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Jüdische Rundschau · 1904-03-25 · Heft 13 (25.3.1904) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 130. JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 13. äusserst rege. Es wurden folgende Vorträge gehalten: 29. 10. 03 Dr. Lessing: Peer Halbström’s Arsareth. 7. 11. 03. Bbr. Mayer: Die Stellung des jüd. Studenten zur Judenfrage. 12. 11. 03 Bbr. Manneberg: Beiträge zum Problem der Jiid. Kultur. (I.) 21. 11. 03. Dr. Arndt: De indische Turnbewegung. 28. 11. 03. caud. lur. Hans Fischt (Unitas-Wien): Die Judenfrage an der Wiener Universität. 12. 12. 03. Bbr. Asch: Rasse und Nation. 14. 1. 04. Bbr. Wolff: Die Grundlagen des Judentums. 23. 1. 04. Bbr. Manneberg: Beiträge zum Problem Jüd. Kultur (II.) 30. L.04. A sehn er: Spinoza. 4. 2. 04. Bbr. Pincus: Morris Rosenfeld. 11. 2. 04. Rabb. Dr. Eh re nt reu: Altjiidische Baudenkmäler. 18. 2. 04. Dr. rned. Feuchtwan lg, er: Wesen und Aufgabe der synagogalen Mus'k. 27. 2, 04. A. H. Dr. Kahn: Die Stellung des deutschen Staates zu den Reli• giohsgclsellschaften. An t5c Vorträge, bei denen wir viele Mitglieder der Münchener Bürgerschaft zu unseren Gästen zählten, schlossen sich regelmässig Diskussionen. Am 13. 12. 03 veranstalteten wir auf unserer Kneipe eine Makkabäerf e I e r und am 24. 1. 04 in den Prinzensälen des Kaffee Luitoold unser Winterfest. (Kommers mit Bali). Diese beiden Vcranstaltungen nahmen einen glänzenden Verlauf. Die Ferienkommission besteht aus: mcd. dent. Pincus XXX, med. dent G 111 i s. iur. T e 11 h e i m e r.' Briefe sind zu richten an: med. dent. Pincus, München. Gocthestr. 39/1. Einen Beitrag zum Kapitel der Landflucht der Juden bildet der kürzlich infolge Auflösung der Gemeinde erfolgte Verkauf der Synagoge In Kricscht (Neumark) auf Abbruch. Die wenigen noch anwesenden Juden haben s'eh der Gemeinde Zielenzig angcschiosscn. In Breslau wurde der Neubau der Jüdischen Volksküche eingeweiht ernannt. Bisher wurden In Hessen Juden dem Gesetz zuwider nicht zum Richterstande zugelassen. Der Minister hat aber den Entschuldigungsgrund für sich ״Errare humanem cst.“ Ausstellung von industriellen und landwirtschaftlichen Er- Zeugnissen aus den Jüdischen Kolonien Palästinas ln Wien. Diese Ausstellung wurde von der Kommanditgesellschaft ״Karmel■* (Lagerartikel: sämtliche Erzeugnisse der Kolonien) veranstaltet Das Ausstcllungslokal befindet sich in Wien, I.. Habsburgerstrasse 1, Tür 7. Um das ausgezeichnete Arrangement machte sich unser alter Gesinnungsgenosse, Direktor des Wiener ״Karmel“, Rudolf A. Hartmann verdient. Die Er- Öffnung der Ausstellung war mit einer Feierlichkeit verbunden, die Montag, den 14. März um 11 Uhr vormittags in Gegenwart zahlreicher Notabilitäten und Vertretern der Presse stattfand. Sie war von einem Herren- und Damenkomitee arrangiert, das sich um die Propaganda für die Ausstellung und Arbeiten im Saale verdient machte. An seiner Spitze stand Herr Dr. A. Stern, erster Vizepräsident der Kultusgemcinde. Ausser ihm bemerkte man bei der Feier u. a. vom A.