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Jüdische Rundschau · 1904-03-11 · Heft 11 (11.3.1904) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 102. ______ jOÖtSCHE darauf aufmerksam, dass citi grosser Ye-ii der Misstimmiing «־st von westeuropäischen» Schriftstellern In die Zeitungen des Ostens gebracht Worden Ist Dr; Qoldbefg rügte noch einmal hächdtückiich das Vorkommen von Wohltätigkeitszionsmus in der A'vitation und schloss sich den Anschauungen des Rcf. an. Herr Estermanh warnte davor. Palästina zum tyrannischen Dogma zu machen. -- Es beteiligten sich noch mit kürzeren Ausführungen an der Debatte; lir. Jungmann, eand: phll. Baum, Br,. A..Hantke und Dr. uionemann. Dieser vertrat den schür!- stert Standpunkt: Man dürfe über die sachlichen Beschwerden der Charkower gar nicht disputieren, solange ein Verfassungbruch vorliegt. — Schluss der Versammlung 124׳ Uhr. Summiung für den Natianaliond. Berlin. Donnerstag, den 25. v. M., Distriktsversammlun*־ der Zionistischen Vereinigung im Andreasgarten. Andrcasstr 26. Referat von cand. med. Elias Auerbach über ״D!c Lösung der Judenfrage“. Anwesend ca. •10 Personen. Dis* kusslon: Herr Hirsch, Dr. Sonderling. Dr. Klee.!0 neue M'.tgüeder, Sammlung für den Nationalfond. Tilsit Auf Veranlassung der Akademischen Gruppe dei Berliner Zionistischen Vereinigung sprach im Wenigen Litteraturverein Dr. Z 10c i s tl ־ Berlin über ..Jüdische Renaissance”. Mit Spannung war dieser erste zionistische Vortrag erwartet worden und su hatte sich am Abend auch die gesamte Tilsiter Judenschaft Versammelt. Der Redner zeigte in seinen, den feinsinnigen Geschichtskenner verratenden Darstellungen, dass die Judenfragc stets ein Kamp! zweier Nationalitäten gewesen sei, schilderte dann das Erwachen des jiidisch-nationa'en Ciedankens und die verschiedenen Ausstrahlungen desselben: die kulturelle Hebung der Massen im Osten, die Hebung des Selbstbewusstseins der westlichen Juden, besonders aber die Wirkung auf jüdische Kunst u; J Litteratur. In der lebhaften Diskussion schnitt unser Redner gut ab. Der Erfolg blieb nicht aus: es meldeten sich gegen 16 Mitglieder zur Gründung einer Ortsgruppe, deren endgültige Konstituierung am 22 .1־. erfolgte. - Königsberg. Unser Purimfest in der Bürgerressource am 3. d. Mts. trug wieder das Gepräge eines weit über den Kreis der Vcteinigung hinausgehendtn allgemein jildschen Volks* festes, dem es trotz alledem nicht gebrach, an dem eigenartig intimen Zauber eines jüdischen Festes. Eingeleitet wurde der Abend durch die Bcgrüssuagsansprache des Herrn Dr. Hoppe, der Q'ne Parallele zog zwischen den drei jüdischen Bcfreiungsfesten, dem Chanukah. Purim und Pesach. und als Quintessenz des Furimiestes den Gedanken hinstellte. dass es Zeiten gebe, wo kluges diplomatisches Verhandeln der a’lein angezeigte Weg sei. der uns zum Ziele fuhrt. Alsdann wickelte sich das Programm ab und unsere Festkomm'ssion (FrL Moses. Herr Salzmaiui und Herr Arthur Cohn) bewiesen von neuem, was sie leisten können. Es wechselten in bunter Reihe Liea und Saitenspiel und besonders wirkungsvoll gestaltete sich darunter das von einem Knabenchor begleitete .,Scliir hattia- Al6t“ von Wolpjanski. Ferner führte ein beredter Impresario in seinem lebenden Wachsfigurenkabinett uns jüdischen Typen von Einst und Jetzt vor Augen (die beiden