Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1904)
- Date
- 1904-03-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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) l No. 12. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 111 a'iesn an׳ der Saumseligkeit unserer Gesinnungsgenossen . Es ist wahr, das gerade Im rheinischen Kohlenbezirk so hochentwickelte? geschäftliche Leben ertötet mit scdnern Hasten und Treiben bei manchen* häufig den Wunsch, ein wenig seiner selbst idealen Bestrebungen zu widmen. Es darf aber keineswegs behauptet werden, dass die niederrheinischen Juden vollständig In den Wogen des Materialismus untergegangen seien. Allenthalben regt sich bei uns indisches Leben: Jüdische Jugendvereine, Turnvereine werden gegründet, dep Kolorrisationsvereinen wendet man lebhaftes Interesse zu, die sehr nützlichen Bestrebungen zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden gehen von Düsseldorf aus. kurzum, der Boden ist Wer ebenso fruchtbar wie anderswo — er muss nur beackert werden. Und da haperts. Eine ganze Anzahl unserer hiesigeil Gesinnungsgenossen spie'en im Leben der jüdischen Gcnicinden eine so einflussreiche Rolle, dass es ihnen nicht schwer würde, in erfolgreichster Weise für die Ausbreitung unserer Bewegung tätig zu sein. Mit der Gründung der Ortsgruppe ists auch hier nicht getan. Die Arbeit besteht darin, die Ortsgruppe lebensfähig zu machen. Das ist Aufgabe der örtlichen Führer, auch der regste Distrikisvorsitzende kann sich darum nicht kümmern. Seine Aufgabe beschränkt sich den bestehenden Ortsgruppen gegenüber im wesentlichen auf eine Kontrolle ihrer Tätigkeit. Diese Kontrolle muss allerdings in uubaruherzigster Weise ausgeübt werden, und. wenn cs nötig ist, müssen die ScliKiier auch etwas unsanft an ihre Pflicht gemalmt werden. Aber nicht dem Vorsitzenden des Distriktsbureaus allein liegt die Rolle des Schlafwagcukontrollcurs im D-Zug der zionistischen Propagandatätigkeit ob, mindestens ebenso wichtig ist die gegenseitige Kontrolle, die die Ortsgruppe einander zu widmen haben. Denn sic können eher als der in weiter Ferne wohnende Distriktsvorsitzen Je sich einmal bei der Frau Nachbarin nach ihrem Wohlergehen crkund:gen. (von welchen Kaifecvisiten man niemals nach Hause gelangt, ohne bewegliche Klagen über die Schwierigkeit, einen Redner zu bekommen, gehört zu haben.) Was das inner© Leben der hiesigen Ortsgruppen aulangt, so Ist es ratsam, zu den grösseren Veranstaltungen möglichst a*le jüdischen Gemeiudemftglieder in der hier allgemein übliehen Form der Benachrichtigung durch gedruckte Karten c rzuladen, m.t Ausnahme der bekannten jüdischen Reschoim, an denen nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren ist. Man sollte aber bei der Hinzuziehung Aussenstehcnder nicht so weit gehen, dass jede Grenze zwischen Vereinsmitglicdcrn und Nicbtrritglicdern verwischt wird. Man darf, nicht allen alles gewähren, was man-hat, nach dem richtigen Prinzip des alten Studentenliedcs: ״Was hilft mich nun mein Roscngärtchen, ׳wenn and’re drin spazieren gehn?“ So gestatten wir in unserer Ortsgruppe die Benutzung der Bibliothek mir'unsefn Mitgliedern. Denn da diese Institution noch nicht sehr grosse Dimensionen! angenommen hat, so wäre es ein Unrecht gegen unsere zahlenden Mitglieder, wenn wir ihnen durch eine Vergrösscrung der Zahl der Entleiher die Möglichkeit, ein Buch zu erhalten, beschränken würden. . Unsere niederrheinischen Gesinnungsgenossen sollten mehr, als es bisher geschehen ist, auf die Zuziehung der Frauen bedacht sein. Ihr zionistischer Wert liegt hicht nur in ihrer Tätigkeit für den Nationalfond, für die Bibliotheken, für die* persönliche Propaganda, durch ihre blosse Anwesenheit bei jeglichen Veranstaltungen und Zusammenkünften wirken sie Vorzügliches. Sie heben das Niveau einer jeden Debatte, und die