-C. die Herren Dr. Kokesch, Dr. Kahn und Gemahlin, Direktor Kremenezky, ferner Oberrabbiner Dr. M. Giidematin, Rabb. Dr. Rosenmann, Prof. Ehrmann, Rev. Will. Hechler. Vertreter der Presse u. a. Die Feier wurde mit einer Rede Dr. Sterns eröffnet, der darauf hinwies, dass die Ausstellung der beste Beweis für die Fähigkeit der Juden zu landwirtschaftlchcr Arbeit sei (!) Und bemerkte, dass de Wiener Kultusgemcinde Sonntags ihre Sympatliie für Palästina bekundet hätte (!!!), indem sie der Läinmelschule eine Subvention bewilligte. Herr Dr. Giidcinann hielt eine breit angelegte Eröffnungsrede in nationalem (!> Geiste und forderte zur Unterstützung der Kolonisation Palastinas auf. Hierauf folgte ein Rundgang durch die Ausstellung, die allgemeinen Beifall fand. Versohnungstae und Naturlorsclicrversainmlung. An den Vorstand des Naturforsciierkongresses, der im September in Breslau tagen wird, ist von jüdischer Seite der Antrag gestellt worden, den Kongress wegen des Vcrsöhnuiigstagcs zu verlegen. Der Antrag ist abgelchnt worden. Einen Interessanten Einblick in das Kapitel Berliner Wohltätigkeit bildet das letzte Spendenverzeichnis des Berliner Asylvereins für Obdachlose. Danach s'.nd von einigen VorstandsniitgUesdcrn ausserordentliche Beiträge in! Gesamtbeträge von 38 742,99 Mark gesammelt worden. Hiervon sind nur IUS0 Mark von Christen nichtjüüischen Bluts. 1630 Mark von anonymen Spendern, miter denen sich wohl auch mancher Jude befinden dürfte, 1500 Mk. von zwei fast nur aus Juden bestehenden Klubs, 7350 Mark von getauften Juden oder Abkönimlingen von solchen -- und der Rest von 27 5S 1.01 Mark von Juden gegeben. So sehr wir das Mitgefühl unserer jüdisehen Mitbürger für obdachlose Arme schätzen, so haben wir doch die bescheidene Frage, ob sic nicht auch den obdachlosen Jude« zu einer Heimstätte verhelfen wollen. Vielleicht ver- "anstaltet das betreffende Vorstandsmitglied — der Vorstand des Asylvereins besteht fast nur aus Juden — wenigstens unter den jüdschen Spendern auch einmal eine Nationah'ondsammlung. Zur Veröffentlichung der Spenden erklären wir uns gern bereit Oder vielleicht für arme ausgewiesene jüd sche Familten? — Wegen einer eigenartigen Körperverletzung wird sich demnächst ein hiesiger Kaufmann vor dem Strafrichter zu vorantworten haben. Der jüdische Herr batte mit einem ebristliehen Mädchen ein Liebesverhältnis, aus dem ein Knabe hervorgkig. Zur Vaterschaft wollte er sich nicht recht bckcimei׳ indem er behauptete, dass die Mutter auch mit anderen Männern Umgang gehabt habe. Trotzdem unterstützte er aber nicht nur hin und wieder das Mädchen, sondern Hess auch gegen dessen Willen dc*n Knaben beschneiden. Dieser Vorgang kam nun zur Kenntnis des Vormundschaftsgeriehts. und die Staatsanwaltschaft, der es die Akten übergab, cröftnete gegen den sonderbaren Vater ein Strafverfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung. (Welt am Montag.) In Prag sind Strassentumulte ausgebrochen, weil die Czechen nicht dulden wollen, dass die deutschen Kouleurstudenten ihren ״Bummel“ auf der Hauptstrasse. dem Graben, abhalten. Zur Bekräftigung hörte man in den letzten Tagen den Ruf ״Nieder mit den Juden“, wie iin Jahre 1S97, wo. gleichfäUs bei Gelegenheit nationaler Streitigkeiten zwischen CzccUen und Deutschen, im Prager Judcuvicrtcl grosse Plünderungen stattfanden. Ganz schuldlos sind die Prager Juden übrigens nicht, da