Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1> .׳ Seite. 86. JÜDISCHE RUNDSCHAU._י No. 9. :Yorwuri. gl habe nicht nachhaltig gearbeitet, zu verteidigen. Er weist auf den Fortschritt hin, den unsere Bewegung in den Ortsgruppen Düsseldorf, Duisburg und Essen gemacht habe und ferner in den Städten Bielefeld. St Jo- Jiann und Oets^nkirchen, wo Ortsgruppen hn Ent- -stehgi begriffen seien. Er bemerkt roch, dass er in Bonn die Arbeit ganz allein geführt habe und schlies^J mit der Bitte, um Teilung der Arbeit. . Es wird sodann von der Versammlung folgende Reihenfolge der Beratungsgegenstände festgesetzt: 1. Mitteilungen . über die einzelnem Ortsgruppen durch die anwesenden Mitglieder derselben. 2. Organisation des Distriktsbureaus. 3. Tätigkeit für den Nationalfond und Verhalten der offiziellen Presse. Kaufmann spricht Ober den guten Fortgang unserer Sache . In Essen, ferner über das antizionistische Verhalten einiger . Litteratur veraine. berührt die sogenannte Ausländerfrage und wendet sich dann gegen Dr. Edelsteins Bitte um Teilung der ’ Arbeit Er glaube, es werde viel zu viel gearbeitet und Korrespondenz geführt und er mache den Vorschlag, in der ״Jüdisehen Rundsd,'״<“ einen Mittelpunkt zum Austausch der Meinun gen zu schaffen. Epstein berichtet über das (lodeihen der Duisburger OrtsgruDpe. welche Jetzt bereits d'c stattliche Anzahl von 70 Mitgliedern erreicht habe. Im Verlaufe seiner Rede spricht er sich dann im Gegensatz zu Kaufmann für eine Vermehrung der Korrespondenz aus. sowohl der Ortsgruppen unter einander, als auch der OrtsgruDpen mit dem Distriktbureau, um dadurch einen engeren Zusammenschluss zu erziehen. Dagegen könne man viel Geld an den grossen Agitationsrednern sparen. Sic In Duisburg hätten durch kleine Reden und Arbeit im Stillen mehr erreicht, als andere durch grosse Agitationsreden. Erst gestern hätte eine solche Versammlung stattgefanden und der Erfolg waren 9 neue Mitglieder und der Verkauf von 33 Aktien. Dr. Jonas kann rächt von einem Fortschritt sprechen. Er beklagt dass cs in D ü s s e 1 d o r f eigentlich recht wenig überzeugte Zionisten gäbe und tadelt das aggressive Vorgehen unserer Organisation, das uns die Sj'mpathien der Leute verscherze. Die Zahl der Mitglieder der Ortsgruppe betrage 55. Dr. Edelstein ergeht sich über die Schwierigkeit der Verhältnisse in Bonn, wo die führenden Klassen der Juden zum grossen Teil getauft seien. Jedenfalls aber vom Judentum nichts wissen wollen. Trotzdem sei die .Mitgliederzahl der Ortsgruppe auf 34 gestiegen. darunter 3 Vorsteher, deren Kinder nicht getauft seien. Hierauf wendet er sich gegen Kaufmanns Vorschlag, den Schwerpunkt in die ״Jüdische Rundschau“ zu ver- -leVen und erklärt sich endlich aus taktischen Gründen gegen die Gründung von Ortsgruppen aus Ausländern, obwohl er dieselben genau so. wie die Einheimischen anerkenne. Holfmanu hat in Köln nicht viel Erfolge zu verzeichnen. Er sucht den Grund darin, dass hier der Zionismus in Deutschland das Licht der Welt erblickt habe*) und hier der erste Mann gewesen so!, der es gewagt habe, die schlafende Judenheit zu wecken, lieber