Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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> _ JÜDISCHE RUNDSCHAU._־ '־ Seite 87. «a taRnchen Orten fflr sie sprechen. Er bitte Jedoch die Herren« ihre Meinung darüber mitzuteilen. Kaufmann hat manches an den neuen Blocks auszusCtzejn. Die alten seien unter einer Form in der ganzen Welt verbreitet gewesen. Jetzt unterscheiden sich die deutschen von den übrigen. Aach sei der 3fachc Betrag zu hoch, um auf einmal einkasskrt zu werden. Dr. Bodenhelmer bemerkt, dass die Blocks auch einen anderen Modus zulassen; man könne Schekel-, Landes- und Ortsgruppenboitrag auch einze’n ernziehen. -׳״־ WolHsohn beantragt, man solle von federn Juden einen Schekpl annehmen, ob er Zionist sei oder nicht; wenn er nur wisse, wofür er seine Mark hergebe. Dem widerspricht Dr. Bodenhelmer auf das allerentschiedenste, indem er als Mindestnorm für die Annahme die Erklärung des Schekelzahlers voraussetzt, dass er der zionistischen Bewegung sympathisch gcgenüberstche und durch seine Zahlung mitwirken wolle. Es sei jedoch nicht nötig zu prüfen, ob der SchekeJzahler ki allen Punkten auf dem Boden des Programms stehe. Dia Presse. Kaufmann berichtet, dass sehr viel über das persönliches Vorgehen der jüdischen Presse geklagt würde. Man müsse die Klagen abzustcllcn suchen. Es entspinut sich hierauf eine lebhafte Debatte über unsere offizielle Presse und schliesslich spricht die Versammlung den Wunsch aus, detn Presskomitee gegenüber, dass der Ton der Presse noch vornehmer werde und auf die verschiedenen politischen und religiösen Anschauungen der Mitglieder mehr Rücksicht genommen werde. Zugleich bemerkt Dr. Bodbnhefmer, cs sei die Pflicht a'ler federgewandten Zionisten, mitzuarbeiten.*) Hierauf teilt Dr. Edelstein der Versammlung mit, dass das Distriktsbureau in Mannheim die Absicht habe, einen Propagandak a 1 e n d e r in einer Auflage von 60 000 Exemplaren zu drucken, wolle aber vom C. C. eine Garantie von 2500 Mark. Dagegen sagt WolHsohn. wir könnten eine solche Garantie nicht geben, Nach einer kleinen Debatte spricht sich die Versammlung gegen eine Veranstaltung in dieser Form aus. weil nicht zu erwarten sei, dass der angenommene Absatz erzielt werden ktnne. Natfonalfond. Dr. Bodenhelmer macht die Mitteilung, dass auf Anregung der Frau Marcus-Florenz der Versuch gemacht worden sei, die Büchsen in Deutschland dem Nationalfond dienstbar zu machen. WolHsohn •ist der Ansicht, dass man d;e Büchsen wohl einführen könne, und er fordert zugleich die Versammlung auf. die Nationalfondmarken mehr zu gebrauchen. Er schlägt vor, dass jede Ortsgruppe ein Depot im Betrag von 15 Mark halten solle, und jeder Vertrauensmann sich bemühen solle, möglichst viel Büchsen anzubringen. Dr. Bodenhelmer möchte das letztere zum Beschluss erhoben wissen. . Er macht ferner auimerksam auf den Vertrieb vor, Aktien. Dieser sei intensiver zu gestalten durch Ausgabe von Büchelchen mit Depotscheinen. Er kommt dann noch auf den nationalen Begriii zu sprechen, der bei unserer Agitation oft als Schlagwort gebraucht werde. Es beständen über diesen Begriff so viel Widersprüche soibst unter den Zionisten, dass es eine Pflicht der Selbsterhaltung sei, bei unserer Agi-־ tation den nationalen Gedanken nicht in den Vordergrund zu stellen, solange wir uns nicht völlig klar seien über Bedeutung und Inhalt dieses Begriffs. Erst wenn wir eine Definition festgestellt hätten, könnten wir erklären, er sei Inhalt des zionistischen Programms. Well fürchtet bei Zurückstellung dieser Frage würde der Zionismus ein verschwommener Wohltätigkeitsverein. Es müsse vermieden werden, den Zionismus zu verschleiern und verwässern. Dr. ßodenhejmer präzisiert seine Ansicht noch einmal. Er habe nicht sagen wollen, man solle über det» nationalen Begriff einfach schweigen. Er sage nur, solange der Inhalt des Jüdischen Nartionalbegriffs nicht offiziell festgclegt sei. sollte -!ran m Öffentlichen Versammlungen den nationalen Bcgrifi nicht in den Vordergrund stellen. Innerhalb der Ortsgruppen stehe nichts im Wege, dass sich die Herren aussprechen und aufklären. Nach einem Appell an die! Anwesenden, die Propaganda nunmehr energisch ln die Hand zu nehmen, wo man es bisher daran habe fehlen lassen, schliesst Dr. Bodenhamer abends um 7 Uhr 30 Minuten die Versammlung. K. •) Die Redaktion schliesst sich diesem Wunsche lebhalt an, und erhofft als Resultat dieser lebhaften Debatte auch 1..1!