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Jüdische Rundschau · 1904-03-25 · Heft 13 (25.3.1904) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite: 125. No. 1a__ JÜDISCHE RUNDSCHAU. » ' t I matum bezeichnet der Rcf. als ganz und gar hinfällig, denn 1 von dem Inhalt dessen, was tatsächlich (laut Protokoll) als ״Ultimatum“ gedacht war, hätte wahrscheinlich niemals jernand ׳etwas erfahren, da es doch nur als Behelf für den äussersten Notfall aufgestellt war, au den niemand ernstlich 1 glaubte, da man |a eine Delegation 7.u E i n i g u n g s verbandlungeii schickte! Referent schlicsst: Ich stehe nicht an, zu erklären, dass inanbetracht der ganzen Verhältnisse, wie sie ' ja lange nicht allen Zionisten bekannt sein dürften, die Charkower Beschlüsse das Maximum an Disziplin darstellen, das man von Leuten verlangen darf, die nicht nur eine ) von ihnen doch auch mitgeschaffene Bewegung, sondern ihre :• jahrzehntelange opfervolle Arbeit, ja alles, was j f ihren Lebensinhalt ausmachtc und ihr einziges höchstes Lebensziel, auf einmal in Oefahr erblicken! Das sollen doch, besonders die westeuropäischen Zionisten, erst reiflich bedenken, bevor sie mit Protesten so rasch zur Hand .<ind! In der sich anschliessenden Debatte trat Herr Dr. Sandler diesen Ausführungen entgegen, indem er das Vorgehen der Charkower als illegal bezeichnetc. Es beteiligten sich ferner noch an derselben Herr Karl Borger, der die Darlegungen Beckers, trotz des radikalen Standpunktes, unterschreibt, und Herr Siegmuud Borger, der die Wiener Parteiieitung in Schutz nimmt, sich aber gegen die Art der Propaganda in Deutschland ausspricht. Myslowltz. Auf Veranlassung der Akademischen Gruppe der Berliner Zionistischen Vereinigung hatte der hiesige Litteraturvere'n zum 7. d. M. den für unsere Sache so tätigen (ig. Dr. K*a s sc I - Ratibor zu einem Vortrage über den Zion'snnis eingeladen. In seinen streng sachlichen, von der Begeisterung für unser Ideal getragenen Ausführungen wusste der Referent eine klare, übersiehtiiehe Darstellung des Wesens und der Ziele sowie des gegenwärtigen Standes unserer Bewegung zu geben, fn der zirka 3 ständigen, äusserst lebhaften Diskussion, in welcher u. a. bauptsüchi'ch Rabbinatsassessor Dr. Brauiischweiger-Kattow'.tz als Gegner auftrat. kehrten wie stets, wo unsere Idee zum ersten male vorgetragen wird, die alten Gegenargumente wieder: das Judentum hätte eine Mission zu erfüllen, (las Betonen des nationalen Geiankens fördern den Amisemit'smus, wir hätten es doch nun besser, wie vor 100 Jahren etc. in oft gehörter \Vcise. Dass cs unserem Referenten a's erprobten, schlagfertigen Debatter ein leichtes war. diese sowie alle, andere«׳ Einwände auf ein . Nichts zurückzuiiihren. braucht wohl kaum betont zu werden, j Der Erfolg blich nicht aus. Noch e'n Vortrag eines gleich , gewandten Rcdi'ers und die Gründuivg einer Ortsgruppe ist gesichert. Hier wie in Köiiigshütie bietet sich fiir den Ober- '־.