Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1904)
- Date
- 1904-03-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 113. f I ► t t i 1 t Nt>:.1£•__JÜDISCHE KUNDSCHAU. Ziel der Zionisten sei lediglich eine Utopie: den Worten eines Plehwe ohne weiteres Glauben zu schenken sei mehr als , ■optimistisch. Ein Liberalismus, der dem Volksinstinkt Kon- Zessionen mache, wie sie Herr Marmorek angedeutet habe, sei keinen Pfifferling wert D e Hoffnung des Judentums durch 1 Jahrhunderte der Leiden und des Drangsais hindurch sei nicht Zion, sondern Gott gewesen. Das Schlusswort sprach sodinn Herr Marmorek. durch nicht enden woticndcn Beifall begrüsst und oft minutenlang am Weiterreden verhindert. Er mefute. die Rabbner seien leider aus Führern der Juden Prediger gcworden. Aber, was die Rabbiner trotz aller Anstrengungen nicht hätten erreichen können, das sei dem Zionismus gelungen: die Zurückfiihrtmg der jüdischen Jugend zum Judentum. Nach dreistündiger Dauer wurde die Versammlung geschlossen. Posea. Die in den Sternschen Saal eiiibcruunc öhentliehe Versammlung der Zionistischen Ortsgruppe hatte wieder das Interesse weiter Kreise auf sich gezogen. Schon vor 9 Uhr war der Saai bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, und zahlreiche Wissbegierige fanden dann keinen Einlass mehr, fn einleitenden Begriissungsworten hob Dr. Jeremias mit GeJiugtuurl: hervor, dass der. Versuch, diei Zionisten Wer mundtot zu machen, gründlich misslungen sc\ und gab der Hoffnung Ausdruck, dass der Abend neue Freunde und Interessenten der zionistischen Bewegung gewinnen werde. Alsdann ergriff der Reierent. Architekt Marmorek aus Wien, das Wort zu einem fast einstiindigen Vortrag über ״Gegenwart und Zukunft der Juden.“ Die Gegenwart der Juden sei überall eine traurige: der Versuch einer Verschuldzung mit anderen Nationen sei gescheitert und humanitäre Phrasen könnten darüber nicht hinwegtauschen, dass dieser Versuch für alle Zeiten aussichtslos sei. Der Antagonismus der Rassen und National'tüten liege zu lief in dc!r mensehliehen Natur begründet, als dass sic sich wegdekretieren lassen könnten. Daran hätten sich auch die Parteien, auf welche die Juden alle Hoffnungen gesetzt hätten. ver״eb'ich versucht. Die Juden von gestern, die alles von fremder Hlie und von der Aenderung der Menschennatur erwarteten, stellen deshalb dem Immer drängender werdenden Problem der allgenieinen Judennot ratlos gegenüber. Dagegen vertritt der Zonismus eine aktive Politik: die Juden müssen di? Aenderung •ihrer Geschicke selbst in die Hand nehmen und statt paliiativer Wohltätlgkeitsaktionen eMc Politik der Voraussicht, eine Aktion radikaler Beseitigung aller Volksüfcc! cink-iter. In desem Sinne ist der Zionismus zunächst eire Kolonial- und Auswanderungs-Bewegung. w'U allen den Juden eine neue Heimat schaffen, die sich in ihren jetzigen Wohnsitzen materiell oder ideell bedrückt fühlen. Dann aber ist der Zionismus vor allem eire ethische Bewegung, die die Juden zur Achtung ihrer selbst, zur stolzen Betätigung ihrer Eigenart und eigener Lebanskleale erziehen wi'l. Was der Zionismus gerade darin schon jetzt erfolgreich gewirkt lia.t, schilderte der Referent in eingehender, lichtvoller Darstellung unter dem lebhaften Beifall der Versammlung.!11 der anschliessenden Diskuss’011. die eitlen ruhigen Verlauf nahm, kamen als Gegner 1 Dr. Kantorowicz und Moritz G rIess zu Worte und ן nahmen Gelegenheit, die ideellen und materiellen Schwierigi Kcxtei! der zionistischen Bewegung dar zuwege!