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Jüdische Rundschau · 1904-03-04 · Heft 10 (4.3.1904) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 10 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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# No. 10. ■״!*■׳ד״״-ו*. JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 94. " ..' * "' " * " '׳ ״״*־״ . ־ 1 .־ 1< r <f1> ■ wenn die Juden sich nicht daran gewöhnen, auch im Spenden von Wohltaten, namentlich, wo es sich um Unterstützung von Zwecken und .Unternehmungen, die von hier aus unkontrolherbar .Sind,*) wandert ..das .deutsche Geld ins Ausland, während Jüdische Anstalten in Deutschland, von deren segensreichen Wicken.sich iederraan durch den Augenschein leicht überzeugen ׳kann, nicht beachtet und immer noch nicht genügend unterstützt werden. — .Und wie steht es nun *gar in Galizien und Russland?—.Noch weit wichtiger als in Deutschland Ist die Erziehung zu Handwerk und Bodenkultur unter den Juden, nament'ich zur Bodenkultur, ־in Galizien und Russland. Die Lage der Juden in diesen Ländern sowie In Rumänien ist der* art, dass ein grosser Teil, um, Im wahren Sinne de« Wortes nicht zu verhungern, zur Auswanderung gezwungen ist. Der grösste Teil der Auswanderer hat sich bislang nach England, Kanada und nach den Vereinigten Staaten gewandt. Letztere beiden Länder, sowie England für seine Kolonien, haben einen unlimitierten Bedarf an Landwirten und Landarbeitern. Die bisherigen Auswanderer waren grösstenteils Hausierer, Schnei* der etc., die sich fast ausnahmslos In den grossen Städten 7.11• sammenpferchten und ein freiwilliges Ghetto bilden. Dort be* halten sie die unter dem furchtbarer». Druck in ihren Heimatsländern angenommene Lebensweise bei, die den Engländern und Amerikanern nichts weniger als sympathisch ist. IM!na־: auch ihre Beschäftigung für die betreffenden Länder als nicht nutzbringend erachtet, namentlich, da sic au solchen Orten, wo sie in einigen Berufen, wie Schneider, Kürschner etc. massenhaft auftreftn, die Löhne herumerdriieken, und eilig: borene Arbeiter verdrängen, so wird voraussichtlich die Ein- Wanderung dieser Elemente mehr und mehr erschwert werden. Abgesehen von dem Gefühl der Menschlichkeit, sollten wir schon aus Egoismus alles tun, damit ein möglichst grosser Tc:l der russischen und galizischen Juden für die Bodenkultur er* zogen, also so zu sagen exportfähig gemacht wird. Da die,* bei Erwachsenen sehr schwierig, ia meist aussichtslos ist, muss bei •den Kindern begonnen werden. Die Haupt-Hilfsaktion in Russland und Galizien sollte darin bestehen, an al’en Schulen Handfertigkelts- und Gärtenbauunterricht c'mzuiührcn, und einen Teil der schulentlassenen Jugend in einigen Jahren dann in den praktischen Arbeiten der Bodenkultur weiter auszubiiden. Junge Burschen von 14—■16 Jahren, w־c!che die Kraft und Neigung für Landwirtschaft haben, finden in den Vereinigten Staaten und in Kanada jederzeit leicht Arbeit. Dr. Bernado in Xondon, der in dem dicht bevölkerten Teil der Stadt Stepney sowie in der Nähe Londons eine grosse Anzahl verlassener und verwahrloster Knaben erzieht, schickt diese im genannten Alter ־meistens nach Kanada, wo sie gern aufgenommen werden. Wenn Junge Leute drüben ein paar Jahre auf dem Lande gearbeitet und die׳ dortigen Verhältnisse kennen gelernt haben, körnten sie ihre Angehörigen hinüber kommen lassen, um mit diesen gemeinschaftlich eine Farm zu bearbeiten. Es wurde zu weit führen, mich darüber zu äussern, welche Länder ausset den Vereinigten Staaten, Kanada und anderen englischen Kolonieen bei der Auswanderung der osteuropäischen Juden noch i״ Frage kommen können. Ausser Palästina, Syrien etc., sind gewiss in bester Absicht, in letzter Zeit K1 e i n a s i e n, *owle die an der anatofischen und der Bagdad- Bahn belegenen Ländeieien, Cypern und Ostafrika zwecks, Kolonisation in Vorschlag gebracht worden. Einige, wenn nicht alle , diese genannten Länder sind wahrscheinlich zur Kolonisation .geeignet, aber nur solche Personen, die sich auf Gärtnerei; oder Landwirtschaft verstehen, können noch weniger ln einem fremden Lande, mit einem ganz anderen .Kh׳ma und anderen Kulturen als in ihrem