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Jüdische Rundschau · 1904-03-30 · Heft 14 (30.3.1904) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 14 (30.3.1904)
Date
1904-03-30
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. R JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 145.; Lustige Ecke. - § .ז E.in Wort a" den 0««1sehen Lehrerstarid. Unter ■den täglich zweimal erscheinenden Tageszeitungen Berlins steht die ״Staatsbürgerzcitung“ in dem Kampfe um die natianalcu Güter und die Wirtschaft!, dien- Interessen unseres Volkes an erster Stelle. Seit mehr als dreissig Jahren tritt sie insbesondere fiir den freiheitlichen Ausbau der Schule und tur eine der Bedeutung . der Jugenderziehung entsprechende Steilung des deutschen Lehrerstandes ein. ln den Kümpfen die die deutsche Lehrerschaft seit den sechziger Jahren gegen die Reaktion auf kirchlichem und politischem Gebiete sowie für die angemessene dienstliche und wirtschaftliche Stellung des deutschen Lehrers führte, hat die ..Staatsbürger Zeitung“ diesen Kampf stets wirksam unterstützt und auch in der allerneuesten Zeit hat sie davon werktätiges Zeugnis abgelegt. Staatsbürger-Zeitung. | . Kleine Chronik. f Berlin. Am Sonntag, dein 28. März 1904. fand im Bureaudes D. J. G. B. Stegiitzerstr. 85. die II. ordentliche Mitgiiederversammlung des Vereins jüdische Arbcherkolonic und Asyl ln Weisse.vsee bei Berlin statt. Für den leider erkrankten Vorsitzenden. Herrn Maurermeister Adler, hatte der stellvcrtretende Vorsitzende. Herr Moritz Rosenow. die Leitung übernommen. Auf die Vorlesung des gedruckt vorliegenden Geschäftsbcrichts wurde verzichtet, wohl aber dessen Verludtung als Propagaiidaschritt vielseitig gewünscht, da es g lt, die noch immer unzureichenden Hinnahmen des im übrigen sehr populären Instituts zu erhöhen. Auf Grund des schrat’ich vorliegenden Berichtes der Revisonskommissioii wurde dem Schatzmeister. Herrn Lustig. Decltarge erteilt und die bisherigen Mitglieder der Rcvisionskommissioit wiedergcwählt. Mine Neuwahl des Vorstandes war nicht erforderlich, da das 3jähr'gc Mandat der bisherigen Mitglieder noch ein Jahr läuft, freudig stimmte die General- Versammlung der durch den Vorstand erfolgten Ernennung des um den Verein hochverdienten Herrn Adler zum immerwährenden Ehrenmitgliede des Vereins zu. Bevölkerungsbewegung Im Jahre 1902. Es wurden in Jahre 1902 457 208 Ehen geschlossen (1901: 468 329). die Zahl der Geborenen betrug 2 0S9 414. darunter 2 024 735 Lebeudgeborenc (2 097 838 bezw. 2 032313). die Zahl der Gestorbenen 1 187 171 (1 240014). Der Geburtenüberschuss hat absolut und relativ eine namhafte Eehöhung erfahren, er ist von 857824 oder 15.63 v. T. gestiegen, er iibcirtrifft nicht allein den durchschnittlichen Geburtenüberschuss des letzten Jahrzehnts. s״ndem ist in dieser Höbe se t 1841 überhaupt noch nicht ei reicht worden. Etwas über neuen Zehntel der Ehen waren ״religiös“ ungemischte Ehen, die Eheleute waren bei 272 489 Heiraten ctvangelisch. bei HO 191 katholisch und bei 3925 jiidnfcli. Mischchcnwurdcn 39 763 (8.7 v. H.) ciigegangen. da-jm w aren 37 957 Ehen zwischen Evangelischen und Katholiken. 461 zwischen Evangelischen und Juden. 