Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1904)
- Date
- 1904-03-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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JL No. 10. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 97: I ־ Kleine Chronik. | Die Pet!t!ooskem2s!ss!oa des Abgeordnetenhauses erledigte am Mittwoch Abend eine Anzahl Petitionen. Eme Petition jüdischer Lehier und Vorsänger wünscht, dass der § •I des Besoldungsgesöfzes von 1897. wonach das Gehalt, welches Christliehe Lehrer aus der Kirchenkassc beziehen und mstpensjonsberechtigt ist, auch auf sic Anwendung findet. Die Petition wurde, soweit es sich um die den Wünschen der Petenten entsprechende Aenderung des Gesetzes handelt, der Regreruig zur Erwägung überwiesen. Friederike Kcropner +. Ein gutes jüdisches Herz hat zu schlagen aufgehört. In vergangener Woche verschied aut ihrem schlesischen Besitztum Friederike Kempner. die weit über die Grenzen ihrer Heimatsprovinz hinaus durch ihre vielfachen Bestebungen für allgemeine Interessen und als Dichterin — als solche vielleicht mehr durch ihr grundgiittges Wollen als Köntun — sehr wohl bekannt war. Verschiedene ihrer gemeinnützigen Anregungen fielen auf fruchtbaren Boden, wusste sie doch auch Kaiser Friedrich für einige derselben zu interessieren. Unter ihren im Druck vorliegenden SchöDiungen fcefndct sich auch ein jüdisches Drama .Jahel”. in ihren. Nachlass dürften sich vielleicht noch einige jüdische Dichtungen befinden. Interessant ist, dass sie. da ihr die üblichen jüdischen Gebete in deutscher Sprache nicht gefielen, sich selbst ein Gebetbuch verfasste, aus dem sic stets betete. In den ktzten Jahren ihres Lebens war sie leider erblindet und konntc sich nicht mehr so wie früher allgemeinen Interessen widmet׳.. Sie wäre sonst wohl — bei der ganzen Art ihres jüdischen. Denketis und Fühlcns ist das anzunchnien — sicher auch eine der unseren gewesen, sind dcch auch ihre Schwester und Schwagerin In Breslau, die mit so vieler Liebe an der Verstorbenen hingen, gute Zionistinncn. H. Sch. Das Dekanat der theologischen Fakultät an der Wiener Universität hat aus den Erträgnissen der Lackcntucherschcn Universitätsstiftung ein Rcfsestipendium ausgeschrieben, das zur wissenschaftlichen Erschliessung Palästinas und dadurch zur Vertiefung des Bibelstudiums verwendet werdin soll. Das •1000 Kronen betragende Reise- Stipendium soll vorzugsweise an Dozenten, Supplenten oder ausserordentliche Professoren des Bibelstudiums verliehen werden, kamt aber auch an einen katholischen Prkster zur Auszahlung gelangen, wenn er dc!1 sonstigen Bedingungen entspricht. DI« Judenexzesse von Zahlotow. Aus Kolomea wird uns telegraphiert: In dem Prozess wegen der Judenexzesse in Zablotow wurden bisher 29 Angeklagte verhört, die sämtlich, leugnen. Heute werden die Hauptanstifter. Findnzoberamsehcr Skalskä und Grundbesitzer Krzywick'r, vernommen. Aus Kolomea. 27. d., wird telegraphiert: Während des Prozesses wegen der Judenhetze in Zablotow erschien plötz- Hch der Präsident des Lembergcr Oberlandcsgerichts Tchorznicki Belm Zeugenverhör sagte der Gendarm Orzech aus dass die Judenhetze planmässig vorbereitet war. da schon an den grünen Feiertagen Gerüchte über beabsichtigte Exzesse gegen Polen und Juden verbreitet wurden. Die Judenexzesse bei Zablotow. Vor einem Senat des Czernowitzcr Landesgerichtes hatten sich heute mehrere Insassen des Ortes Piedckutz be: Zablotow wegen Hausfriedensbruches und Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit zu verantworten. Angeklagt waren: Michailo Prinkowski. Ambrosi Bodnar. Pedor Charyna. Petro Fedorak und Georgi Lepkau. Seit mehreren Monaten wurden den jüdischen Einwohnern von Piedekutz und Umgebung in der Nacht die Fenster zertrümmert, die Exzedenten drangen in mehrere Wohnungen ein und bcschädigten die Möbelstücke. Die Bewohner der erstürmten Häuser mussten flüchten. Der Gerichtshof unter Vorsitz des Landesgerichtsrates Olinski sprach alle Angeklagten schuldig und verurteilte Prinkowski zu einem Jahre schweren Kerkers, . verschärft mit einem Fasttag monatlich. Bodnar zu sieben