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Jüdische Rundschau · 1904-03-18 · Heft 12 (18.3.1904) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 12 (18.3.1904)
Date
1904-03-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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-*- Seite HO. JÜDISCHE RUNDSCHAU._^ No. 12. nft der Bitte, diese ebenso ehrenrührige wie unverdiente Zurücksetzung zu beseitigen." Hierauf erging unter dem 28. Oktober 1903 seitens . des Generalkommandos des 6. Armeekorps, unterzeichnet v. Woyrsch, folgender Bescheid an Herrn Justizrat Feige: ״Das Immediatgesuch Euer Hochwohlge'boren vom 10. Oktober d.!.; betreffend die nicht erfolgte Beförderung Ihres Herrn Sohnes, des ehemaligen Einjährigfreiwüligen beim Feldartillerlc-Regiment v. Peiiöker (1. Schlösschen) Nr. 6, Emst F<fge, ist auf allerhöchsten Befehl 'dem Oeneralkommatido zur Prüfung übergeben worden. Nachdem diese Prüfung stattgefunden hat, talt das Gencralkommaudo Euer Hochwohlgcborcn ganz ergebenst mit, dass Ihr Sohn mir aus dem Grunde nicht befördert werden konnte, weil er den an einen Vorgesetzten zu stellenden Amorderuttgen nicht genügt hat." Dieser Bescheid war die Veranlassung zu dem zweiten Immediatgesuch, das unter dem 16. November abging und also lautet: ״Ew. kaiserlichen und köiiiglchcn Majestät spreche icli meinen untertänigsten Dank dafür aus, dass eine Prüfung incäicr Immediateingabe vom 10. vorigen Monats veranlasst worden ist. Wenn dieselbe nach der Zuschriit des hiesgen Korpskonimaiidos vom 28. vorigen Monats das Ergebnis gehabt haben soll, dass mein Sohn ״nur aus dem (!runde nicht befördert werden könnte, weil er den an einer Vorgesetzten zu stellenden dienstlichen Anforderungen riebt genügt hat," so verkeime ich Ce wohlwollende Absicht keineswegs, von welcher diese Zuschrift diktiert ist. Entspräche sie aber den ' Tatsachen, so würde mich der Vorwuri treuen, auf Grund unzureichender Information eine leichtfertige Beschwerde erhoben zu haben. Sie entspracht den Tatsachen arber nicht. Denn eine vervollständigte Prüfung meiner Vorstellung wird ergeben, dass seit Jahrzehnten in Preusscn nicht ein einziger Jude zum Reserveoffizier befördert wurde, dass som't eine grundsätzliche Ausschliessung stattfand, und dass für uns Juden der •Satz gilt: ״gleiche Pflichten, ungleiche Rechte." Einer lediglich persönlichen Zurücksetzung wegen würde ich nicht wagen, Ew. kaiserliche Majestät zu behelligen. Aber diese M/nderwertung trifit mich als Mitglied einer ganze«! Volksklasse. Das Gcneralkpmniando eines einzelnen Armeekorps ist bei dieser Sachlage auf Erteilung eines ausweichenden Bescheides angewiesen. Nur Ew. kaiserliche und königliche Majestät selbst haben' die Macht, die Befolgung eines Grundsatzes zu untersagen, welcher cCne Prüfung der etwa vorhandenen Befähigung von vornherein ausschlicsst und dadurch Jenen beleidigenden Charakter gewinnt, der mich zur Beschwerde zwingt. Wer mit Stolz Preusse ist, hat einen empSndlichen Sinn für Wahrheit und Recht; und er wird cs für selbstverständlich halten, dass dieser Sinn bei niemandem empfindlicher und stärker entwickelt ist als bei seinem Kaiser und König. De Zuversicht auf die Richtigkeit dieses Gedankens gibt mir die Hoffnung, dass meine Bemühungen nicht vergebliche sein werden, die Ursachen zu beseitigen, welche das bittere Gefühl entehrender Entrechtung erwecken." Auf dieses zweite Immediatgesuch Ist keine wehere Antwort erfolgt. ’ Es würde verfehlt sein, irgend welche Betrachtungen hier weiter auzukniipten. Aber die Nichtbcantwortung dieses zweiten Gesuches erhält ihre Bedeutung durch die Nichtbeachtung der Anfragen Eickhoffs durch den