Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651341-2651353--01121-2657956- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 103, &*1s) all[ dat Ankündigung. dass Dr. Kahn sprechen werde, hehrere ändert Personen, hauptsächlich Mitglieder. Dr. Kahn r? j *n. .׳*sündiger Rede über das Thema ..Zionismus und Orthodoxie , Serie Reist vollen Ausführungen fanden auch bei den zahl nach erschiwien Orthodoxen begeisterte Aufnahme. Der stunrasche Beifall wollte sich Rar nicht IcRen. Herr Dr. Kann beantwortete dann noch verschiedene an ihn Berichtete Frageii in völlig zufriedenstellender We'se. Eine Sammlung für den Nationalfond ergab 30,75 Mk. Später blieben die meisten Besucher mit Dr. Kahn noch eitrige ׳ Stunden Remütlich bei* samtnfcn. Herr stud. Lebowitz (Berlin) sanR unter Rrossem Beifall jüdisch-deutsche Lieder. Der schone Verlauf des Abends hat den Wunsch wachgerufen, Herrn Dr. Kahn bald einmal th ®Hier grossen Versammlung sprechen zu hören. e Heidelberg. Unter dem Vorsitz der Herren Sand, itied. Sichel und Direktor Oppenhehn fand hier am DonnerstaR. d. 25. v. M. die zweite und letzte öffentliche Versamm'unz dieses Semesters statt Herr Dr. med. Kalmus aus Lübeck hielt vor einem zahlreichen. Rrösstenteiis nichtzionistischen Publikum den angekündigten VortraR: ..Die Judenfrage im Lichte des Zionishhis". Er Ring von der noch vielfach geleugneten Existenz einer Jlidenfrage aus, legte ln klaren Worten die Mittel dar. mit denen man von anderer Seite an eine Lösung herangetretcii hi. Mittel, die sich sämtlich als untauglich erwiesen haben, di sie auf falschen Voraussetzungen beruhten. Nicht durch Wohltätigkeit, sondern auf sozial-politischem Wege müsse die .ludenfrage ihre Lösung finden: nicht Ge’d allein und der Wille Ciinos Einzelnen, sondern nur die nationale Idee, getragen vom Volk.;- Villen, sei im stände, eine rationelle Lösung herbeizuuihren. Die mit geschichtlichen Erwägungen untermischten Ausführungen fanden lebhaften Beifall. An der Diskussion, die fast 3 Stunden dauerte, beteiligten sich die Herren Dr. Kalmus. Sehr«- genheim. Pränkel. Dr. Abel-Musskraf. Frl. cand. med. Ooitein Che Debatte sank leider am Schluss auf ein tieferes Niveau, da ein nicht-jüdischer Redner, der mit den Zielen des Zioni: mus nur oberfläch’ich vertraut war. das soziale Elend 11r.serer östlichen Brüder in kränkender Weise darstellte. Obwohl m der Versammlung nur 2 neue Mitglieder gewonnen wurden, ist der Abend für die Ortsgruppe als ein guter Erfolg zu ho. zeichnen. : . י Rundschau. S3tSC23SÖ3aL Bel dem Zeitmangel, der Im Deutschen Reichstage chro- «lisch Ist. bleibt es anzuerkennen, dass selbst die hohen und höchsten Herren Zeit Finden, sich mit den Juden zu beschältigen. Die Etatsdebatten bieten dazu reichlich Gelegenheit. Da z. B. die Partei, die sich auf dem Wege von der JudenfreunJschaft weg befindet, das jüdische Geld noch nicht entbehren will, so hielt der Herr Eickhof! namens der Freisinnigen Volkspartoi eine speziell an das besondere geneigte Ohr einiger sehr reicher Juden gerichtete Anfrage an den Kriegsminister, warum Juden kehie Oifiziere würden. Er erhielt (Me von ihm gewünschte selbe deutliche Antwort, die $. Z. der Abgeordnete Bernstein bei seiner Interpellation wegen des Durchbruchs des Berliner Vertrags durch Unterdrückung und Rcclitloshaltung ׳ der rumänischen Juden bekam, nämlich — keine. Der Herr 1 Reichskanzler rechtfertigte die wieder in grossem Masstabc; gegen arme russische Juden betriebene Ausweisungspolitik 1 durch geistreiche Verspottung jener Mandelstämme und Silberfärben, die zum Dank für die Wohltaten, die sie von Deutschtum und Christentum im Mifttelalter empfangen haben, noch heute Träger deutscher Dialekte und deutscher Kultur im OsU sind. Anstelle des Kriegsministers von Einem erteilte dem Abz. Eickhoff der frühere Offizier Liebermann von Sonnenberg eine Antwort, die den Beifall aller fand, die am feinen Ton Freude habet!. Auch die Abgeordneten Stöcker und Krösell schnitten die Judenfrage mit Erfolg an. Stöckers Rede führte dann zu eenem sehr bezeichnenden Intermezzo, als er aus!Ohrte: In der Armee kann