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Jüdische Rundschau · 1904-02-26 · Heft 9 (26.2.1904) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
– (sequence 18)
Language
German
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der angcstcllten Aerzte unwürdig, Beschränkungen aufrecht , zu erhalten, welche durch nationale und religiöse Vorurteile hervorgerufen sind.“ ־ * * Der russischen Regierung und namentlich dem Minister Plehwe war diese Kundgebung unbequem und sie verbot daher die Veröffentlichung dieser Beschlüsse des Pirogowkongr^ses. Marokkanische Juden. Die Befürchtungen, die man wegen eines Angriffs auf das Judenquartier von Marrakesch hegte, waren zum GIGck nicht in vollem Masse begründet; der Angriff konnte abgeschlagen werden. Dennoch ist die Lage der Juden wie in Marrakesch. so auch in Fez und Mequinez, äusserst beunruhigend, da infolge der anhaltenden Unruhen die Preise der Lebensmittel ungewöhnlich hoch sind. .Die Zahl der Juden in diesen 3 Gemeinden beläuft sich auf ca. 30000. Die reicheren Juden von Fez zeigen sich sehr wohltätig, sind aber trotz Anspannung aller Kräfte nicht imstände, dem Notstände zu steuern. Die Alliance Israelite Universelle hat 5000 Franken zu Unterstützungen übermittelt. . Was die ganz herabgekommenen Flüchtlinge aus Stat betrifft, so hat die Alliance ihnen in der Sitzung vom 3. Februar 10000 Franken bewilligt und konnte noch 10000 Franken hin* zufügen, die ihr von einem befreundeten Wohltäter für den* selben Zweck übergeben wurden. | Kleine Chronik. | Zur Begründung eines neuen Lehrstuhls an der Berliner ״Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" hat die , Gattin des verstorbenen Geh. Kommerzienrats Louis Simon Alk. 100,000 gestiftet. Man mag über den bisherigen Wert der Lehr* anstatt denken, wie man will, so viel ist siener, dass sie uni •so eher für die Wissenschaft des Judentums etwas leisten wird, je mehr sie Mittel hat. Gelehrte zu honorieren. Als ein ausserordentlich erfreuliches Zeichen ist es aber zu begrüssen, das schon zum zweiten Male in so kurzer Zeit eine so grosse Stiftung für einen jüdisch-wissenschaftlichen Zweck gemacht . wird Sollte auch nur der Gedanke an Apologetik das treibende Moment sein, so ist auch die Erkenntnis von unschätzbarem ‘Wert, dass man auch diese nicht blos an Outsider überlassen 'soll.־ Es wäre zu wünschen, dass die Berliner W-Juden sich «in Beispiel nähmen. Die Stelle eines Assistenzarztes im jüdischen Krankenhause zu Posen wird am I. April d. J. frei. Das Gehalt beträgt bei vollständig freier Station 900 Mark jährlich. Meldungen sind bis zum I. März 1904 unter Beifügung von 7eugnissen ״an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde Posen" zu richten. Vorgezogen werden Bewerber, welche die mikro* *kopischen Untersucnungsmethoden beherrschen und schon .in anderen Krankenhäusern tätig gewesen sind. Die Rendsburgcr Retlgionsschule, welche nur 4 Kinder zahlt, erhält von der Stadt einen jährlichen Zuschuss von .500 Mark. Der betreffende Lehrer unterrichtet auch in Flensburg, wo jedoch keine israelitische Gemeinde ist, wie in. Rendsburg, zwölf Kinder. Weil die Gemeinde den Zuschuss erhält, zahlt sie die volle Gemeindesteuer. . (1s.) Thorn. Vorstands* und Repräsentanten* wählen. In der hiesigen Synagogengemeinde wurden in letzter Zeit gewählt. Als Repräsentanten auf 4> Jahre wiedergewählt die Herren Dr. wolpe, Arzt; D. Sternberg, Kaufmann; M. Kaliski, Kaufmann; Hermann Moskiewicz, Kaufmann; Max Roth. Kaufmann. Auf 3 Jahre neugewahlt die Herren Hermann Dann, Kaufmann; Siegfried Danziger, Kaufmann; Raphael Wollf, Kaufmann. Als Repräsentanten* -Stellvertreter neugewählt die Herren L. Gasiorowski, Kaufmann; Adolf Lewin, Kaufmann; Adolf Leiser, Kaufmann; Moritz Leiser, Kaufmann. Im RepräsentantenkoUegium verbleiben auf weiteres die Herren Adolph Jacob. Repräsentanten Vorsteher, •ferner H. Dckuczynski, Kaufmann und Rechtsanwalt Fcilchenfels. .