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Jüdische Rundschau · 1904-03-25 · Heft 13 (25.3.1904) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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3מ**ו >eitc 122. JÜDISCHE RUNDSCHAU. ־־' No. 13. Unsere ' Vorfahren waren ganze Juden,. wir glaubten nur dadurch ganze Deutsche zu i werderi, dass wir halbe Juden wurden. Die j Folge davon war, dass ein unseliger Dualismus in , tmserm Indern entstand. Der Halbe kann nie! etwas Ganzes sein. Wir haben unser Volksbe-! wusstsein.preisgegeben und haben dadurch das jüdische! Selbstgefühl verloren. Wir verzichteten auf unsere j Individualität und sahen nicht ein. dass wir dadurch das i Beste an uns vernichtet haben. . .. ן Wir können nur dann ganze deutsche Bürger sein,; nur dann unsere Pflichten gegenüber dem Staate mit un- : geteilter Liebe erfüllen, wenn wir wieder ganze Juden; geworden sind. Von dem Momente ab, wo wir mit der : lächerlichen Phrase der ״Deutschen jüdischer Konfession“, der ״Deutschen jüdischen Glaubens“, an den gerade die am wenigsten glauben, die den ״Glauben“ an! meisten hervorkchren, brechen, werden wir Klarheit schaffen. Wir müssen stolz und offen bekennen: ״Wir sind die Söhne jüdischen Stammes, aber wir haben gleich euch an allen Errungenschaften der Kultur teilgenr-mnien, an allen Werken der Wohlfahrt mitgearbeitet, wir sind deutsche "Bürger jüdischer Abkunft!“ Zur Liebe kann man niemand zwingen, aber Respekt kann man auch den! Gegner abtrotzen. Fs ist eine der vornehmsten Aufgaben des Zionismus, von‘ der alten Geistcswelt zur neuen eine Brücke zu schlagen, oder richtiger: aus den Trümmern beider eine neue Weltanschauung zu zimmern. Das jüdische Familienleben muss erneuert werden. Das Haus soll wieder jüdisch werden. Jüdisch und dabei doch modern. Erst dann wird der Zersetzungsprozess aufliören, erst dann wird der Jude anfangen, sich wieder wohl in seiner Haut 711 fühlen. Unsere Kinder sollen ein glücklicheres Innenleben führen als wir. Sie sollen lernen, auf einen Makkabbi, einen Bar-Giora oder einen Jochanan von Gischala, auf einen Bar-Kcchba eben so stolz zu sein wie die Germanen auf einen Hermann den Cherusker, sie sollen von Jesajas nicht weniger als von den Niebelungen wissen, — dann werden sie begreifen, dass das Jüdische nicht das Inferiore ist. Die jüdische Frau soll einsehen, dass es kein Glück ist, nicht jüdisch auszusehen, dass es kein Ruhm ist, ״Nur mit Christen zu verkehren“. Wälzt ab eure innere Schmach, dann werdet ihr die Achtung der. Völker gemessen, unter denen ihr lebt. Werdet innerlich frei, dann werdet thr die äussere Freiheit erlangen. Das ist der Katechismus der Zionsidee, das ist es, was die neue Bewegung erstrebt, was die Edelsten unseres Stammes alle Zeit ersehnten. So stellt sich der Zionismus als eine alte Lebensansebauung in neuen Formen dar, als die nationale Weltanschauung des jüdischen Volkes, als der von der Geschichte vorgeschriebene, durch die äussern und innen! Umstände gebotene Weg zum sozialen und sittliche» Heil der Judcnheit. In einer schweren Zeit wurde der weise Solon von! athenischen Volke als Gesetzgeber und Herrscher an die Spitze des Staates benifen, und er gab jenes Gesetz, auf Grund dessen sieh der attische Staat'zur Grossmacht und das kleine attische Völklcin zur ersten Kulturmacht der Welt entwickelte. Von allen seinen Gesetzen aber ist keines wichtiger gewesen als die Bestimmung, dass der Bürger, der bei Parteiungen in! Volke nicht Partei ergriff, rechtlos und ehrlos sei» sollte. Der Bequeme und der Gleichgiltige gingen der Bürgerrechte und jeder Achtung verlustig. Das jüdische Volk empfindet seit den! Entstehen des Zionismus