Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1904)
- Date
- 1904-03-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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No. 13. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite. 129. Juden in letzter Zeit verbreitet wird, ist eine Lüge, Die Feinde Russlands säen fan Volke Unruhe, um einen nationalen Zusammenstoss herbeizufiihreiv Gleich den Russen setzen auch die Juden gerne ihr Leben für das Vaterland ein. Gerne opfern sie ihr Geld, um Russland im Kampfe mit dem Feinde zu unterstützen."'־ Odessa. Der soeben von der Kommission zur Unter- Stützung armer Juden während des Passahfestes hcrausgegebene * Rechenschaftsbericht für das abgelaufene Jahr konstatiert eine rapide Zunahme der Zahl der jüdischen Armen, welche am Passahfeste mit Unterstützungen versehen werden mussten. Es erhielten Unterstützungen 45 000 Juden; dabei hat die Jüdische Volksküche 8000 Personen täglich gespe'st und die Juden in den Spitälern und in den, Arresthäusern mit Essen versehen. England war bisher die letzte Hoffnung unserer Heimatlosen. Wie lange noch? In Beantwortung einer Anfrage des Parlamentsmitgliedes Sir Howard Vincent, eines der Vorkümpfer der Antialienbewegung, bezüglich des projektierten Einwauderungsgesctzes, sagte der cngi'schc Ministerpräsident Mr. Balfour, er hoff«, dass die ״FrcmdenbL'l“ ohne Vcrzögcrungen vorgelegt werde. Während somit das gegenwärtige engliscbc Kabinett mit Baitour an der Spitze ganz offen für di: Einführung der einschränkenden Bill Partei nimmt, sche'nt auch die Partei, die vielleicht in nächster Zukunft in Britannien ans Ruder kommen wird. natnVch die liberale Partei, die Freihändler mit Sir Campbell Baunermaun an der Spitze, dem Go• setze nicht abhold zu sein. Die Einzigen, die sich offen und freimütig gegen das Einschränkungsgesctz auilelincn, s'nd die Sozialisten in England. Wie die ״Neue Zeit", e;n neues sozia’istisch-jüdischcs Blatt in London berichtet, hat der bekannte englische Sozialist Mr. Hy nd mann •*11 einer Versammlung erklärt, dass das englischc Volk, die arbeitende Klasse, für di: Freiheit, und gq?cn jede Schmälerung der Rechte der Einwanderer seien. Das projektierte Gesetz, führte Redner aus, ist bloss ein Zeichen mehr, dass die englische Reaktion immer mehr um sich greift, dass di« Bourgeoisie dem englischen arbeitenden Volke auch die Rechte rauben will, die es sich mit Blut erworben hat. Dass die Sozialsten und Tradeunionisten in England den Juden gegenüber sich sehr sympathisch verhalten, führte neulich auch Mr. Herbert Burrow in einer Rede über die ״Jüdische Arbclterbewegung“ aus. Er stellte fest, dass die Tradeuuions, d!’e Arbeiterorganisation, kefnen Unterschied zwischen Juden und Christen kennen. Es haben sich auch seit dem Jahre 1882 rein jüdische Arbeiterorganisationen zu bilden begonnen. Aber eines der Hauptübel dieser Organisai'on war die Tendenz sich zu zersplittern, sich in kleine Verbände zu teilen. Dies hat die .Macht der Organisation geschwächt. Es hat s'ch allerdings nicht <k'e gewünschte Annäherung zwischen den jüdischen Arbeitem und den christlichen Genossen eingestellt, und es haben sieh sehr wenig N'chtjuden den jüdischen Organisationen beigesellt (etwa I Prozent) und in diesem Verhältnis sind auch die Juden in den nichtjüdischen Verbänden vertreten. Mr. Burrow wies dann auf die Untätigkeit des jüdischen ״Klerus“ in der Arbeiterbewegung hin. Er meinte, die Aibeiterbcweguug könnte die wahre Jakobsleiter sein, die zu den höheren LebeusbecVngungen führe. Er drückte dann den Wunsch aus, dass sich eine Anzahl von Rabbinern und politisch hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten versammlet, um über die jüdische Arbeiterbewegung zu diskut'cren. Bekanntlich ist die sozialistische Bewegung gerade in Grossbritannicn nur sehr gering. — Allerlei Aus dem Volksmund. Zum Kapitel ,»Das Jüdisch-Deutsche Ist eine Volkssprache, aber kein Jargon*4, will Ich