Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 14 (30.3.1904)
- Date
- 1904-03-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 142. No 14. JÜDISCHE RUNDSCHAU. deutschen Juden Zionisten" zu gewinnen, wovon wir uns, hei dem bereits vorhandenen Interesse, starken Erfolg versprechen. — ־ Die Gruppe umfasst 2S Glieder. Nationalfondsanunlung 25,90 Mk. Bremen. Am Donnerstag, denf 3. März fand in Lcvy's Hotel die konstituierende General-Versammlung der neuen Ortsgruppe .,Bremen" statt, an der zirka 30 Mitglieder teilnahmen. Nach Eröffnung derselben durch Herrn Ed. K ס o pmann, der in längerer Ausführung die Anwesendeu hegriisste und zur stützenden Mitarbeit bat. schritt man zur Wahl des Vorstandes. Es wurden gewählt: Vorsitzender: Herr Ed. Koopmann: 1. Schriftführer: Herr J. Fischbein jr.: 2. Schrift- {•ihrer: Herr W. BI u m c n t h a I; Kassierer: Herr E. Sehr agen he im. Nach Beendigung der Tagesordnung wurde der Ortsgruppe der Name ..Sch om r e - Zion“ beigelegt. Als Versammlung- resp. Diskussionsabend wurde jeder erste Dienstag im Monat bestimmt. Versammlungslokal ist: Lcvy's Hotel, ßahnhofstr. 11. Korrespondenzen sind an den ersten Schriftführer, Herrn Juwelier F i s c h b e i 11. zu richten. Semesterbericht der freien Verbindung ״Uasmonaea“ Am 5. d. Mts. beschloss die freie Verbindung ״Hasmonaea‘‘ das 4. Semester ihres Bestandes. In diesem Semester traten an Stelle der im vorigen S.-S. gehaltenen öffentlichen Vorträge eine Reihe kleinerer im Kreise der Bb. abgchalteuen öffentlichen Vorträge mit Diskussion. Nur der Vortrag des Herrn Dezenten Dr. Ellbogen über Don Josef Nasi wurde vor einer grösseren Oeffentlichkeit gehalten. Für den interessanten Vortrag sei dem Herrn Referenten an dieser Stelle nochmals gedankt. Bei organisatorischen und auch agitatorischen Arbeiten stellte sich die Verbindung stets zur Verfiigung und kann mit den erzielten Resultaten vollauf zufrieden sein. Besonderer Dank gebührt dem A. H. h. c. der Hasmonaea Dr. Klee, der auch dieses Semester durch wöchentlich?ständig ahgehaltene Uebungcn für die Vertiefung der zionistischen Kenntnisse der Bb. sowie für deren Ausbildung im Organisalions- und Agita.tionsdienst Sorge trug. Die diesseniestrigc Schlusskneipe fand am 5. d. Mts. statt und erhielt durch die Anwesenheit unserer bewährten Führer Architekt Marmorek aus Wien und Direktor der jüdischen Kokmialbank D. Wolt'sohn aus Köln, sowie einer Reihe bekamtter deutscher Zionisten ein besonders festliches Gepräge. Der erste Chargierte stud. med. Oskar Treidel begrfisste die zahlreich erschienenen Gäste. Nach Absingung des Bundeslicdcs hielt Bb. stud. med. Unna die־ Festrede, in welcher er die Stellung der Hasmonaea itt de'r zionistischen Partei und ihre Stellung gegenüber den nichtzionistischen Akademikern kennzeichnete. Er schloss mit einem donnernden Salamander auf die beiden Ehrengäste. Nun ergreift Herr Architekt Marmorek das Wort und führt folgendes aus: Liebe Gesinnungsgenossen! Liebe junge Freunde! Mit grossem Vergnügen bin ich der Einladung gefolgt dem Kommerse beizuwohnen, den die ..Hasmonaea“ mir zu Ehren veranstaltet, und nehmen Sie hierfür meinen inn'gsten Dank entgegen. Wir, denen die grosse Auszeichnung und Ehre zuteil geworden ist, an der Spitze einer der edelsten und