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Jüdische Rundschau · 1904-02-26 · Heft 9 (26.2.1904) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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י * p Seite 84. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 9. seinem zionistischen Standpunkt aus Dr. Goldschmidt näher zu kommen. Er ging dabei aus von einer angeblich ״authentischen Interpretation“ des zionistischen Programms: für diejenigen, die sich nicht assimilieren wollen oder können. Er glaubt auch, dass Dr. G. die Begriffe Staatsbürgerin! und Nationalität nicht ganz auseinander nalte. , Dr. Goldschmidt weist dies zurück. Er vergleicht die Arbeit der Zionisten und der anderen jüdischen Institutionen mit der der Sozialisten und. der Gewerkschaften. Sodann wendet sich Dr. Neustadt gegen Leute wie Blasse die selber in zionistische Versammlungen einen Misston brächten und dann sagten: ״Seht, so sind die Versammlungen der Zionisten.“ Er glaubt, die geplante Organisation der deutschen Juden könne nur wirken, wenn sie Hand in Hand ginge mit einer ״jüdischen Volkspartei.“ Dr. S a n d 1 e r definiert dann im Schlusswort den deutschen Patriotismus der deutschen Zionisten: Liebe zur Scholle, freudige Erfüllung der Verpflichtungen gegen den Staat. Interesse an der Kultur des Staates. Neben der Rücksicht auf den deutschen Patriotismus gebe es für ihn noch die Rücksicht auf die jüdische Nation. Eine Möglichkeit des Konfliktes seiner jüdischen und deutschen Pflichten kenne er nicht. Er weist auf die Worte des deutschen Kaisers an die Polen hin. Dasselbe gelte von den Juden. Auf den Einwurf Dr. G.’s, das radikale Mittel könnte Schaden bringen, erwidere er: das müsste erst bewiesen werden. Natürlich brachte die Versammlung keine Einigung der gegenüberstehenden Anschauungen. Solche ist ja wohl auch unmöglich, da die Prinzipien zu sehr divergieren: auf der einen Seite: Sorge um Erhaltung des Judentums, auf der andern: rein deutsches Trutzjudentum. Der Abend bewies aber aufs neue die Möglichkeit gemeinsamer Arbeit deutscher Juden aller Richtungen, nicht nur in inner- 0 I i t i s c h e n •D i n g e n, sondern auch in einerziel־ e wussten zweckmässigen Auswandererp o I i t i k. H i 11 e I. f Aus der Bewegung. «$$$$$$$$$$$$$$ 1 mm * *««««© © © ® ״ »- - - | Berlin. Am 12. März (Sonnabend) spricht das Mitglied des engeren Aktionskomitees Architekt Marmorek aus Wien in grosser Volksversammlung über ״Vorgänge im Zionismus“. Näheres später. Unsere Mitglieder werden gebeten, sich für diesen Abend frei ziihalten. Berlin. Dienstag,!..März, abends 8>/2 Uhr, findet im Restaurant Alte Schönhauserstrasse 23 24 die Schluss-General- Versammlung der Akademisch - zionistischen Gruppe für dies Semester statt. Um vollzählige Erscheinen der Mitglieder wird dringend ersucht. I. A.: Dr. R. Loewc. Berliner Zionistische Vereinigung. Am Montag, den 7. März 1904, abends 9 Uhr, findet in der Theerbusch’schen Ressource, Oranienburgerstr. 18, ein P u r i m ־ K o s t ü m f e s t statt, das als Frühlingsfest des Schlemiels gedacht ist. Zur Aufführung wird die tragische Oper ״Die Äfrikanerin oder Wer ist gerecht?“ gelangen. Mbwapwa Jumbo, Chaskel der Schreiber, Chajim Jossel, der politische Wochenschaute׳ der Parnes von Pinne bei Neustädtl und sein Schammes, ein Herero, ein lebendiger Bondelzwart und andere Repräsentanten der Menschheit haben ihr Erscheinen und ihre tatkräftige Mitwirkung zugesagt. Eintrittskarten ü Mk. 1,50 sind in der Expedition der ..Jüdischen Rundschau“ Auguststrasse 49a 1 (4-5 Nachmittags) zu haben. Berlin. Am Montag, dem 29. Februar 19U4, abends 9 Uhr, wird in Dräscl’s Festsälen, Neue Friedrichstrasse 35, ein Zionistischer Purimabend staftfinden, der von jüdischen Studenten aus Russland veranstaltet wird. Das Programm des Abends besteht aus: I. Konzert, 2. Aufführung des Schauspiels in jüdisch-deutscher Sprache ״Zerseit und ze rspreit׳‘ von Scho lern-Alcichem, 3 Vortrag des humoristischen Purimblattes ״H omontasch“ in Jüdischdeutsch. Deutsch, Russisch, 4. Ball. Eintrittskarten ä 1 Mark, sowie Familienkarten ä 3 Mark werden - in der Lesehalle ״Kadimah“, Linienstr. 