Monaten, Charyna, Fedorak und Lepkan zu k Acht Monaten schweren, verschärften Kerkers. — Morgen beginnt vor dem Erkenntnisgericht Kolomea die Verhandlung gegun mehrere Bauern, die in Zablotow selbst Judenexcesse veranstaltet hatten, Paris, 29. Februar. Der Untersuchungsrichter hat Ein- Steilung des Verfahrens gegen den Armenier Louban verfügt welcher kürzlich einen Anschlag auf Max Nordau verübte. Louban ist nach einem ärztlichen Gutachten für seine Tat nicht verantwortlich zu machen, er wird in eine Irrenanstak übergeführt werden. Damit findet die Sache ihren Abschluss. Aber nicht vergossen ist damit die perfide Art eines patcntiert-fromnxn Blattes, das den Fall Louban benutzte, um die jüdische Volksbewegung ats die Brutstätte von Mordtaten zu ernennen. Es wäre doch zu schön gewesen, wenn Louban Jude und Ziorrst wäre. - Das ״Bukarester Tageblatt** schreibt: Aus Russland kommende Reisende berichten, dass seit dem Ausbruch des lussisch-japanischen Krieges die jüdische Bevölkerung des russischen Reiches in fortwährender Angst lebt, da sie den Ausbruch neuer und blutiger antisemitischer Exzesse befürchtct. Die Ursachen dieser Besorgnis sind verschiedener Art. wurzeln aber in erster Reihe in der Konstatierung, dass in Russland Strassenbewcgungcn Vorkommen, die Russen der niederen! Volksschichten Ausschreitungen gegen die Juden begehen. Da diese Erfahrung richtig ist, so haben die Juden tatsächlich Grund zur Furcht, da niema’s noch die Strassenbewegungen so gross gewesen sind, wie letzt zur Zeit des Krieges. Man befürchtet, dass ein noch so geringer Anlass ein schreckliches Blutvergiessen zur Folge haben könne. In Bcssarabien. wo die jüdisehe Bevölkerung noch mehr unter dem Eindrücke der im vergangenen Jahre vorgekommeuen Greueltaten steht. ׳ ist die Panik am grössten. Die russischen Behörden scheinen übrigens diesesmat den Ausbruch der Judenverfolgungen verhindern zu wollen, da sie strenge Sichtrhcitsmassregclu ergriffen, und den Zeitungen verboten haben, gegen die Juden zu hetzen. Immerhin werden die Juden doch nur so weit geschützt, als der ..Staatskredit“ dessen bedarf. Aber es gibt noch immer reiche Juden in Kischinew und ni Deutschland Juden, die Russland durch den Erwerb seiner Papiere unterstützen. ־22! Nationalfond. Zentralstelle für Nationalfond: Dr. med. Robert Hantlie,? BERLIN W. 57, Manstein-Strasse 1. Bei der Hochzeit Simon- Mannheim — Dr. M o d e l - Endingen durch Julius Simon gesemmclt .... 26,40 Mk. Die provisorische Ortsgruppe in Gelsenkireben anlässlich der Vorträge von Dr. Walter Friedemann und Jngenieur Kaufmann . . 2,— , Dr. med. A. Jonas- Mühlheim-Ruhr. Anstatt Bukett zur Verlobung von Frl Hermine H e i m a n n und Herrn Stein. 2,— ״ Dr. J a c 0 b i - Königsberg anlässlich der Genesung seines Vaters 10, ״ ״ Marta Finkenstein -Breslau. . 3, — ״ Conrad Kais er-Berlin aus seiner Sammelbüchse . . 1,15 ״ Auf der Schlusskneipe des Vereins jüdischer י Studenten zu Berlin am 23. 2. 04 gesammelt 5,— ״ Frau Anna H er zfe Id. . 1,— ״ In der Hasmonaea gesammelt. . 2,20 ״ Durch stud. med. Unna. . . .־.״ 0,45 Stud. med. Unna: Durch nächtliche Strussenbcteuchtung sauer verdient. . 7,— ״ Einige Berliner Toynbeehallenfreunde im Cafe Austria.17,— ״ Durch Frau Archenhold -Berlin: Sammelbüchse des Pensionates Archenhold Lessingstr. 0.96, Für vom Meister Be rnfeld erteilte Schachstunden 4,70 11,66 ״ Aus Heidelberg: monatliche Sclbstbcsicuerung J. E. 3,-, E. G. S. G. 2,-, M. M. 3,-, Frl. B. S. 4,—, M. S. 8,—.zus. 16,— ־״ Dr. Simonson-Schöneberg: gratuliert zum fünf* undzwanzigjährigen Schriftstellerjubiläum von Elieser Be n j eh ud a •Jerusalem. . 2,— ״ (L.) Ins leere Portemonnaie eines ״Kuli" . . . . . —,05 ״ (L.) Für eine Nummer der ״Rund schau" mit einem _ Protokoll.—,25 ״ (L.) Brüder Loeve anlässlich der Jahrzeit ihrer Eltern Louis und Berta Loewe ......... . 7,— ״ ‘Summa 114,16 Mkl Natlonalfondmarken sind gummiert bei Dr. med. Robert Hantke, Berlin W. 57, Manstelnstrasse 1 erhältlich. Zur Eintragung des Herrn Dr. Klee Ins Goldene Buch. Sammlung bei einer Gesellschaft am 20. 2. bei S a ra b u r s k y Königsberg.. 53,10 ״