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Jüdische Rundschau · 1904-03-25 · Heft 13 (25.3.1904) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 124. JÜDISCHE RUNDSCHAU. ■ ^-r* ־~^־' r■ 1 ■ ׳1~ ־ * —■■rnnMia■—1■— <■ ■ ■ ■ ■»■_ n. ■ ■ a ■ No. 13. sten QrundzQge eine terra incognita sind. Aeussert er sich da Ober die jüdischen סנה גיס und dass — ich *bitte meine freundlichen Leser eine ernste Miene bei- ^ubehalten — schon vor 6 und 7 Jahrhunderten jüdische .Schriftgeiehrte nicht mehr wussten, was jüdischer, was fremder Minhag (Brauch) sei“, mit jener drolligen Bestimmtheit, die nur der Unwissenheit ihr Sein verdankt. Ebenso fällt dieser Gelehrte, der unsern Dilettantismus schön in seine Schranken zu rück verweisen würde, wenn wir uns über Märchen und Sagen ein Urteil anmassen wollten, das nur dem FolKloristen, nicht dem Historiker zusteht, ein Todesurteil über eine ganze grosse Litteratur, von der er nie ein Wort gelesen hat, und deren Sprache er nicht einmal versteht. Unsere Kinder, die ' das Hebräische als Muttersprache sprechen, stellt er auf eine Stufe mit deutschen Philologen, die sich mühen, vom alten Kikero verschimmeltes Latein zu lernen. Den Gipfelpunkt freilich seiner krausen und konfusen Ausführungen erklimmt er in dem Ausspruch: ״Das Römer tum ist tot, das Judentum ist tot, .mausetot, wie Woldemar in Edgar Poes Novelettc.“ Darauf zu antworten, fehlt uns die Müsse, denn wir konnten doch dem ,.Folkloristen“ nur dann imponieren, wenn wir aus dem Volksmunde zu der Schlussstrophc von ״Lctt is doht“ eine entsprechende Variante herbeiholen würden. Vielleicht gefällt ihm auf seinen aufdrin- Jich geäusserten Wunsch, ״durch Abstreifung des Restes des Scheinjudentums aufzuhören, Fremdling zu sein“, die Antwort des niederdeutschen Merkverses: ״N Narr bliüt hei, א Narr, wo hei geit, und wo hei läppt, Un ״n Jud blifft ,n Jud, wenn man föftich maol döppt!" - Wir dürfen unsere Leser nicht zu viel mit dem krausen Zeug aufhalteu, was uns diesmal in den ',Romanischen Forschungen“ als Wissenschaft aufgetischt wird. Dass Kratiss kein Hebräisch versteht, wie der Schäfer Bendix bei unserem Landsmann kein Sterbenswörtlein Latein kannte, ist bekannt. Nur Bendix, der Schäfer, war klüger als er. Denn der masste sich auch kein Urteil an über Sachen, die er nicht verstand. Der Schluss, dass• das jüdische Volkstum Herrn Dr. Krauss unbekannt, und soweit doch bekannt, unbequem ist, genügt uns nicht, es in das Bereich des Köhlerglaubens zu verweisen. Nicht Krauss ist es. dessen wissenschaftliche Bedcutung uns veranlassen würde. Einspruch gegen die Konstruktionen cinzulegen, die Unwissenheit und Assimilationssucht veranlassten. Der Ort. wo er seinen •judentumsfeindlichen Angriff niederlegte, die Achtung vor den ״Romanischen Forschungen“ haben uns die Feder in die Hand gedrückt. Ein Aesop würde sich deshalb ..vielleicht haben genügen lassen, ihm eine kurze Geschichte zu erzählen: ״In einem rings umgitterten Stalle stand ein Schaf, und erblickte.den vorübergehenden Löwen.. Da überhäufte es ihn mit Schimpfwörtern ohne Zahl. Der Löwe betrachtete das Schaf und das schützende Gitter und erwiderte dann ruhig: ״Du bist cs ja gar nicht, das mich schmäht, das Gitter schimpft". Heinrich Loewc. g®®©«®®®®®®®®®® 1®®&$®s®$ *14&1 ©ri *®*.־.*♦w* | Aus der Bewegung. | «®®©®®$©®$®®S©©$$®f4;©*® i $&$£!© **** *־*♦׳*** Die Anregung der Palästlnakommfssfon, In Palästina 'Volksdomänen zu errichten, und die damit im Zusammenhang stehende Sammlung von Oelbaumspenden, die einen freudigen und opferwilligen Widerhall In den Herzen aller Zionisten wachgerufen hat, ist vom Engeren . Aktionskomitee auf die Tagesordnung der Sitzung des Grossen Aktionskomitees gesetzt worden, die am tl. April stattfindet. Damit wird diese grossartige Idee auch die formelle Sanktion erhalten, die ihr allein noch mangelt. Die ganze Zionistische Partei weiss dem Aktionskomitee für diese .Initiative besonderen Dank. Breslau. Wir machen darauf aufmerksam, dass S 0 n n t a g, d e n 27. M ä r z, abcuds 8^ Uhr, im grossen Saal der Neuen Börse Herr cand. med. Ellas Auerbach den bereits angekündigten Vortrag über die ״AuferstehungderJüdischen Nation“ halten wird. * Kattowitz O.