Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1904-02-26 · Heft 9 (26.2.1904) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
IX (1904)
Issue
Heft 9 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2651341-2651351--01087-2657920
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ko. 9, Seite 83. JODISCHE RUNDSCHAU. f l ' vorderasiatischen Bahnen ln Heft 1 sehr dankenswert und lehrreich, ebenso die Sammelberichte aus den Jüdischen Kolonien. Die kleineren Berichte lassen wir unerwähnt, obwohl sie samt und sonders Interesse bilden. Noch eines aber muss rühmend hervorgehoben werden: Die offene und ehrliche Kritik, die das 2. Heft an einem 1 i o «> nistischen Werke über Palästina und Syrien übt. Wir rechnen es den Herausgebern hoch an, dass sie falsche Rück• sicht bei Seite setzen und das Interesse der Wahrheit über eine falsche Parteisolidarität steilen. Es ist auch nicht alles gut, was zionistisch ist Alles ln allem genommen, haben wir einen ausserordent• lieh hoffnungsvollen Anfang vor uns. Es handelt sich um eine zionistische Qegenwartsarbeit, die doch weit in die Zukunft ausgreift. Anstatt in törichtem Skeptizismus bei Seife zu stehen und abzuwarten, wie sich das Unternehmen entwickelt Sollten wir alle im wohlverstandenen eigenen Interesse Hand , mitanlegcn. Wer mitarbeiten kann, der tue es. Aber auch wir ' andern können helfen: Es sollte keine zionistische Ortsgrupoe geben, die ״Altnculand“ nicht regelmässig bezieht. Sein Inhalt ist die kräitigste Kost für werJeude Zionisten, seine Werbekraft für ernste Juden gar nicht hoch genug anzuschlagcn. Jede Zionsgruppe, die der ewigen Agitationsreden müde »st kann allein durch die Verlesung und Besprechung dieser ersten beiden Hefte sich mehrere genussreiche Abende bcreiten. Wir sind sicher, dass eine solche innere Arbeit — eine unendlich wichtige Arbeit! — die eben geworbenen Anhänger fester an den Zionismus ketten wird als irgend etwas anderes. Elias Auerbach. Breslauer Brief. Im »Verein für jüdische Geschichte und Literatur“ hatte Dr. Alfred Gold Schmidt — ein Mitbegründer der K. C. Verbindungen, die auf dem Standpunkt des Trutz judentums Stehen, — einen Vorträg gehalten, den er »Was nun? eine sozial-politische Betrachtung“ betitelte und in dem er für eine Gesamtorganisation der deutschen Juden eintrat, bei der er die Mitarbeit der Zionisten erwünsche. Diese müssten sich Jedoch von ihren nationalen Prinzipien lossagen; einen Anfang solcher Lossage erblickte Dr. G. in die Annahme der Ostafrika־ expedition. Da der Literatur-Verein Diskussion nicht zulässt, hatte die Breslauer Zionistische Vereinigung einen besonderen Abend zur Diskussion dieses Vortrages angesetzt. Der Saal der Hermann-Loge füllte sich bald so sehr, dass sehr viele M e h u m a n: Unser Präsident mit dem Vizepräsidenten, Charbonah: Reden Sie doch nicht so laut! Bigtah (zu Abagtah): Oho! Er ist schon bei dem Sambation angelangt. Abagtah: Hinter den Bergen der Finsternis. Charbonah: Bitte hören Sie doch auf zu reden! Zetar (zu Karkas): Gott weiss, wann unser Sekretär heute endlich den Sambation überschreitet. Karkas: Seien Sie nur beruhigt, es dauert bei ihm nicht lange. Es dauert ja bei ihm niemals lange ... ein ganz ausgezeichneter Sekretär. Abf mel ec h (klingelt): Meine Herren! Wir haben also nun auch dieses Projekt angenommen, nicht wahr? Alle: Angenommen, angenommen! A b i m e 1 e c h (zu dem Sekretär): Was haben Sie sonst noch? (Zieht die Uhr herans, danach zieht der Vize* Präsident seine Uhr, und darauf holen alle ihre Uhr heraus.) tyegaj; Eine Bittschrift von den Töchtern des Zeiofchad. Abi me lech (zu Pich 01): Wer sind denn die, Pfarpn? Name gänzlich unbekannt. . . P י c h o I; Kennen Sie die Töchter . des Zeiofchad keinen Platz mehr fanden, und Im Nebenraume stehend zu hören sich bemühten; wohl der beste Beweis für das allseitige Verlangen nach dieser Diskussion. - Als SfabSf Redner sprach Dr. Sänd|er. der die Frage -Was nuh?