Geburtslande, in diesen Berufen Ihr Fortkommen finden_Bevor Geld für derar- ,tjgtv manchmal. in den rosigsten Farben geschilderten Koioni- Tsaikmspläne;bewilligt .und von wohlwollenden Juden hergegeben wird, sollte man sich überzeugen, nicht allein, ob diese *)*.Ist״?woh!;•die mC h a lu k.a h“׳ gemeint! Berichte wahrheitsgetreu und nicht gefärbt sind, sondern vor allem, ob geeignetes Menschenmaterial vorhanden Ist. Als Grundlage einer feden Kolonisation sollte man nicht das Land, in weichem, sondern das Menschenraaterial, mit dem kolonisiert wird, betrachten. Andernfalls bleibt zu befürchten, dass die Leute aus ihrem alten! Elend in ein noch grösseres neues geraten. Ais Rückwanderer werden sie ־dann an Leib und See'c gebrochen zuriiekkehren, wie wir sie fa leider schon häufig gesehen haben, oder sie ־werden in der neuen Hohnat elendiglich hinvegeticren und fortwährend an die Hilfe der westeuropäischen und amerikanischen Glaubensgenossen appellieren. Geschieht unsererseits nichts, um In rationeller Weise einem Teil der russischen und galizischen Juden zur Auswanderung nach überseeischen Ländern 'zu verhelfen, so werden diese trotz Grenzsperre zu uns kommen, denn Hunger kennt keine Grenze, und wenn auch ein Tel von ihnen von Grenzwächtern erschossen werdet; sollte, so werden sk doch noch allzu zahlreich den Weg über die Schranken finden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch besonders davor warnen, ausländische oder inländische arme Studenten, die Landwirtschaft studieren, wollen, ohne sich vorher durch Feld- und Gartenbau die nötigen praktischen Kenntnisse erworben zu haben, durch Stipendien oder in anderer Weise zu unterstützen. Solche jungen Leute, deren ich verschiedene in letzter Zeit keimen lernte, linden nach Vollendung ihrer Studien nur schwer eine Stellung, und wenn sie später a’s Lehrer in einer jüdischen Acke^auschule augestellt werden, üben sie dadurch einen nachteiligen Einfluss auf die Zöglinge aus, indem sie ihnen zu viel theoretische und zu wenig praktische Kenntnisse beibringen. Uni aber zum Schlüsse auf Deutschland nochmals zurückzukommen, so wiederhole ich meine Mahnung: ״Lasst uns alles, was in unseicn Kräften steht, tun, um die heranwachsendc Jugend vom Klein- und Hausierhandel fern zu halten! — Lasst cs unser Bestreben sein, ihnen in der von mir erwähnten Weise Ercude an der Natur und Neigung zu körperlicher Arbeit anzuerziehen. Lasst uns einträchtig mit unseren christlichen Mitbürgern darnach streben, möglichst viele unserer Knaben, die sieh dafür eignen, zu Männern heranzubildcn, die als tüchtige Handwerker dazu beitragen können, die hohe geachtete Stellung, die Deutschland heute im Kunsthandwerk, und in der Industrie einnimmt, zu wahren, oder durch Fleiss, Intelligenz, durch intensive Bebauung dem heimatlichen Boden möglichst viele Früchte abzuringen und uns dadurch vom Auslände mögliehst unabhängig zu machen, — zu ihrem eigenen Wohle, zur Ehre des Judentums, zum Wohle und zum Segen des Vaterlandes!“ — ©®®*©®®®©©©©©®©!©©J®**®®*©®©*®****®5®*** | Aus der Bewegung. § ®*®׳®®®®*׳*1©©!®®**®ז®©®®*®®®®©©©©®!©®®©®®®® Berliner Zionistische Vereinigung. Am Montag, dem 7. März 1904, abends 9 Uhr, findet ln der Theerbusch’schen Ressource, OrarJenburgcrstr 18, ein Purim-Kostümfest statt, das als Frühlingsfest des Schlcmlds gedieht Ist. Zur Auffiihrung wird die tragische Oper ״Di? Afrikancrln oder Wer Ist 8erccht?“ gelangen Mwapwa Jumbo, Chaskel der Schreiber, Ch:1!m Jcssel, der politische Wochenschauto, der Parnes von Pinne bei Neustädtl und sein Schammes, ein Herero, ein tebeadlger Bondelzwart und andere Repräsentanten dltr Menschheit haben ihr Erscheinen ur.d ihre tatkräftige Mitwirkung zu״csazt. , Eintrittskarten ä Mk. 1,50 sind ln der Expedition der ״Jüdischen Rundschau", Auguststrasse 49a I (4—5 nachmittags) zu haben. ■ Berlin. Mittwoch, den 9. d. M., abends 9 Uhr. , spricht in einer Distrikts-Versammlung im Vereins- Haus, Köpenickerstrasse 62. Dr. Klee über: ״Die Lösung der Judenfrage. ״ Unsere Mitglieder werden i dringend ersucht, ihre nichtzionistischen Bekannten auf | diesen Vortrag aufmerksam zu machen. י . i ג ( \ (

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