•schlesischen Zioivstenfcund Gelegenliet, zu zeigen, dass er endlich für die Agitation etwas leisten will. Th. H. Berlin. Am Sonntag mittag fand in den Germaniasälen eine sehr besuchte Volksversammlung der Berliner Z'oiiistisehen Vereinigung statt, .'n der Herr Architekt Marino rek über den Zionismus im allgemeinen referierte. In der Diskussiorr sprach Herr David W o! f f s 0 h 11 über Kolonialbank •utxl Naticnalfond. Zwei Gegner, die das Wort ergr'ffen, wurden von unserm Grone«nann glänzend abgeführt. Leipzig. Unsere Ortsgruppe veranstaltete an« M. er. eine . grosse öffentliche Versammlung im Eürstenhof und sprach . unser l’ebcr Gast, Herr Architekt Oskar Marmorck, Wien. ... über das Thema: ..Selbsthilfe der Juden". Das zahlreich er-; •; schienene Publikum folgte mit grosser Simnune den Worten j des geschätzten Rednexs. der leider dieses mal infolge der vielen Rede«! in letzter Zeit sprach'ich «licht dispoivcrt war. ״ Es entspann sich hierauf eine lebhafte und höchst interessante Debatte, die bis über ««:ittcrnacht andauerte und an welcher : tcilnahmcn: d'e Herren Wiener. Dr. Nobel, Blümlein. Schreiber, j ' Dr. Pvkocinsky, Leipzig. D. Trietscb. Berlin; ׳der zufälligerj * weise hier war, Kantor B'itz, Dessau. In scuem sehr gut gesprochenen Schlusswort konnte der Referent sämtliche Einwände und Vorwürfe ־*lücklic!« zurückweisen. Es traten nielirerc Herren als Mitglieder bei, Schekel wiirdeit gesammelt. Büchsensammlung für Natiomv'fond 15,35 Mk.'-Wir wünschten 1 recht oft derartige Versammlungen abhalten zu können. Kanncver. Herr Wolfsohn aus Köln sprach am R ־ Mürä in $iner öffentlichen Versammlung (Iber-״die praktische Arbeit des Zionismus.“ Der Vortragende führte aus. dass in den zionistischen Ver- Sammlungen bisher meist die Theorie des Zionismus Gegenstand der Besprechung gewesen ist. Es war zunächst not- * * wendig, die Ziele auseinanderzusetzen und Einwürfen und Miss- .! Verständnissen zu begegnen. ־Jetzt ist der Zioniinus acht Jahre : alt und wir können uns mehr mit der praktische«1 Arbeit be- ‘ schüftigen. .; Hierzu reenuet der Redner zunächst die Verhandlungen'! . -mit .den Regierungen und er berichtet über; die« Verhandlungen In Konstantinopel, bei denen er zugegen gewesen ist, sowie über die Vorschläge Englands bezüglich Ostafrikas. Zur prak* tischen Arbeit gehören ferner die Ausgestaltung der Organisation und die Pflege der neuerwachenden jüdischen Kunst. Ausführlich besprach der Redner sodann die Institutionen, die zur Geldbeschaffung, dienen sollen: die Kolonialbatik und den Nationalfond. Die Kolonialbank ist ein rein kaufmä««nischcs Unternehmen, aber sic dient nicht spekulativen Zwecken, sondor׳־־ ״dl ein finanzielles Instrument sein, mit dem operiert werden kann. Ihr Sitz ist London. Bisher sind etwa 250 imh Pfd. Sterl. eingezahlt. Da der Nemihetrag der Aktie nur I Pfd. Sterl. ist, so ist auch eine Beteiligung von Unbemittelten möglieh. Tatsächlich hat die Bank 130000 Aktionäre, von denen 90 Prozent nur eine Aktie besitzen, deren Betrag oft unter Opfern in Teilzahlungen beigesteuert ist. Das Kapital ist mündelsichcr angelegt. Im letzten Jahre wurde eine Dividende von 2 Prozent ausgezahlt. Da das Aktionskomitee — als:» das jüdische Volk — in der Generalversammlung die Hälfte aller Stimmen besitzt, so ist die Verwendung für zionistische Zwecke sichcrgestellt. Die Bank hat eine Filiale in Jaffa, dort ist die türkische Regierung unser bester Kunde. Endlich sprach der Redner über den Nationaltoud, dessen gegenwärtigen Stand er auf 700 000 Mark schätzt. Zum Schluss!'ordert der Redner in warmen• Worten au«, der zionistischen Organisation beizutrete«! und zur Kolonial- bank beizustcuern. Die Versammlung dankte durch lebhaften Beifall für die ausgezeichneten