*. Ihnen er-; widerte Rechtsanwalt Dr. K 011 e. 11 s c h e r. und Architekt! Marmorek wusste durch seine Schlussreplk den Erfolg! dp Abends vollends auf seine Seite zu bringen. Zahlreiche t Mitglieder meldeten sich sofort für die Ortsgruppe. Breslau. Die Breslauer Zionstische Vereinigung musste ׳ ds gute Gelegenheit für einen grösseren Agitatrionsvortrag zu I ihrem grössten Leidwesen unbenutzt voriibergeheu j lassen und lud daher ihr Vorstand Herrn Architekten Oscar j Marmorek aus Wien zu einen! Festbankett ein, welches! a1״ Montag, dan 7. Mürz er. unter Teilnahme eines mimen! Kre ses von ca. 40 Persor.en dm kleinen Saal der Lessingloge [ st:׳ttfand. Herr Zahnarzt Schachtel begrusste unseren verehrj ttn Gast, indem er seiner Fronde darüber Ausdruck gab, dass 1 dieser unserer Einladung in dankenswerter Weise Folge ge-! leistet habe. Mit wenigen Worten kommt er auf das i r ü h c r e! Verhalten der Breslauer Ortsgruppe zu sprechen, über -cl- , cl'es s. Zt. so ganz entstellte Ansichten herrschten und veri s'ckert nochmals namens der Vereinigung, dass diese mcl! 1 wie vor auf dem Boden des Baseler Programmes stehe, vollj stes Vertrauen zur Parteileitung in Wien hatte und weiter hat. fm weiteren Verlaufe nimmt dann unser verehrter Gast , das Wort, um uns zu unserer Genugtuung zu versichern, dass die Meinung in Wien über Breslau nie eine schlechte war: A־:e gesunde Opposition werde stets geduldet, allerdings müsse sich diese im Rahmen unseres Prcgrammcs hewegen. Interessant nir uns waren die Details über Ui.־ Chai- 1 kower Konferenz, welch letztere jeder politischen Usance hclntlackcnd ins Gesicht schlägt. Eine Disziplin müsse hcrisehen und d esc zu wahren werde das A.-K. stets aufs Euereischstc bestrebt sein. Herr Doktor Sandler widmet sein Glas, nachdem er d.n damaligen Gang der Dinge nach näher beleuchtet, unserem hochverehrten Führer. Herrn Dr. Theodor Herzl. und unserem verehrten Gast, dem Vizeprär ויי* ־*׳ des cegeren Aktionskomitees. Bis in die frühe Morgenstunde hielteil uns noch angenehme Unterhaltung (u. a. auch Kluvervorträge von Frau Schachte! und Rezitationen von Fräulein Fla- 1 tau) zusammen, und dürfen wir auch hoffen, dass unser Gast! mit den besu.11 Eindrücken von uns geschieden ist. National- :!und 25 Mk. S T. Freiburg, d. 7. März 1904. Kurzer Bericht über die Tätigkeit unserer Ortsgruppe während der letzten Wochen. Am 7. Februar referierte Herr cand. tred. Moses über ״D i c jüdische Kolonisation Palästina“, am 21. Fcbr. cand. med. Pinczower über ״Die Klassiker des Z io n i sni u s", am 28. Februar sprach in öffentlicher V;r- £?1:hrlung vor zahlreichem Publikum Herr Dr. Kalmus- Lübeck über ״Unsere Zeit im Zeichen des Zionismus“. Der Vortragende hat mit Erfolg dargetan. dass der Zionismus s'chm't Erfolg Errungenschaften der modern.