Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1904)
- Date
- 1904-03-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Efrrliif. Architekt Marmorek aus Wien spricht nicht Sonnabend, den 12. d. M., sondern Sonntag, den 13., vormittags II Uhr, in den Germania-Festsälen, Chausseestrasse 103. Ein unvorhergesehener Zwischenfall macht die Aenderung nötig. Vollzähliges Erscheinen unserer Freunde und wirksame’Propaganda für die Versammlung wird erwartet. Sollte sich die־ Vörmittagsstunde als geeignet erweisen,' werden wir häufiger Sonntags-Versammlungen veranstalten. Tilsit. Bericht Über die Gründung einer Ortsgruppe Tilsit. Am Mittwoch, dem 2*1. Februar 19fR abends 8V. Uhr. versiJmmeKen sich in dem von dem Vorsteher der tresigen Gemoinue. Herrn Stadtrat Glaser, gütigst bewilligten Sitzungszimmer der Repräsentanten ungefähr 16 Damen und Herren, um die Gründung einer Ortsgruppe zu beschlossen. Hin provisorisclicr Vorstand wurde gewühlt. Es wurde dann fernerhin beschlossen, in der nächsten öffentlichen Sitzung (mit Vortrag urd Diskussion) den Vorstand definitiv zu wählen und das Statut durchzuberaten . 1 Königsberg L Pr. Die hiesige Zionistische Vereinigung hielt am 22. d. Mts. in der Bürger-Ressource eine öffentliche Versammlung ab. auf welcher Herrn Dr. med. Zlccisti-Bcrim in lV-stündiger Rede über ״Die Leitgedanken in der jii.lischc1: » Geschichte des 19. Jahrhunderts“ sprach. Redner zeigte, wie die treibenden Faktoren in der Entwickelung des Jahrhunderts, dis wachsende Uebcrzeugung von dem Wert der Masse und die technischen Fortschritte, an den Juden, die bis dahin einen Staat im Staate*) gebildet hatten, nicht spurlos vorübergingeil, und dass die Juden hierbei, wahrend sie d e allgemeine Bewcgung niitinacluen. ihrerseits noch eite spezifische Bewegung durchmachten. näm’ich die — in der Emanzipation formell zur Durchführung gelangte — Assimilation vom Ghettoiudcn zum Staatsbürger und die — an der ״Reiorm“ (Geizer. Holdheim. Schkiermacher) angestrebte — Wandlung des Judentums zur blossen jüdischen■ Konfession. Viele führte diese Bewegung zum Abfall vom Judentum, die erosse Masse aber blieb nicht nur unberührt, sondern hatte an innerer Kraft nur gewonnen. Denn die Juden waren seit dir Auiklfmmgszeit Kulturmenschen geworden, sie hatten in der Emanzipation wieder ihre Staatbildenden Anlagen entdeckt, in sich entdeckt, hatten durch die ״Reform“ es gelernt, dass die Betonung der grossen re’igiösen Grundsätze und nicht die buchstäbliche Beobachtung rabbinischer Vorschriften die Hauptsache sei, überhaupt bewiesen, dass Judentum undKultur durchaus miteinander vereinbar seien. Und so musste bald die Epoche folgen, in der sich das Bcdiirfnis nach einer Revision der Judenfragc fühlbar machte; das war die Zeit des ..sogenannten“ Antisemitismus und die Zeit des Zionismus. Beide Erscheinungen sind von einander unabhängig und es ist nach Ansicht des Redners unzutreffend, den Zionismus als eine Folge des Antisemitismus hinzustellen. Beide bezwecken die Lösung der Judenfrage und sehen das alleinige Heilmittel in der gänzlichen Separation. Von grossem Interesse war in diesem Zusammenhang die Ehrenrettung Treitschkes, den Redner als einen Manu von durchaus libera.’en Anschaumigen bezeichnete. der