1.38 zwischen Katholiken und Juden. Die arfisetmüsche ..Deutsche Tageszeitung“ schreibt: .. — Vollständig gescheitert ist der Versuch, c'nc deutschnationale Bewegung in jiidfsehen Kreisen ins Leben zu rufen, um dadurch dem Antisemitismus den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der ״Verein deutschnationaler Juden“ hat sei Monateil nichts mehr von sch hören lassen; sei*! Organ ״Die Toleranz", ein ״iüdisclics Blatt für deutschvölkisclie Intcressen“. ist aus Mangel an Unterstützung in den Kreisen, auf die es rechnete, c i 11 g e g a n g e n. Der Verein, der lediglieh aus ein paar jungen jüdischen l.ittcrateai und Referen- Uareu bestand, beschränkte sich darauf, e'ueu phraseiircichen. nichtssagenden Aufruf zu erlassen, wagte es aber, entgegen seiner Ankündigung, lieht in öffentlicher Versanm1!111i.r. für das jüdisch-deutsclinationale Programm Anhänger zu werben.“ Der ״Verein d c u t s c 1111 a t i 0 n a I c r, Juden“, zu dessen begründendem Vorstand u. a. ein Herr gehörte, der nur durch Irrtum in Deutschland vor kurzem naturalisiert war. war im Gegenteil eine antisemitische Gründung und wie das ..Be4־liuer Tageblatt“ judentumsfeindlich. Wir bedauern im Interesse unserer ..Lustigen Ecke“ und unserer ..Golusblüten“ das frühe Hiiischeiden der ״Toleranz". Wir!*.'־greifen aber angesichts der Haltung der ״Toleranz“ die Trauer und den Schmerz der Antisentiten. Königsberg 1. Pr. Der Frauen iür israelitische Krankenpflege und Beerdigung hielt am Montag, nachm'ttags. seine Generalversammlung ab. Nach dem Geschäftsbericht, den die Vorsitzende. Frau Natalie Eichclbaum, vortrug, zählt der Verein 551 Mitglieder. Den Kassenbericht erstattete Herr Siegfried Jercslaw. Die Kasse schliess' in Einnahme und Ausgäbe mit 10 693,45 Mark ab. Das Vermögen des Vereins heträgt_29 40<> Mark, ausserdem stehen für das nächste Jahr* 1166.59 Mark zur Disposition. Nachdem die Dccharge erteilt wurden, wurde der Gesamtvorstand durch Zuruf wieviergewählt. . Landrat Graf Kcspoth und cTe Antisemiten. Der I ׳«•׳;r at des Geiser Kreises. Graf Kospotli.Jiat scane liehe Not mit den Antisemiten «eines Bereiches: Man wird sich erinnern, dass der gräfliche Landrat seiner Zeit guten se.'ne Vorgesetzte Behärdc öffentlich Front machte, weil diese nach seiner, des Landrats. Meinung der jüdischen Bevölkerung des Kreises Gels in Sachen der Abhaltung des Mutzelmarktcs an jüdischen Feiertagen zu sehr entgcgeiigekommeii war. Graf Kcspoth war dama’s von der Besorgnis, eine Riicks'chtnabme auf d!c religiösen Vorschriften der indischen Bevölkerung hei An- Setzung der Mutzelmarkttagc ..könne den Antisemiten Wasser aui ihre Mühle führen.** So ganz erfüllt, dass er sogar eim.fi Verweis seiner Vorgesetzten Behörde nicht scheute, die d'esc Anschauungen des Grafen nicht teilte. Die lieben Antisemiten haben aber seine zarte Rücksichtnahme ihnen gegenüber, ebenso wie sein ..strammes" Auftreten gegen d.:e Regierung in Breslau mit schnödem Undank gelohnt. Diescir Tage fand in () e I s wieder einmal eine antisemitische Versammlung statt, ein Beweis, dass die Autisem ten nach w ie vor. trotz des Geiser Landrats, ihre Agitation dort munter fortsetzeu. Das war bitter iür den Grafen K'ospoth und