Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1904)
- Date
- 1904-03-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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t. 3. Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Viertel jährlich 1 1• tfureh dt• Expedition׳■ a) In Berlin M. >,» b) nach auswärts M l,— C) für das Ausland M. I ja 1« Postabonnomenl M 1,25 b«l Samneibozug duroh dl• Ortsgruppe M. —ja Inserat« die viergespaltene Petitzelle 25 Pt. Inaeratonbolfaaon 15 M Organ der | Zionistischen Vereinigung cm für Deutschland. Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Perlag 3üdlsd1e Rundschau, fc. 0 m. b. h Berlin (1 54. Rugustslrasse (Ir. 49a, Sprechstunden: v. 4—6 Uh fMcntniliagz Redaktion: Dr. Heinrich lieewe. Berlin (IW. 10, üehrf.'tttrasse 14 15. Ö׳m׳r,cna1<f IF0־u1׳l<f P׳r wrrdn nur bei ,fWm . nt'c* י•זי Ric>a״»ri« tuffid<a No. 12. Berlin, 18. März 1904. 2. N'ssan 5664. IX. Jahrjran?. Die Nummern 13 und 14 der ,Jüdischen Rundschau“ werden In verstärktem Umfange und In einer besonders grossen Auflage erscheinen. Dafür wird In dir Pessachwoche keine Nummer ausgegeben. Juden beim Militär.; . Während die jüdischen Jünglinge auf den Schlachtfeldern Ostasiens ihr Blut daifir verspritzen, dass ihnen ‘ und ihren Stammesbrüdern der Aufenthalt in den um- : - strittenen Ländern gemäss den Prinzipien der Christ- , liehen Regierung des Russischen Reiches versagt wird, ז während sie für das Stiefvaterland, das sie nur unter- ' drückt und verfolgt, ihr Leben lassen, wird gleichzeitig ׳ im Westen Europas die Frage des jüdischen Soldaten 5 aufgeworfen. In Frankreich bedeutet ja die Wiederauf־ i ~ nähme der Dreyfussaffäre zugleich ein gut Stück Juden- } frage. Auch in Deutschland kann ja keine Debatte im j Parlament höhere Weilen schlagen, ohne dass nicht | Stöcker den Standpunkt des deutschen Christen und j Liebennann von Sonnenberg den des christlichen ’ Deutschen den Juden gegenüber klarstellen. Die Besprechung des Qehaites des Kriegsministers von Einem , gab, so fernliegcnd der Gegenstand ist, wiederholt Ge- | legenheit, den Juden verständlich zu machen, was die Vertreter des Christentums unter christlicher Gesinnung verstehen. _ Auch von freisinniger Seite wurde die Judenfrage angeschnitten. Die Vorgänge bei der .Reichstagsersatzwähl in Eschwege-Schmaikalden, wo der radikale- Antisemit Raab seine Wahl den Machenschaften der Freisinnigen Volkspartei verdankt, haben in dieser die [ Befürchtung wachgerufen, dass auch die reichen Juden; jetzt leicht früher abbspringen könnten, als man sie 1 völlig abschieben will und während man noch keinen j. pekuniären Ersatz gefunden hat. Um nun diesen Juden! ein wenig Honig um den Mund zu schmieren, fragte der f freisinnige Abgeordnete Eickhoff in einer langen Rede | mit vielem einschlägigen Beweismaterial, warum im deut- ן sehen lind speziell im preussichcn Heere die Juden ver- ן fassungswidrig zurückgesetzt würden. Denn darüber I besteht kein Zweifel, dass dem Juden, der sich nicht zum Meineid des erlogenen Religionswechsels versteht, oder nicht wie das ja vielleicht möglich sein kann — aus ' Ueberzeugung den Glauben gewechselt hat, die Beförderung auch nur zum Unteroffizier von vornherein abgeschnitten ist. Von der Behandlung, die jüdischen Soldaten im Allgemeinen zuteil wird, wollen wir schweigen — auch der Abgeordnete Eickhoff hat darüber geschwiegen. Viel wichtiger ist es aber, dass auch der befragte Kriegsniinister sich ausgeschwiegen hat. Er weiss ja, dass die Juden in Deutschland sich nicht der Verwandtschaft mit den Köckeritz und Lüderitz, den Krachten und den Itzenplitz rühmen können. Deshalb braucht man keine Rücksicht auf sie zu nehmen. Und die Befähigung zum Ofiiziersstandc haben in Preussen doch in erster Linie die Stammes- und Standesgenossen Jenes Herrn von Kleist, der in einer schweren Zeit der Kommandant von Magdeburg war. Die Antwort des Kriegsministers war nicht mit Schönstedtscher Offenheit Aber man hörte aus dem einen Satze seiner Rede, mit dem er auf die ausführlichen Reden Eickhoffs einging, deutlich und unzweideutig heraus, dass auch in Zukunft die Juden beim Kriegsniinister und beim Militär kein anderes Recht finden würden, als bisher. Und wie die bisherige Praxis ist, das mag inan aus zwei Eingaben ersehen, die der Vorsitzende des Breslauer Anwalts- Vereins, Justizrat Feige, an den Kaiser gerichtet hat, und die von der ״Breslauer Zeitung“ veröffentlicht werden. Diese Immediatgesuche lauten: ״Bres’au, den 10. Oktober 1903. Ew. kaiserlichen und körvglichen Majestät trage ich folgendes Gesuch vor: Mein ältester Sohn, Student der Rechte, Ernst Feige, hat vor wenigen Tagen bei dem Schics. FeldartiUcne-Regimcnt Nr. 6 v. Peuckcr den Dienst als Einjährig- Freiwilliger beendet. Die Beförderung zum Unteroffizier und die Befähigung zum Reserveoffizier ist von ihm nfcht erreicht worden, obwohl seine Führung tadellos war, und obwohl er seine Schuldigkeit in vollem Umfange getan hatr glecch seinen beförderten Kameraden. Aber er ist Jude. Ich empfinde diese Zurücksetzung um so schwerer, a’s!'ch selbst den Krieg gegen Frankreich mitgemacht, mir das eiserne Kreuz erworben habe und Offizier geworden bin. Der Stand, dem Ich angehöre. und die Achtung, welche ich geuiesse. gestatten mir, meine Ehre derjenigen jcdfcs anderen Vaters gleichzuachten, dessen Söhne der Aufnahme 'n den Offiziersstand für würdig erachtet werde:!. Es wäre nutzlos, wenn ich mich an eine andere hochstehende Person als an Ew. kaiserl. Majestät wenden wollte. Nur ein Wort Ew. Majestät vermag diesen Zustand zu hesdtigen oder zu erhalten, welcher eine ganze Volksklasse mit .der Schmach der Minderwertigkeit belastet. Als treuer Staatsbürger und alter Soldat wende ich mich an Ew. Majestät