155, sowie an der Abendkasse ausgegeben. Berlin. Ich habe in diesem Winter nicht viele so nette Abende verlebt, wie den Unterhaltungsabend der ״Jüdisch-nationalen Frauenvereinigung“ am 15. Fehruar im Fürstenberg-Bräu. Man wende nicht ein. ich sei Partei: ich fasse nur kurz das zusammen, was mir von allen möglichen Personen in allen möglichen Tonarten versichert wurde. Sehr wirkungsvoll wurde der Abend eingeleitet durch einen inter-/ essanten Vortrag des Herrn Dr Julius Moses über ״Jungjüdische Kunst“, verbunden mit Rezitationen bekannter jüdischer Dichter, welche der Redner in ergreifender Weise zu .Gehör brachte. Daran reihten sich musikalische u. wieder deklamatonische Vprträge von Frau Wagner-Tauber u. Frl. Paula Cohn. Mir verschafften diese Darbietungen einen wirklichen Genuss, wie ich denn überhaupt nie die schwermutigen Erzeugnisse der jung-jüdischen Muse ohne tiefe Rührung hören kann. Nach den Vorträgen entwickelte sich ein lustiges Treiben in dem grossen Saale. Die tanzende Jugend kam vollauf zu ihrem Rechte, und eine Tombola beglückte viele der zahlreich erschienenen Gäste mit sehr hübsehen Gewinnen. Während der Kaffeepause fanden ernste u. 1 heitere Vorträge von Fräulein Paula Cohn, Herrn Leppiener und zwei Mitgliedern der augenblicklich in Berlin weilenden ן jüdischen Schauspielertruppe reichen Beifall bei den Anwesenden. I Wir sind allen Mitwirkenden sehr zu Dank verpflichtet, dass Zetar (zu Karkas): Was wollen die Töchter des Zelofchad? Karkas: Das hat mir noch gefehlt! ausser der Frau, der Schwiegermutter und der Schwägerin, habe ich noch die Töchter Zelofchad nötig? Abimelech (klingelt): Also, meine Herren! Die Töchter des Zelofchad ersuchen um Unterstützung für das Institut von langgeschossenen Jungfern, — Hm, gewiss sind alle einverstanden. Alle: Einverstanden, einverstanden! A b i m e I e c h (zum Sekretär): Wir können also schon die Sitzung scbliessen! (Zieht die Uhr raus und will aufstehen, alle mit einem Blick auf den Sekretär nach den Uhren und wollen aufstehen.) . * Hegaj: Pardon, pardon, noch eine Eingabe (alle setzen sich wieder auf ihre Plätze, er zieht einen Bogen heraus und lässt dabei zufällig einen Brief fallen. (Den Brief hebt M e h u m a n auf, sieht ihn durch und übergiebt ihn an Biztah, Biztah an Charbonah, dieser an Bigtah, Bigtah dem Abagtah, dieser Zetar, Zetar Karkas. Alle lesen den Brief und lachen, dass sie sich den Bauch halten, während der Sekretär die Eingabe vorliest): ״Eine Petition seitens unseres Petersburger Komitees an uns in Paris. Das Petersburger Komitee schlägt die Gründung eines Auskunftsbureaus vor für die jüdischen Auswanderer, welche jährlich zu Tausenden, Zehntausenden ihre Wohnorte verlassen müssen, verkaufen alle ihre armseligen Mobilien, und wandern in grossem Elend ohne jeglichen Plan, wohin sie, gerade kommen, meistenteils nach Amerika ohne Kenntnis des Landes, der Einwohner, der Landessprache und daraus entstehet vielfach schweres Unglück und Elend, viele verlieren alles, sind dann genötigt zurückzukehren mit gebrochenen Herzen, zerschunden, zerschlagen, moralisch und physisch erschöpft. . . . Ab imelech (zu F ich 01): Herr Baron, was lachen denn unsere Mitglieder heute so herzlich? F i c h o I*: Sie haben einen Brief aufgehoben, welchen unser Sekretär zufällig hat fallen fassen und nun schütteln sie sich vor Lachen. Abimelech (erheitert): Wollen wir sie bitten, uns das Briefchen zu'zeigen. F i c h o I: Sofort (er schreibt auf ein Zettelchen einige )Porter, rollt es zusammen und wirft dem letzten der Mitglieder, dem Karkas zu. Dieser rollt den Zettel auf

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