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Jüdische Rundschau · 1904-03-18 · Heft 12 (18.3.1904) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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t * # . יי No■ i2׳ ___JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 115. * I ■ . aber Tauschhandel für imentbehriich erkläre, so käme es itt der Sache auf dasselbe hinaus. 1 Gegen Trietsch bemerkte der Referent, dass jener in seineu Ausführungen, deren Richtigkeit er im allgemeinen ancrkenne, übersehen habe, dass man deshalb nicht mit industrieller Kolonisation beginnen könne., weil diese stets zum Zusammenbruch führen müsste, wenn die genügende landwirtschaftlichc Basis fehle. An der Diskussion beteiligten sich ferner die Herren Auerbach. Baum. Dr. Bernfeld. Ringclwald, Joelsofm. Dem Herrn Reiieren ten sei an dieser Stelle nochmals der herzlichste Dank der Gruppe für seine klaren, trotz der Schwierigkeit des Stoffes infolge der meisterhaften Darstellung auch den Laien überzeugenden Ausführungen ausgesprochen, ph. H. An die zionistische Studentenschaft! Aufruf der Freien Verbindung Hasmonaea Berlin.4) Wieder geht ein Semester zur Nage, und fröh’ich zieht der Student in die Ferien, sich von den Anstrengungen der letzten Monate zu erholen. Für den zionistischen Studenten bedeuten sie jedoch nur eine angenehme Unterbrechung seiner Bcrufsbcschäftigung: in seiner zionistischen Tätigkeit darf-es keine Ferien geben. Gerade im Gegenteil beginnen in dieser Hinsicht für ihn nunmehr V/ochcn angestrengtesten Arbcitens.. Rin güustiges Geschick hat uns Studenten in den Stand gesetzt, mehr denn andree soziale Klassen uns ausserhalb unserer Berufspflichten unseren Liebluigsncigimgcu hinzugeben. uns nach Her׳ zenslust zu bilden und unsere individuellen Kräfte zur freien Entfaltung zu bringen; ein jedes Volk erwartet dafür mit vollem Rechte von seiner studierenden Jugcrd. dass sie die Vorteile, de ihr ihre Sonderstellung in der Gemeinschaft eingetragen, auch im Dienste und zum \Vohle dieser Gemen sein ft verwendet Ganz besonders aber muss sich der jtidisch-nationa’e Student dieser seiner Pflicht jederzeit bewusst sein, denn gewattige Aufgaben gilt es zu lösen. Jahrtausende währende Knechtung hat unser Volk seines stolzen Selbstbewusstseins und Selbstvertrauens beraubt, und nun die furchtbar dräuende Not gemeinsame Tat erheischt, müssen erst die in der eisigen Kälte des Hasses erstarrten Massen zu neuem. Leben erweckt, das schlummernde Geiühl ihrer unzertrennlichen Zusammengehörigkeit von neuem in ihnen wach gerufen werden. Das, jüdisch-nationale Studenten, ist in erster Linie jetzt Eure Auffjibe. Nun schwärmt hinaus in alle Richtungen und rechtfertigt die stolzen Hoffnungen, die man auf Euch gesetzt hat; zeigt, dass Ihr bereit seid, a’s die Pioniere, unserer erhabenen Zions- Idee Eure ganzen Kräfte, Eure ganzen Persönlichkeiten für sie cinzusetzcn. — Eure Waffen sind die des Geistes! Geht, wo es möglich ist in die Vereine und gebt dort die noch so vielen nötige Aufklärung über das wahre Wesen unserer Bewegung. Werdet nicht müdcj, in Privatgespriiclien den Wissbegierigen Rede und Antwort zu stehen, den Indifferenten Interesse für unsere heilige Sache einzuflössen, unsere Widersacher zu bekämpfen. Richtet Euer Augenmerk vor allem auf die lernende Jugend, die die Macht der Gewohnheit noch nicht stumpf gemacht hat! Lehrt sie ihr wahres Volkstum kennen und lieben, und Ihr werdet sie unschwer für unser grosses Ideal begeistern können. Und dio grossen Kinder, die der direkten Propaganda sich unzugänglich erweisen, macht mit den köstlichen Früchten vertraut, die schon heute das Wicdererwachcn des jiidisch-nationälen pedankens auf dem Gebiete der Kunst und Littcratur gczeitigt hat, und die noch nie ihre Wirkung auf ein jüdisches Gemüt versagt haben. Aber auch den Vertrieb kleiner Broschüren, die der ״Rundschauverlag“ Euch senden 'wird, müsst Ihr mit Eifer in die Hand nehmen, da sie für eine nachha.’tige Agitation unentbehrlich erscheinen. Und was in seiner Wichtigkolt nicht genug betont werden kann: sammelt für den Nationalfond! Jede passende Gelegenheit — und man kann, wenn man nur will, jede Gelegenheit zu einer passenden machen — müsst Ihr dazu benutzen, für Ihn zu werben! Dafür werden Euch auch die nichtzionistischen Kreise gern zur Verfügung stehen: haben doch selbst Christen grosse Summen für ihn gcspendet! Nfcht alles, was man von Euch verlangt ist eine leichte, nicht alles eine angenehme Aufgabe. Aber sie ist notwendig, und sie