“ in zionistischem Sinne au beanttVOrtfeh suchte. Den ZioniRtert habe Dir. Coidschmidt die Antwort auf seine Frage nicht gegeben. Die Gesamtörganisation der deutschen Juden könne die Judenfrage hiäit lösen, nicht einmal die deutsche Judenfrage. Dennoch begrüssen die Zionisten freudig eine solche Organisation, wenn auch <t׳'ese von den Zionisten nichts würde wissen wollen. Sie habe doch vieles mit dem Streben des Zionismus gemein, und werde manches Gute und Heilsame bewirken. Nie und nimmer, könne tnah iber vöil den Zionisten das Aufgeben ihrer nationalfcn Prihzipien langen. 50lches sei auch nicht durch die Annahme der Ostafnkakommission geschehen, für die nicht einmal zionistische Gelder verwandt werden dürfen, ln der Schaffung der von den Zionisten erstrebten Heimstätte liegt auch kein kultureller Rückschritt, wie Dr. G. in seinem Vortrag behauptet hatte. Die Elemente der Kultur seien kosmopolitisch, in der Freiheit würde sich die spezifisch jüdische Kultur rasch entwickeln. Grade die deutschen Juden haben ja gezeigt, was Freiheit vermag, und die östlichen Juden seien nicht schlechter, sie haben dieselben Ideale, nur lebten sie in einem anderen Milieu, das sie jetzt anders erziehe. Kulturpioniere werden allerdings erforderlich sein, der positive Nutzen werde aber allen zugute kommen. Der Fortbestand des Judentums wäre dann gesichert, es gäbe keine Gefahr durch die Assimilation mehr. Dr. Sandler spricht dann noch über die von anderen (Levita, Rathenau) vorgeschlagenen Lösungen der Judenfrage, die solche nicht seien. Die einzig mögliche und endgiltige biete nur der Zionismus, der nicht Augenblicksarbeit leisten wolle und nicht nur symptomatische Mittel anwende, sondern radikal vorgehe, Dr. G 01 d S c h m i d t, der sofort erwidert, glaubt in dein zionistischen Heilplan die Möglichkeit von Gefahren für die deutschen Juden zu SeHeü. Der Zionisten Ausw andererpolitik Unterschreibe ergänz, aber er hält die Betonung des Nationale« für falsch. Es wolle Ihm nicht einleüchteri, dass man zwei Tiätionate. Gefühle in einer Brust vereinen könne. In der Ostüfrikafrage müsse er trotz der Sandler’schen Ausführung weiterhin ein Abweichen der Zionisten von ihrem nationalen Prinzip erblicken. Ein ״Nachtasyl“ sei eine Unmöglichkeit. Diese Einwände wolle er nur zunächst machen. . Der dritte Redner, ein stud. Blasse, hielt es für angebracht, einen anderen Ton in die bisher ruhig und sachlich verlaufene Diskussion zu bringen. Er vertröstete die russischen Juden auf die Folgen des wahrscheinlichen Sieges von Japan. Als er die Behauptung aufstellte, dass die Zionisten alle jüdische Organisationen nur zu beschimpfen verständen, wurde er vom Leiter der Versammlung, Zahnarzt 5 c h a c h t e I aufgefordert, nichts zu behaupten, was er nicht beweisen konnte, oder aber seine Behauptungen zu beweisen. Das vermochte er nicht, es zog es deshalb vor, abzutreten. Der nächste Redner Rechtsanwalt Schwarz suchte von nicht? Die Töchter des Zeiofchad sind Ihnen, ganz un' bekannt? י . .. Abi mel ec h (leise): Nein, möglich, dass ich vergessen habe. Sinds wenigstens hübsche Dingerchens? Fichol: Oho! Waren einmal die ersten Schönheiten, nur sind sie jetzt schon etwas sehr in die Jahre gekommen... Schöne, aber zu lang geschossene Jungfern... Mehuman (zu Biztah): Was sagen Sie dazu, die da drüben hören absolut nicht auf, sich Geheimnisse zu־, zuraunen. . Biztah: Wer? Mehuman: Unser Präsident und unser Vizepräsident. Charbonah: Reden Sie doch nicht so laut. Bigtah (zu Abagtah): Schau Dir mal den Präsi. denten an — er sieht auf einmal ganz anders aus! Gesicht. Ist so rosig geworden, . Abagtah: Hörst Du! Unser Präsident, ja, wenn er von Damen sprechen hört, da wird er ein ganz anderer. Mensch. . .. c . ‘ . - Charbonah: Aber nicht so laut, man .kann keiij. Wort hören.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.