew innung wieder zur Blüte gelangen. Die gewerblichen Produkte in der. Ausstellung bestehen aus Scidcnwaren orientalischen Geschmacks. Holz- Schnitzereien, Steinarbeitei» und Stickereien, die sämtlich in den Schulen erzeugt werden. Sic tragen den Charakter ihrer Provenienz, zeigen aber, dass ihre Venertiger grosse Kunstiertigkcit besitzen und wolil auch zu Arbeiten europäischen Geschmacks verwendet werden könnten. Man gewinnt in der Ausstellung den besten Eindruck nicht nur von der schon jetzt anzuerkcmiendeu Leistungsiähigkeit der jüdischen Kolonien in Palästina, sondern auch von ihrer Eutwickelungsiühigkeit und einer vielversprechenden Zukunft. ״ Die Ausstellung hat das grosse Publikum in einer Weise intercssiert. die die kühnsten Erwartungen der die Ausstellung veranstaltenden Karmcl-Gesellschatt weit iibertioiu״ hat. Die Ausstellung ist von 9 Uhr rriih bis 9 Uhr abends, »munterbrocheu besucht und übt auf weite Kreise eine grosse Anzichungskratt aus. Die Besucher rekrutieren sich aus allen Seinenteu der Bevölkerung und täglich erscheinen grössere Gruppen von Schulen, Instituten. Studentenverbindungen, Seminarien, nsw. zur Besichtigung und um sich über verschiedene Einzelheiten ausführliche Erklärungen geben zu lassen. Abgesehen von der »arheiiprächtigen Wirkung, welche die Ausstellung im ' ganzen ausübt. ist das Arrangement im Einzelnen als Vorzug- ' lieh gelungen zu bezeichnen. Die Gliederung der ausgestellten I Objekte, nach den Kolonien, aus welchen sie kommen, ermüglicht eine rasche Orientierung über die Kolonien. Von Rischonle-Ziou indem wir ausser den verschiedensten Getreide 1 rteu auch konservierte Früchte, deren Grösse den Beweis iiir die unbedingte Fruchtbarkeit des Bodens iieiern. Allgemein überraschen aus Ekrou chigctrnficite Hafergarheu, nicht minde! aber die über »ujunsgrossen Durrahbesen und Weizeuhalute aus Sichrou Ja'akob, die die Bewunderung und das Staunen e.1ies jeden Kenners der Landwirtschaft erregen. Auch aus Rccliohott». Tantura. Katra und Chudaira werden die besten, zum Teu hier unbekannten Produkte, des Acker- und Gartenbaues gezaigt. Ihnen reihen sich d e Erzeugnisse aus Jessod-H:1!11:1־»hl1 (ätherische Oele und Parfümerien) würdig au. Ein Kasten aus Eukalyptusholz zeigt uns. dass der Versuch dieses Holz für die verschiedensten, industriellen Zwecke zu verwerten, als gehingen angesehen werden kann, was um so höher zu venuschlagen ist. als dieser Baum, der zum Zwecke der Boden austrocknung geptlaozt ist. mit einer rapiden Schnelligkeit wachst. 1 Aber nicht nur diese ־ landwirtschaftlichen Produkte, s11״- i den» auch die Erzeugnisse der Hausindustrie bilden eine Anzichunßskraft iiir den Besuch der Ausstellung. Zu erwähnen sind als solche die Weinsteinarbciten (Modelle von Gebäuden und Denkmälern usw.) sowie die Kriigc und Geräte aus Jordanstein. Einen breiten Raum nehmen sowohl die Holzschnitzereien als auch die Seiden- und Goldstickereien ein, von welch letztcren ein grosser Teil bereits angekauft ist. Wohlverdiente Anerkennung linden die bereits für den Export ins Ausland geeigneten Produkte des Weinbaues und der Orangerien und besonders werden die ausgestellten Mcdizinalweine von Acrzten und Apothekern als vorzüglich geeignet sowie als preiswürdig anerkannt. Der eigentliche Zweck dieser Ausstellung ist, das Interesse iiir Palästina, für seine Kolonisation, sowie fiir die zum Export nach Europa geeigneten Artikel zu wecken. ~ Sie wird dazu beitragen, den Zionismus zu weiterer praktischer und fruchtbringender Arbeit in Palästina anzuspornen. Sprechsaal. Für die Mitteilungen an dieser Stolle übernimmt die Redaktion nur die pre-sgesci