Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1904)
- Date
- 1904-02-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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» י Seite 75. N0r & JÜDISCHE RUNDSCHAU. Zionistisches aus den Vierziger Jahren. » Der Rabbiner Grünewald In Lehrcnsteinsfcld hatte, wie wir früher gezeigt haben, den Sabbath Nachmu d. J. 5601 (1841) dazu benutzt, um vor der Öffentlichkeit sein nationalr jüdisches Bekenntnis abzulegen: so mag er zwar .einer der ersten Jüdischen Prediger gewesen sein, die sich hierzu bekannten; dass er aber nicht der einzige gewesen ist, dafür möge wenigstens beispielsweise eine Korrespondenz der in unserer ^Rundschau wiederholt genannten Wochenschrift ״Der Orient** von Prof. Dr. Julius Fürst angeführt werden. In No. 25 des Jahrganges 18* *12 enthalt ״Der Orient“ auf Seite 191־ und 195 folgende in diesem Zusammenhänge gewiss nicht uninteressante Mitteilung: ״Wiesbaden, I. Mai‘. I» einem gottesdienstlichen Vortrag welcher von dem israelitischen Rcligionslchrcr und Predige! B. Höciistfidtcr hier am verflossenen Pcssachfcste gehalten wurde und das Thema: ״Worin bestand die chemalige Erlösung Israels zu Moses Zeiten, und worin wird die künftige Erlösung Israels zu Messias Zeiten bestehen?“ behaudelte* kamen im letztem Teile dieser homiletischen Abhandlung: über die politisch-religiöse Seite des israelitischen Messiasglaubens folgende beherzigenswerte Worte vor: Keine Lehre unsrer heiligen Religion ist auf so viele Ungläubigkeit gestossen, hat so viele Verdrehungen erlitten, als die Lehre von einer künftigen Erlösung Israels, als der Mcssiasglaubel Die Einen legten bei den HagadaAVorten ,£ל*ב;רזהבאה כיר.*שלי gemächlich die Hände in den Schooss und erwarteten ohne ihr geringstes liinzutun Wunder über Wunder; während die Andern schon darüber jubelten, dass sie in jetziger Zeit ihre leiblichen Bedürfnisse leichter befriedigen und den irdischer. Vergnügungen ungehindert nachgehen können; — was soll diesen eine geistige Erlösung? da sie längst auf das Messiasreich verzichtet haben! Wir hingegen, m. A.l befragen die heilige Geschichte unseres Volkes, sowie die allgemeine Geschichte der Menschheit, um zu erfahren, was die Messiaszeit dereinst in politischer und religiöser Beziehung für uns sein werde? a) So entfernt uns auch die Annahme scheint, dass Israel wieder zu einem selbständigen Volke, das heilige von unsern Vätern bewohnte Land wieder zu einem indischen Reiche, und Jerusalem, — die ehemals viel berühmte Stadt — wieder zur Lehrstätte des wahren Glaubens werden könnte; so ist solches doch von sämtlichen Propheten1) des Altertums ausdrücklich verkündet, und es widersprechen selbst die Besserdenkenden unter den Nichtisraejiten nicht so ganz dieser Annahme. Es sei damit nicht gesagt, als müssten zur selben Zeit die über den ganzen Erdboden zerstreuten Jchudim samt und sonders nach Palästina wandern. Dazu wäre jenes Land weit zu klein, und ist ja auch bei der zweiten Erlösung unter Cyrus der grössere Teil unseres Volkes in den glücklicher Ländern ihres Aufenthalts zurückgeblieben, ohne dass sie deshalb bei der Wiederherstellung des jüdischen Staates untätig, oder gar teilnahmslos gewesen wären! Auch soll diese Hoffnung Israels unser Pflichtgefühl gegen das V.aterland, worin wir geboren oder wohnhaft sind — gegen den Lamfesvater, unter dessen Szepter wir Schutz und Sicherheit gemessen, ’ keineswegs beeinträchtigen. Soll ja in jener prophetischen Zeit die ganze Welt ein höheres Vaterreich sein, la welchem sich di$ verschiedenen Fürsten und Obrigkeiten biüderlich die Hand bieten werden, um die Menschenkinder aller Zungen, Färben und Länder irn Geiste ihres himmlischen Vaters zu regieren! — Aber dass einst der Name Israel durch den edlem Teil seiner Bekenner wieder in der Reihe der *) Moses V, 30, 1—6. Jesaja 40. Jirmija 3, 14—19. Jecheskel 34. Hosea 1, 20—25. Joel 3 u. 4. Ainos 9. Micha 4. Nachum 2. 