diesen Störenfried sei man ungehalten und dieser Hass habe sich erhalten. Obwohl Jetzt viele der Bewegurg sympathisch gfigenüberstehen. treten doch nur w־eni«׳e ihr bei. . Dr. Edelstein berichtet über Siegburg. Vor 2 Monaten sei er mit Dr. Dannenberg in dieser Stadt gewesen und habe 12 Mitglieder gewonnen. Dr. Bodenhelmer fügt hinzu, er habe die Aufforderung erhalten, hn Siegburger Litteraturverein einen Vortrag zu halten und er gedenke derselben Fo’ge zu leisten. Jonas spricht über Mülheim. Es wierde daselbst furchtbar gegen den Zionismus gearbeitet, und es sei unmöglich gewesen, die; Mitglicdcrzahl von 23 zu erhöhen. Dr.. Bodenhelmer fasst die Ergebnisse zusammen. In Köln. Duisburg. Essen. Mülheim a. d. Ruhr, Bonn und Siegburg beständen letzt Ortsgruppen mit zusammen 450 organisierten Mitgliedern, eine ganz anständige Ziffer gegen früher. Hierbei Dr. Löwensteln* im Gegensatz zu Dr. Edelstein könne er betonen, dass die Aachener Gemeinde zwar nicht im zionustischen Sinne, aber im allgemeinen jüdischen eine gute Ge- »winde sei wo ein Vorsteher, der seine Kinder taufen lässt, etwas ganz Unmögliches sei. Trotzdem habe er bis jetzt noch keine Ortsgruppe gegründet. Er wolle lieber etwas warten und dann eine Ortsgruppe gründen, die auch blühe und gedeihe, statt sofort eine, die nach einiger Zeit schon dahinvegetierc. Bis Jetzt habe er einen Verein der Jüdischen Jugend gegründet mit 100 Mitgliedern und einen Turnverein mit 30. und er hoffe bald auch eine blühende Ortsgruppe gründen zu können. Er bitte nur um Zeit. Dr. Bodeohefaier empfiehlt dafür zu sorgen, dass der Tumvorein Anschluss an den Jüdischen Verband suche. ,*■) Moses Hass Ist augenscheinlich gemeint( ► Dr. Orgler. ln Barmen bestehe keine Ortsgruppe. Die Gemeinde sei erst 6 Jahre alt und überhaupt wohnen erst seit J5 bis 20 Jahren Juden in dieser Stadt. Dieselben stammten aus aller Herren Länder; daher bestände schon an und für sich kein Zusammenhalt unter denselben. Zudem habe die Gründüng der Loge einen Keil in die Gemeinde getrieben. Er w׳olle aber das Versprechen geben, mit Kol’ege Bernstein dahin zu wirken, mit Elberfeld zusammen eine Ortsgruppe zu gründen. Rechtsanwaii Berustela druckt die Hoffnung aus. dass man ihm. der in Elberfeld früher schon eine Ortsgruppe gegründet habe, w’ohl das Zutrauen schenke, dieselbe zu neuem Leben zu erwecken. Treu verteidigt sich gegen einen vermeintlichen Vorwurf des Vorsitzendem Er habe sehr intensiv gearbeitet, nicht nur in Hagen, sondern auch in der Umgebung. Er habe aber aus denselben Gründen wie Dr. Löwcnstein die Gründung einer Ortsgruppe unterlassen. Ür. Bodenheimer bemerkt, dass er nicht Treu mit seinem. Vorwurf gemeint habe. Jetzt ergreift Kaufmann das Wort, mit der Bemerkung, er sei vorhin nicht richtig verstanden worden. Auch er sei für Zentralisation, aber gegen das überflüssige Schreibwerk. Er spricht dann über Essen und Geisenkirchea wobei er erklärt, das Bestehen eines Vorurteils gegen die Ausländer sei eine Verneinung des Zionismus. Wenn das Vorurteil vorhanden sei, sei eben die Gemeinde nicht reif für den Zionismus, und man müsse