sie. anstatt sich neutral zu verhalten, die lautesten Schreier im Kampf der beiden Nationalitäten sind. Hoiientlieh lernen sie bald, statt Heil ״Hedad“ zu rufen. Das werden “ihnen die Czechen vielleicht weniger übel nehmen. Frlcdhofsschändung. Auf dem Bozcner jüdischen Friedhoi wurden 14 Grabnüiler umgeworfen und beschädigt. Von den Tätern hat man bisher keine Spur. Unter den Bozencr Juden herrscht naturgemüss grosse Aufregung über die bübische Tat. Soldatenmlsshandlung. Wie ״Naprzod“ meldet, starb vor einigen Tagen im Rzeszower Militärspital der Ulan Feldbaum vom 4. Ulanenrcginient. Ende Februar erkrankte Feldbaun! au einer Gch'rr.cntzfindung und wurde ins Militärspital überfülirt. Der Stabsarzt Dr. Frisch erklärte, dass Feldbau in die Krankheit simuliere. Auf Grund dieser Aussage musste Feldbauni strafweise marschieren und alle Ucbungen durchmaclten. Inzwischen stieg das Fieber und als Feldbaum unfähig war. den Dienst weiter zu verrichten, wurde ihm auf Anordnung des Dr. Frisch die Zwangsjacke angelegt und er wurde au das Bett gebunden. Zwei Tage nach dieser Behandlung starb Feldbauni. Dieser Todesfall soll in der ganzen Stadt grosse Erregung bervorgerufen haben. Die antisemitischen Exzesse in Uhnow. Aus Lemberg. 17. d., wird uns telegraphiert: Die Verhandlung wegen der antiscmitischen Exzesse In Uhnow wird Mitte Mai in Lemberg stattfinden. Angeklagt sind 159 Bauern wegen Beschädigung fremden Eigentums und schwerer Körperverletzung. Vnrgcladen werden 283 Zeugen. Die Rumänen sind überreich an Europas übertünchter Höflichkeit. Der ״Fester Lloyd" berichtet unter dem Datum, vom 18. Februar: Mitte Juli v. J. verirrte sich das vierjährige Söhnelicn des Händlers Jakob Blau in Apanagyfalu aufs Feld. Die fünfzehnjährigen rumänischen Hirten Jakob Zigrean und Martin Darloczi erlaubten sich mit dem Kinde die grausamsten Scherze. So gaben sie ihm die Exkremente der Schafe zu essen, setzten den Kleinen auf einen Ameisenhaufen, steckten ihm Glasscherben in den Mund und steckten den schwer vciletzten Knaben in ein Daelisloeli. Die verzweifelten Eltern suchten vergeblich übtnll ihr Kind, bis endlich Darloczi den Aufenthalt des Kleinen verriet. Der kleine Blau wurde aus dem Daelislochc merkwürdigerweise noch lebend ausgegrabei:. Jakob Zigrean wurde vorn Dcöser Scbwurgerichtsliofc wegen Versuchs der vorsätzlichen Tötung mit Rücksicht auf seine Jugend zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Der andere Hirt wurde frcigesproclicii. r Auf dem Oelberg bei Jerusalem soll nach den Wünschen der Kaiserin eine grosse evangelische Stiftung erstehen, die ein Erholungsheim, ein Hospiz und eine Kirche umfassen wfrd. Für die Anlage werden etwa 800 000 Mk. gebraucht. Eine Mitteilung machte über diese Stiftung gestern im evangelisehen Kirchenbauverein der Oberliofmeister der Kaiser,hi Frhr. v. Mirbach- Dto Stiftung soll hassen ״Kaiserin' Auguste#־ Viktoria ■*Stiftung auf der.1 Oelberg.“ Der Gerlchtsaßsessor May ln Worms, ein ungetaufter Jude, wurde zum stellvertretenden Amtsrichter in Osthofen Athen, dfcn 16. März. Infolge eines durch einen Juden begaugenen Raubmordes schleuderte die Menge Steine gegen die- / * \

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