Ausführungen. Vom Verein Dorsche Zion wurde dem bewährten Führer unserer Sr.che eine mit National- . fondmarken verzierte Adresse überreicht, in der ihm Dank 1 ausgesprochen wurde für seine Arbeit im Zionismus. Es wur-; den von Anwesenden 12 Kolonialbankaktien gezeichnet. Di ן keiner der Gegner das Wort ergrii«, so fand eine Debatte ן nicht statt. Essen. Nachdem die Gründung der zionistischen Ortsgruppe in Essen s:cl« vollzogen hat. ist das Bestreben darauf gerichtet?ebliebei׳, durch Vorträge und Zusammenkünfte in» klcim-ren Kreise das Wissen und die Anhang’ chkelt an die jdee bei den Mitgliedern zu festigen. Nunmehr schien der Zeitpunkt gekommen, um auch in der •breiten Oeffcntlichkeit de zionist'sche Sache zu verfechten. So fand sich denn am Samstag, d. 12. ds. auf Einladung des Vorstandes der Ortscrunpe ein Publikum von etwa •tOfi Personen ein. um den Ausführungen des Herrn Assessor Dr. Adolf Friedemann zu folge?!, der aus Wiesbaden zu dieser Versammlung erschienen• war. In längerem, oft von Beiiall unterbrochenem Vortrage setzte er die Ziele des Zionismus auseinai'der u!kI wies insbesondere auf die Pflicht der deutschen Juden hin. sich der Bewegung tatkräftig anzusschliessen. Die Opposition bewerte sich in den allerbescheidensten Grenzen und gal« nur Herrn Dr. Fredemann von neuem Gelegenheit, die Zuhörerschaft für die.zionistischen P'äne zu begeistern. Zahlreiche Anmeldungen aus den besten Kreisen der Essener Gemeinde bewiesen, wie fest die neuen Ideen hier Wurzel geschlagen haben. Wen!« siel« fast gar Keine Opposition recte, so muss das um so mehr Wunder nehmen, da in einem Rundschreiben 6 Herren vor der Gründung der Ortsgruppe das Erscheinen e:!!es jeden Juden in der ersten Versammlung im Januar als ..EhrenpHcht“ bezeichnet hatten, ״um so zu verhüten, dass der Zionismus hier Boden gewinne“. Keiner der Unterzeichneten bat cs gewagt, der min festgerügten Vcreir/eun״ und dem bekannten Redner c״)־׳c1׳über zu treten. Man sieht daraus, wie ernst diese Art Herren cs mit Ihren ..EhrenoHichten" nehmen. Auch de־׳ Rabliner Dr. ־Samuel, der Rufer im Streit, hat es (41eses mal fiir sicherer erachtet, sich zu Hause zu halten. — Kurz, dies t Versammlung hat den Zionismus in Essen materiell und mor»- lisch gefördert, sodass auch d'e Aussichten für die Zukurt sehr günstig sind. Besonderer Dank gebührt Hirn» Dr. Bodenheimer, der von Köln hcrbelceeilt war. und die Versammlung in gewohnter Weise würdig leitete. Ruhrort Am 17. Mürz sprach hier auf Veranlassung der Duisburger Zionistische* Vereinigung Dr. W'alther Friedemann aus Essen über das Thema: ..Der Zionismus und die Judenfrage". Redner ■ legte zuerst dar. dass es ene Judenfrage gäbe und erörterte sodann die verschiedenen Versuche, sie zu lösen. Der geistvolle Vortrag, der sich durch eine schonungslose Oeisselung des Assimlantentums auszeichivete. führte! der Duisburger Gruppe neu־.* Mitglieder zu. Distriktsbureau Mannheim. Das Mitglied unseres Bureaus. Herr Dr, Regensburger, verlässt in diesen Tagen Mannhem«, um sein Domizil nach München zu verlegen. Wir. erachten es als unsere Pflicht, auch an dieser Stelle Herrn Dr. Regensburger für die wertvollen D'enste zu danken, welche er unserer Organisation geleistet hat. Herr Dr. Regensburger verbleibt auch nach seiner Uebersiedelung Mitglied unseres

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