•■!! Zeit stützt. Zu einer Diskussion kam es nicht. Am 1. März | fciertui wir Purim in engem Kreise, aber bei einer recht 1 gemütrehen Sude in unserem Vereäisiokalc im Hotel Blum. gäbe von Börnes־ Werken sind von Dr. Schnapper- Arndt, der neben seiner facliwisscnschaftüchen. natkniaiokonomischen Tätigkeit diesen Arbeiten seine besondere Liebe zuwandte, die mnutiösesten Vorarbeiten gemacht worden. 0*1^-■■ (4*^ <Th1 11 <f■! 4־"^■1*11 ^■1 ■־ *Ai ־***־ j Wissenschaft und Kunst, $ vl« Die Gesellschaft zur Erforschunc> Jüdischer Kunstdenkmäler hielt am Samstag in der Frankfurt-Loge unter Vorsitz von Ch. Hallgarten ihre zweite ordentliche Hauptversammlung ab. Die Mitgliederzahl ist gestiegen. Im abgclaufei en Jahr wurde im Notizblatt Nr. 2 ein reichillustriertes Doppelheft de! Mitteilungen über Kultusgcgenstände in Sjmagoge und Haus herausgegeben. Der Verein bedarf grösserer Beträge und Zuschüsse, um seine Ziele fördern zu können. Man will iibrigens dem Gedanken nähertreten, die bereits erworbene Sa mmlung von Photographien. Aquarellen. Kupferstichen. Radierungern, Holzschnittfen, Büchern. Pcrgamentmartaski! pten!und Originaljegenständen zu einer Ausstellung zu voreiligen. Direktor Frauberger -Düsseldorf hat durch wiederholte Reisen nach Paris, Brüssel. London. Amsterdam. Wien. Budapest, Prag, Dresden. Berlin. München. Strassburg und Basel einen Uebcrblick über die Fortschritte der Gesellschaft gewonnen. Sein Bericht brachte interessante Einzelheiten. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 4320 Mk. und eine Ausgabe von 4356 Mk. auf; der K.asscn Vorrat betrug Ende vorigen Jahres 2596 Mk. Das alte Edcm Prof. Dr. Alois Musil in Olmfitz, der Entdecker des .Kalifenschlosses Aura, sendote an de Wiener Akademie der Wissenschaften eine von ihn! ausgeirbeitete ausführliche Karte des alten Edoiti. die erste Kart? dieses Landes überhaupt, und zeigte die bevorstehende Ausgäbe eine topographischen Werkes über dieses wicnig hekannte und doch so interessante Gebiet an. Professor Mus I hat dieses unwirtliche Land 11 den Jahren 1896. 1897. 1900. 1901 und 1902 bereist, und es gibt kaum ein Tal oder eine Ruine daselbst, welche er nicht kennt. Natur und Menschen kommen dort dem Wanderer gleich feindselig entgegen. Oben auf dem Plateau der Hochebene, in einer Höhe von mehr als 15.0!י Meter, friert man in der Nacht, andererseits gibt es Niederungen. 395 Meter unter dem Spiegel des Mittelländischen Meeres, wo die Temperatur bis auf 56 Grad Celsius in der Sonne stci't Dieses Land ist es. das Professor Mur i neu entdeckt hat. wodurch er der Geschichtsforschung e'nen wesentlichen Dienst geleistet hat. Demi einst war Edoni --- Idumäa. die südliche Fortsetzung von Palästina, ein mächtiges Reich, das in heftigen Kriegen mit den Juden seine Unahhänggkeit verlor. Von dem cdomitischeu Hafen Ezeongebcr ging Salomos Flotte nach Ophir. Der erste Hemdes war ein Idumüer. Später wurde das Land zu Arabien gerechnet, die Kreuzfahrer setzten sich dort fest. Ganz verfiel cs erst, da es seine Wichtigkeit als Verblnduiigsstrassc zwischen Acgypten. Phönizicn. Damaskus euerseits und Südarabien. Indien. Ostafrika andererseits verlor. Professor Musil ist de!» Spuren der Vergangenheit nachgegaiigen und wird in seinem Wtxke namentlich die Identität zahlreicher in der Geseh/eliic ver• 1 schieden bczoichneter Orte, Flüsse und Dinge nach weisen. ■ h % r