ist Eure Aufgabe, jüdisch-nationale Studenten! Seid eingedenk dessen, dass gerade unter den jüdischen Akademlkern bisher die meisten Deserteure sielt fanden; wir haben das an unserem Volke wieder »gut zu machen! Und denkt daran, dass alle diese, noch so k'ein erscheinenden Verrieb tungen unentbehrliche Bausteine bilden zu dem stolzen Gebäude, das• für unser armes geknechtetes Volk eitve Stätte fröhlicher Freiheit werden soll. Wahrlich, ein Werk, des Schweisses der Edlen wert! •) Etwaige Auskünfte erteilt gern stud. ehern. Rosenberg. Charlottenburg, Grolmanstrasse 59a. Rundschau. :} Dlo Religionsfreiheit im Deutschen Reiche wird treffend durch Graf Ballestrcms Auffassung charakterisiert, dass man die religiöse Uebereeugung der Majorität nicht verhöhnen und verletzen soll. Demgemäss geht die Beweg?.%% den Juden die Ausübung ihrer religiösen Schlachtgebräuche zu verbieten, von Stadt zu Stadt. Jetzt hat KÖstren sich diesen Städten angcschlossen, wobei zugleich der sogenannte Sachverstan- *dige, wenn wir dem ״Küstrincr Tageblatt“ Glauben' schenket! dürfen, die Gelegenheit nicht vorbei gehen iiess. unsere jüdisehen Bräuche, zu beschimpfen. Das Blatt schreibt: ״Der Sachverständige führte aus, dass diese Schlachtungsweise einesteils durch das Klima, andernteils aber aucn durch die Verhältnisse bedingt war. Denn cs ist federn Fachmann bekannt, dass nicht völlig blutleeies PJsisch in einem warmen Klima in wenigen Stunden erstickt, d. h. verdirbt. Wir aber, die wir in einem gemässigten Klima wählten und auch •moderne Kühlemrichtungen haben, können dem Tiere wohl die Todesqualen erleichtert!. Darum komme auch die Schlachthaus-Kommission mit dem Anträge, um diese dem menschlichen Gefühl geradezu anekelnde Schlachtungsweise am hiesigen Schlachthof zu beseitigen. Der Antrag wurde hesonders hart von jüdischer Seite bekümpit. Man gab sich der Hoffnung hin, die Stadt Küstrin werde wegen ca. 10־ ritualer jikVsehcr Bürger die Tierquälerei weiter dulden. Als dies aber abgelehnt wurde, suchte inan von jüdischer Seite aus durch Beleuchtung des materiellen Standpunktes die Meinung umzustimmen. Ein solches .Ansinnen wurde aber entschieden zuriiekgewie: en. Die Versammlung beschloss darum am Schluss der Debatte, dem Anträge der Schlachthaus-Konimission beizupflichten und das Schächten auf dem hies'gen Schlachthofc zu verbieten, wie ein solches Vertiot bereits durch Ministerialerlass in Sachsen und in Rheidt (Rheinpr.) und auch fn Angcrmündc, Perleberg und Potsdam besteht.“ Es ist an. der Zeit, dass die Juden das Schächten durch Parforcejagden, Distanzrennf.11 und ländliches Schweineschlachten״ ersetzen. Dann sind sie keine Tierquäler, sondern staatserhaltende Stützen... In dbm zweiten Klschlncwer Prozess wurde nach zweiwöchiger Verhandlung gegen Russnack und 52 andere Angeklagte wegen d.r gegen die Juden begangenen Ausschrei־ tungen das Urteil gefall!. Achtzehn der Angeklagten wäret! dc!s Mordes, die übrigen der Teilnahme daran beschuldigt. Russnack und Bordian wurden, wie aus Kischinew gemeldet wird, der Ermordung des Ehepaares Fonarschi schuldig befundeti und zu vier Jahren bezw. acht Monaten Zwangsarbeit verurteilt. Fünfzehn andere Angeklagte wurden zu Freiheitsstrafen von vier Monaten bis zu einem Jahr verurteilt, 36 freigesprochen. De« von den Juden eingcrcichten Ziv'Iforderungen wurde keine Folge gegeben. Nach Prüfung etwaiger Berufungen durch den Appellhof wird das Urteil am 25. April endgiitig Rechtskraft erhalten. Schemjaka. Aus Russland. Petersburg. Dfc gleich nach dem Ausbruch des russisch-japanischen Krieges von den antisemitischen Blättert; Russland eingeleitete Hetze gegen die Juden im Zarenreiche nimmt immer hässlichere Formen an. Der Publizist Menschikow. welcher aus der liberalen Zeitschrift ..Nedelja•) ** zu der antisemitischen ״Nowojc Wremja“ überging, verläunideto. in den Spalten dieses Blattes die Juden skrupellos. In seinem jüngsten Fcu lleton in der ..Nowoje Wremja“ versteigt sielt Meuschikow. der in der liberalen ״Nedelja“ stets von Wahrheit, Menschlichkeit und MUischeuliebe predigte, zu der Behauptung, dass die Juden allein Schuld an den: Kriege setieu .... Die nach AmetVka ausgewanderten russischen Juden hätten nämlich, wie Herr Menschikow herausgefunden hat, Japan gegen Russland gehetzt, das Ro'ch der aufgehenden Sonne mit Geld versehen und die Japaner so lange bearbeitet, bis sie Russland den Krieg erklärten . . . Diese hasserfüllten Ausfälle gegen die Juden machen in Russ-

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