lidie Verantwo! tlictikcit. Krceben I. Pr. Der Art'kel in Nr. 12 Seite 115 Ihre gescluitzteil Blattes ..Die Religionsfreiheit im Deutschen Reiche“, veranlasst mein jiidiscli-nat'om.ks Gefühl vor allem, und dann auch mein menschliches Gefühl. Ihnen folgende Zeilen zuzuseiideii. »tut־ der Bitte, dercnWort'aut als eine geringe Antwort auf denselben, in der nächsten Nummer Ihres Blattes aiuzunehnicii, und eventuell iiir weitere Verbreitung dieses Artikels und meiner An;- wort, auch in anderen Blättern Sorge tragen zu wollen. Ich erlaube tnir a1׳l mlgefidcu Satz aus obengenanntem Artikel liinzuwtiscn: ..Wir aber, die wir in einem gemässigten Klima wohnen und auch moderne Kübleinrichtuiigeu haben, können dem Tiere wohl ״Die Todesqualen", erleichtern." Es scheint, dass der Herr ..Sachverständige” noch niemals der Tötung eines Tieres beigewohnt hat, sonst wäre es unmöglich, dass derselbe sieh derartig aussern könnte. Ich selbst habe das rituelle Schächten '1! einer Prov'a/.ial-Hauptstadt erlernt, woselbst ein Schlachthaus erst seit dem Jahre 19 hi errichtet ist; selbiges ist mit sämtlichen Vorrichtungen der Neuzeit ausgestattet. Zum Töten eines Viehes auf nicht ritucl'cm Wege, bedient man stell eines Betäubungsmittels. Es wird dem zu tötenden Tiere, ein Dorn, mittels eines Holzliamrners. in den Schädel getrieben. Ich will nur zwei Tatsachen aniiiliren, bei denen ich Augenzeuge gewesen war, die einen kleinen Ueberblick geben könnten. ii׳r das nichtrituelle Schlachten. Im ersten!־alle wurde das Tier durch die schon angedeuteten Mittel betäubt. Nachdem das Tier zu Fall gebracht war. wurde demselben suchgemüss das Fell vom Halse der Länge nach aihgeschnitten. dann die Luftröhre durchschnitten. Jetzt aber wird, um das Tier gänzlich zu töten, mit dem Messer nach dem Herz gestochen; dabei erwachte das lier aus der Betäubung, sprang auf. fasste seinen Guälgeist auf seinen Hörnern iind war! ihn zu Boden, ranuie daun dem Ausgange zu, nach dem Hoie. wo es nicht mehr eingelangen werden konnte, s< ndern bei seinen tollen Rennen und Sprüngen verblutet zu Boden saiA. Der zweite Fall: ..Ein roter Ochse sollte durch den Dorn zur Betäubung gebracht werden, wobei ihm. nicht zu übertreiben — (> •S Löcher in den Schädel geschlagen wurden, und trotzdem blieb das Tier noei; aut den Beinen. Es blieb dann nichts weiter iihr'g. als das Tier an seinen Beinen zu fesseln, und auf d e Art des ritueilen Schüciiteiis. dasselbe Nom Leben zum Tode zu befördern. Ich glaube, dass die beiden Fälle vorläufig genügen, icli wäre jedn״!! im Stande, hmulert Mailiche Fälle anzugeben und nachzuweisen. Wenn der ״s! genannte־ Herr Sachverständige" sich davon überzeugen wollte, welch kuiv.e Zelt das rituelle Schachteil und das vollständige Ausbluten des Tieres erfordert, da doch Luft- und Speiseröhre und die HauntbSutadern. die sögenannten Schlagadern, von einem Schnitt getroficn werden, daun bin ich lesteu Glaubens, dass d«*»־ ..Herr Sachverständige des Küstriucr Schlachthauses" zu der Ueberzcueung kommen wird, dass das Schlachten nicht nur ticriiuälerisch ist. sondern auch sitmesw idrig erscheint und doch das rituelje Schächten, die beste Einrichtung hir" das Behörden» des Tieres vom Lebe.» ־/.»» Tode ist. Erwähnen will ich noch, dass, als einst im Reichs־ tage von antisemitischer Seite, die Art des jüdisch-rituellen Schüciiteiis augefochten wurde, sich Prof. Virehow, dahin geäussert hat. dass das Schächten nach vorgescliriebcncm jiidischcm Ritus, die richtigste und vernünftigste Art und W eise des Sehlachtens ist, die er bisher in aller W'elt keimengelernt hat.” — . ' Isidor Glass. Kantor und Schächter.