Rauhbciuigkeit der antizionstischeu Redner steht in umgekehrter Proportion zur Zahl der anwesenden Damen. Wo an den Ufern des Rheins die zionistische Bombe (meist in Gestalt einer Klccscheu Rede) platzt, da gibt es zuerst einen Höllenspektakel. Darauf wird eine Ortsgruppe gegriindet. Sodann entsteht folgende Alternative: a. Die Gruppen* leiter schlafen — das fst schade, sowohl für den Zionismus: selbstverständlich, wie auch für den Antizionismus, denn er hat* nid,.s zu tun. b. Die Gruppenleiter arbeiten — das ist erfreulich, sowohl für den Zionismus, denn er breitet sich un* zwo'fe'haft aus, wie auch für den Antizionismus, denn eine ehrlich schaffende Gruppe übt immer einen objektivierenden und veredelnden Einfluss auf unsere Herren Gegner aus. s Harry Epstein. ©®®*8®®®©®®®®S® I ®©©®8® 3B©®®®® 38$$$® | Aus der Bewegung. | ®*®׳?®*®****#ז*®*®!®®®©!®®®©©®®®®®®®®©®®©» Berlin. Die Berliner Schekelblocinhaber werden hierdurch aufgefordert, die in ihren Händen befindlichen Schekelblocs sowie die eingegangenen B e t r ä g e s c h 11 e 11 s t e n s an Herrn J. H. W a g n e r, Prenzlauer Allee 9, einzusenden. Besonders die Herren Studierenden werden ersucht, dies noch vor ihrer Abreise von Berlin zu erledigen. * Der Vorstand der Berliner Zionistischen Vereinigung. jüdischen Künstler weit überragt, so ist er auch mehr als irgend ein anderer ein jüdischer Künstler im besten Sinne des Wortes. Wir meinen damit nicht seinen äusseren Lebensgang, der einen so beredten Ausschnitt aus der jüdischen Gcgenwartsgeschichtc gibt, sondern die jüdische Eigenart, die in ihm künstlerisch zur Geltung kommt. Auch seine Phantasie ist eine jüdische, seine Ideen sind geboren aus dem Geschick seiner Nation und aus dem schweren Leid seines Stammes. Aber er ist nicht der freie jüdische Künstler. Er ist der im Ghetto geborene Künstler des Ghettos. Freilich in ganz anderem . Sinne ein Ghettokünstler als jene Halbuaturen, die sich aus Schwäche ins Ghetto zuriieksehnen, weil sie in der Freiheit nicht aufrecht zu stehen vermögen. Das sind keine falschen und gemachten Tränen, die Lilien vergiesst, sondern starker Schmerz, den er darstellt, wirklicher, siarker Judenschmerz. Man vergegenwärtige sich seinen ״Sturm“ und den Tod, der aus dem schwarzen Segeltuch herausgrinst, oder gar seine Träne auf dem Eisen, die er beide den Liedern seines kongenialen ’Ghettobruders und Ghettokünstlers Morris Rosenfield gewidmet hat. Aber es ist keineswegs der Schmerz und das Leid, die den Grundton seiner Werke 'geben, sondern stolzes Selbstbewusstsein als Stammesstolzer Jude und unverwüstliche Hoffnung sind der kräftige Untergrund seines Künstlerschaffens. Und es ist unendlich bezeichnend für sein Denken und Fühlen, dass eine porträtartige Wiedergabe Herzlicher Schönheit in seiner ״Erschaffung des Dichters“ den Grundton gibt. Sein ״Gedenkblatt vom Golus nach Zion“, wo der kräftige jüdische Bauer mit seinem Joche •Rinder der strahlenden Sonne entgegenpflügt, sind die notwendigen lebens- und hofmungsfrehen Gegenstücke zu seinem ergreifenden Weiheblatt, das er im ״Sbornik“ Maxim Gorkijs den Märtyrern von Kischinew widmet. Seine Ex Libris sind zum grossen Teile Kunstwerke mit jüdischem Lebensinhalt, und in seinem Ex Libris Davis Trietsch ist eine ebenso feine und stolzbescheidene Kunst wie tiefe historische Auffassung verborgen. Dabei weiss der Künstler der Schönheit der hebräischen Quadratschriit immer treue Seiten abzugewinnen. Wer von. der schlichten Schönheit seines für Gorkijs ״Sbornik“ gezeichneten ״Vater und Sohn“ kein Verständnis hat, der wird freilich die intimen Schönheiten seiner Kleinkunst auch nicht verstehen. Aber wer in seinen kleinen Kanteai und Zierleisten schon unendlich viel der Schönheit und jüdischer Künstleroriginalität findet, der wird erst den votjen Genuss von seinen •Zeichnungen^ zu, Münchhausens ■PWPWH»## * ״!