w׳arten. Um nochmals auf den ersten Funkt zurückzukommen, er sei gegen den kolossalen Schriftwechsel. Der mündliche Austausch würde viel mehr nützen, und es würde angebracht sein, alle 6 Wochen diese Versammlungen in Köln zu einer ständigen Einrichtung zu machen. Dr. Bodenheimer bemerkt, dass er die Absicht habe, die Herren aus den verschiedenen Ortsgruppen öfters hierher zu bitten, und zwar in der Regel an einem Sonntag. Dr. Edelstein. Zur Sache Gelse nkirchen könne er noch mitteilen. dass die Gelsenkirchner eine Ortsgruppe gründen wol'en und sich von ihm eine Antwort hierzu erbeten haben. Dr. Bodenheimer. Nach Gesagtem sei es am besten, bloss eine Schckelgruppc zu gründen. Kaufmann erbietet sich die Regelung der Sache zu übernehmen, das heisst die Gelsenkirchner aufzufordern, etw'as zu warten. Epstein betont, die Organisation müsse so iest w ie möglich gefügt sein. Die Subordination könne gar nicht gross genug sein. Ec, dürfe kehl autonomes Regiment geben. (Bravo!) Wenn zu schreiben sei. lieber etwas zu viel, als zu wenig. Löwenstein spricht zur Ausländer frage. Für uns ״ibt es keine Ausländerfrage; es gibt nur zionistische Juden, ob sie in Australien oder Deutschland wohnen, ist gleichgültig. Trotzdem muss ich sagen, wir dürfen keine Ortsgruppen gründen, die zum grössten Teil aus Ausländern bestehe, weil es un־׳ poüiisch wäre. Treu kehrt zur Organisationsfrage zurück. Er wünsche Arbeit im Kleinen. So sehr er der Sozialdemokratie abgeneigt sei. ihre Agitationsweise könne er nur bewundernd anerkennen. Ihro Haupterfolgc haben sie durch die Arbeit im Kleinen erreicht Was die Ausländerfrage betreffe, so sei es eine Tat- Sache, dass bei den Einheimischen eine Animosität gegen die Ausländer bestehe und mit dieser Realtatsache müsse man rechnen. Wolffsohn präzisiert seine Meinung dahin; in erster Linie sei Arbeit von Haus zu Haus notwendig. Dann aber, w׳enn auf diese Weise einige Anhänger gewonnen sind, sofort Zusammen- Schluss in einen kleinen Verein zur persönlichen Aussprache. Warten hat keinen Zweck. Zur Korrespondenzfrage bemerkt er: lieberflüssige Korrespondenz sei allerdings ein grosser Fehler, besonders, wenn sie nicht beantworte, werde. Aber gar keine Korrespondenz sei dn noch grösserer Fehler. Wir müssen einen Zusammenhang haben, denn aus ihm schöpfen wir unsere Macht. Selbstverständlich soll Jeder in seiner Ortsgruppe selbständig arbeiten können. Well möchte da, wo die Ortsgruppe eine fluktuierende sein wird, eine Gründung vermieden wissen. Andererseits aber solle man da. wo auch mir wenige ansässige Mitglieder vorhanden seien sofort zu einer Vereinigung schreiten, gleichviel unter welchem Namen. Es wird beschlossen; 1. Die Versammlung spricht den Wunsch aus. dass die Vorsitzenden der Ortsgruppen regelmässis־׳. mindestens aber einmal im Monat dem Distriktbureau Bericht erstatten. 2. Die Versammlung spricht den Wunsch aus, dass alle 8 Wochen wenigstens, eine Versammlung des Distriktbureaus stattfinden solle. Die neuen Schekelblocks. Dr. Bodenheimer erklärt die neuen Schekelblocks und berichtet,• dass die Erfahrungen, die man mit ihn«! gemacht habe.