von Mommsen steh nur dadurch unterschieden habe ,dass Mommsen der Uebcrzeugung war. dass die völlige Assimilation der Juden zu erwarten sei. wührend Treitschke annahm, dass eine Assimilation deswegen ausgeschlossen sei. weil die Juden sich nicht assimilieren wollten, da rhnen bei Ihrer schrankenlosen Betonung Jener nationalen Anschauungen von Freiheit und Gleichheit, denen s:e die Emanzipation zu danken hatten, jedes Verständnis abglnge für den Gedanken der deutsch-nationalen Tradition. In der Diskussion fügte Herr Rabbiner Dr. Perles ct- Uche Ergänzungen hinzu, erklärte im übrigen aber mit den Anschauungen des Redners sich einverstanden und wies darauf hin. dass Hem an jüngst ln der evangelischen Kirchenzeitung beträchtliche Klage darüber geführt, dass die Judcn-Mission Infolge des Zionismus Immermehr zurückginge. Mannheim. (Zionistische Ortsgruppe.) In gut besuchtem öffentlichen Diskussionsabend behandelte unser Gesinnungsgenosse Herr Ludwig Goetzl das Thema; ״Jüdische Abschliessungsbcstrebungen“ und verstand cs. durch süne interessanten. von einer selbständigen und praktischen Auffassung unserer Lage ln Deutschland zeugenden Ausführungen den Hörerkreis zu fesseln. In der auf ebenso hohem Niveau, wie der einleitende Vortrag stehenden Diskussion sprachen die Herren Stadtverordnten Levl. Julius Simon und Dr. Moses. Das Schlusswort des Referenten klang aus in ein warmes Bekenntnis und einen begeisternden Aufruf zum Zionismus. •) Hier liegt wohl ein Missverständnis vor. da Redner eine solche unzutreffende Behauptung nicht aufgestelit haben kann. (Red.) Im jüdischen Literaturverein in Ludwbtshafcn a- Rlt. sprach Herr Julius Simon von hier über ״Die jüdische Renaissancedichtung“. Freiburg L B. Auf Veranlassung unserer Ortsgruppe »)rach am 20. Februar unstr Freund Dr. Dannenberg fn Müllheim I. B. Nach den zündenden Worten des Redners und nach — dem noch verschiedene Gcmeindenrtgliedcr sich in begelsterter Weise für den Zionsmus ausgesprochen hattet*, wurde aus der Mitte der Versammlung der Antrag gestellt, eine zionistische Ortsgruppe im Müllhelin sofort zu gründen. Der neugegründeten Ortsgruppe schlossen sich 29 Mltgtleder an; die zu ihrem Vorstand die Herren Adolf Hei man- Maycr-Sommcr und DavidHlrsch May e r wählten. Bei dem regen Interesse, welches die Anwesenden für den Zionismus bekundeten ist zu hoffen, dass die neue Ortsgruppe eine gute' Arbeitsstätte für den Zionismus werden wird. Mülhausen I. Eis. Iin Verein für jüdische Geschichte und Liteeratur zu Mülhausen hielt am Mittwoch. 24. er., unser Gesinnungsgerosse .und Mitglied des Strassburger Distriktsbureaus, Herr Stadtrat Dr. Alfred Elias einen Vortrag über .,JüdischePhilanthropieundSelbsthilf c“. Ucber3CO Damen und Herren waren erschienen, die den Worten des Referenten mit allgemeinem Interesse lauschten. Redner schilderte Jie trostlose Lage des jüdischen Volkes, seine moralische und materielle Not. die grenzenlose Armut und wirtschaftliche Existenzunfähigkeit. Alle philantropischen Be- Strebungen, die zum Ziele hatten, die jüdische Frage auf dem Wege der Wohltätigkeit zu lösen, slr.d als völlig gescheitert nnzuselien. Dr. Elias zieht das Fazit der jahrzehntelangen Arbeit der Alliance israclite. Letztere erfreut sich