Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1904)
- Date
- 1904-03-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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gelt 96., ~~.י _ JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 10. 'T ' י־־״.־■ ""־' ״ 1 "־' " - haus), Stlbeg und Lebowitz ab. Das Lied ״Dort, wo die Geder“ wurde gemeinschaftlich gesungen. Erfolg: 48 neue Mitglteder, Sammlung für den Natfonalfond. sxsssosssssssc Rundschau. Russland, Russland Uber alles, über alles ln der Welt. K'schinew, 24. Februar. Am Vortage des Prozessbeginncs bcschied der Gouverneur die Vertreter der Judengememdc zu sich und belehrte sie, es sei ihre patriotische Pflicht, sich mit grossen Geldspenden an Sammlungen für militärische Zwecnc zu beteiligen und ihre Guthaben in der Reichsbank nicht zu kündigen. Die Juden hielten dieser Tage einen grossen Bittgottesdienst für den Sieg der russischen Waffen ab, inzwischen fand ein patriotischer Umzug der christlichen Bevölkerung startt, wobei Hochrufe auf den Redakteur des ״Bessarabet«.“ Kuschtwan ausgebracht und zahlreiche Fenster in den jüdischen Wohnungen zertrümmert wurden. (N. Fr. 'Pr.'» Der. Herr Gouveritcur Urussow, der ״Judcnfreuud•* * v;c er sich nennt, ist ein noch viel ״humanerer" Mann als d>.r Herr von Raabeit, sein Vorgänger, auf dessen Befehl in Kisch * new alles drunter und drüber ging. Er zwingt die Jud.m zu jenem Knutenhurrahpatriotismus. der als patriotische Kundgebung nachher das ״Berliner Tageblatt“ ziert. Achtzig jüdische Aer/te aus russische Städten sind freiwillig nach Ostasien auf den Kriegsschauplatz geeilt, um ihrer Liebe gegen das Stiefvaterland durch werktätige Hilfe Aus* druck zu verleihen. Soweit haben sic echt jüdisch gehandelt. Aber Russland ist durchaus nicht verjudet, sondern ist ein christlicher Staat. So sendet es denn ausserdem Massen von Militärärzten, selbstverständlich jüdische nach Ostasien. Dazu teilt man uns entsprechend ähnlichen Meldungen von in Russ* land erscheinenden Blättern von zuverlässiger Seite mit. dass an die 'vierzig Familien jüdischer Aerzte aus Petersburg, Moskau, Charkow׳ und Kiew ausgewiesen werden, w:e11 sie durch die Entsendung der Familienväter zur russischen Armee tn der Mandschurei, das Recht verloren haben, ausserhalb des Ansiedelungsrayons zu w׳ohnen. In hüfsbereTien Kreisen der deutschen Juden wurde bedauert dass die barbarischen Ausschreitungen gegen die Juden der marokkanischen Ortschaft Stat nicht sofort gemeldet wurden, ״obw'ohl mehrere Schulen der Alliance in der Nähe liefen.“ Es verhält sich damit folgendermassen: Am 17. Dezember erfolgte der Ueberfall m Stat. Die ersten Berichte des Direktors der'Allianzschule in Casablanca, der sich« wie gemeldet, unserer verfolgten Brüder aufs tatkräftigste angenommen hat, datieren vom 22. und 27. Dezember. Sie beruhten auf unsicheren Nachrichten, die sich später zum Glück als übertrieben hcrausstelltcn. Erst am 17. Januar, als die grosse Masse der Unglücklichen, die sich zuerst nach a’len Seiten zerstreuten, in Casablanca anlangte, konnte ein den Tatsachen entsprechender Bericht abgesandt w־crden, der der Alliance eine genügende Unterlage bot. um sich an die Oeffdntlichkcit zu wenden. Briefe von Casablanca nach Paris brauchen 10. auch 14 Tage. Wenn übrigens in dem Berichte der Alliance das w׳armherzige Verhalten des englischen Konsuls hervorgehoben wurde, so sei der Gerechtigkeit halber nachträglich bemerkt, dass er als Doyen zugleich im Namen der übrigen Konsuln handelte, die den Verfolgten ebenfalls ihre 50'111^זדל bezeigten. Freisinnig - antisemitisches Techtelmechtel Aus Kassel geht uns nachstehendes Privattelegramm zu: Der Vorstand der Freisinnigen Volkspartei veröffentlicht in der Eschweger Zeitung folgende Erklärung: für die Stichwähl wird keine Parole ausgegeben. Den Parteifreunden bleibt es anheimgestellt nach eigenem Ermessen zu handeln. Damit dürfte der Sieg des Antisemiten Raab gesichert sein. Denn neben dieser offiziellen Neutralitätserklärung geht im Wahlkreise ein recht offenkundiges direktes Eintreten