traubentragenden Männer aus der Titelvignette des ..Altneuland“. Ruth. Salome, eine Esthcrgruppe mit Haman und Achaschwerösch, auch die 3 jüdischen Musker aus dem tekaimten Gemälde, ferner Mandclstamm. Nordau, zuletzt auch Herzl). Dann überraschte uns Mbwapwa Jumbo. Häuptling a. D. aus Uganda, mit seinem Besuch und produzierte sieb mit seinem jüngst erkorenen heithaarigen Schätzlein vom Rhein in e'nern köstlichen Cake Walk. Endlich um Mitternacht schloss das Programm mit seinci Glanznummer, einem lebenden Bild aus ״Rischo» le Z«n“: Schnitter und Schnitterinnen laden das Korn auf den Erntewagen und singen dabei das Lied ..vom Brot“ von Watschawski. dann vereinigen sie sich zum Erntetanz.•) Der Abend war überaus gelungen und während die Jugend nach Sch'uss der Aufführungen froh das Tanzbein schwang, sprachen die Aelteren in den geschmackvoll orientalisch dekorierten Nebenräurmii dem reichen von den Damen der Vereinigung zu gunsten des Nationalfonds gespendeten Büffet zu. Das Fest brachte einen Nettoüberschuss von ca. 400 Mk.. desgleichen mehrere neue Mitglieder. Aus Breslau. Die hiesige Vereinigung hatte am Donnerstag. dem 18. Februar wieder eine grosse Versammlung und zwar zum ersten Mal im grossen Saale der Lcssingloge, Agnes- Strasse. Der Saal war trotz des schlechten Wetters gedrängt voll. Unser Redner war Dr. Jur. Samtny Gronemann (Hannover). Seine mit Sarkasmus gewürzten Ausführungen, begegneten allen uns bekannten Einwänden vollständig. Die Gegner waren Herr stud. Spitz und stud. Dienstfertig, beides echte Judo-Germanen, die deutsche Kultur eingesogen haben, von einer Jüdischen Kufnir und sogar schon von einer , ׳■ •) Damit sollte aber!acht der falsche Eindruck hervorgerufen werden, als würde in Rischön-le-Ziön wirklich Getreide gebaut RischOn ist auf Phwtagen־(W$ln*)Koioni$ UNDSCHAU. “*י No. IE etwa entstehenden Jüdischen Kultur ßlchii wissen oder wissen wollen, und d'e nur sich als Juden erst dann fühlen, wenn ein Gemetzel wie Kischlnew und Hornel an Ihren Glaubensbrüdern, deren Glauben sic nöta bene gar nicht glauben, verübt wird. Herrn Gegnerschaft basiert auf 3 Gründen. 1. einem politischen. 2. ein gofühlsmässigät und 3. einen Wissenschaft- Jchen. Mit dem letzten beginnend, führt er als Vcrteidiamgsgeschiitz Moritz Lazarus resp. seine Definition dos Begriffes Nation an. Die Jüden haben weder eine eigene Sprache noch ist Aussicht, dass eine Sölche entsteht: tmd nur die Sprache stempelt eine Gemeinschaft zti einer Nation. Heri Sp'tz hat allerdings nicht bedacht, das Lazarus sein Werk bereits Anfang der 80er Jahre herausgegeben hat, dass die Begriffe! längst anders geprägt worden sind, dass zu einer Natkrtf mehr als Sprache allein gehört, eine gemeinsame Abstammung und Sitten* und Kulturgemeinschaft. Ferner sa»zt Herr Spitz weiter ganz richtig, dass das massgebendste das Gefühl ist. Gewiss, wenn Herr Spitz und seine Gefühisgcnosen nicht jüdisch fühlen können, so ist doch das aber nicht massgebend für das Vorhandensein oder Nichtsein einer jüdischen Nation. Heri Spitz hätte bu seiner gründlichen Gegnerschaft doch etwas gründlicher sein dürfen. Denn wenn wir das Gefühl massgebend betrachten, müssen wir. da die M c 11 r z a h I der Juden eben jüdisch fühlen und sich zu einer jüdischen Nation bekennen, eine solche unbedingt anerkennen. Eine weitere Frage würde