unter den Juden des Eisass einer grossen Popularität; man glaubt hier noch allgemein, dass die Alliance des Allheil- und alieinseligmachende Mittel in der Judenirage sei. Demgegenüber stellt Dr. Elias fest, dass d e Alliance trotz ihrer guten diplomatischen Beziehungen nicht einmal imstande war. auch nur die grösseren Katastrophen von den Juden des Ostens abzuwenden, und dass sie mit ihren Schulen, wie sie selbst eingestehen muss, nichts wesentliches erreicht hat. und erreichen konnte. Da die Taktik der Alliance also eine unrichtige ist. und nie zu einem gesunden Resultat führen kann, muss sich jeder der logischen Forderung der Zionisten nach nationaler Selbsthilfe anschliessen. Redner entwickelt d3nn in verständlicher und ansprechender Form das zionistische Programm. Als besonders interessante Tatsache betonte er. dass als einer der ersten ein elsässischer Jude, namens Frenke!, dessen Broschüre Dr. Elias im Mülhausener Stadtarchiv auffand. für das jüdische Volk eine gesicherte Heimstätte auf nationaler Basis verlangt hat Mit treffendem Spott zeichnete Redner die Gegner der Bewegung, welch diese zuerst totschwcreen, dann verlachen oder bewitzeln wollten. Dem bekannten Witz jener Juden, der gerne Botschafter Zions in Paris werden wollte, ginge es wie den alten Jungfern, die mit zunehmendem Alter auch nicht gerade besser würden. Der Zionismus sei eine Lösung für die gesamte jüdische Frage. Auch die Juden des Westens werden durch Gesetze, die der Uneingeweihte nicht als Ausnahmegesetze erkennt, wie Zivil. Zoll. Presse. Steuer urd veterinärpolizciliche, in ihrer wirtschattlichcn Entwickelung gehemmt. Dazu kommen in letzter Zeit die Rrirfeiscnkasscn. welche dfem indischen Zwischenhandel den Todesstoss versetzen wollen. Alle diese Faktoren haben cs 1r.'t sich gebracht, dass die jüdische Bevölkerung des Eisass. trotz der relativ starken Einwanderung aus Alt-Deutschland, seit dem französischen Kriege um mehr als 8000 abgenommen hat. Dr. Elias sch'oss mit einem warmen Appell an die Zuhörer. sich der zionistischen Bewegung anzuschliessep. Der grosse Beifall, der seinen Worten folgte, galt nicht nur den trefflichen, geistreichen Ausführungen, sondern sollte wohl auch ei! kleiner Tribut der Dankbarkeit sein füs seine rastlose Tätigkeit zum Wohle der jüdischen Gemeinde Mülhausens. Dr. D. Hamburg Die zionistische Ortsgruppe Im grossen Saale des Konzerthauses, Hamburg, ein Purimfest, das von etwa 600 Leuten besucht w׳ar. Grosse Anziehungskraft hatte die Anki'mdigimg ausgeübt, dass Herr Dr. Klee die Festrede halten werde. Mit gewohnter Meisterschaft entwickelte Klee das zionistische Programm; er wandte sich mit seinen Ausiührongen nsbesondere an die Orthodoxen. Der Rede gingen ein Klaviervortrag des Pianisten Salomon. Gesangsvorträge des unter Leitung von Frau Dr. Michelsonn (Thea Moll) stehenden jüdischen Dameiichors des Kantors Lichtenstein des stud. phil. Lebowltz (Berlin) und des Herrn Silberberg voraus. Den Besch-'uss machten wiederum Lieder, gesungen von Herrn Lebowitz und dem Damenchor. Dann wurde getanzt. Eine Kaffeetafel vereinigte zum Schluss noch fast alle Erschienenen. Ansprachen der Herren Dr. Lcvy und Ref. David wechselten mit Vorträgen der Herren Stettner (vom Deutschen Schauspiel-