-S. Am Montag, den 28. d. M., wird Herr cand. med. Elias Auerbach (Berlin) über das Thema ״Jüdische Vclksbibliothek" in öffentlicher Vcr- Sammlung sprechen. Breslauer Zionistische Vereinigung. Dessau. Unsere Zionistische Vereinigung veranstaltet Sonntag, den 27.. einen Vortragsabend, an welchem Herr Dr. Klee-Berlin das Referat übernommen hat. A. Breslau. Am Montag, den 14. März, sprach hier in einer Mitgliederversammlung der ״B. Z. V.“ Herr cand. phil. Be ck e r aus BerVn über das Thema: ..Die Clnrkower K»־ecrenz. Sachliches und Prinzipielles." Es sei falsch, so führt der Referent einleitend aus. die Charkowcr Konferenz als Einzelnes isoliert zu beurteilen. Sic sei überhaupt nur zu vcrstehen, und habe ein Recht, so betrachtet zu werden, im Zusammenhang mit der ganzer. Geschichte des politischen Zi״- nismus. wenigstens aber mit der jüngsten Wendung dieser Geschichte, dem Ost-Airika-Projekt. der Art und Weise der versuchten Durchführung dieses Projektes etc. Die rein sachliche Seite der Charkowcr Beschlüsse behandelte der Ref. weniger ausführlich, da über diese soeben eine Broschüre erschienen sei. mit deren Ausführungen sich der Ref. grösstenteils identiiiziert. Weit wichtiger, sagte der Ref., ist das prinzipielle Moment in dieser Frage, und darauf sei cs den Teilnehmern der Charkowcr Konferenz auch in allererster Linie angekommen. Wie kann man hier von einem kongresswidrigen Verhalten, von einem Verfassungsbruch sprechen? warum habe man sich denn nie gegen einen von der ganzen Reihe von ״Vcriassungsbrüchcn" Dr. Hcrzls protestiert, von denen man sich ja sagen musste, dass sic in einem schweren Konflikt einmal eit» analoges Verhalten einer Minorität direkt provozieren müssen? Der ganze Streit in seiner heutigen Stärke sei die!mmittefharc Folge der unverantwortlichen Publizistik der ..Welt". Die *vielhcrufcnc Würde der Organisation ist von den Churkowern bei weitem besser gewahrt worden, als von denen, die mit ihren Protesten gegen etwas ihnen ganz Unbekanntes nur zur Verhetzung beigetragen haben; und diese ״Proteste“ herausgefordert zu haben, füllt allein der ״Welt“ zur Last. — Die Krise, um die es sich hier handelt, sei die alte: es sei der Gegensatz zwischen rein palästinensischem Zionismus und Judenstaatlcrtum. Haben wir es doch jetzt erlebt, dass von eiiier Seite gefordert wurde, aus dem Namen der Bewegung ״Z i o!1' auszustrcichcu und sie ״N a t io 11 a - lismus" zu nennen - und derselbe Mann hatte wenige Wochen vorher auf dein Kongress noch seine heisse Liehe zu Zion beteuert! — und nun hören wir von anderer Seite, die wir alle fiir gut zionistisch hielten, das nationale Gefühl solle in der Agitation mehr in den Hintergrund treten — die Subtraktion ist nicht mehr schwer! haben wir doch infolge dieses Uganda-Vorschlages plötzlich Zionisten entdecken müssen, die erklären, Palästina sei stets nur das Maximal-Programm des Zionismus gewesen, das Minimum sei Land! Sei doch im Volke für dieses Uganda, das mau noch gar nicht kannte, eine geradezu demagogische Agitation von übereifrigen Herren entfaltet worden! Der Referent geht des weiteren auf das Uganda-Projekt ein, auf die unheilvollen Folgen, die cs seiner Meinung nach für die ganze Bewegung gehabt hat und haben musste, auf die Entwickelung der Verhältnisse innerhalb der Bewegung, etc. und sucht daran das Verhalten der russischen Rayon vor- Steher zu erklären und zu rechtfertigen. Gerade das, woraus mau ihnen einen schw׳eren Vorwurf konstruierte, die GeheimhaUung des Protokolls, beweise ja deutlich, wie taktvoll sic vorgeheu wollten, indem sie versuchten, auf der Grundläge Ihrer Mindestforderungen., die nichts Programmwidriges enthalten/ mit Dr. Herzl, ‘zu dem ihr Vertrauen sowohl als Zionisten w׳ic als Mitglieder des A.-C. erschüttert sein musste, zu einer Einigung zu gelangen, ohne dass erst oin solcher Parteiskandal darans würde. Diese friedliche Einigung über prinzipielle Fragen haben aber nun die ״Welf* bezw׳. ihre wohliuformierten Berichterstatter verhinden! Pie Argumentation mit dem angeblich gestellten Ulti-

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