1—3. Cl*abakuk 3, 13—19. Zelania 3, H—20. Psalm 46—48. Daniel 12. Völker — mit denen es dann in Eintracht und Frieden leben wird — genannt; dass die verlornen und verfolgten Schafe dieser in alk!r Welt zerstreuten Gottesherde dereinst eftn sicheres Asyl auf Erden finden; dass die von Qott geoffenbarte Religion, —, deren Träger Israel durch alle Zeiten und Räume bis dahin gewesen, — dereinst von jener heiligen Stätte aus, die ursprünglich zur Belehrung der Menschen und Verehrung des Herrn bestimmt war, sich als Weltreligion, über alle Völker verbreiten; dass endlich Israels Gesandten an den Hofen der Grossen und Mächtigen das Wohl ihrer Mitbrüder in allen Landen befördern und sie vor jeder Verfolgung, — durch Gott verheissene Hilfe, — beschützen werden sagt m. Fr.! was steht dieser durch die heilige und weltliche Geschichte bekundeten Annahme entgegen? Hat uns nicht allen in neuester Zeit das Herz geblutet, als unsere Bröide־׳ im Osten, verfolgt vom niedrigen Pöbel und verlassen von denen, welche die Volker leiten und belehren sollten, — das schuldlese Opfer des schmutzigsten Eigennutzes und schändlichsten Glaubenshasses geworden sind? Hat es darauf nicht jedes israelitische Gemüt, ja jedes nur menschlich fühlende Herz innigst t rircut, da jener Moses von England, jener Afiaroii von Frankreich־) gleich ihren Vorgängern in Mizrajim, — als die Gesandten ihrer ganzen Glaubensgenosscnschaft vor die Mächtigen aui Erden hintraten, die Unschuld ihrer .Mitbrüder zrtage förderten und sie von aller weiteren Verfolgung gerettet hatten? Wie nun, Wenn dereinst Israel in allen Ländern, wo seine Glaubensbrüder wohnen, solche ständige Ge- .sandten hätte, welche diese reiigiöse Genossenschaft vor jeglichein Eingriff der Völker in ihre Gewissensfreiheit oder ihre Menschenrechte kräftig beschützen würden? O, es ist dies ein wohltuender Gedanke, der weder unsrer allgemeinen Men•* schenliebe, noch unserer besonderen Vaterlandsliebe, den gerü.gsten Eintrag tut, und der heutzutage selbst von vielen Nichtisraclitcn geachtet und geglaubt wird.3) ,,Denn wie Regen und Schnee herabkommet vom Himmel, dahin aber nicht zurückkehrt, er habe denn getränkt die Erde und sie befruchtet und wachsend gemacht, und Saat gegeben dem Säenden und Brot dem Essenden; also wird mein Wort sein, das aus meinem Munde geht — es wird nicht leer zurückkehren zu mir, es habe denn vollbracht, was ich will und ausgerichtet, wozu ich es gesendet!“ (Jesaja 55, 10 und II) spricht der Herr durch seinen Propheten. Oder soll etwa Israel ein ewiger Spicjball in den Händen falscher Höflinge und selbstsüchtiger Heuchler sein? Soll Israel in seinem weltlichen und kirchlichen Entwickelungsgange einer ewigen Willkür preisgegeben werden, die es bald gewaltig vorwärts treiben, bald hemmend zuriiekdrängen darf? — Israel, dessen Glaubenslehre doch mit den Erkenntnissen der Vernunft so übereinstimmend; Israel — dessen Sittenlehre doch dem Wohl der Staaten so förderlich ist!! — Nein! zu einem edlem Zwecke hat Gott sein Volk nach allen Ländern wandern lassen, zu einer höheren Be- Stimmung es unter seine Menschenkinder gesendet; ״Ihr sollt mir ein pricsterlichcs Reich und ein heiliges Volk sein." (II. M. 19, 6) donnerte es von Sinais Höhen und wie der Priester seiner Gemeinde, so soll Israel den Völkern in den höchsten Angelegenheiten des Lebens, Lehre und Beispiel sein! — Und sollten auch unsere Väter in ihrem Erblande jenem göttlichen Beruf nicht so ganz genügt haben, — dürfen wir deshalb au der Erfüllung dieser heiligen Aufgabe einen Augenblick zweifeln? Sind nicht aus unserer ursprünglichen Religion alle die späteren Bekenntnisse hervorgegangen, die, was sic allgemein Gültiges enthalten, bei ihrer israelitischen Mutter erborgten? Sollte etwa unser Glauben jetzt weniger heilbringend, unsere Hoffnung jetzt weniger wahrscheinlich sein? Mit nicht.ml ״Denn wie Regen etc." (Text) — Und er hat es ja verhdssen — unser Allvater im Himmel — er hat es uns verheissen durch den grössten seiner Propheten, *) D. h. Moses Montefiore und Adolf (Altaron) Cremlcux. *) Das war der Text zur ganzen!*redigt.