Kriegsminister. Der Frage, ob Juden in grösserer oder geringerer Zahl Offiziere werden, oder ob sie überhaupt nicht Offiziere werden, legen wir weniger Wert bei, da nur eine kleine Gruppe reicher Juden hierdurch getronen wird, aber cs ist ungemein bezeichnend für die Lage der Juden, dass der Minister es nicht einmal für nötig erachtet, die schwere Rechtsverletzung zu erklären oder zu entschuldigen. Freilich wird das Bild erst vollständig, wenn man bedenkt, dass jüdische Ingenieure kaum ncch bei nichtjiidischcn Gesellschaften Stellung finden und dass für liberale Stadtverwaltungen die Zugehörigkeit zum Judentum die Untaiiglichkeit zum städtischen Dienst in siel! sehlicsst. Die Juden werden daraus aber doch allmählich lernen, dass sic nichts von andern zu erwarten haben, und dass sie sich immer mehr Zusammenschlüssen sollten. Sch. L. Emil. * •לו Brief vom Niederrhein. Am Niederrhein ist seit etwa Jahresfrist der Zionismus eingezogen. Dass er so spät kam und dass er nicht überall sich so entwickelt hat, w ic es wünschenswert ist und verlangt werden muss, liegt nicht etwa an dem ״unfruchtbaren Boden", wie das altehrwürdige, bei den allzu bequemen Gruppenvorsitzenden so beliebte Sclilagwort heisst, sondern einzig und Litteraturbericht (Bücher der einschlägigen LUteratur, welche der Redaktion tugesandt werden, linden eingehende Besprechung E. M. Lilien. Sein Werk. Mit einer Ein- 1 e i t u n g von Stefan Z w e i g. Berlin und Leipzig: Schuster & Loeffl er. 1903. (347 S.) gr. 4 °. 10 Mark. Dass das Lebenswerk eines Künstlers in seinen jungen Jahren als Sammlung hcrausgegeben wird, mutet uns tim so sonderbarer an, je mehr wir uns gewöhnt haben, gesammelte Werke von Dichtern und Bildnern als das Denkmal anzusehen, das ihnen nach dem Tode errichtet wird, aus den Steinen, die sie selber geschaffen und behauen haben. Es ist um so bemerkenswerter, dass Liliens ״Werk" nicht den Abschluss einer Entwicklung. bedeutet, sondern die feste Grundlage zu einem noch Grösseren, das noch in die Erscheinung treten soll. Denn darüber kann kein Zweifel sein, dass Lilien zu den grössten der lebenden jüdischen Künstler gehört, und dass er doch noch lange nicht seinen eigenen Höhepunkt erreicht hat. Lilien ist ein Künstler, dessen Leistungen auf der : Wechselwirkung von Schwarz-Weiss beruhen, und es; ist fraglich, ob er als Farbenkünstler bestehen würde. Und doch ist seine Eigenart noch lange nicht durch ״Schwarz-Wciss" wiedergegeben. Denn unter allen I Schwarz-Weisscit vermag man ohne Weiteres einen Lilien sofort und sicher herauszufinden. Seine spezifische! Eigenart ist so unverkennbar, dass sic sich im Grössten ו wie im Kleinsten gleich scharf und individuell zeichnet, i Seien es Neujahrskarten oder Kongresskartell, das ״Tnigland“ der Liebe, oder die Grazien, die Rosenketten ן oder der Faun als Zierleiste, man wird unter Hunderten J von Sehwarzweisszeichmmgen unverkennbar die Liliensehe Hand und die Lilicnsche Phantasie herausfinden, j Denn gerade die reiche Phantasie ist es, durch die er seine ן Mitbewerber weit hinter sieh lässt. Das ist keine in den 1 Wolken schwebende, ausschweifende Phantasie, kein j weichliches Schw ärmen und kein dekadentes Stimmungshaschen, wie es dazu dient, gewisses seichtes Phrasen-! klingeln als modernste jüdische Poesie auszustaffieren. I nein, eine wirklich reiche Phantasie mit unendlich vielen i Ideen, die durch ihre einfache Nntürlichkeit beweisen, j dass sie wahre, echte Kunst sind. Und wenn Lilien | durch die Fülle und den Reichtum seiner Phantasie, durch 1 die Macht und Vielgestaltigkeit seiner Ideen, alle anderen 1 I *יי* J

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