vielleicht historisch bedeutsamsten, modernen Bewegungen zu stehen, — der zionistischen — verspüren, wie jeder, der auf einer Bergesspitze steht, den scharfen Wind, der da zu wehen pflegt, und sind daher glücklich, w enn uns manchmal gegönnt ist. in ruhiger Geborgenheit einen Abend im Kreise engster Gesinnnngsgenossen zu verbringen, die nicht,blos Tadel und Schimpf kennen, sondern sich verstehen wollen. Die Vorgänge der letzten Zeit waren geeignet jeden guten Zionisten auf das Tiefste zu beschämen und in ihm die ärgsten Besorgnisse wachzurufctt; denn das, was mit unsäglichen Mühen einer geradezu einzig dastehenden Begeisterung in‘s Leben gerufen wurde: eine jüdische Organisation und Diszäplinierung, schien wieder in Frage gestellt und in Brüche gehen zu wollen. Der Mann, der mit wahrem staatsmüunischcn und Fddherreutaleat ausgestattet, aus Hauten von, in der ganzen Welt zerstreuten, in den verschiedensten Lebensverhältuissen, Lebensanschauungen und Lebensbedingungen ausgewachsenen Menschen eine Armee geschaffen hatte, unser grosser Führer Dr. Hcrzl. musste den Schmerz erleben, dass hässliche Verüaehtigungen und Verleumdungen ohne jede Spur von Begründun«, sich an seine F’ersen hefteten und alles was er und mit ihm »Ir, seine Arbeitsgenossen, taten, auf einmal von Schreiern und Intriganten beschimpft und konterkarriert wurde. In der Einheit unserer Anschauungen, in der Einigkeit und in der stiengenUnterordnung unter das selbstgcschafiene (iesetz lic״t unsere Stärke und Kraft, die noch hinausreicht über unsere Zahl. Nun inachen sich verschiedene zentrifugale Anselm׳!- ungen bemerkbar und statt dieselben auf gesetzmässigem Wege zur Geltung zu bringen, wollen sich einzelne über das Gesetz stellen und den Willen ihrer bescheidenen Individualität über den durch Mehrheitsbeschluss ausgedrfickten Willen unserer höchsten Autorität — des Kongicsses — setzen. Dieses Beginnen zuzulassen hasse nun unsere ganze Organisation sorc*- gen, hicsse das von uns geschaffene Bauwerk demolieren. Die in ungesetzmässiger Versammlung in Charkow konstituiertc Opposition sei, wie angegeben wird, zu diesem Vorgehen dadurch gedrängt worden, weil das Walten unseres Führers en autokratischcs sein soll, das der Demokratie geradezu ins Gesicht schlage. Das engere Aktionskomitee ist da« von! Kongresse gesetzmassig gewählte und eingesetzte Exekutive zur Ausführung der Kongressbeschliisse und Leitung der Bewegung bis zum nächsten Kongresse. Ir. diesen! Exekutivkomitee werden alle Fragen, die auftauchen und alle Entscheidungen, die zu treffen sind, nach eifrigster und gründlichster Beratung durch Mehrheitsbeschluss entschieden und die Minderheit fügt sich der Mehrheit, sodass jeder Beschluss des Aktionskomitees nach aussen als ein Beschluss der Gesamtheit erscheint. Sehr oft kommt es vor. dass auch der Präsident des Aktionskomitees mit seinen Anschauungen. Vorschlägen und Anträgen in Jer Minderheit bleibt, und oft einen Beschluss ausführen iluiss gegen den er gestimmt hat. Nun kommen einige Herren, denen di-* Ehre zuteil wurde in das Grosse Aktionskomitee gewählt zu werden, und verlangen, es solle das Aktionskomitee einen, vom Kongresse gesetzlich gefassten Beschluss nicht ausführen. Welches Vorgehen denn»- kratisch und politisch ist, kann doch ein