so versuchte er ein Letztes und Auisserstes -- leider auch dieses vergeblich. Er begab sich höehstcigetipersönlicli 'n jene Versammlung, um den antisemitischen Agitatoren zuzureden., wie kranken Kr die Vernunft annehmen und Medizin schlucken so'len. Halb bittend, halb fragend führte er ihnen zu Gemiite. warum die Herren Antisemiten ihre Agitation nicht ge״en ihre schroffsten Gegner. Judcnlibcralc und Sozialdemokratie, richten, sondern in diesen konservativen WahH-reiskämen. Aber das steinhartc Herz des antisemitischen H<*rrn Hans von Mosch war *ht zu erweichen. Er erklärte kurzab. die Konserva,,v?n seien ihm zu defensiv und lau und kümmerten sich um die Bediirinissc und Wünsche des Volkes nicht. — Das war stark, aber cs blieb dabei, obwohl Graf Koc״oth nochmals das Wnjt ergriff. Mosch blieb ihm überlegen, und gab n'cht nach. Und das alles, obwohl Grat Kospoth in der Mutzclmarktfratfc so mannhaft ״für die Schonung der antisemitischen Gefiih'c“ eingetreten ist. Zuwendung. Die Hinterbliebenen des verstorbenen Kaufmaitns Max Böhm in Zaborze haben zuin bleibenden Gedachtitis an den Entschlafenen 1000 Mark der israelitischen Kinder- Heilstätte Königsdorff-Jastrzemb, die ihren Verwaltuugssitz. tu Gleiwitz hat. zugewendet. Hamburg. Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder (Ferienkolonien) hielt seine diesjährige Generalversammlung irn Bureau der Herren Hagntis & Friedmann unter dein Vorsitz des Herrn L. Mathiason ab. Der Vorsitzende gedachte zunächst des Verlustes, den der Verein durch das Hinscheiden des Herrn David «Ruhen, des 1mgjul1ri״en Revisors des Vereins, crltten. Die Anwesen Jen ehren aut Anregung des Vorsitzenden das Andcken des Verstorbenen in der üblichen Weise. Aus dem erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen, dass der Verein im verflossenen Jahre 149 Kindc.rn, den ihnen von ärztlicher Se'te vorgcschriebciicn vierwöchentlichen Aufenthalt an der See ermöglicht hat: von diesen waren 60 für Rechnung auswärtiger Vereine untcrgebracht. Ausserdem wurde eine Anzahl schwächlicher Kinder während des ganzen Jahres in der Schulzeit auf Vereinskosteu mit M Ich und Eiern verpflegt. Die alsdann vom Kass'eniiilirer erstattete Jahresabrechnung ergibt, dass an Mitglicderbeiträgeii 3829 und an Zinsen 2437 Mark vereinnahmtwurden. Unter den einmaligen Be trägen figuriert an erster Stelle Louis Stern Testament |0f0 Mark. Testament Sclilochauer 231) Mark, weitere grössere Beiträge erhielt der Verein von der Henrv Jones Loge und dem Israelitisch humanitären Frauenverein. Insgesamt wurden für Vercinszwceke im verflossenen Jahre 6000 Mark verausgabt. Die Abrcclmug wurde als richtig auerkannt und d;1n Kassierer Dccharge erteilt. Der Vorsitzende teilt noch mit. dass der Ban des eigenen Kindcrhospizes in Duhnen hei Cuxhaven so weit vorgeschritten se. dass 3 •«; neue Heim Voraussichtlich Anfang Juni d. J. seiner Bestimmung übergehen werden kann. Der allen hygienischen Anforderungen der Neuzeit entsprechende Bau wird einen Kostenaufwand von 120 000 Mark verursachen, also mehr als ursprüngl'ch angenommen, so dass der Vorstand dringend um Zuwendung weiterer Mittel bittet.

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