Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1904)
- Date
- 1904-03-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 13. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 127. Transport zum Hafen) noch 6,50 Pres, per Kiste Orangen verhieben, während man sonst dieses Jahr 3 und nur mit grossen Schwierigkeiten 4 Pres, per Kiste erzielt. Es sei noch hierzu bemerkt, dass die diesjährige Orangenernte sehr gut ist, und j die sonstigen Produzenten, ausser der Genossenschaft ״Parj such, ihre Trauben in Chederah selbst zu keltern, statt sie, wie bisher, nach Sichron-Jacob zu transportieren!. Die Ädministration von Sichron-Jacob lieferte hierzu d!e Fässer. Da aber das Unternehmen ohne Methode geleitet und schlecht verwaltet wurde, so fifhrte es nicht zu den erwarteten Erdess“, sowie d!'e Wiederverkäufer infolge der niedrigen Preise wenig zufrieden sind. Pethach-TIkwah. Auch in der Umgebung dieser Kolonie wurden neue Flächen (ca. 4500 Dunam) erworben, von denen ein Teil de« als besten anerkannten Arbeitern zu ihrer Einrchtung mit den Mitteln des ״Arbeiterfonds'‘ abgegeben wurde. H3er gewinnt der Ackerbau immer mehr Bedeutung und wird hier besser ausgeübt, als in den früher genannten j Kolonien. Die Nähe der grossen, der ZivHliste gehörenden Sümpfe ermögVcht, dank dem guten darauf gewonnenen Heu, I eine ausgedehnte Viehhaltung, und die Molkereiprodukte fin- : den lohnenden und sicheren Absatz in Jaffa. Es ist zu hoffen, j dass die Nachbarschaft von Sarona und Wilhelma, der neuen; deutschen Kolonie, wo man besser arbeitet als bei uns, von! günstigem Einfluss auf Pcthach-Tikwah sen wird, w0׳ die Be-! völkerung, im Grunde genommen, arbeitsam ist. Mit Hilfe der; Anglo-Palestine-Company und unter der Kontrolle des j Distriktskomitccs von Jaffa der neuen Organisation der palästinischen Juden (Waad Hamcrkaz) wurde •!n dieser Kolonie! ein Kreditverein gegründet, der zweifellos eine segensreiche Tätigkeit entfalten kann, indem er die Kolonisten vor den in ganz Palästina üblichen Wucherzliscn schützen wird. Die Kolonisten von Pcthach-Tikwah. die auch sonst mehr als die anderen Kolonisten zu einer gesunden, inneren Kommunal- Organisation hinncigen, gehen hierin den übrgen Kolonien mit einem guten Beispiel voran. Artfif. Die etwa zwölf hier befindlichen Kolonisten sind sämtlich Bulgaren, das sympath'schste Element für Kolonisation, dass wir bis jetzt kennen. Um hier Hilfe zu schaffen, müsste man den jetzt noch in den Händen der Araber befindliehen Boden für die Kolonisten erwerben und ihnen Mittel zum Ankauf von Geräten und etw׳as Nutzvieh, speziell Ziegen, d'c für diese Berggegend bestens geeignet sind, liefern. Die Kolonisten sind arbeitsam, arbeiten aber in der landesüblichen primitiven Weise. Da der Bodenbesitz unter dcit Kolonisten noch nicht aufgeteüt ist und ein'gc Besitzer noch in Bulgarien verbleiben, so entsteht daraus ein Hindernis für die gute Kultivierung der Felder. Der Kolonist ist nicht sicher, ob das etwa t'ef gepflügte und gedüngte Feld im nächsten Jahre noch in seinen Händen verbleibt. Es wfäre an der Zeit, dass man dieser Kolonie aufhilft, und derjenige, der ihnen 5—600 Frcs. (allen zw׳ölf) zum Ankauf von 5 bis 6 Ziegen per Haus, gegen Rückzahlung in 3—4 Jahren, als Darlehen gewährt, wird gewiss ein gutes Werk tun. Moza. D'c Kolonie, Moza, an den Toren, Jerusalems gelegen, hat sich aus bescheidenen Anfängen (drei Kolonisten) zu einer hübschen Ansiedlung entwickelt. Es sind dort schon zwölf Kolonisten, die in guten Verhältnissen sind, da ihre sämtliehen Produkte: Trauben, Wen, Eier, Milch in Jerusalem gut bezahlt werden. Ein Kreditinstitut würde auch hier Erspriessliebes leisten. Der Gründung von vorstädtischen Ansicdlungen müsste mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als es bis jetzt geschah. Hier könnten kleine Handwerker, Gemüse- Pflanzer etc. auf klonen Parzellen jetzt noch billig angesicdelt werden und würden in Bälde sich erhalten können, dank dem gesicherten Absatz der Produkte in den sich immer ausdehnenden