politisch gebildeter Mensch bald beurteilen. Einige unserer Kollegen in Russland, die von Schlag-Worten betört sind, ohne in das parlamentarische Wesen tiefer eingedrungen zu sein, erheben mm Klagen und Beschuldigungen gegen das engere Aktionskomitee. Welcher Art sind diese Klagen? Da wird geklagt, dass das engere Aktionskomitee nicht bei jeder halbwegs wichtigen Entscheidung, die über 50 n Je• ganzen Welt verstreuten Mitglieder des grossen Aktionskoniitees zusanimenbernfe oder auf schriftlichem Wege befrage, oder über Hles informiere. Wir hatten einmal in Oesterreich einen Hof-Kriegsrat der sieb auch anmasste. von Wien aus die Schlachten zu leiten, die auf fernen Kriegsschauplätzen zu schlagen waren, und die Erfolge sahen auch darnach. Nun und wenn man die Herren informiert hat, so haben wir es nicht einmal, sondern fast regelmässig erlebt, dass trotz der Forderungen der strengsten Vertraulichkeit und Geheimhaltung alle au das grosse Aktionskomitee gelangenden Berichte in kiirzester Zeit ihren Weg in die Oeffentlichkeit und in die Presse fanden. Auf diese Weise kann mau eine politische Bewegung, wie sie der Zionismus repräsentiert, nicht leiten. Das sind Klagen, für die wenigstens Anhaltspunkte vorhandelt sind. Daran aber werden Beschuldigungen und \nklagen gereiht, die entweder überhaupt keine Spur von Begründung haben, oder aber auf Missverständnissen. Entstolhiugen beruhen oder direkte Erfindungen sind. Da werden administrative Verfügungen des Bank-Direktoriums dazu ausgenützt. um Verleumdungen in die Welt zu setzen, welche, wenn sie wahr wären, die Leitung der Bank aufs Schwerste koniDroinittiereu würden. Da wird der ungeheuerliehe Satz ausgesprochen, dass die Russen nur zu Russen Vertrauen haben. Es ist gefährlich den Gegensatz zwischen Oestlern und Westlern aulzustellen, und unsere Gesiimimgsgenossen in Russland würden auf diese Weise selbst den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Die zionistische Bewegung hat nur daun Existenzniöglielikeit und eine Aussicht auf Erfolg, wenn sie eine allgemeine jüdische Bewegung ist und die Bewegung wird überhaupt mir bestehen können, wenn Disziplin und «ic* setz in ihr herrschen und nicht Anmassirng und Terrorismus. Dr. Hcrzl ist e 11 guter Zionist, w ie Herr Ussischkin. Wenn D:. Merzl sich auch nicht berechtigt hielt, das Angebot der engtischen Regierung betreuend Uganda ohne Weiteres zu reinsicren. so hat er mit diesem Angebot in der Tasche nicht einen Augenblick Zions vergessen, aber nicht mit Worten heuiiugeworfen. auch nicht in den ..Bergen Judas" politische Torheiten bngaiigeii, sondern ist in seiner vorsichtigen Weise den Weg weiter gegangen, den er seit 7 Jahren mit Eriolg gehl, mit einem Erfolge, der in Wirklichkeit viel grösser ist, als man aussen bemerkt: denn heute ist der Zionismus ein politisch angesehener Faktor. Und unser Volk —־ kerngesund in seinen Gefühlen ־* woiss ganz genau zu beurteilen, auf wessen Seite es sich stellen soll. Es weiss ganz genau, dass mir der Disziplin die bisherigen Erfolge zu danken waren und nur mit Disziplin marschiert werden kann? In der demnächst stattfinJeiidcn Sitzung des grossen Aktions-Komitees werden die Fragen zur eudgiltigcii Entsehei- I düng kommen. Ich hin überzeugt, dass die Mehrzahl der russi- I