einen Frühlingshauch, cs spürt trotz aller Drangsale und trotz aller Not, dass neues junges Leben in ihm pulsiert. Da heisst es nicht gleichgiltig beiseite stehen, sondern Partei zu ergreifen. Der ist mehr gegen uns, der gleichgiltig bleibt, als wer uns bekämpft. Der Ehrenmann aber ergreift Partei. Fs gilt ja einen Kamp? um die Zukunft des Judentums, es gilt die Frage, ob unser Volk weiter existieren soll, und besser lebet! und Besseres leisten als in den Jahrtausenden des Elends und der Unterdrückung. Es gilt den Kampf für die Ehre der Jüdischen Nation. Für Freiheit und Ehre kämpit der Zionismus. Er hat die Fahne seines Volkes entrollt, das alte jüdische Banner nur kämpft für Freiheit und Judentum! etwas ganz anderes, als der Liebe Dichtung auf Hellas' gesegneten Fluren. Sokrates bleibt immer doch Hellene, der Dichter des Hollen Liedes immer Hebräer. (Schluss folgt.) S$ Wissenschaft und Kunst. £ £9;1. Die Bestrebungen zur Erforschung der hebräischen .Musik haben neuerdings in Berlin durch die Begründung e res Vereins zur Pflege hebräischer Musik einen Sammelpunkt erhalten. Her Verein der zunächst im wesentlichen den Charakter eines CW1rves.nncrvep>it־s trauen wird, hat s:ch in crs'er Reihe zur Aufgabe gestellt. Kompositionen aus den» Bereiche der hebräis.;:»•!! V.us:klitterr*tur zur Amtührung zu bringen. .Vassnahmen zur Forderung und Organisation musikhistor’scher Forschungen auf dem gleicht» Gebiete sind für später in Aussicht genommen. } Mit der musikalischen Leitung ist Kapellmeister Albert Keiler- 1 mann betraut worden. j Woher stammt dis Salz des Toten Meeres? Fs ist ein ג i allgemein verbreitete Erscheinung, dass ein Wnnenländ scltcs Wasserbecken, das vom Abfluss zun! Meer abgeschnitten wird, allmählich die süsse Beschaffenheit seines Wassers.verliert und salzig wird. Die Erk’ärung ist n'cht schwierig. In den Zuilüssen, die ein See erhält, wird stets eine ganz erhebliche Menge voti.Salzou mitgejührt, die unter normalen Verhältnissen nicht dazu, genügen, das Wasser bis zu einer im Geschmack hervortretenden salzigen Beschaffenheit zu bringen. Wenn aber aus einem •abflusslos gewordenen See grosse Wassermengen verdunsten, so muss der .Salzgehalt dauernd zunc,hmen. da eben nur reines Wasser verdunstet, während die Salze Zurückbleiben. Dieser Vorgang ist. wie gesagt, bei entsprechenden Verhältnissen überall zu beobachten. An sich kann cs daher auch nicht wunderbar erscheinen, dass das Tote Meer ein salziger See ist. Dies Wasserbecken ivnum jedoch noch eine besondere Stelle unter den Salzseen der Erde ein. weil der Sa’zgehalt ein ganz un-gewöhnlich hoher ist. obgleich es durch den Jordan und andere Flüsse dauernd gar nicht unbedeutende Mengen von Siisswasser empfängt. Der Palästinaforschcr Ackroyd hat sich mit dieser Tatsache näher beschäft'pt und glaubt danach eine besondere Ursache für den ungeheuer hohen Salzgehalt des Toten Meeres aufsuchen zu müssen. Zunächst bietet sich die Vermutung dar. dass dos Salz־ aus den Steinen der Umgebung herrührt, aus den Felsen durch Erosln und Auslaugung herausgezogen und nach dem Toten Meer geschaift worden ist. Diese Erklärung hält Ackrovd für ebenso ausreichend wie die Annahme, dass das Tote Meer ursprünglich einen Arm des Toten Meeres gebildete hat, der durch die Hebung des Gebietes von Palästina in vcirhälüiismässi״ später Zeit abgeschnürt wurde. Mindestens als nutwirkend betrachtet der Forscher die Möglichkeit. dass grosse Salzmengen durch die Winde vom Mittelländischen Meer nach der Oegend des Toten Meeres getragen, durch die Niederschläge zur Erde gebracht und letzteren! zugeführt wurden. (Hamb. Nachr.) f ו I

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