auf einige sehr Interessante Zahlen aufmerksam machen. Es sind die Zahlen aus der Rubrik; Mutterspraclre — Umgangssprache, wie sie die letzten Hefte der ״VeröffentUc'hungen der StaatskommissRon für die allrussische Volkszählung im Jahre 1897" aufweiseu. Von den 222 558 im Gouvernement Petrtkau (Russ. Polen) wohnenden Juden sprechen; jüdisch 21.)391 95,80 Proz., polnisch 6563 2,96 Proz., russisch 1344 0,60 Proz., deutsch 1 248 0,56 Proz״ sonstige Sprachen 12. Man sollte nun meinen, dass in den ausserhalb des Ansiedlungsrayons geksgcnen Gouvernements,, wo kraft der Verhältnisse und infolge der verschwindenden Zahl der jüdischen Bevölkerung eine in sprachlicher Hinsicht weitgehende Assimilation stattgefunden hat, der Prozentsatz der Jüdischsprechenden eip sehr geringer wäre. Das ist abe?r nicht der Fall. Im Petersburger Gouvernement wohnten im Jahre 1897 insgesamt 21 122 Juden (natürlich solche, die mit Wohnrechten ausgestattet und deshalb offiziell gemeldet sind; *n Wirklichkeit wohnen dort wohl zirka 30 000). Als ihre Umgangssprache bczeichneten sie: jüdisch 15 866 75,06 Proz., russisch 4 729 22,38 Proz., polnisch 125 0,60 Proz.. deutsch 351 1,68 Proz.. sonstige Sprachen 50. Charaktc.- ristisch ist dabei, dass unter denjenigen, die sich nicht genierten. ihre Umgangssprache ״jüdisch" offiziell anz.ugeben, waren: 119 griechisch-orthodox, 45 c van gelisch, 9 katholisch. Im Gouvernement P e n z a (Zcntralrussland) sprechen: jüdisch 471 Personen 89,5 Proz.., russisch 59“ 11.2 Proz. Unter den ersteren waren: 10 griechisch-orthodox. 2 in u h a tn m e d a n i s c 11. Dr. S. G in Waghäu sei. Miecz skowanv. wilk chowany. zyd chrzczony, przyjaciel jednany ma’o warte. E n gelötetes Schwert, ein zahmer \\ oli. ein getarnter Jude und ein versöhnter Freund sind nichts wert. Polnisches Sprichwort. M 7t:k Sprechsaal. Für die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die prt*s;esetrlicbe Verantwortlichkeit Duisburg. Auf Ihre geschätzten Anregungen und Aufrufe haben sich unsere Gg. mH nicht zu verkennender H'ngabe zur angenehmen Pflicht gemacht, den N'atioiialfond. also die wichtieste Institution unserer Bewegung, durch Verwendung der Nationalfondmarken, Anbringung von Sammelbüchsen im Hause. Einsammein von Gaben bei Vortrag«:! und Versammlungen. Verkauf zionistischer Ansichtskarten und flcissiges Sammeln gebrauchter Briefmarken zu kräftigen. Diese alle Achtung verdienende Opferwilligkeit unserer verehrten Gg. veranlassen mich, nachstehendes zu beantragen: Mit Rücksicht darauf, dass unsere Tätigkeit nicht nur aut* unsere politische Entw ckelung. sondern auch auf unser matcrieUes Vorankommen gcriehtet sein muss, glaube ich. dass von dem Nationaüonds vieles geleistet werden könnte, wenn wir uns mit vereinten Kräften auf das ile'ss^e Sammeln gelesener und abgelegter Zeitungen, die in der Regel in Jedem Haushalte für jeden nur nicht den richtigen Zweck verwendet werden, verlegen wollten. Welche Summen dadurch geschaffen werden körntten. ist in anbetraeht dessen, dass man beispielsweise :11 Wien 24 -26 Heller, in Dasburg dagegen 14—16 Pnrnnge pro Kilo, mit Leichtigkeit erzieh, leicht berechenbar. Ich glaube, dass jeder unserer Gesinnungsgenossen dieses Opfer zu bringen uns nicht versagen wird, und da das Abholen der Zeitungen jede Ortsgruppe genau besorgen wird, würde auch d:ese,. Projekt ohne alle Schwierigkeiten nur zum Wohle des Nati״- iialfuwles mit Leichtigkeit zu realisieren sein. E. G. _ _ München. Der Verein Jüdischer Studenten München begann am 29. Oktober des vergangenen Jahres mit der Antrittskueipe sein 8. Verciiissemester. Zu Chargierten waren gewühlt: clicm. Weigert X, plkl Wolff XX. iur. Manneberg * x X. Das vergangene Semester bedeutet nach innen und aussen eine Kräftigung des V. J. St. in jeder Beziehung. Seine Bete iigung an allen jüdischen Veranstaltuugei» Münchens (UWeraturvcrehi. Turnverein. Verein für Jüdische Statistik. Zionistische Ortsgruppe etc. etc.) war eine