Städten, und der Möglichkeit, dort Nebenbeschäftigung in ihrer freien Zeit zu erhalte«. Auch einige klc'nc Industrien könnten hier zur Einführung gelangen. Chederah Die diesjährige Ernte ist in Chederah schlecht ausgefallen. Die Erträge des Feldbaues w׳aren sehr schlecht, da die Felder von Chederah rVedrfg gelegen sind und überschwemmt werden. Der Wein, der eine ausgezeichnete Ernte versprach, hatte viel von der Oidium* und Peronospora- Krankheit zu leiden. Die Kolonisten unternahmen den Vergebnissep. Immerhin müsste der Versuch auch weiter verfolgt werden. Der Feldbau wird in Chederah besser ausgeübt, als 11 allen anderen Kolonicen. Die vervollkommnten Ackergerätc und landwirtschaftlichen Maschinen w׳crden allgemein verwendet Die tiefere Bodenbearbeitung und die Aussaat in* das trockene Erdreich sind jetzt ohne Widerspruch aufgenommen worden. Die verbesserten Kulturmethoden sind dem Beispeie einer Privatgesellschaft (Dorsche-Zion) zuzuschreibeu, die in Chederah Boden besitzt. Selbstredend bleibt noch viel in bezug auf die Verbesserung der Kulturen zu tun. Ein Hindernis dafür besteht hier auch in der noch nicht eriolgtcn Aufteilung der Felder. Die Parzelleruiig des Bodenbesitzes würde' für Chederah ein grosser Segen sein, und das Distriktskomitee von Haifa des Waad Hamerßaz gibt sich jetzt Mühe, diese Parzellierung herheizuführen. Dasselbe Distriktskom'tee beabsichtigt die Gründung einer Kreditanstalt für Chtiderah, die auch hier ein stark empfundenes Bedürfnis ist. Der sanitäre Zustand von Chederah scliefnt sich bedeutend verbessert zu haben. Die Ursache dieser Verbesserung in der Entwicklung der F.ukalyptuspflanzuiigcn allein zu suchen, erscheint uns als etwas zu gewagt. Wir sind noch immer der Ansicht, dass das einzige, zugleich radikalste Mittel zur Assan'crung einer derart sumpfigen Gegend die Drainage ist. Die Eukalyptus* pilanzungcn sind ein mächtiges Hilfsmittel h erbei, aber auch, nach unserer Ansicht, nicht mehr als das. An sich allein scheinen sie nicht ausreichend zu sein, um das gewünschte Ziel zu erreichen. D'c jetzige Bevölkerung von Chederah bezitiert sich auf etwa 150 Seelen. Der grösste Teil ist schon seit längerer Zeit akklimatisiert und widersteht den endemisehen Krankheiten. Es ist wohl leicht e'nzusehen, dass bei einer so geringen Bevölkerung Statistiken nicht viel besagen können. Es genügt, dass infolge irgendwelcher nicht vorauszuscliender Zufälligkeiten 2 bis 3 Erkrankungen an Schwarz Wasserfieber oder Sterbefüile mehr oder minder vorkommen, um den allgemeinen Eindruck vollständig zu ändern. Was aber momentan keinem Zweifel unterliegt, ist die Tatsaciie, dass jetzt der Gesundheitszustand Chederahs nicht schlechter ist als der von Zichron-Jacob. Rundschau. Die beiden Repräser.tantenversammlungen der Berliner Jüdischen Gemeinde am Sonntag mittag und Montag abend standen unter dem doppelten Zeichen der Vorlegung des neuen Etats und der sicheren Erwartung, dass der endl'ch einmal als Stellvertreter eiubcrufcnc Herr Weinberg beim Etat semem Herzen Luft machen werde. Vorher wurden dem Verein Montefiore 300 Mk., dem Synagogenvcrdn Moabit 2300 Mk., denn Erzehtmgshaus in AhJcm 800 Mk., für die Israelitische Badearmcnkassc in Kissingen 100 Mk. (viel zu wenig!) für die Speisung jüdischer Strafgefangenen in Brandenburg am Pcssachfeste 200 Mk. bewilligt. Bei d'oscm letzten Punkte gab Herr Mannheimer als Vertreter des liberalen Schielens nach draussen seinem Unmut« Ausdruck, dass der Brandenburger Rabbiner — liorribilc diotu —in einer Tageszeitung um Gaben für diesen Zweck gebeten uat Der verein'gten Schocharc Hatobu. Buc Brith-Qemeiiide W’crdcn nach längerer Debatte 3600 Mk. bttwilligt. Die ״Liberalen“ (!)Mannheimer u. Sachs geben dabc* in ihrer Weise dom Herzenswünsche Ausdruck, dass die kleinen Gottesdienste verschwinden^ ׳ und dem Grossbetriebe Platz machen mögen. Der Abstrich von 1100 Mark, den sie deshalb beantragen, wird abgelehnt. Sodann wird der folgende Entwurf des neuen Haushaltsplanes der Gemeinde für die nächsten 3 Jahre vorgelcgt.