- t., u• v. .\sm.lot von Mzt ab Beiträge zu erhalten. B r Rundschau. >ltoy»)iC0Q).coo> tssagsaagesaggss Berlin. Der Jüdische Turnverein ״Bar-Kochba“ veranstaltet am Sonntag, dem 28. d. Mts., einen geselligen Abend in den Königssälen, Neue KÖnigstr. 26. Vonrag des Herrn Dr. Julius Moses über Jungjüdische Dichtung (mit Rezitation). Nachher Tanz, deklamatorische Vorträge u. s w. Gäste willkommer- Anfang 8 Uhr. Ela gutes Synagogengesetz muss die Taufe befördern, so denkt in Sachsen der Oemeindckirchenrat Pank. Die Erste Kammer, beschäftigt sich mit dem schon erwähnten Gesetze über die jüdischen Religionsgemeinden. Nach einer Darlegung des Gemeindekirchenrats Dr. Pank wird das Gesetz folgende Konsequenzen haben: 1. Bisher konnte unter den mangelnden gesetzlichen Be- Stimmungen ein Jude auch unter 21 Jahren in die Christliehen Konfessionen aufgenommen werden. Das sei in Zukunft ausgeschlossen. 2. Während bisher der zum Christentum übertretende Jude sich nur beim christlichen Piarrer zu melden brauchte, so hätte er in Zukunft seinen Religionsbeamten aufzusuchen und ihm seinen Abfall vom Judentum anzuzeigen. 3. Konnte bisher eine jüdische Witwe, welche Christin ward, ihre Kinder ohne weiteres zum Christentum hinübernehmen, so wird ihr dies fortan verwehrt sein, wenn nicht der verstorbene Vater ausdrückliche Bestimmungen in dieser Richtung getroffen hat. Auf den Antrag des eben genannten Mitgliedes der Ersten Kammer wurde der Gesetzentwurf zu nochmaliger Beratung an die Deputation zurückverwiesen. Man sieht, auch Harr Pank hat Bedacht darauf genommen, dass Purim vor der Tür steht. Das jüdische Schulwesen in Württemberg sieht sich schweren Sorgen gegenüber. Eine Abordnung des ״Israeli«־ sehen Lehrer Vereins“ wurde von Kultusminister Dr. v. \Veiz־ säckcr behufs Ueberreichung einer Petition in Audienz cm־ pfangen. Infolge des rapiden Rückgangs der Seelenzahl israelitischer Landgemeinden stehen mehrere israelitische Volksschul- Stellen vor der Auflösung, und mangels neuer Stellen droht den Lehrern der betreffenden Schulstellen im besten Mannesalter wenigstens vorübergehende Zuruhesetzung. Die Petition macht deshalb Vorschläge, wie durch anderweitige Organisation die betreffenden Lehrkräfte im heimischen Schuldienste Verwendüng finden oder in den ausschliesslichen israelitischen Kirchendienst (als Vorsänger und Religionslehrer) übernommen werden könnten. (Abänderung des Art. 53 des Israeiitengcsetzes vom Jahre 1828.) Der Minister versprach, die vorgebrachteu Wünsche in wohlwollende Erwägung zu ziehen.. Russische Aerzte hielten ln Petersburg den Plrogowkoagress ab, vor welchem auch die Judenfrage im Zarenreiche besprochen wurde. Die Ergebnisse dieser Debatten wurden in folgender Resolution zusammengefasst, und zwar auf einstimmigen Beschluss: 1״. Der Pirogowkongress lenkt die Aufmerksamkeit auf den Schaden und auf die Gefahr, welche aus der künstlichen Konzentration der Juden in den Städten und Städtchen Westrusslands erwachsen, und erachtet cs für notwendig, den Juden das Recht der Freizügigkeit einzuräumen. 2. Der Pirogowkongress erachtet es als schädlich und gefährlich, kranken Juden den Aufenthalt auf dem flachen Lande, in den Sommerfrischen in den Sanatorien und Kurorten zu verbieten.“ * . Ferner protestierte auch der Pirogowkongress gegen die Beschränkungen, die bei der Aufnahme jüdischer Aerzte in die Dienste der Gemeinden bestehea, durch folgende Re- Solution: - •.־׳•־ ״ ןDer Kongress erachtet es als der Gemeindeinstitution und X