keine Disziplin gelten wie in Dresden. Dort sprach Herr Singer selbst von ״Schulbuben". (Heiterkeit rechts.) Ja, Buben aus der Ju'denschulc! (Stiir- 'misches Gelächter rechts.) Sie wollten eine Demokratisierung .. der Armee. Aber nur Persönlichkeiten begeistern die Armee. — Sk «oben für die Juden durch .Dick und Dünn. (Abg. Adolf Hoffmann ruft. Ihr Heiland war ja selbst ein Jude! Unruhe rechts.) Präsident Graf Ballestretn: Ich muss energisch bitten, die Zwischenrufe zu unterlassen.; * Abg. Stecker (förtfahrend): Das Ist wieder eht Maiigcl äil Menschen- und Weltkenntnis. (Grosse Hcftcrk. b. d. Soz.) Der Heiland War nicht Jude, sondern des Menschen Sohn. (Grosse Heiterkeit bei den Soz. Abg. Adolf Hoffmann ruft: Ich denke Quitos Sohn!) Präsident Graf ballestrem: Die Zwischenrufe fangen an sh zu werden, dass ich sie als Blasphemie bezeichnen muss. (Grosse Unruhe b. d. Soz. Lebhaft. Öeifail rechts.) .״Wir sind liier in unserer grossen Ueberzahl Christen, (Lebhaftes Brav״ ־־echts) und werden uns unsere Religion nicht verhöhnen lassen. (Andauerndes lebhaftes Bravo rechts und im Zentrum.) Der Reichstazs.nräsident hat völlig Recht, dass man rechteus nur die Religion der Minderheit verhöhnen und beschimpfen darf. Es wäre ja direkt jüdisch, dem Kleinen dasselbe Recht einzuräumen wie dem Grossen. Und dass wir in Prcussen. Gott lob. noch nicht so verjudet sind, das beweist die Freisprechung des Prinzen von Arenberg neben der ..Behandlung" des geisteskranken russischen Juden Sklärof! im Ge füngnis. Uebcrltaupt machen wir hierin aMzuleicht grosse Fehler. So haben wir bis jetzt das Deutschtum beurteilt rach Lessing, Hcider. Widand, Goethe. Schiller, Kant Und andern bürgerliehen Kreise;:, die durch Ihre kosmopolitischen Schriften den Freiherr» von Kleist moralisch vergiftet haben Magdeburg nach der Jeraer Niederlage in schimpflicher Weise den Frauzosen auszuliefern. Wir müssen beginnen unser Urteil über die deutsche Kuinirnation einigermassen zu revidieren, und wir werden nicht umhin können, als Masstab wirklich nationale deutsche Männer des Adels zu nehmen, wenn wir das Deutschtum würdigen wol’en. Männer wie Liebermaim von Sonnenberg und der Herr von Riepenhausen, nach ihnen müssen wir das Deutschtum beurteilen. Und dan.1 dürfen wir auch nicht das Christentum beurteilen nach solchen Ungläubigen wie Herder und Kanu wir würden sonst nicht zu einer richtigen Würdieung des Umstandes kommen, dass das Christentum genau so die Religion der Liebe Ist. wie das Judentum die Lehre der Rache. Nein, wir müssen In uns gehen, und die Religion der Liebe nur nach ihrem echten und unentwegten Vertreter, die ehemaligen Hofprediger Stöcker beurteilen. Denn an ihren Früchten sollen und müssen wir sie erkennen. Jedenfalls haben wir keine Veranlassung dem Deutschen Reichstage vorzuwerfen, dass er sich zu wenig mit dem Judentum« und den Juden hefasst. Nur der frühere Antisemit und jetzige Redakteur des .'.Vorwärts‘* Qradnauer fand selbstverständlich in seiner stundenlangen Rede kein Wort über die Juden. Er darf sich ja ..nicht zu erkennen‘‘ geben, da er die Irrtümer des Judentums abgeschworen hat, unt sich zu den Wahrheiten eines andern Glaubens zu bekennen. Die Judmexzcsse In Zablotow. ln Kolomea wurde in dem Prozess gegen die Teilnehmer an den Zablotower Exzessen das Urteil gefällt. Die Angeklagten Wakaluk. Finanzw'achaufseher .'kalski und Kriewiecki wurden freigesprocheo; zwölf Angeklagte wurden zu Strafen von fünf Monaten Kerker bis fünf Tagen verurteilt. Zum Kapitel ״Europäer und Asiaten*4 haben wir in vorder Woche die Mitteilung von der Ausweisung der Familien jüdtscher Aerzic aus russischen Gressstädten gebracht. Das klingt grotesk, phantastisch, schier unglaublich, so;;.iss das ״Neue Wiener Tagblatt* sich aus Petersburg ein Dementi schicken lässt mit folgenden Wortlaut: ״Die im Auslande vet breiteten Gerüchte von der angebliehen Ausweisung Angehöriger der nach dem Ktfegsschauplatze gesendeten jüdischen Aerztc aus Kiew bestätigen sich nach einer offiziellen Auskunft des ״Russij“ nicht. Das Blatt erklärt, dass die Regierung schon im Vorhin©'!! anordnete, das«,