— Am 4. Januar 1904 wurden folgende Herren als Synagogen* Vorsteher wiedergewählt die Herren David Wolff. Kaufmann. Vorsitzender; Prof. Dr. Horowitz, Oberlehrer am hiesigen Königl. Gymnasium; C. Danziger. Kaufmann: Jacob Schachtel, Kaufmann und Restaurateur. Herr Mühlenbesitzer Gerson verblieb rm Vorstande. ׳ Am 27. Dezember 1903 verstarb leider plötzlich; ein Vorstandsmitglied.Herr Rechtsanwalt Paul Jacob; wenn auch erst seit kurzer Zeit Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde, hat dieselbe dennoch einen herben Verlust erlitten, denn mit seltener Pflichttreue hat er sich an den Arbeiten der Gemeinde* interessen betätigt Die Einführung der neugowühlten Repräsentanten geschah i am 20. Januar. In der sich anschliessenden Sitzung wurde!’Herr Kaufmann Adolph Jacob zum Vorsitzenden. Herr Dr. J Wolpe zum stellvertretenden Vorsitzenden der Repräsentanten! wiedergewählt. — Am 16. Februar wurden die nougewählten | Vorstandsmitglieder eingeführt. Aus Südrasstand werden Ausschreitungen gegen die Juden gemeldet, die beschuldigt werden, das Volksgefühl herausgefordert zu haben durch die Behauptung, die Rache des Himmels für Kischinew sei gekommen. Ernstlich glaubt niemand an diese Provakation der Juden Der Zweck der ״geduldeten“ Ausschreitungen ist lediglich, wieder die Juden als Landesfeinde zu denunzieren. Der Jagd auf Juden an den russischen Grenzen, weil sie nicht die Mittel haben, den üblichen Grcnzbachschisch zu zahlen, fallen alljährlich eine grosse Zahl von Menschen zum Gpür. Auch in dieser Woche würde ein Fall gemeldet, wäh* rend die meisten überhaupt nicht bekannt werden. Der Wiener .,Zeit" schreibt man aus Huslatyn Lu Galizien, R d.: Ein Vorfall, in dessen Mittelpunkt der Tod eines jungen Mädchens steht, wird hier vielfach besprochen. Seit den letzten Juden- Unruhen in Russland hat die Auswanderung von Juden aus den angrenzenden russischen Bezirken stark zugen« unnten; die meisten Auswanderer gehen nach Amerika. In der Regel erfolgt in der hiesigen Gegend die Grenziibcrschreitung heimlieh bei Nacht und wird von russischen Schmugglern geleitet. Vorgestern nachts wollte ein jüdisches Mädchen . t;s Russland dessen Zuständigkeit noclt nicht fcstgcstcllt ist m:d das. wie man anninunt. zu seinen schon früher ausge.wandcrteu Vcrwandten nach Amerika reisen wollte, auf die erwähnte Weise die Grenze passieren. Ein Bauer trug sie aut den Schultern über den Fluss. Plötzlich krachten Schüsse. Das Mädchen •wurde am Nacken schwer verletzt, der Bauer ebenfalls getroifen. Der russische Grenzsoldat, der geschossen hatte, stürzte herbei und zog die beiden Unglücklichen aus den Fluten. Das Mädchen röchelte nur noch, der Bauer stöhnte unter seinen Schmerzen. Dennoch mussten Sic einige Koibenstösse e!dulden. Mittelst Wagen wurde das Mädchen in das nächstliegende Städtchen Russiscb-Husiatyn gebracht; cs gab jedoch st hon aut dem Transport dahin seinen Geist aut. Der Bauer soll desgleichen seinen Wunden erlegen sein. Russland Ist ein christlicher Staat, Japan ein heidnischer. Nach Meldungen der ״Nowostij“ haben die Bauemgemcinden viu'cr russischen Ortschaften, in welchen die Juden das Aufenthaltsrecht besitzen, zu einem energischen Akte-gegriffen. Sie hielten nämlich Gemeindeversammlungen ab und fassten in denselben folgende Beschlüsse: l. Den Juden und ihren Familien wird keine Wohnung vermietet und auch keine wie immer ge-' artete Dienstvorrichtung bei ihnen• angenommen. 2. Bei den Juden wird nichts gekauit und ebenso nichts an sie verkauft und werden überhaupt alle geschäftlichen und geselligen Bczichungen zu den Juden vermieden. 3. Den Juden werden keine Plätze zum Batte von Häusern oder Verkaufsbuden überlassen und attclt au Markttagen werden ihnen keine Standplätze eilige- ׳räumt. Der Name des roten Meeres. ׳Gewöhnlich wird angenonituen und in den Schulen gelehrt, das rote Meer sei so genannt!׳;,.eit roten Pflaiizenstoffcn. die sich darin befinden. Professor Wiedemaiin klärt in der ״Umschau*■* darüber aui. Die alten Aegypter unterschieden ein schwarzes und ein rotes Land. Jenes war ihr eigentliches Vaterland, das Niltal mit dem dunklen Nilschlumm, jenes der Bereich des rotgclbcn Wüstensandes. womit später alles nicht ägyptische Land identisch war. Das Rote Land ist für den ulten ACgyptcr das Ausland. Das Rote Meer, das übrigens blatte Farbe hat, heisst tti den ältesten Texten ausdrücklich ״das Meer des roten Landes*״, ln späterer Zeit erst wurde cs kurz ״Rotes Meer" genannt. Das ״rote Meer" ist also das ״ausländische Meer". Hierzu eine Beilage. VerantWortl. Redakteur: Dr. Heinrich Loewe, Berlin NW. 40, Lehrterstr. 14/15. Verlag Jüdische Rundschau, £. G. m. b. H. * ־ ‘ ’Berlh1yN. 54 Aaguststrasse 49a. Druck: F. Lenz & Comp., G. m. •b. H.. Berlin ü. 27. Holzmarktstrasse 4. י***ן*י*יץי *®מ *״!CT®;».®® לד1 י• י I

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