dann für Herrn Spitz in Betracht kommen, ob nämlich die Nation wu'tcr leben soll oder ob es nicht besser wäre, sie ginge unter. Auf die Möglichkeit und Ausführbarkeit dieses Mittels gehe ich gar nicht ein. Herr Sp. begeht den Felder, in den auch so viele unserer Gegner verfallen, dass er itänilieh die ganze grosse sich über alle Länder erstreckende Judenfragc nur als e!11e deutsche Judenfragc ansieht. Auch die politische Ausführbarkeit unseres Projektes scheint ihm ganz unmöglich. Nun. ich meine, wenn wir es ins verhältnismassig so kurzer Zeit verstanden haben, offizielle Verhandlungen mit regierenden Staaten und Weltmächten in die Wege zu leiten, wenn cs uns gelungen ist, mit dem Sultan über das Projekt überhaupt nur verhandeln zu dürfen, ich meine also, dass schon diese Tatsachen beredttgte Hoffnungen für die Ausführbarkeit in uns erwecken müssten. Herrn Dlenstfertigs schlagfertige Entwände gipfeltet! auch zum grössten Teil in dem hier Vorgebrachten. Es antworteten ihnen beiden recht geschickt und mit bekannt ganz vortreff* lieber geistreicher Ironie der Referent selbst und in überzeu* gender Form auch Dr. Sandler. Herr Dr. Neustadt ..suchte wied er die Diskusston auf das nötige. Mass von Objektivität zu bringe 11“ kam sogar am Abend selbst den Zionisten ii; seinen Ausführungen sehr entgegen, erzählte die schöne Anek• dote Mandelstamms mit dem Arzte, um allerdings in seinem ..objektiven" Berichte in seinem Blatte mit um so grosserer Nonchalance aus dem Zusammenhang gerissene Sätze de;» Vortragenden seinen Lesern vorzusetzen. Herr Dr. Gronemann schien diese Objektivität am Abend selbst geahnt zu haben, denn er bedankte sich schon damals für dieselbe, und wiederholte das. was Herrn Dr. N. schoi: mehr als einmal gesagt wurde, dass es uns!nicht genügt, wenn man unsere Bestrebungen in schonen Worten anerkennt, sondorn wir verlangen von jedem Einzelnen Mitarbeit an unserem grossen schweren Werke. Die hochinteressante Diskussion zog sich bis in die späte Nachtstunde hinein und verschaffte uns w oder neue Mitglieder. Res Nationalfonds wurde selbstredend auch gedacht. Die nächste grosse öffentliche Versammlung wird am 27. März im grossen Börsensaale stntriindcn und zwar ist es uns gelungen, als Vortragenden Herrn Elias Auerbach, Berlin zu gewinnen. Der Erfolg wird hoffentlich auch da nicht aushleihen. Tr. Gross-Strchlitz. Anfangs Februar beehrte unsere hiesige Ortsgruppe Dr. Ku r rei n ־ Teplitz. mit seinem Vortrage: .,Jude sein, heisst Zionist sein.“ Durch die feurige Rede dieses altehrwiirdigen Herrn Rabbiners wurden alle Anwesenden begeistert. Seine Ausführungen wurden mit Interesse und Beifall aufgenommen. Das Resultat war ein ausserordentlich befriedigendes. Die Hälfte der Oemcinde wurde unser. Zur anderen Halite wird uns Hoffentlich demnächst Herr Dr. Klee oder Dr. Zlocisti verhelfen. Nationalfondertrag 16 Mark. Hamburg. 5. März 1904. Sonnabend hatte die hiesige Ortsgruppe die unverhoffte Freude. Herrn Dr. Leopold Kahn-Wien begriissen zu können. Herr Dr. Kahn, der zu geschäftlichen Zwecken in Hamburg weilte, war erst am Donnerstag eingetroffen: es war daher wegen Zeit- und Lckalmangels utnnöglieh, one Versammlung kn grossen Stil zu veranstalten. Trotzdem $rKhf$nen im regelmässigen Versammlungslokal (Tuche!•

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