freisinniger Männer für den antisemitischen Kandidaten her. Der in . Schmalkalden erscheinende freisinnige Thüringer Hausfreund bringt in seinem redaktionellen Teil in Form von Eingesandtes, Berichte über antisemitische Versammlungen, in denen geradezu Reklame für die antisemitisch-agrarische Kan- ־ didatur gemacht wird. Raabs Ausführungen werden als sehr gemässigt und sympathisch bezeichnet, und von einer Ver- Sammlung in Kleinschmalkalden heisst es, an dem lebhaften Beifall, der Raab zum Schlüsse seiner Ausführungen gezollt wurde, beteiligten sich auch die anwesenden Freisinnigen, die auch wohl •ohne Ausnahme der Auf'adcrung des Redners nun zur Stichwahl alles Trennende zu vergessen und einmütig den Kampf gegen die Sozialdemokratie zu führen, wie cs auch im vorigen Jahre geschehen sei, Folge leisten dürften. Ferner geht uns das Witzcnhäuser Kreisblatt zu. In dem aus Niederhorn berichtet wird: Raab wies auf die unwürdige und brutale Behandlung hin, w'elcbc die Freisinnige Volkspartei und ihr Führer, Har Eugen Richter, bei den Obstruktionskämpfen im Reichstag van den Sozialdemokraten zu erdulden hatte, er erinnerte auch daran, dass der freisinnige- Kandidat. Herr Merten, erfreu- Mcherwieise. genau wie auch die Redmr der deutsch-sozialen Partei, erklärt hätte, dass er und seine Partei im Falle der Stichwahl.unter allen Umständen gegen die Sozialdenmkratie Stellung nehmen werde. Die Ansprachen fanden bei den anwesenden Mitgliedern aller bürgerlichen Parteien lebhaften Beifall. Mit grosser Einmütigkeit erklärten alle, insbesondere auch einige freisinnige Herren, dass sie mit ihren Stimmen dazu beitragen wollten, dass ebenso, wie hei allen früheren Stichwählen der Ansturm der Sozialdemokraten durch die Einigkeit und Vaterlandsliebe aller rcichstreuen Wähler auch diesmal abgeschlagen werden wüicb. Die Hamburger freisinnigen Vo'ksparteilcr erachtete•! bei ihrer letzt:!! Generalversammlung einen besonderen Bcschiuss zu gunsten des Sozialdemokraten für überflüssig, weil man es nicht nötig habe, den Parteifreunden in Eschwege-- Schmalkal - den noch das Gewissen zu schärfen. Jetzt erhalten sie die Antwort von ihren Faruiireuiidui. Natürlich sind die Agrarier und Antisemiten in! siebenten Hinmiel. Das schlimmste agrarische Organ Pommerns, die* Fürstentümer Ztg. in Köslin, versichert der ,.Richtersehen Gesellschaft■‘ ihre Achtung. ״Die konservative Partei weruc stets solche wahrhaft vornehme Gesinnung zu schätzen wissen, und sich dem ehrlichen Gegner erkenntlich zeigen.“ Und die Deutsche Volkswacht des Herrn Hirschcl in Öiienbach. die \cn allen antisemitischen Blättern das Schimpfen an! beste:! versteht, findet auf einmal Worte der Anerkennung für die ..ehrliche Richtung der freisinnigen Parteien, die freisinnige Volksparte!." So klappt alles. Die Zentralleihmg der freisinnigen Volks- Partei, die. durch eir.cn energischen ״guten Rat“ alles hätte ins Lot bringen können, schweigt. Die Leitung der freisinnigen Volkspartei im Wahlkreise ״stellt anheim“. D e Freisinnigen in den einzelne:! Orten des Wahlkreises fraternisieren mit den Antisemiten und Agrariern. Und die Antisemiten und Agrarier selbst triumphieren. Hepp! Hepp! Hurra! H. v. G. (Berliner Zeitung.) y.!C| Hans und der Judb. (Wendisches Volkslied aus Kumerau.) 1. Dort wo die schweren Wagen fahren Kutschieren auch die schönen Mädchen. 3. Im ersten Wagen Zucker, Farbe, Im andern Wagen Samt und Seide: 5. Im dritten Wagen schönes Hannchen, Hans hat ein Rösslein, zwei der Jude. 7. Der dessen Rösslein läuft am besten, Des Hänschen» Rösslein läuft am besten. 9. Der wird schön Hannchen auch bekommen. Schön Hannchen .wird den Hans bekommen. 11. Hans hat ein Ringlein, zw׳ei der Jude, Der Jude zwei, ein Ringlein Hänschen. 13. Der, dessen Ring am schönsten klinget. Der wird schon Hannchen auch bekommen. 15. Des Hänschens Ringlein klingt am schönsten. Schön Hannchen wird den Hans bekommen. Leopold Haupt und Johann Ernst Schmaler: Volkslieder der Wenden in der Ober- . und Nicder-Lausitz. Th. 1. Grimma 1841. Seite 152. (Dort auch der wendische Text.)